Pflanztaschen sind eine charmante Alternative zu klassischen Pflanzkübeln und Balkonkästen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sie ganz einfach selbst nähen.
Pflanztaschen lassen sich aus einer ausgedienten Jeans oder einem Rest festem Stoff mit wenigen Nähten selber nähen. Die fertigen Taschen hängen dann am Balkongeländer, stehen auf der Terrasse oder werden einfach im Garten aufgehängt oder hingestellt. Diese Anleitung zeigt Ihnen zwei Varianten Schritt für Schritt, dazu einen bewährten Trick, mit dem der Stoff Wind und Wetter länger standhält.
Inhalte
Welche Vorteile besitzen Pflanztaschen?
Pflanzen haben Ansprüche. Damit sie kräftig wachsen, brauchen ihre Wurzeln ausreichend Platz und ein ausgewogenes Verhältnis von Luft, Wasser und Nährstoffen.

- Der Stoff von Pflanztaschen ist luft- und wasserdurchlässig. Überschüssiges Gießwasser fließt einfach ab, Staunässe hat keine Chance und der Wurzelballen wird rundum belüftet. In glatten Kunststoffkübeln fehlt diese Belüftung, dort wachsen die Wurzeln außerdem oft im Kreis an der Topfwand entlang, und Staunässe ist häufig auch ein Problem.
- Der luftige Stoff sorgt für einen spannenden Nebeneffekt, das sogenannte Air-Pruning. Trifft eine Wurzelspitze auf das durchlässige Gewebe, stellt sie ihr Längenwachstum ein und verzweigt sich stattdessen. Das Ergebnis ist ein dichter, feiner Wurzelballen, der Wasser und Nährstoffe besonders gut aufnimmt.
- Bei der Bepflanzung dürfen Sie kreativ werden, denn beinahe alle Balkonpflanzen gedeihen in Pflanztaschen. Ob duftende Kräuter, Naschtomaten, Erdbeeren oder blühende Sommerblumen, auf kleinem Raum entsteht ein attraktiver Zier- oder Nutzgarten.
- Pflanztaschen sind leicht, lassen sich flexibel aufstellen, aufhängen oder ans Geländer binden. Damit wird das Gärtnern an fast jedem Ort möglich, sogar an der sonnigen Hauswand oder am Treppengeländer oder auf dem Balkon im sogenannten Stadtgarten.
Die Vor- und Nachteile von Pflanztaschen im Überblick
| Vorteile einer Pflanztasche | Nachteile einer Pflanztasche |
|---|---|
| ✔ platzsparend | ✘ Stoff verwittert schneller als Ton oder Kunststoff |
| ✔ lassen sich flexibel platzieren und aufhängen | ✘ Substrat trocknet schneller aus, häufigeres Gießen nötig |
| ✔ luft- und wasserdurchlässig, keine Staunässe | ✘ begrenztes Erdvolumen, nur für kleine Ernten geeignet |
| ✔ fördern durch Air-Pruning einen gesunden Wurzelballen | |
| ✔ leicht zu transportieren | |
| ✔ selbst genäht nahezu kostenlos |
Welcher Stoff eignet sich für Pflanztaschen?
Für eine aufgehängte Pflanztasche mit eingesetztem Blumentopf eignen sich vor allem feste, reißfeste Stoffe:
Canvas oder Segeltuch
Sehr stabil und gut zu vernähen. Baumwollcanvas saugt allerdings Wasser auf und trocknet langsamer. Für einen überdachten Balkon ist er besser geeignet als für einen frei bewitterten Platz.
Outdoorstoff aus Polyester oder Polyacryl
Für draußen meist die praktischste Wahl. Der Stoff ist wasserabweisend, lichtecht und trocknet schneller als Baumwolle. Achten Sie auf ein festes Gewebe und eine ausreichende Scheuerfestigkeit.
Markisenstoff
Besonders robust, formstabil und wetterfest. Er eignet sich gut für größere oder schwerere Pflanztaschen, ist aber dicker und lässt sich mit einer normalen Haushaltsnähmaschine nicht immer leicht verarbeiten.
Möbelstoff für den Außenbereich
Outdoor-Polsterstoffe sind fest, farbbeständig und in vielen Mustern erhältlich. Sie sollten ausdrücklich für den Außenbereich ausgewiesen sein.
Beschichtetes Polyestergewebe
Wasserabweisend und leicht zu reinigen. Da Nadelstiche Löcher in die Beschichtung setzen, sollten möglichst wenige Nähte gesetzt und Stoffklammern statt Stecknadeln verwendet werden.
Wachstuch
Für kleine, leichte Taschen möglich. Es ist abwischbar, kann an Nähten jedoch ausreißen und wird bei Kälte steif. Für eine tragende Aufhängung ist es nur bedingt geeignet.
Filz aus Kunstfasern
Lässt sich leicht zuschneiden und franst nicht aus. Dünner Bastelfilz ist jedoch zu schwach. Benötigt wird fester Outdoor- oder Taschenfilz aus Polyester.
Alte Arbeitskleidung oder feste Baumwollhosen
Jeans, Cord, Köperstoff und Stoffe von Arbeitshosen lassen sich gut upcyceln. Sie sind belastbar, sollten draußen aber regelmäßig trocknen können.
Kleine Pflanztaschen für den Balkon selber machen
Auf dem Balkon ist das Platzangebot meist begrenzt. Die folgende Anleitung zeigt eine Pflanztasche, die einen Blumentopf aufnimmt und am Balkongeländer ihren Platz findet. Keine Sorge, dafür reichen Grundkenntnisse an der Nähmaschine völlig aus.
Was wird für eine Pflanztasche mit 12 Zentimetern Höhe gebraucht?
- Hosenbein einer Jeans (etwa 22 Zentimeter Breite)
- Jeansstoff (20 x 10 Zentimeter) für die Schlaufe
- 1 Rundstab (etwas länger als die Schlaufe breit ist)
- eine feste Kordel für die Befestigung am Geländer
Anleitung Schritt für Schritt

Die Tasche nähen
- Das Hosenbein auf etwa 20 Zentimeter Länge zuschneiden. Darin enthalten sind ungefähr 12 Zentimeter für die fertige Taschenhöhe, 2 Zentimeter für den oberen Umschlag, 1 Zentimeter Nahtzugabe am Boden und etwa 4 bis 5 Zentimeter, die beim Abnähen der Ecken in den flachen Taschenboden übergehen
- Das zugeschnittene Hosenbein auf links drehen. Die Innenseite des Jeansstoffs zeigt nun nach außen
- Die untere Öffnung mit 1 Zentimeter Nahtzugabe gerade zusammennähen. Diese Naht bildet später die Mitte des Taschenbodens. Nahtanfang und Nahtende mit einigen Rückstichen sichern
- Damit der Blumentopf sicher in der Tasche sitzt, erhält sie einen flachen Boden. Dafür eine untere Ecke auseinanderziehen und so flach legen, dass die Bodennaht genau auf der seitlichen Hosenbeinnaht liegt. An der gegenüberliegenden Ecke genauso vorgehen
- An jeder Ecke eine Linie quer zur Naht markieren. Die Länge dieser Linie entspricht ungefähr der späteren Tiefe des Taschenbodens. Bei einem Blumentopf mit einem unteren Durchmesser von 8 bis 9 Zentimetern ist die Querlinie ebenfalls etwa 8 bis 9 Zentimeter lang
- Beide Ecken entlang der markierten Linien abnähen. Vor dem Abschneiden die Tasche probeweise auf rechts drehen und prüfen, ob der Blumentopf sicher auf der entstandenen Standfläche sitzt
- Passt der Boden, die überstehenden Stoffecken bis auf etwa 1 Zentimeter Nahtzugabe zurückschneiden. Die Schnittkanten anschließend mit einem Zickzackstich versäubern, damit der Jeansstoff nicht ausfranst
- Den oberen Stoffrand zuerst 1 Zentimeter und anschließend ein weiteres Mal 1 Zentimeter nach außen umschlagen. Dadurch liegt die offene Schnittkante verdeckt im Umschlag
- Den Umschlag mit einem Zickzackstich festnähen (doppelt vernähen bringt mehr Stabilität)
- Die Tasche auf rechts drehen. Die schöne Seite des Jeansstoffs zeigt nun nach außen
Die Aufhänge-Schlaufe nähen
- Ein 20 x 10 Zentimeter großes Stück Jeansstoff zur Hälfte falten, sodass ein doppellagiges Quadrat von 10 x 10 Zentimetern entsteht. Die schöne Stoffseite liegt innen
- Die beiden Kanten oberhalb und unterhalb der Stofffalte mit jeweils 1 Zentimeter Nahtzugabe zusammennähen. Die Kante gegenüber der Falte bleibt zum Wenden offen
- Das Stoffstück durch die offene Kante auf rechts wenden. Die Ecken vorsichtig ausformen und das Quadrat glatt streichen
- Die noch offene Kante etwa 1 Zentimeter nach innen einschlagen
- Das Quadrat so zur Hälfte falten, dass die offene Kante auf der gegenüberliegenden geschlossenen Faltkante liegt. Dadurch entsteht eine etwa 8 Zentimeter breite und knapp 5 Zentimeter hohe Schlaufe, die an beiden Seiten offen bleibt
- Die beiden aufeinanderliegenden Kanten waagerecht an die Rückseite der Tasche legen. Sie sitzen knapp unter dem oberen Rand und zeigen nach unten
- Die Schlaufe mit zwei parallelen Nähten durch alle Stofflagen an der Tasche befestigen. Nahtanfänge und Nahtenden mehrmals vor- und zurücknähen. Zusätzliche kurze Quernähte an beiden Enden verhindern, dass die Befestigung unter Belastung aufreißt
Am Geländer befestigen
- Einen Rundstab verwenden, der auf jeder Seite etwa 2 bis 3 Zentimeter aus der Schlaufe herausragt
- Den Rundstab von der Seite durch die Schlaufe schieben. Er liegt waagerecht an der Rückseite der Tasche
- Die Kordel in zwei gleich lange Stücke schneiden. Je ein Stück direkt neben einem Ende der Stoffschlaufe fest um den Rundstab knoten. Jeden Knoten mit einem zweiten Knoten sichern, damit die Kordel nicht nach außen vom Stab rutscht
- Beide Kordeln getrennt am Balkongeländer befestigen. Die Tasche hängt gerade und ist an zwei Punkten gegen seitliches Kippen gesichert
- Die Tasche nur an der Innenseite des Balkongeländers aufhängen. Regelmäßig kontrollieren, ob Kordeln, Nähte und Stoff noch fest und unbeschädigt sind
Fertig ist Ihre erste selbst genähte Pflanztasche. Jetzt nur noch einen bepflanzten Topf hineinstellen und den Anblick genießen.
Welcher Topf passt in die Pflanztasche?
In die Tasche aus dem 22 Zentimeter breiten Hosenbein passt ein Topf mit 12 bis 14 Zentimetern Durchmesser. Er steht sicher auf der abgenähten Bodenfläche, während der Stoff seitlich leicht nachgibt und ihn festhält. Für größere Töpfe wählen Sie ein breiteres Hosenbein und verlängern die Bodennähte in Schritt 4 entsprechend, je länger die Naht, desto breiter die Standfläche.
Am leichtesten ist ein Kunststofftopf, das schont Schlaufe und Kordel. Zum Gießen nehmen Sie ihn kurz heraus und lassen überschüssiges Wasser abtropfen, oder Sie stellen ihn dauerhaft in einen dichten, leichten Übertopf. Dauerhaft nasser Jeansstoff trocknet nur langsam und verliert mit der Zeit an Festigkeit, ein trockener hält dagegen viele Jahre.
Was wächst gut in der Pflanztasche?
Für die kleinen Töpfe eignen sich Pflanzen, die mit wenig Erdvolumen auskommen. Mediterrane Kräuter wie Thymian, Oregano oder Rosmarin gedeihen im luftigen Stand am Geländer prächtig und liefern nebenbei Würze für die Küche. Hänge-Erdbeeren nutzen die Höhe und lassen ihre Ranken dekorativ über den Taschenrand fallen. Bei den Blühern bewähren sich robuste Sorten wie Tagetes, Zauberglöckchen oder Hornveilchen. Auf heißen Südbalkonen sind Sukkulenten und Hauswurz eine pflegeleichte Wahl, sie verzeihen auch vergessene Gießrunden.
Richtig zur Geltung kommen die Taschen in der Gruppe. Ein längerer Rundstab oder ein alter Besenstiel trägt zwei bis drei Taschen nebeneinander, die Befestigung mit der Kordel bleibt dieselbe. Unterschiedliche Jeans-Waschungen ergeben dabei ein lebendiges Bild in Blautönen, ganz ohne zusätzliche Deko.
Pflanztaschen imprägnieren und langlebig machen
Jeansstoff bringt von Haus aus mehr Widerstandskraft mit als die meisten Textilien, ganz ohne Pflege kommt aber auch er nicht durch mehrere Balkonsommer. Die UV-Strahlung bleicht das Blau aus, und wiederholte Nässe lässt die Baumwollfasern mit den Jahren mürbe werden. Eine Wachsschicht bremst beides, Regen perlt ab, statt einzuziehen, und die Fasern bleiben geschmeidig.
Die fertige Tasche lässt sich direkt behandeln. Dafür ein festes Pflanzenwachs wie Carnaubawachs oder Sonnenblumenwachs gleichmäßig auf den trockenen Stoff aufreiben und mit dem Föhn oder dem Bügeleisen (eine Lage Backpapier dazwischen) einschmelzen, bis das Wachs ins Gewebe eingezogen ist. Wichtig ist ein Wachs mit hohem Schmelzpunkt, auf einem Südbalkon heizt sich der Stoff im Hochsommer stark auf, und weiches Wachs würde dort wieder austreten.
Wer lieber die Zuschnitte vor dem Nähen wachst, legt beim Nähen eine Lage dünnes Papier unter den Stoff. Sie wird einfach mit vernäht, hält die Nähmaschine sauber und lässt sich anschließend von der fertigen Tasche abreißen.
Zum Saisonende werden die Taschen im Herbst abgenommen, Erdreste ausgebürstet und trocken überwintert.







2 Kommentare
Der Anfang ist sehr verwirrend und lässt KI vermuten, oder Tippfehler:
„…da Pflanzkübel aus Kunststoff weder Licht noch Luft durchlassen. Pflanztaschen bestehen aus einem licht- und wasserdurchlässigen Stoff. “
ich vermute das soll heißen:
„…da Pflanzkübel aus Kunststoff weder Wasser noch Luft durchlassen. Pflanztaschen bestehen aus einem luft- und wasserdurchlässigen Stoff. “
oder?
Lieben Gruß Mango
Hallo Mango, danke für deinen Hinweis! Der Artikel ist zu 100 % handgemacht, und wir Menschen leisten uns eben hin und wieder einen Patzer, da ist so manche KI gnadenloser mit sich selbst. Danke fürs aufmerksame Lesen, ich schaue es mir gleich an. Liebe Grüße Kathrin ☀️