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Wegwarte – Pflanzen, pflegen und vermehren

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Die Wegwarte mit ihren blauen Blüten ist häufig an Wegrändern anzutreffen. Aber auch im Garten kann die beliebte Heilpflanze gehalten werden. Voraussetzung ist der richtige Standort.

Wegwarte - Pflanzen, pflegen und vermehren
© yurich84 – Fotolia.com

Bei der Wegwarte (Cichorium intybus var. intybus) handelt es sich nicht nur um die Blume des Jahres 2009, die bereits seit dem Jahr 1753 bekannt ist, sondern auch um eine beliebte Heilpflanze, die durchaus an vielen Wegesrändern anzutreffen ist. Daher erhält die Wegwarte auch ihren Namen. Immerhin scheint die robuste, wenig krankheits- und schädlingsanfällige Pflanze an den Wegesrändern auf die vorbeigehenden Menschen geradezu zu warten. Mit ihren leuchtend blauen Blüten erreicht die Pflanze eine Wuchshöhe von gut einem Meter. Die Blätter der vielseitig einsetzbaren Pflanze erinnern im Übrigen an Löwenzahn. Dies führt dazu, dass Verwechslungen vor allem im Jungpflanzenstadium nicht auszuschließen sind.

Die heimische Staude, die auch als Gemeine Wegwarte bezeichnet wird, ist außerdem dafür bekannt, dass sie Bienen geradezu magisch anzieht. Somit herrscht dann ein wildes Treiben im eigenen Garten. Bei der Heil- und Medizinpflanze handelt es sich darüber hinaus um eine sehr alte Kulturpflanze, die kaum an Beliebtheit eingebüßt hat. In der Vergangenheit wurden einige Pflanzenbestandteile sogar zu Bohnenkaffee beigemischt, um so für ein besonderes Aroma zu sorgen.

Die Nutzung der Wegwarte als Heilpflanze

Vor allem aufgrund ihrer äußerst vielseitigen Einsatzmöglichkeiten ist die Wegwarte als Heilpflanze so beliebt. Für alle Diabetiker wird die Gemeine Wegwarte zum Beispiel als Stärkeersatz gehandelt. Doch selbst bei Ekzemen und Hautkrankheiten verspricht die Pflanze Linderung auf rein natürlicher Basis. Um die folgenden Organe zu reinigen, wurde die Wegwarte in der Vergangenheit ebenso häufig genutzt:

  • Galle
  • Nieren
  • Leber
  • Milz

Darüber hinaus ist die Kulturpflanze, die zu der Gattung der Asteraceae gehört, auch gut fürs Gemüt. Immerhin sagt man der Heil- und Gemüsepflanze eine stressreduzierende Wirkung ebenso nach wie einen psychorelaxierenden und sedativen Effekt. In der pharmazeutischen Industrie werden verschiedene Inhaltsstoffe der Gemeinen Wegwarte noch heute verwendet – und zwar sowohl zur innerlichen als auch zur äußerlichen Anwendung. Dabei sind nicht nur Heilkraut-Rezepte für Diabetiker, sondern auch für die folgenden Krankheitsbilder bekannt:

  • Anämie
  • Appetitlosigkeit
  • Augenentzündungen
  • Asthenie
  • Gelbsucht
  • Haut – zum Beispiel Ekzeme
  • Gicht
  • Rheuma
  • Stoffwechselstörungen
  • bei Problemen im Bereich der Bauchspeicheldrüse
  • Verstopfungen

Da es sich um ein Wildkraut handelt, welches auch verzehrt werden kann, wurde die Wegwarte in der Vergangenheit unter anderem für eine frühjährliche Gesundheitskur eingesetzt.

Wichtige Inhaltsstoffe der Wegwarte

Um die Bedeutung der Wegwarte sowohl als Heilpflanze, sowie auch in der heimischen Küche zu verstehen, bietet sich ein Blick auf die Liste einiger der besonderen Inhaltsstoffe der ungiftigen Pflanze, die vor allem an Wegesrändern, auf Äckern sowie an Fluss- und Bahndämmen zu finden ist, an. Diese lauten wie folgt:

  • Eisen
  • Folsäure
  • Cholin
  • Bitterstoffe
  • Zink
  • Vitamin B und C
  • Selen
  • Inulin
  • Gerbstoffe/ -säure
  • Kalium
  • Inbytin
  • Harz
  • Petein
  • Mannan
  • Lacoulin
  • Zucker
  • Ätherisches Öl
  • Kalisalze

Wer die Wegwarte zur Verwendung als Heilpflanze oder in der Küche gezielt sammeln möchte, was im Freiland ohne Probleme möglich ist, sollte das Kraut von Juni bis September einsammeln. Die Blüten lassen sich hingegen am besten von Juli bis September sammeln, während die folgende Sammelzeit für die Wurzeln der Gemeinen Wegwarte ideal ist:

  • März
  • April
  • Oktober
  • November

Legenden und Gerüchte – eine ganze besondere Pflanze

Zur Gemeinen Wegwarte hat man sich in der Vergangenheit auch viele Geschichten erzählt. Man sagte der Pflanze zum Beispiel nach, dass es sich bei diesem Gewächs um eine Jungfrau, die man zu einem Gewächs verwandelt habe, handeln würde. Während der Liebste der Jungfrau im Krieg leider sein Leben hatte lassen müssen, wollte sich die junge Frau mit diesem Schicksal einfach nicht abfinden. Aus diesem Grund wurde sie zur Wegwarte – mit ihren schönen blauen Augen konnte sie am Wegesrand fortan auf ihren Liebsten warten und wartet dort leider noch heute.

Während sich die Jungfrau die Verwandlung zur Wegwarte ausdrücklich gewünscht haben soll, gibt es auch eine andere Legende, welche diese Pflanze als echte Glückspflanze beschreibt. Vor allem dem Jägers Glück könne das Heilkraut demnach auf die Sprünge helfen und seine Treffsicherheit merklich verbessern. Allerdings müsse ein bestimmtes Ritual durchgeführt werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Diese Ritual muss am Tag des Heiligen Jakob, sprich dem 25. Juli, stattfinden. An diesem Tag sollten die Jäger die Gemeine Wegwarte mit Hilfe von einem Goldstück aus der Erde ausgraben. Den Wurzelstock sollten sie dann an sich nehmen und ihn fortan immer als Glücksbringer bei sich führen.

Volkstümliche Namen für die Wegwarte

Da es sich um eine legendenumwobene Pflanze handelt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Gemeine Wegwarte unter vielen volkstümlichen Namen bekannt ist. Diese lauten unter anderem:

  • Hasenmilch
  • Blaue Distel
  • Wasserwart
  • Irenhart
  • Hundsläufte
  • Zigori
  • Hartmann
  • Rauher Heinrich
  • Wilder Endifi
  • Zichori
  • Zigeneuerblume
  • Wegleuchte
  • Kaffeekraut
  • Sonnendraht
  • Arme-Sünder-Blume
  • Sonnenblume

Weitere Besonderheiten der Wegwarte

Doch nicht nur die Legenden um die Wegwarte machen die Pflanze so besonders. Vielmehr legt das Heilkraut auch ein ganz besonderes Verhalten an den Tag, von dem sich viele Beobachter äußerst fasziniert zeigen. Während sich die Blüten am frühen Morgen öffnen, um in ihrer vollen blauen Pracht zu erstrahlen, schließlich sie sich in den frühen Nachmittagsstunden wieder. Dies geschieht meist um circa 15:00 Uhr, wenn die Pflanze sozusagen „zu Bett geht.“ Trübes Wetter kann sogar dazu führen, dass die Pflanze ihre Blüten noch früher verschließt und ihre volle Schönheit dann vor dem Betrachter versteckt.

Nicht nur rein optisch kann die Wegwarte verzücken, sondern auch diese Eigensinnigkeit der Pflanze macht sie in einem Hobbygarten mit Sicherheit zu einem echten Hingucker. Noch dazu kann die Wegwarte sogar zu einem schmackhaften Wildsalat verarbeitet werden und hat sich als überaus bienenfreundlich erwiesen.

Gewissermaßen kann die Wegwarte als Urform von bekannten Wintersalatsorten wie dem Radicchio, Zuckerhut oder Chicorée angesehen werden, da diese Pflanzen recht eng miteinander verwandt sind. Das gilt auch für die Wegwarte und den Endiviensalat. In Saucen und Suppen kann die Wegwarte sogar als Ersatz für Spinat genutzt werden. Da die Blätter der Wegwarte mitunter recht bitter schmecken, ist es sinnvoll, wenn diese über mehrere Stunden in Wasser eingeweicht werden, da sie dann an Bitterstoffen verlieren, was sich positiv auf den Geschmack auswirkt.

Wer die Wegwarte im Spätsommer ausgräbt, kann die Pflanze anschließend trocknen und sie im völlig getrockneten Zustand zu einem groben Pulver mahlen. Dieses sollte dann noch in einer Pfanne geröstet werden. Dann erst lässt sich das Pulver mit heißem Wasser aufbrühen, um so ein schmackhaftes Getränk zuzubereiten, welches der eine oder andere Hobbygärtner vielleicht sogar noch von seiner Großmutter kennt. Dann ist auch vom sogenannten Zichorienkaffee, also einer Art heimischen Kaffee für arme Leute, die Rede.

Über den Wuchs der Wegwarte

Am liebsten lässt sich die Wegwarte auf großzügigen Freiflächen einsetzen, wobei sie auch als einzelne Beetstaude verwendet werden kann. Ein Pflanzabstand von rund 55 Zentimetern ist daher sinnvoll. Dies entspricht einer Verteilung von drei bis fünf Pflanzen auf einer Fläche von einem Quadratmeter. Bei ihrem rosettenartigen Wuchs kann die Gemeine Wegwarte eine Höhe von rund 60 bis 100 Zentimetern erreichen. Die Breite der Pflanze beläuft sich dabei auf gut 50 bis 60 Zentimeter. Die einfachen Blüten sind meist von einer hellblauen Farbe, sowie von einer strahlenartigen Formgebung gekennzeichnet.

Mit einer Größe von weniger als fünf Zentimetern fallen die Blüten zudem recht klein aus. Die Blütezeit der Wegwarte erstreckt sich von Juli bis September, so dass die Pflanze gewiss nicht zu der Gruppe der Frühblüher im eigenen Garten zählt. Wie bereits angesprochen, ähneln die Blätter die des Löwenzahns. Im Herbst wirft die Pflanze die matten, derben Blätter als dunkelgrünes Laub ab.

Welchen Standort bevorzugt die Wegwarte?

Wegwarte Blüten
© Dinadesign – Fotolia.com

Diese heimische Wildstaude wünscht sich einen frischen bis trockenen Boden und sollte daher vor Staunässe geschützt werden. Außerdem muss der Boden ausreichend nährstoffreich, sowie reich an Humus und lehmig bis sandig sein. Sonne bevorzugt die Gemeine Wegwarte ebenso, wenn sie im Außenbereich wie folgt verwendet wird:

  • im Beet
  • im Kräutergarten
  • im Freiland

Auch wenn es sich bei der Wegwarte eigentlich um eine Schönwetterpflanze handelt, passt sie sich extremeren Bedingungen vergleichsweise gut an. Je höher der Nährstoffgehalt des Bodens, desto mehr sprießt die Wegwarte in die Höhe. Ein leicht alkalisches Beet mit einem pH-Wert von 6,5 bis 7 sagt der Wegwarte sehr zu. Dort gedeihen die langen, kräftigen Wurzeln der mehrjährigen, winterharten Staude dann prächtig.

Die passenden Pflanzpartner für die Wegwarte finden

In einem Beet mit einer Mischung aus mittelhohen und hohen Stauden macht sich die Wegwarte sehr gut. Am meisten sind Pflanzpartner zu empfehlen, die einen ähnlichen Standort wie die Heilpflanze bevorzugen. Dies ist zum Beispiel bei diesen Gewächsen der Fall:

  • Johanniskraut (gelb)
  • Origanum (rosafarben)
  • wilde Möhre (weiß)
  • Scabiosenflockenblume (lila)
  • Malven (rosa)

Sofern diese Pflanzpartner miteinander kombiniert werden, ist so für eine prächtige Farbvielfalt im eigenen Garten gesorgt.

Die Wegwarte vermehren und im eigenen Garten verbreiten

Dank der Selbstaussaat verbreitet sich die Wegwarte im eigenen Garten mitunter sogar stärker, als dies dem einen oder anderen Hobbygärtner wohmöglich lieb ist. Da es sich bei den Wegwarten um sogenannte Dunkel- und Warmkeimer handelt, ist die gezielte Aussaat im eigenen Garten allerdings erst ab den Monaten April oder Mai zu empfehlen.

Sofern die Wegwarte als Jungpflanze im Garten angepflanzt werden soll, passiert dies am besten im Frühjahr. Vor allem Stauden- und Wildpflanzengärtnereien haben sich auf das Angebot von Wegwarten als Jungpflanzen und als Saatgut spezialisiert. Wegwarten einfach aus der freien Natur auszugraben und diese im eigenen Garten anzupflanzen, empfiehlt sich hingegen nicht.

Ein organischer Volldünger kann gezielt dazu genutzt werden, dass die Wegwarte im Garten besonders gut gedeiht. Doch auch Kompost, der mit ausreichend Hornspäne versetzt worden ist, bietet sich zum Düngen der Pflanze an. Gleiches gilt sogar für Pferdemist, sofern dieser verfügbar sein sollte.


Foto1: © yurich84 - Fotolia.com, Foto2: © Dinadesign - Fotolia.com

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