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Gamander – verkannter Zierstrauch mit hohem Nutzfaktor

Bei Gamander (Teucrium) handelt es sich eigentlich um eine alte Heilpflanze. Allerdings wird der Halbstrauch auch gerne als Zierpflanze im Garten kultiviert. Wegen seinem niedrigen Wuchs von nur 15 bis 60 cm eignet sich Teucrium hervorragend als Bodendecker. Zudem sind seine rosaroten bis blauvioletten Blüten äußerst dekorativ und zaubern herrliche Akzente ins Gartenbeet.

Gamander
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Von Weitem erinnern die Blütenruten des Gamanders ein wenig an Salbei oder Günsel. Wie diese gehört Teucrium auch zur Familie der Lippenblütler, in der sich noch ganz andere Heilpflanzen tummeln, darunter Günsel, Minze, Rosmarin und Brennnessel. Gerade mit Blick auf den Günsel kommt es dabei relativ häufig zu Verwechslungen. Denn zahlreiche Arten wie etwa der Acker-Günsel (Ajuga chamaepitys) oder der Kriechende Günsel (Ajuga reptans) wurden lange Zeit zur Gattung Teucrium gezählt.

Eine der beliebtesten Gamander-Arten, der Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys) gehört aber nach wie vor zur angestammten Gattung. Er wird heutzutage vorwiegend als Zierpflanze kultiviert. Seine blau- bis rotvioletten, gelegentlich auch weiß-rosa Lippenblüten verschönern das Gartenbeet von Juni bis August. Damit ist Edel-Gamander ein idealer Blütenstrauch fürs Sommerbeet. Und auch im Kräuterbeet kann man die Pflanze ansiedeln.

Gamander als Heilkraut

Mit seinen ätherischen Ölen, Gerb- und Bitterstoffen enthält Gamander drei klassische Wirkstoffgruppen, die auch für viele andere Heilkräuter typisch sind. Diese wirken in erster Linie adstringierend, entzündungshemmend, harntreibend und verdauungsfördernd, weshalb gerade Edel-Gamander in der Volksheilkunde gerne bei
Atemwegsbeschwerden
z.B. Asthma, Bronchitis oder Husten
Verdauungsproblemen
z.B. Appetitlosigkeit, Blähungen, Durchfall, Gallen- oder Magen-Darm-Schwäche
Hautproblemen
z.B. entzündlichen Wunden, Hautentzündungen oder Wundheilstörungen
systemischen Krankheiten
z.B. Gicht oder rheumatische Erkrankungen
genutzt wird. Zur inneren Anwendung stellte man meist einen Tee aus zwei Teelöffeln Gamanderkraut her. Dieser sollte sogar beim Abnehmen helfen, weil er durch seine verdauungsfördernden und entwässernden Eigenschaften bei der Entschlackung des Körpers half. Als Gewürzwein stärkt Gamander ebenfalls die Verdauung. Äußerlich, etwa bei Wunden oder Hautentzündungen, helfen dagegen Umschläge, Heilbäder und Waschungen mit Edel-Gamander.

» Wichtig: Edel-Gamander sollte nur in Maßen genossen werden. Neben all seinen heilsamen Wirkstoffen enthält Teucrium chamaedrys nämlich auch Furano-neo-Clerodane. Sie können bei Überdosierung leberschädigend wirken, weshalb man mit Gamander als Heilkraut sehr sparsam umgehen sollte.

Gamander im Garten

Gamander
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Gamander-Arten wurden als Gartenpflanzen lange Zeit verkannt. Lediglich in ländlichen Gartenkonzepten, wie dem Bauerngarten oder Naturgarten, wusste man ihre rustikale Schönheit zu schätzen. Dabei kann sich eine Kultur von Gamander im Garten lohnen und das nicht nur für Heilkundige. Denn mit dem Gamander holt man sich eine äußerst leistungsstarke Nützlingsweide ins Gartenbeet, die vor allem Bienen magisch anzieht. Bis zu fünf verschiedene Bienenarten haben den Edel-Gamander zu einer ihrer liebsten Pollen- und Nektarquellen auserkoren. Wer Teucrium pflanzt, leistet also einen wichtigen Beitrag gegen das Artensterben der inzwischen stark bedrohten Bienenvölker.

Die Arten des Gamanders sind nahezu weltweit heimisch. Allein in Europa kommen etwa 50 Gattungsarten vor, wobei diese insbesondere im Mittelmeerraum prächtig gedeihen. Dementsprechend eignet sich Gamander ausgezeichnet für mediterrane Gartenkonzepte, wo er mit anderen Mediterrankräutern wie Lavendel oder Salbei wunderbar harmoniert.

Im Steingarten, Steppengarten oder Präriegarten macht sich Gamander ebenfalls recht gut. Sein rustikales Erscheinungsbild passt optimal zum kargen Charme dieser Gartenstile. Weil sich Teuchrium außerdem gut als Bodendecker macht, kann man ihn auch als Beeteinfassung für Blumenbeete und Rabatten im Blumengarten nutzen.

Gute Pflanzpartner für den Halbstrauch sind Blumen und Blütenpflanzen wie

  • Bartfaden
  • Blauraute
  • Dost
  • Heiligenkraut
  • Mädchenauge

» Tipp: Man kann Gamander als Hecke pflanzen. Dadurch ergibt sich gerade im Bauerngarten eine originelle Beeteinfassung, die je nach Sorte sogar wintergrüne Blätter besitzt.

Gamander – Standort und Pflanzung

Gamander Biene
Gamander lockt viele Bienen an | © Maryna / stock.adobe.com
Gamander wünscht sich als Standort sonnige Lagen oder zumindest ein Plätzchen im lichten Halbschatten. Trotz seiner sonnenverwöhnten Art kommt Teucrium im Winter mit Kälte gut zurecht. Der Halbstrauch ist bis -28 °C winterhart und benötigt daher keinen besonderen Winterschutz.

Der Standortboden sollte für die Bedürfnisse von Gamander gut durchlässig, kiesig-lehmig und nicht allzu nährstoffreich sein. Ein gewisser Kalkgehalt des Substrats unterstützt dagegen die Wuchsfreude des Halbstrauchs. Der pH-Wert des Bodens ist für Teucrium mit neutralen bis leicht alkalischen Werten zwischen 6,5 und 8 richtig bemessen.

➔ Gamander pflanzen – Schritt für Schritt

1. Schritt: Auch wenn man Containerpflanzen des Gamanders im Grunde ganzjährig pflanzen kann, sollte man ihn am besten im Frühling pflanzen. Der Halbstrauch hat dann bis zum Winter genug Zeit, sich am Standort zu etablieren. Das macht ihn robuster, sodass er bestens gegen die kalte Jahreszeit gefeit ist.

2. Schritt: Optimieren Sie den Standortboden vor der Pflanzung gut vor. Zu schwere Substrate sollten mit Kies angereichert, sowie mit einer Kiesdrainage versehen werden. Ist der Boden zu nährstoffreich, können Sie ihn mit Kalkpulver abmagern.

3. Schritt: Der richtige Pflanzabstand für Gamander beträgt bei Beetpflanzungen ca. 20 bis 30 cm. Pro Quadratmeter sollten also nicht mehr als 9 bis 12 Pflanzen stehen. Wer den Halbstrauch in kleinen Grüppchen oder als Heckenpflanze kultivieren möchte, kann den Abstand auf einen Mittelwert von 20 bis 25 cm reduzieren. Dadurch ergibt sich ein dichter Wuchs, der bei Gruppenpflanzungen besonders schön zur Geltung kommt.

Gamander gießen und düngen

Gamander ist an trockene Böden relativ gut angepasst, wächst er an seinen natürlichen Standorten doch bevorzugt auf Trockenwiesen und in Felssteppen. Nichtsdestotrotz sollte das Substrat nicht dauerhaft vollständig austrocknen. Gegossen wird die Staude daher am besten mäßig aber regelmäßig.

Unnötig ist bei Gamander dagegen eine regelmäßige Düngung. Da die Pflanze humus- und nährstoffarme Böden liebt, reicht es aus, alle paar Jahre etwas Komposterde oder Hornspäne im Wurzelbereich zu verteilen.

Gamander schneiden und vermehren

Ob Gamander geschnitten werden muss oder nicht, hängt einerseits von der jeweiligen Art ab. Andererseits bestimmt auch die Kulturvariante den Schnittbedarf. Kleinwüchsige Arten wie der Knoblauch-Gamander (Teucrium scordium) werden beispielsweise nur 10 bis 14 cm hoch. Ein Schnitt ist bei dieser geringen Wuchshöhe kaum nötig.

Heckenkulturen und größere Strauchpflanzungen aus Arten wie dem Edel-Gamander oder Wintergrünen Gamander (Teucrium x lucidrys) benötigen dagegen einen gelegentlichen Formschnitt. Darüber hinaus kann ein Rückschnitt im Herbst bei höheren Sorten die Blühfreudigkeit verbessern.

➔ Formschnitt am Gamander

Um eine kompakte Wuchsform des Gamanders zu unterstützen, sollten Sie vor allem Ausläufer der Pflanze gezielt zurückschneiden. Der Halbstrauch kann seine Energie dann wieder besser in den Wuchs der Haupttriebe investieren. Da Teucrium außerdem sehr schnittverträglich ist, lassen sich bei einem umfangreichen Formschnitt im Juli auch anspruchsvolle Formgebungen vornehmen.

➔ Rückschnitt am Gamnder

Im Herbst schneidet man größere Gamander-Arten vollständig zurück. Kürzen Sie hierzu alle Triebe auf eine Länge von 10 cm bodennah ein. Im Frühling treibt der Halbstrauch dann wieder kräftig nach. Außerdem kann man durch das Entfernen unreifer Samenstände eine unkontrollierte Selbstaussaat des Gamanders vermeiden.

➔ Verjüngungsschnitt am Gamnder

Ältere Gamandersträucher neigen dazu, von innen heraus zu verkahlen. Schuld daran sind meist die schlechten Lichtverhältnisse in der Strauchmitte. Aus diesem Grund sollte zusätzlich zu den saisonalen Schnittmaßnahmen alle paar Jahre ein Auslichtungsschnitt vorgenommen werden. Entfernt werden hier vornehmlich krumm wachsende und kümmerliche Triebe.

» Tipp: Aus den abgeschnittenen Trieben des Gamanders kann man wunderbar Stecklinge zur Vermehrung des Halbstrauchs entnehmen. Pflanzen Sie die Stecklinge einfach in einen Topf mit Anzuchterde oder direkt an eine gewünschte Stelle im Freilandbeet. Das klappt auch mit Ausläufern sehr gut, die auf die selbe Weise verpflanzt werden. Alternativ kann man ältere Pflanzen auch durch Wurzelteilung vermehren.

Gamander-Arten für jeden Zweck

Von den gut 250 Arten der Gattung Teucrium eignet sich nicht nur der Edel-Gamander für eine Gartenkultur. Viele Gamander-Arten werden bereits seit dem 18. Jahrhundert kultiviert, wodurch diverse Zuchtsorten mit unterschiedlicher Wuchshöhe und Blütenfarbe entstanden. Ein paar der schönsten Arten- und Sortenempfehlungen finden Sie nachstehend.

➔ Baum-Gamander (Teucrium fruticans)

Baum-Gamander
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Baum-Gamander (Teucrium fruticans)
Blütezeit: März bis Oktober
Blütenfarbe: seltene blaue Blüten
Wuchshöhe: 250 cm
Besonderheiten: ein besonders hoch wachsender Gamander mit einmaligen blauen Blüten;
eignet sich wunderbar als Strauch- oder Heckenpflanzung, ist jedoch etwas weniger frostfest
beliebte Sorte: ‚Azureum‘ – tiefblaue Blüten und silbergrüne Blätter

➔ Berg-Gamander (Teucrium montanum)

Berg-Gamander
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Berg-Gamander (Teucrium montanum)
Blütezeit: Juni bis September
Blütenfarbe: cremeweiß bis hellgelb
Wuchshöhe: bis zu 25 cm
Besonderheiten: vergessene Heilpflanze, von der es heißt, sie belebe die Toten;
wirkt kreislaufanregend und vitalisierend;
ist außerdem ein echter Geheimtipp unter den winterharten Alpingarten- und Steingartenpflanzen

➔ Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys)

Edel-Gamander
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Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys)
Blütezeit: Juni bis August
Blütenfarbe: violett
Wuchshöhe: bis zu 30 cm
Besonderheiten: der Traditions-Gamander für den Garten;
auch als Echter Gamander bekannt;
wird als Zierstrauch und Heilkraut kultiviert
beliebte Sorten: ‚Album‘ – üppiger weißer Blütenflor
‚Christine‘ – hellrosa bis purpurfarbene Blüten
‚Nanum‘ – lila Blüten
‚Schneeflocke‘ – weiße Blüten
» Mehr Bilder und Daten anzeigen

➔ Katzengamander (Teucrium marum)

Katzengamander (Teucrium marum)
Blütezeit: Juni bis Juli
Blütenfarbe: rot-violett
Wuchshöhe: bis zu 30 cm
Besonderheiten: beliebtes Duft- und Gewürzkraut;
wird gern als mehrjährige Kübelpflanze für den Balkon oder die Terrasse kultiviert;
im Freiland allerdings deutlich frostempfindlicher als andere Gamander-Arten

➔ Kaukasus-Gamander (Teucrium hircanicum)

Kaukasus-Gamander
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Katzengamander (Teucrium marum)
Blütezeit: Juni bis Oktober
Blütenfarbe: weinrot
Wuchshöhe: bis zu 60 cm
Besonderheiten: sehr hochwachsende Gamander-Art, die wegen ihrem dichten und aufrechten Wuchs ideal für Heckenpflanzungen ist;
der Dauerblüher kommt im Beet schön mit Pflanzpartnern wie Federgras oder Purpursonnenhut zur Geltung

beliebte Sorte: ‚Paradise Delight‘ – wächst etwas kompakter

Krankheiten und Schädlinge

Es sind keine besonderen Schadbilder am Gamander bekannt.

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