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Oleander schneiden – Anleitung und Tipps zum richtigen Schnitt

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Oleander gehört zu den beliebtesten Kübelpflanzen. Damit dieser allerdings seine wunderschönen Form behält, benötigt er neben ausreichend Pflege vor allem einen regelmäßigen Rückschnitt.

Oleander schneiden - Tipps und Anleitung
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Der Oleander ist eine mediterrane Pflanze, die auch in unseren Breiten gut gedeiht. Neben der Standortwahl, der richtigen Pflege und dem Gießverhalten kommt es auch auf den regelmäßigen Schnitt an.

Unter Beachtung nachfolgender Tipps und Ratschläge werden die Pflanzen gut gedeihen und es Ihnen mit einer reicher Blüte danken.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Oleanderschnitt?

Es ist von Vorteil, wenn der Oleander geschnitten wird, bevor er austreibt. Generell kann Oleander während der gesamten Wachstumsperiode geschnitten werden. Wird nach der Blüte zur Schere gegriffen, ist darauf zu achten, die Blütenstände nicht zu entfernen, denn hier befindet sich zugleich die Anlage für die Blüte im Folgejahr. Wer nicht riskieren möchte, dass die Pflanze im nächsten Jahr keine Blüten ausbildet, sollte vor der Blüte die Schnittmaßnahmen durchführen.

» Tipp: Im Herbst Oleander zu schneiden, ist weniger ratsam, da die Pflanze daraufhin austreibt und dies zu Schäden im Winterquartier führen kann.

Zu den ganzjährlich durchführbaren Schnittmaßnahmen zählt das Entfernen alter und abgestorbener Äste. Junge Pflanzen sollten spätestens nach zwei Jahren erstmals beschnitten werden. Jährliche Erhaltungsschnitte sorgen für gesundes Wachstum und Blühfreude.

Ein Schnitt – viele Möglichkeiten

Oleander kann auf verschiedene Art und Weise beschnitten werden. Dabei werden der Erhaltungsschnitt und der Radikalschnitt unterschieden.

Der Erhaltungsschnitt wird möglichst jährlich durchgeführt. Dann sind keine radikalen Schnittmaßnahmen notwendig und die Pflanze kann mit wenigen Handgriffen in Form gebracht werden. Dabei ist darauf zu achten, die Äste nur bis zu den ausgebildeten Knospen zu kürzen. Dabei wird das natürliche Erscheinungsbild der Pflanze erhalten und die Schnittmaßnahme wird kaum zu erkennen sein.

» Tipp: Beim Erhaltungsschnitt muss nicht zwingend zur Schere gegriffen werden, die Triebe können auch ausgebrochen werden.

Um die Verkahlung der Pflanze zu vermeiden, sind auch einige bodennahe Triebe zu entfernen. Beachtung sollte auch dem Strauchinneren beigemessen werden. Abgebrochene und überhängende Äste sollten bis auf das alte Holz gekürzt werden.

Wie ist der Schnitt durchzuführen?

Wenn die Pflanze im Frühling gekürzt werden soll, sind zirka ein Drittel aller Triebe in Bodennähe zu kürzen. Wird dabei bis ins alte Holz geschnitten, zeigen sich als Ergebnis lange Triebe. Schnitte in Blütennähe haben kurze Triebe, die schnell zur Blüte kommen zur Folge. Achten Sie in jedem Fall darauf, die Knospen beim Schnitt nicht zu verletzen, ansonsten wird der Oleander in diesem und im Folgejahr nicht blühen. Weniger zimperlich dürfen Sie mit alten und abgestorbenen Ästen umgehen. Diese können komplett entfernt werden. So lässt sich die Verkahlung der Pflanzen verhindern.

» Tipp: Welke Blüten dürfen nicht komplett entfernt werden, da jeder Blütenstand nochmals neue Blüten entwickelt. Entfernen Sie daher nur die welken Blütenblätter und nicht die ganzen Blütenstände.

Verkahlte Pflanzen sind optisch wenig ansprechend und sollten daher komplett zurückgeschnitten werden. Dann werden sich bald neue Triebe ausbilden. Bis die Pflanze nach einem kompletten Rückschnitt wieder zur Blüte kommt, werden allerdings zwei bis drei Jahre vergehen.

Ältere Oleander verjüngen – so geht‘s

Wächst der Oleander kräftig und steht Jahr für Jahr in voller Blüte, sind Schnittmaßnahmen nicht zwingend erforderlich. Früher oder später wird die Pflanze aber mit verminderten Wuchs reagieren und die reichen Blüten werden ausbleiben. Ältere Pflanzen sollte daher verjüngt werden, um sie vor einer kompletten Verkahlung zu bewahren. Dies ist spätestens nach drei bis fünf Jahren nötig. Besser ist es jedoch, regelmäßig zu verjüngen.

Dabei gehen Sie wie folgt vor:

  • altes Holz entfernen
  • überhängende Triebe kürzen
  • quer wachsende Triebe abschneiden

» Tipp: Je weiter zurückgeschnitten wird, desto kräftiger werden sich die Triebe ausbilden.

Der totale Rückschnitt – ein Eingriff mit Konsequenzen

Wird ein Totalrückschnitt durchgeführt, bleiben von der Pflanze lediglich fingerdicke Triebe zurück. Wird die Pflanze auf den Stock gesetzt, bleiben nur wenige Zentimeter lange Stummel übrig. Die Pflanze besitzt keine Blätter mehr und alle dünnen Triebe werden ebenfalls restlos entfernt. Der übriggebliebene Stock wird mit Paraffinöl behandelt. Dies geschieht im Herbst, im Winterquartier und nach der Winterruhe. Es werden sich starke Triebe entwickeln. Bis die Pflanze wieder zu alter Form und reicher Blüte zurückgefunden hat, wird jedoch beinahe ein Jahr vergehen.

Oleander mit Formschnitt in Form halten

Damit der Oleander seine Form behält und auf einer bestimmten Größe verbleibt, sind einige Schritte notwendig. Diese Vorgehensweise wurde von der Internationalen Oleandergesellschaft entwickelt und lässt sich auf alle ausgewachsenen Oleanderpflanzen im Freiland oder Kübel anwenden:

  • gewünschte Pflanzengröße festhalten
  • Schablone oder Gerüst herstellen
  • schwache, kranke und beschädigte Triebe entfernen
  • die höchsten Stämme teilweise entfernen
  • Stämme, die aus der Schablone herausragen, auf etwa 30 Zentimeter hinter der gewünschten Größe zurückschneiden
  • Geschnitten werden sollte direkt nach der Blüte, spätestens bis Ende August sollte der Formschnitt abgeschlossen sein. Ein nochmaliges Austreiben vor dem Winter schadet der Pflanze. Die Folge ist eine verminderte Blühfreude im Folgejahr.

Oleander als Hochstamm

Oleander lässt sich durch entsprechende Schnittmaßnahmen in einen Hochstamm verwandeln. Wurden die Rückschnittmaßnahmen eher zaghaft durchgeführt, werden stabile, unbelaubte Stämme ausgebildet. Diese Stämme kann man sich zu Nutze machen, um selbst einen Hochstamm heranzuziehen.

Dabei ist wie folgt vorzugehen:

  1. Oleander aus dem Boden nehmen
  2. Wurzelballen zerteilen
  3. einen geraden Stamm herausgreifen
  4. einzelnen Stamm mit Wurzelwerk in Erde setzen
  5. alle Triebe bis zur Höhe der angedachten Krone entfernen
  6. Krone weitgehend in Form schneiden
  7. Krone mit Schnüren durch Abspreizen vom Stamm formen

Vorsichtmaßnahmen beim Oleanderschnitt

Beim Oleanderschnitt ist zu beachten, dass es sich um eine Giftpflanze handelt. Beim Schnitt tritt Pflanzensaft aus. Dieser kann die Haut reizen und zu allergischen Reaktionen führen. Das enthaltene Oleandrin führt zu Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen und Krämpfen. Im schlimmsten Falle kann eine Herzlähmung eintreten. Werden Schnittmaßnahmen am Oleander durchgeführt, sind stets Handschuhe zu tragen. Auch die Arbeitswerkzeuge sind zu desinfizieren.

Oleanderstecklinge schneiden – wann und wie?

Wer Stecklinge vom Oleander schneiden möchte, nutzt hierfür die Sommermonate. Geschnitten werden junge Triebe ohne Knospenansatz. Nutzen Sie dabei ein scharfes Messer, um die Pflanze möglichst nicht zu verletzen. Die Stecklinge sollten etwa 20 Zentimeter lang sein. Bevor die Stecklinge bewurzelt werden, sind die unteren Blätter zu entfernen.

» Tipp: Die beim jährlichen Rückschnitt entfernten Triebe eignen sich weniger als Stecklinge, da sie nur sehr schlecht Wurzeln ausbilden.

Erste Hilfe für Schnittwunden

Kleinere Schnittwunden am Oleander sind nicht weiter tragisch. Die Pflanze wird diese selbstständig zu verschließen wissen. Schnittmaßnahmen vor Wintereinbruch sind dagegen ein Risiko. Die Pflanze wird dadurch anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Der Saftfluss kann mit Holzkohleasche gestoppt werden. Dies verhindert auch das Eindringen von Schädlingen durch die Wunden. Für größere Wunden sollte ein spezielles Wundverschlussmittel eingesetzt werden.

Die richtigen Werkzeuge für den perfekten Schnitt

Wie sich die Schnittmaßnahmen gestalten, ist maßgeblich vom verwendeten Handwerkszeug abhängig. Verwenden Sie daher nur hochwertiges Werkzeug mit scharfen Klingen.

Die Werkzeuge lassen sich in verschiedene Gruppen unterteilen. Es wird in Scheren für die Einhandbedienung und in Scheren für die Zweihandbedienung unterschieden.

Scheren für Einhandbedienung

VorteileNachteile
einfache HandhabungKraftaufwand höher
eine Hand bleibt frei Äste können verletzt werden
gute Kraftübertragung

Scheren für Zweihandbedienung

Vorteile Nachteile
auch für stärkere Äste geeignetzur Bedienung werden beide Hände gebraucht
optimale Kraftübertragung durch Hebelwirkung

Beide Produktgruppen sind als Amboss Scheren und Bypass Scheren erhältlich. Amboss Scheren verfügen über eine scharfe Klinge, die auf das Holz gepresst wird. Bypass Scheren besitzen zwei scharfe Klingen und ermöglichen einen präziseren Schnitt. Weiterhin kann in Modelle für Links- und Rechtshänder unterschieden werden.


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