Tiere

Igel füttern – das müssen Sie beachten

Igel können sich selbst versorgen, Lediglich kranke oder geschwächte Tier sollten gefüttert werden. Dabei kann das falsche Futter dem Igel zusätzlich schaden.

Igel füttern
© brianwhittaker / stock.adobe.com

Wird ein Igel im Garten gesichtet, wird dieser beinahe automatisch als hungrig und hilfebedürftig angesehen und mit Milch oder Katzenfutter versorgt. Viele Menschen schätzen die Situation falsch ein und schaden den Tieren dabei mehr als ihnen wirklich geholfen ist. In einigen Situationen bedürfen Igel aber tatsächlich unserer Hilfe. Wie Sie sich den Tieren gegenüber richtig verhalten und was wirklich in den Igel-Futternapf gehört, kann im Folgenden nachgelesen werden.

Igel benötigen in der Regel keine Fütterung!

Im Normalfall bietet die Natur den Igel einen gut gefüllten Speisezettel und ein Zufüttern ist nicht notwendig. Ein Igel lässt selten eine Mahlzeit aus und wird das Futterangebot besorgter Tierfreunde bereitwillig annehmen. Allerdings kann durch die fortwährende Nahrungsverfügbarkeit der Zyklus der Tiere gestört werden. Wird die Nahrung in der Natur knapp, ziehen sich Igel für den Winterschlaf in ihr Winterquartier zurück. Ist auch, wenn es kälter wird, genug Fressen vorhanden, verpassen die Tiere die Winterruhe.

Junge Igel erscheinen uns besonders schutzbedürftig. Werden diese regelmäßig gefüttert, verlassen sie sich auf den Futternapf und erlernen die Suche nach Insekten nicht wie es die Natur vorgesehen hat. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen nicht wissen, was wirklich auf den Speisezettel eines Igels gehört. Die Folge der Mangelernährung können Entwicklungsstörungen, Fehlbildungen und Verdauungsstörungen sein. Werden Futterstellen angelegt, müssen diese regelmäßig gründlich gereinigt werden. Wird der Futterplatz von verschiedenen Igeln aufgesucht, können Krankheiten übertragen werden.

Achtung: Vom grundsätzlichen Füttern von Igeln ist dringend abzuraten. Nur in bestimmten Ausnahmefällen sind die Tiere auf unsere Hilfe angewiesen.

Wann sollte man Igel füttern?

Igel füttern - Gewicht
Igel müssen für den Winterschlaf ein bestimmtes Gewicht erreichen – © ZIHE / stock.adobe.com

Im Frühling und Sommer ist es in der Regel nicht notwendig, Igel mit Futter zu versorgen. Abhängig von der Wetterlage bereiten sich Igel zwischen Oktober und November auf den Winterschlaf vor. Tierfreunde sollten herum streifende Igel nun genauer in Augenschein nehmen.

Damit die Tiere den Winter unbeschadet überstehen, müssen sie ein bestimmtes Gewicht erreicht haben. Gefährdet sind besonders Muttertiere, die durch Geburt und Aufzucht der Jungtiere an Energie eingebüßt haben. Auch spät geborener Nachwuchs hat es oft schwer, sich den notwendigen Winterspeck anzufressen.

Als Faustregel gilt:

  • Jungtiere müssen 500 bis 700 Gramm wiegen
  • ältere Igel sollten 1.000 Gramm auf die Waage bringen

Dies ist natürlich nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Folgende Anzeichen deuten darauf hin, dass der Igel auf Hilfe angewiesen ist:

  • Igel begibt sich bei Tage auf Futtersuche
  • seine Augen sind eingefallen
  • hinter dem Kopf zeigen sich Einbuchtungen
  • seine Statur wirkt birnenförmig

Werden die Igel im Herbst im Garten angetroffen, werden sie im Freien gefüttert. Igel, die nach Frosteinbruch noch im Freien unterwegs sind oder zu früh aus dem Winterschlaf erwachten, müssen in menschlicher Obhut versorgt werden.

Tipp: Diesbezüglich können die örtlichen Tierheime oder die Igelhilfe kontaktiert werden.

Nach dem Winterschlaf müssen sich die ausgehungerten Tiere schnell mit Futter versorgen. Bei milder Witterung werden ausreichende Insekten unterwegs sein. Unbeständiges Wetter und Bodenfrost können ein Zufüttern rechtfertigen.

Was dürfen Igel fressen?

Igel füttern - Regenwürmer
Keine Regenwürmer oder Schnecken verfüttern – © inkevalentin / stock.adobe.com
Bei der Igelfütterung herrscht leider vermehrt Unkenntnis über die artgerechte Ernährung der Tiere.

Der natürliche Speiseplan des Igels sieht wie folgt aus:

  • Regenwürmer
  • Käfer
  • Schnecken
  • Larven
  • Spinnen

Wer sich nun auf die Suche nach Schnecken und Regenwürmern macht, tut den geschwächten Tieren keinen Gefallen. Diese Kleintiere können Innenparasiten übertragen. Gesunde und kräftige Igel können sich dagegen wehren. Für schwache und kränkliche Tiere kann die natürliche Nahrung dagegen zur Gefahr werden.

Mögliche Alternativen

Igeltrockenfutter

Im Handel ist gebrauchsfertiges Igeltrockenfutter erhältlich. Dies ist jedoch nur bedingt geeignet und sollte nicht über einen längeren Zeitraum als Alleinfuttermittel eingesetzt werden. Beim Kauf ist auf die Zusammensetzung zu achten.

Einige Mischungen enthalten zum Großteil Nüsse, Getreide oder Obst. Diese Nahrungsbestandteile frisst ein Igel in freier Natur nur in Ausnahmesituationen und kann sie nur schlecht verdauen. Wer zu Fertigmischungen greift, sollte auf einen hohen Anteil an Rohprotein (30 Prozent und mehr) und Rohfett (ab 20 Prozent) achten.

Tipp: Wir haben uns mal schlau gemacht, welches Fertigfutter für Igel geeignet ist und sind bei Amazon auf das Dehner Natura Igelfutter gestoßen. Es ist zwar etwas teurer, erfüllt aber die Anforderungen an ein gutes Igelfutter.

Katzenfutter

Gemeinhin gilt Katzenfutter als ideale Igelnahrung. Dies stimmt jedoch nur bedingt. Bei Katzennahrung gibt es deutliche Qualitätsunterschiede. Billigfutter besitzt einen ausnehmend geringen Fleischanteil und wird größtenteils aus Schlachtabfällen und künstlichen Zusätzen hergestellt. Nicht selten enthält minderwertiges Katzenfutter Zucker.

Billiges Katzenfutter führt bei Igeln zu Mangelerscheinungen, Durchfall, Stachelverlust und Zahnproblemen.

Nassfutter für Katzen ist für die Fütterung geeignet, wenn der Fleischanteil bei 60 Prozent und darüber liegt. Katzenfutter kann mit Igeltrockenfutter, gekochtem Fleisch, Fisch oder Ei aufgewertet werden.

Nahrhaftes Igelfutter zusammenstellen

Ein nahrhaftes Igelfutter kann sich jeder selbst anmischen:

  • Katzenfutter
  • Igeltrockenfutter
  • Haferflocken
  • Weizenkleie
  • gekochtes Fleisch
  • gekochtes Ei
  • gekochter Fisch

Tipp: Hundehalter können auch das Nassfutter ihres Vierbeiners verwenden. Katzenfutter ist aufgrund des höheren Proteinanteils aber generell besser geeignet.

Diese Leckerbissen schmecken Igeln:

  • Rinderhackfleisch – mit Sonnenblumenöl oder Maiskeimöl angebraten
  • Geflügelfleisch – gekocht mit Knochen
  • Eier – ungewürztes Rührei oder hart gekocht

In den Trinknapf gehört ausschließlich frisches Wasser. Geschwächte Tiere, die schlecht fressen, können warmes Wasser, Kamillen- oder Fencheltee bekommen, notfalls mit einer Einwegspritze verabreicht.

Tipp: Frisst ein Igel schlecht, kann etwa reife Avocado gegeben werden.

Was dürfen Igel nicht fressen?

Igel füttern - Milch
Igel vertragen keine Milch! – © Alexey Khromushin / stock.adobe.com
Die größte Sünde auf dem Speiseplan des Igels ist das beinahe obligatorische Schälchen Milch. Igel leiden unter Laktoseintoleranz und können folglich den in Vollmilch enthaltenen Milchzucker nicht verdauen. Die Folge sind schwere Durchfälle. Bereits stark geschwächte Tiere können daran sterben.

Folgende Nahrungsmittel werden von Igeln ebenfalls schlecht vertragen:

  • Obst
  • Gemüse
  • Nüsse
  • Trockenfrüchte
  • Kuchen
  • Reis
  • Nudeln
  • Brot

Die Igelnahrung sollte keinerlei Gewürze enthalten. Daher gehören auch die Speisereste vom Familientisch nicht in den Fressnapf. Fleisch, Fisch oder Eier dürfen niemals roh gefüttert werden.

Weit verbreitet ist die Annahme, dass Mehlwürmer den Speisezettel des Igels bereichern. Wirklich notwendig ist das Zufüttern von Mehlwürmern nicht. Die Anzahl sollte auf drei Würmer täglich reduziert werden. Mehlwürmer entziehen dem Igel die Vitamine. Infolgedessen kann es zu Lähmungen kommen.

Wie bereits erwähnt, sollten in der Obhut des Menschen versorgte kranke und geschwächte Tiere keinesfalls mit Schnecken, Regenwürmern oder anderen lebenden Kleintieren gefüttert werden. Diese gelten als Überträger von Lungenwürmern oder Darmhaarwürmern. Damit kann die natürliche Nahrung für schwache und untergewichtige Tiere, die ohnehin meist bereits von Parasiten belastet sind zur tödlichen Falle werden.

Für Schnellleser: Speisezettel des Igels

erlaubtes Igelfutterungeeignetes Igelfutter
  • Igeltrockenfutter
  • hochwertiges Nassfutter für Katzen oder Hunde
  • Haferflocken
  • Weizenkleie
  • gekochtes Fleisch
  • gekochter Fisch
  • gekochte oder gebratene Eier
  • gebratenes Hackfleisch
  • Wasser
  • Milch
  • rohes Fleisch
  • roher Fisch
  • rohe Eier
  • Gewürze
  • Obst
  • Gemüse
  • Nüsse
  • Regenwürmer
  • Schnecken
Foto1: © brianwhittaker / stock.adobe.com, Foto2: © ZIHE / stock.adobe.com, Foto3: © inkevalentin / stock.adobe.com, Foto4: © Alexey Khromushin / stock.adobe.com

1 KOMMENTAR

  1. Hallo.
    Inzwischen gibt es so wenige Insekten, dass Igel auch im Sommer verhungern und verdursten. Bitte dringend überarbeiten!

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