Gartengestaltung

Urban Gardening – so funktioniert es!

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Urban Gardening ist Gärtnern auf kleinstem Raum. Meine Anregungen zeigen Ihnen, dass es zum Gärtnern keines Gartens bedarf – Balkon oder Dach tun es auch.

Urban Gardening
© reisegraf.ch – Fotolia.com
Nicht jeder lebt auf dem Land und besitzt dadurch entsprechend vielfältige Möglichkeiten, sich beim Gärtnern nach Lust und Laune zu verwirklichen. Doch der Grüne Daumen muss nicht zwangsläufig ruhen. Urbanes Gärtnern bietet ungeahnte Möglichkeiten, auch auf kleiner Fläche und mitten in der Stadt, Großes zu bewerkstelligen. Was genau unter diesem Trend zu verstehen ist und wie auch schon bald in Ihrer Stadt Tomaten und Zwiebeln wachsen, können Sie hier nachlesen. Hobbygärtner lernen, selbst kreativ zu werden und einfach alltägliche Gegenstände als Pflanzgefäße zu nutzen, damit beginnt Urban Gardening – ein Trend, der auf dem eigenen Balkon oder sogar in der kleinsten Küche beginnen kann.

Urban Gardening – was ist das?

Einfach gesagt, versteht man unter Urban Gardening nichts anderes, als Gärtnern auf kleinstem Raum. In den Städten fehlt es an ausgedehnten Nutzflächen, daher werden an den Hobbygärtner besondere Anforderungen gestellt. Vielerorts werden zum Beispiel Grünflächen innerhalb von Siedlungsgebieten als Gemeinschaftsgärten genutzt. Dort bemüht man sich, im Einklang mit der Natur zu gärtnern. Auch in Hinterhöfen und Vorgärten lassen sich Beete anlegen und letztlich praktiziert jeder, der sich eine alte Badewanne, eine ausgediente Schubkarre oder eine alte Holzkiste auf dem Balkon bepflanzt nichts anderes als Urban Gardening.

Was macht den Reiz des urbanen Gärtnerns aus?

Auch in den Städten regionales Obst und Gemüse heranzuziehen, ist für viele Hobbygärtner und umweltgerecht und ökologisch Denkende ein Anliegen, welchem urbanes Gärtnern entspricht. Urban Gardening heißt nicht nur, frisches Obst und Gemüse zu ernten und sich an der Blütenpracht zu freuen, ein ganz wichtiger Aspekt ist, bei der Gartenarbeit die Anonymität der Großstadt ein Stück weit vergessen zu machen und buchstäblich näher zusammen zu rücken. Dabei kommen die Großstadt-Gärtner aus ganz unterschiedlichen Altersgruppen, gesellschaftlichen Schichten und Kulturen. Nicht zuletzt sind die vermehrten Lebensmittelskandale ein Aspekt, um auf Nummer sicher zu gehen und sich weitgehend selbst mit Obst und Gemüse zu versorgen.

Ein gar nicht so neuer Trend setzt sich durch

Erst seit wenigen Jahren hören wir vermehrt von Urban Gardening. Der Städtische Gartenbau ist jedoch älter, als gedacht. Jede Stadt verfügte in früherer Zeit auch über einen Bereich, wo gezielt Obst und Gemüse angebaut wurde. In vergangenen Jahrhunderten wären die Transportwege viel zu lang gewesen und die Lebensmittel längst verdorben, wenn sie ihr Ziel erreicht hätten.

Als Vater des urbanen Gärtners könnte Johann Heinrich von Thünen verstanden werden. Der Wissenschaftler begründete im 19. Jahrhundert die Thünenschen Ringe. Dieses Landnutzungsmodell sah vor, dass in Stadtnähe Obst und Gemüse und andere schnell verderbliche Lebensmittel angebaut wurden und man diese später auf den städtischen Märkten verkaufte. Dies fand durchaus in großem Rahmen statt. In Paris zum Beispiel gab es etwa 8.500 selbstständige Gärtner, welche eine Fläche von 1.400 Hektar bewirtschafteten. Damit wurde auf einem Sechstel der damaligen Stadtfläche Obst und Gemüse angebaut, etwa 100.000 Tonnen jährlich.

Als Begründer des modernen Urban Gardening gilt Kuba. Dort kam es Anfang der 1990er Jahre und im Zuge des Zerfalls des Ostblocks, zu vermehrten Engpässen in der Versorgung. Lebensmittel, Düngemittel und Erdöl mussten weitgehend eingeführt werden. Als die Menschen zu hungern begannen, handelte die Regierung und stellte ungenutztes Brachland der Bevölkerung zur Verfügung, um Obst und Gemüse anzubauen. Dünger war nicht vorrätig, somit wurde gleichzeitig das ökologische Wirtschaften begründet. Noch heute produzieren die Einwohner Havannas etwa ein Drittel des Bedarfs an Gemüse selbst und zwar mitten in der Millionenstadt.

Welche Möglichkeiten bietet Urban Gardening?

Einer für alle – Gemeinschaftsgärten

Hierbei handelt es sich um städtische Grundstücke, welche von mehreren Personen bewirtschaftet werden. Meist sind diese Bereiche öffentlich zugänglich. Es können öffentliche Gelände zur Verfügung gestellt werden oder Privatpersonen machen ihr Grundstück der breiten Masse zugänglich. Die Träger von Gemeinschaftsgärten können neben Privatpersonen, auch kirchliche Vereinigungen, Schulen oder politische Gruppen sein.

Das Brachland wird beim städtischen Gemeinschaftsgarten in der Regel nicht kultiviert, sondern man legt einen mobilen Garten an. Die Bepflanzungen werden in transportablen Hochbeeten, die aus Paletten entstehen, oder in Säcken, Holzkisten oder Regentonnen vorgenommen. Somit ist es möglich, dass der komplette Garten mit wenig Aufwand “umziehen” kann, wenn die Stadt das Land zurückfordert und bebauen möchte.

Urban Gardening auf dem Dachgarten

Dachgärten
© cu.here – Fotolia.com
Auch auf einem Flachdach können Beete entstehen. Es sollte sich um ein massives und tragfähiges Dach handeln. Weiterhin muss das Dach dicht sein, damit das Gießwasser nicht durch die Ritzen dringt. Ist das Dach ausreichend gedämmt, werden Folien oder Bitumenbahnen ausgelegt, um die Feuchtigkeit abzuhalten. Anschließend wird eine Schicht Muttererde aufgetragen, welche anschließend bepflanzt werden kann.

Tipp: Es kann auf den Dächern nur eine vergleichsweise dünne Erdschicht aufgetragen werden, die den Anbau größerer und tiefwurzelnder Pflanzen ausschließt. Als Alternative können auf dem Dach bepflanzte Wannen oder Kübel aufgestellt werden.

Urban Gardening im Kleingarten

Das Anlegen von Kleingärten dient dazu, der Stadtbevölkerung ein Stück weit Lebensqualität zu bieten und gleichzeitig die städtische Bebauung aufzulockern und die Lärm- und Staubentwicklung zu verringern. Besonders für Familien ist ein Kleingarten ein willkommener Ausgleich zum Stadtleben. Kindern kann hier die Möglichkeit gegeben werden, ein Stück weit gesund aufzuwachsen und das Wachsen und Reifen von Obst und Gemüse zu beobachten. Im Kleingarten wird auch Immigranten, Arbeitslosen, Behinderten oder Senioren die Möglichkeit eingeräumt, ganz nach ihren Mitteln und Möglichkeiten sich im urbanen Gärtnern zu üben.

Kreative Ideen für Urban Gardening auf dem Balkon

Urban Gardening Balkon
© Hristina – Fotolia.com
Wie bereits erwähnt, sprechen wir von Urban Gardening, wenn auf engem Raum gegärtnert wird. Ein Paradebeispiel hierfür ist der eigene Balkon. Nun werden Sie vielleicht sagen, ich habe kaum selbst Platz, um dort zu sitzen, wie soll ich da noch Blumen pflanzen und Kräuter oder Gemüse züchten? Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten, wie Sie auch auf engstem Raum urban gärtnern können. Ist zum Beispiel am Boden kein Platz, warum dann nicht die Wände nutzen. Bepflanzen Sie Töpfe und Schalen mit Kräutern und befestigen sie diese an der Wand. Auch ein altes Wandregal kann dort angebracht werden und verschiedene Pflanzgefäße aufnehmen.

Tipp: Aus alten Europaletten ist schnell ein praktisches Regal entstanden, welches mit Kräutern oder sogar mit Buschtomaten bepflanzt werden kann.

Sie können auch eine Art Leiter aufstellen und so Pflanzen auf mehreren Ebenen platzsparend anpflanzen. Eine besonders kreative Möglichkeit des urbanen Gärtnerns für kleine Balkone bietet sich mit einem Blumentopf, der aus zwei Teilen besteht und oben und unten bepflanzt wird. Wer seinen Pflanztopf oben mit Kräutern bestückt und unten Tomaten einpflanzt wird eine kleine Überraschung erleben, denn die Tomaten werden den Geschmack der Kräuter annehmen.

Sie nähen gern und werkeln mit Stoffen? Dann wird es Ihnen nicht schwerfallen, sich eine Pflanztasche zu basteln. Pflanztaschen sind besonders dekorativ und finden auf dem kleinsten Balkon Platz. Darin anpflanzen lassen sich sogar Erdbeeren oder Kresse.

Blumenkästen nehmen keinen Platz auf dem Balkon weg, denn sie lassen sich ganz einfach über die Brüstung hängen. Anpflanzen lässt sich dort eigentlich so gut wie alles, Kräuter lassen sich aussähen und keimen innerhalb weniger Wochen. Tomaten- oder Erdbeerpflanzen werden eingesetzt und wie im Beet kultiviert.

So werden Sie zum urbanen Gärtner

Sie sind begeistert vom Urban Gardening und möchten nun so schnell wie möglich selbst gärtnern? Dem steht nichts im Wege.
Befolgen Sie dabei folgende Schritte:

  1. Standort auswählen
  2. Platzangebot optimal nutzen
  3. Pflanzgefäße besorgen
  4. passende Pflanzen auswählen und besorgen
  5. Samen direkt ausbringen
  6. Pflanzen vorziehen
  7. Pflanzgefäße bepflanzen
  8. Pflanzen regelmäßig gießen

Zunächst sollte der Standort bestimmt werden. Möchten Sie sich einem Gemeinschaftsgarten anschließen, haben einen Dachgarten im Auge, wollen den Hinterhof mit Pflanzen bestücken oder ihren Balkon in eine grüne Oase verwandeln? Haben Sie sich für einen Standort entschieden, ist meist auch bereits der Platzbedarf ermittelt. Im Gemeinschaftsgarten werden Sie vielleicht ein mobiles Hochbeet bepflanzen können. Auf dem Balkon dürften einige kleinere Pflanzgefäße das Platzangebot optimal ausfüllen. Besorgen Sie sich also entsprechende Pflanzgefäße:

  • Hochbeete
  • Balkonkästen
  • Körbe
  • Hängeampeln
  • Pflanzkübel
  • Pflanztaschen
  • Kartoffelsäcke
  • Wannen
Die Pflanzegefäße werden nun mit Anzuchterde gefüllt. Dort werden die Samen direkt ausgestreut oder Sie ziehen die Pflanzen zunächst in separaten Pflanzgefäßen vor und bepflanzen die Töpfe und Schalen erst mit den herangewachsenen Jungpflanzen. Stellen sie die Pflanzgefäße entsprechend auf. In der Regel gedeihen die Pflanzen am besten bei Sonne oder im Halbschatten. Nun dürfen Sie nicht vergessen, die Pflanzen regelmäßig zu gießen und einem gesunden Pflanzenwachstum steht nichts mehr im Wege.

Urban Gardening – was kann angebaut werden?

Ein Klassiker für das Gärtnern auf kleinem Raum sind Kräuter -diese können in jedem Blumentopf angepflanzt werden.

Tipp: Wer keinen Balkon besitzt, kann auch in der eigenen Küche Kräutertöpfe aufstellen oder sich eine Ampel mit verschiedenen Kräutern anlegen.

Beliebte Kräuter für Urban Gardening:

Welches Gemüse gedeiht auf kleinem Raum?


Foto1: © reisegraf.ch - Fotolia.com, Foto2: © cu.here - Fotolia.com, Foto3: © Hristina - Fotolia.com

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