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Hummelkasten bauen – Anleitung und Tipps

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Hummeln sind nützlich, aber selten geworden. Wer Hummeln ein Zuhause geben will, findet hier die Anleitung für den Bau eines Hummelkastens.

Hummelkasten bauen
© Jolanta Mayerberg – Fotolia.com
Damit es im Garten üppig grünt und blüht, sind im Sommer zahllose Insekten im Einsatz. Dabei kommt nicht nur den Bienen – bei der Bestäubung von Pflanzen – Bedeutung zu. Auch Hummeln leisten einen nicht zu unterschätzenden Anteil. Hummeln sind bereits lange vor den Bienen unterwegs und treiben die Befruchtung der Obstbäume voran. Leider sind Hummeln, wie Bienen, selten geworden. Sie scheinen keinen Platz mehr zu haben, in unseren gut strukturieren und beinahe blitzsauber aufgeräumten Gärten. Beweisen Sie den Hummeln das Gegenteil und bieten Sie ihnen mit einem Hummelkasten eine willkommene Möglichkeit, sich zurückzuziehen und ihre Nachkommen groß zu ziehen.

Hummeln im Garten – ein seltener Gast

Wann haben Sie die letzte Hummel gesehen? Sie können sich nicht erinnern? In der Tat sind Hummeln selten geworden. In Deutschland sind etwa 30 Hummelarten heimisch, davon sind viele kaum noch anzutreffen. In unseren Gärten sind nur noch sechs Arten zu Gast. Mit dem Bau eines Hummelkastens helfen Sie, den gefährdeten Hummeln ihren Lebensraum zu erhalten und bereichern auch das Leben im heimischen Garten. Besonders für Kinder bieten sich spannende Beobachtungsmöglichkeiten und Sie fördern beim Nachwuchs die Ausbildung des Verständnisses für den Lebensraum Natur.

Warum einen Hummelkasten bauen?

Bienen und Wespen verschlägt es noch nicht in den spätwinterlichen Garten. Hummeln dagegen können bereits unterwegs sein. Dabei handelt es sich um die Hummelkönigin, die ihren Staat überlebt hat und nun auf der Suche nach einem Nistplatz ist, um ihren Staat wieder neu zu gründen. Natürliche Nistmöglichkeiten, wie alte Baumstämme oder anderes totes Holz, sind in unseren gepflegten Ziergärten häufig Mangelware. Ein Hummelkasten verschafft den Tieren eine artgerechte Nisthilfe.

Hinweis: Hummeln stehen in Deutschland unter Naturschutz.

Stellen Sie in Ihrem Garten ein Hummelhotel auf, wachsen emsige Helferlein heran, welche eine reiche Obst- und Gemüseernte sichern. Hummeln haben einen straffen Arbeitstag. Ganze 18 Stunden sind sie unterwegs und fliegen jeden Tag, unabhängig vom Wetter, bis zu 1.000 Blütenköpfe an.

Hummeln und ihre Vorlieben

Ganz so einfach ist es zugegeben nicht, eine Hummelkönigin von Ihrem Hummelkasten zu überzeugen. Es hilft dabei, die natürlichen Vorlieben der Insekten zu kennen und ihr Hotel entsprechend einzurichten.

bevorzugte Materialien:

  • Holzspäne
  • Moos
  • Stein
  • Ton
diese Materialien meiden Hummeln:

  • Metall
  • Plastik

Während sich die Mooshummel bevorzugt in von Moos überwucherten Vertiefungen aufhält, nutzen Baumhummeln nicht selten leere Vogelnester als Nistplätze. Ackerhummeln sind auf der Suche nach Totholz und wurden auch bereits in ausgedienten Stromkästen gesichtet. Die Erdhummel dagegen versteckt sich gern unter Steinen oder in Erdspalten.

Hummelkasten für Eilige


Sie möchten sich einen Hummelkasten zulegen, dafür aber möglichst wenig Zeit und Material investieren? Dann versuchen Sie doch einfach, mit dieser simplen Variante die Hummelkönigin zu beeindrucken.

Als Grundlage dient ein größerer Blumentopf aus Ton. Diesen drehen Sie um. Das dortige Loch für den Abfluss von Gießwasser wird nun automatisch zum Schlupfloch für die Hummeln. Als Unterlage für die Auflage des Tontopfes dienen gehäckselte Holzspäne, bevorzugt Rindenholz. Füllen Sie den Blumentopf mit Moos, welches Sie aus dem eigenen Garten gewinnen können, indem der Rasen abgeharkt wird. Dies nützt auch Ihrem Rasen, denn dieser kann dann automatisch wieder besser atmen.

Tipp: Verwenden Sie nur Moos von einem ungedüngten und auch ansonsten chemisch nicht behandelten Rasen.

Damit das Einflugloch vor Nässe geschützt ist, platzieren Sie auf dem Blumentopf quer zwei kurze Latten und legen Sie ein etwas größeres Brett als Abdeckung darüber.

Hummelkasten bauen – Anleitung


Sie möchten den Hummeln mehr Komfort bieten? Dann bauen Sie doch einfach einen stabilen Hummelkasten. Dieser sollte etwa 30 cm im Quadrat umfassen.

Bestandteile Hummelhaus und Materialien

Sie benötigen im Einzelnen:

  • eine Vorderwand
  • eine Rückwand
  • zwei Seitenwände
  • einen Boden
  • ein Dach
An Material werden weiterhin gebraucht:

  • ein Pappkarton
  • eine Einlaufröhre
  • Holzleim
  • Holzschutzmittel
  • Pinsel
  • Dachpappe

1. Vorarbeiten

In die Vorderwand bohren Sie mittig ein Loch, wo später die Röhre platziert werden kann, welche den Zugang zum Hummelhotel bildet. In den Seitenwänden werden mehrere kleine Lüftungslöcher angebracht, damit es im Hummelkasten nicht zur Bildung von Schimmel kommt. Schneiden Sie die Einzelteile passgenau zu und versehen Sie mit Schraublöchern.

2. Montage

Die Bohrlöcher für die Belüftung können Sie von innen mit einem nichtrostenden Gitter verschließen. Das Gitter schneiden Sie sich passend zu und verleimen es mit einem wasserfesten Holzleim. Nun werden die einzelnen Teile des Hummelkastens verschraubt.

Tipp: Verwenden Sie für die Montage Senkkopfschrauben. Nägel sind ungeeignet.

Ist die Kiste montiert, schneiden Sie sich zwei Holzleisten zu, welche sich als Abstandhalter nutzen lassen. Anschließend wird in die Holzkiste ein Pappkarton eingesetzt. Dieser sollte keine chemischen Mittel enthalten und möglichst neutral beschaffen sein und keine Aufdrucke aufweisen.

Tipp: Versehen Sie auch den Pappkarton mit kleinen Luftlöchern, damit ein Austausch von Wärme und Feuchtigkeit stattfinden kann. Denn in der Hummelkinderstube kann es zu einer nicht zu unterschätzenden Entwicklung von Feuchtigkeit und Wärme kommen. Damit kein Schimmel entsteht, ist das Anbringen von Luftlöchern eine wichtige Voraussetzung.

3. Einflugrohr einbringen

Nun bringen Sie den Schlauch ein, der den Hummeln später als Zugang zum Nest dient. Ganz einfach behelfen können Sie sich hierbei auch mit dem Papprohr, welches zum Vorschein kommt, wenn eine Rolle Alufolie zur Neige geht. Eine Alternative sind auch Teichspiralschläuche. Diese lassen sich im Uhrzeigersinn in das Bohrloch einschrauben. Das Papprohr oder der Schlauch werden durch den Holzkasten und den Pappkarton geführt und sollte um einige Zentimeter in die Pappkiste hineinreichen.

4. Nistplatz herrichten

Der Karton wird mit unbehandeltem, gehäckselten Holz gefüllt. Darüber geben Sie das im eigenen Garten gewonnene Moos. Formen Sie mit dem Moos eine optische Verlängerung des durch das Einflugrohr entstandenen Ganges.

Hummel - Nistmulde
Hummel – Nistmulde © Witold Krasowski – Fotolia.com
Mittig formen Sie eine Nistmulde. Hierbei können Sie einen Tischtennisball zu Hilfe nehmen. Über diesen Nistplatz decken Sie nun lockeres, langes Heu und verschließen die Pappkiste. Der Karton wird mit Steinen oder Holz beschwert. Am Einflugloch bringen Sie nun noch eine Leiste an. Damit ist für einen kleinen Landeplatz gesorgt. Anschließend verschließen Sie auch die Holzkiste und platzieren diese auf Holzklötze oder Ziegel, damit keine Feuchtigkeit in den Hummelkasten eindringen kann.

5. Wetterfestes Dach

Soll Ihr Hummelhaus an einem geschützten Platz aufgestellt werden, welcher überdacht ist, brauchen Sie keine zusätzlichen Vorkehrungen zu treffen und können auch das Dach aus Holz, welches mit natürlichem Holzschutzmittel behandelt wurde, belassen.

Steht der Hummelkasten ungeschützt, muss dafür gesorgt werden, dass durch das Dach keine Feuchtigkeit eindringen kann. Sie sollten hierfür Dachpappe aufbringen. Einfache Dachpappe wird mit Dachpappennägeln an den Seiten befestigt. Die Verwendung der mit der Zeit rostenden Nägel ersparen Sie sich, wenn Sie sich für stärkere Dachpappe entscheiden. Diese besitzt eine wenige Millimeter starke Teerschicht und kann auf das Dach geklebt werden, nachdem Sie die Teerschicht mit Hilfe einer Heißluftpistole verflüssigt haben.

Tipp: Lassen Sie die Dachpappe einige Millimeter an den Kanten überstehen, dann kann der Regen gut abtropfen.

Bau des Hummelhauses – Schritt für Schritt zusammengefasst

  1. Standort auswählen
  2. Teile zuschneiden
  3. Bohrlöcher setzen
  4. Teile verschrauben
  5. Abstandhalter einsetzen
  1. Pappkarton einsetzen
  2. Einflugschlauch einsetzen
  3. Hummelkiste befüllen
  4. Hummelkiste schließen

Alternative: Hummelkasten aus dem Handel

Der Handel bietet für alle Naturfreunde, die sich an das Projekt Hummelkasten selbst bauen nicht heran trauen oder einfach keine Zeit haben, eine breite Palette an Hummelkästen an. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen.
Bei Amazon habe ich eine kleine Auswahl für Sie gefunden:

Wann sollte das Hummelhaus aufgestellt werden?

Der Winter, wenn es ohnehin wenig im Garten zu tun gibt, ist eine gute Gelegenheit, sich mit der Errichtung eines Hummelhauses zu beschäftigen. Die ersten Hummeln können bereits Ende Februar im Garten auftauchen. Spätestens dann ist es an der Zeit, das Hummelhotel aufzustellen. Bemerken Sie Hummeln, die an den Blüten sitzen, ist es bereits zu spät. Diese Hummeln haben bereits ihr Nest gefunden und werden es auch nicht mehr verlassen, ganz gleich, wie viel Mühe Sie sich mit Ihrem Hummelhotel auch gemacht haben.

Tipp: Fliegt eine Hummel, scheinbar an Blüten uninteressiert, Zickzack über den Boden, ist es höchstwahrscheinlich die Königin auf der Suche nach einem Nistplatz, dann sollten Sie schnell den Hummelkasten aufstellen.

Wo sollte das Hummelhaus aufgestellt werden?

Die Wahl des richtigen Standortes für das Hummelhotel ist besonders wichtig, denn hat die Königin einmal davon Besitz ergriffen, darf der Hummelkasten nicht mehr verstellt werden. Die Hummel speichert die Koordinaten des Standortes und diese Datenbank lässt sich nicht mehr überschreiben. Selbst wenn Sie das Hummelhaus nur um einige Zentimeter verrücken, weil Sie einen scheinbar besseren Standort gefunden haben, werden die Hummeln ihr Zuhause nicht mehr finden können.

Als Standort für den Hummelkasten ist ein halbschattiger Platz ideal. Auf keinen Fall dürfen Hummelhäuser in die pralle Sonne gestellt werden. Lediglich die weniger intensive Morgensonne sollte auf das Hummelhaus treffen. Bedenken Sie bei der Platzwahl auch, dass sich der Sonnenstand mit den Jahreszeiten verändert. Im Hochsommer kann auch die Sonne am Vormittag bereits empfindlich heiß werden und das Hummelhotel gefährlich aufheizen.

So bleibt der Hummelkasten nicht leer

Der Hummelkasten ist aufgestellt. Nun heißt es abwarten. Die Chancen, dass die Hummelkönigin von allein den Weg in das Hummelhotel findet, liegen bei etwa 30%.
Gute Chancen haben Sie wenn…

  • der Nistkasten bereits im letzten Jahr aufgestellt war und damals Bewohner gefunden hatte = die Nachkommen kehren bevorzugt an den alten Nistplatz zurück
  • der Nistkasten erdnah platziert wird = Hummeln entdecken das erhöhte Einflugloch oft erst, wenn Sie eine Verbindung zum Boden schaffen, etwa durch eine Platte die an das Schlupfloch angelehnt wird und bis zum Boden verläuft
  • es in Ihrem Garten grünt und blüht = ein reiches Blütenangebot lockt die Hummeln in Ihren Garten

Wann hat die Hummel den Kasten angenommen?

Haben Sie eine Hummel am Hummelhotel gesichtet, welche dieses zwar kurz besucht hat, aber anschließend schnell weg fliegt, wird sie sich auf die Suche nach einem anderen Zuhause machen oder bereits eines besitzen. Kommt die Hummel dagegen aus dem Loch und dreht kleinere Flugrunden in der näheren Umgebung des Hummelkastens, handelt es sich hierbei um einen typischen Orientierungsflug. Sie können davon ausgehen, dass Sie bald summenden Nachwuchs in Ihrem Garten begrüßen können.

Was passiert im Winter mit dem Hummelkasten?

Das Hummelvolk stirbt vor dem Winter. Der Hummelkasten wird nun nicht mehr benötigt. Reinigen Sie den Kasten und lagern Sie ihn an einem trockenen Ort im Haus. Vergessen Sie nicht, im Spätwinter das Hummelhotel wieder an seinen angestammten Platz aufzustellen, denn viele junge Königinnen kehren an den alten Nistplatz zurück. Besonders bei Stein- und Gartenhummeln können Sie mit großer Wahrscheinlichkeit wieder auf tierische Bewohner ihrem Garten hoffen.

Tipp: Mehrere Königinnen teilen sich nie einen Nistplatz. Sorgen Sie daher mit mehreren Hummelkästen vor.
Foto1: © Jolanta Mayerberg - Fotolia.com, Foto2: © Witold Krasowski - Fotolia.com

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