Alte Apfelsorten geraten immer mehr in Vergessenheit. Dabei sind sie oft viel geschmackvoller, verträglich und auch leicht im Garten anzubauen.

Viele alte Apfelsorten sind heute seltener geworden, weil hauptsächlich gleichmäßige Früchte, hohe Erträge, gute Lagerfähigkeit und eine möglichst makellose Schale gefragt sind. Alte Sorten fallen dagegen oft unterschiedlich groß aus, zeigen mehr Schalenfehler oder reagieren stärker auf Boden, Klima und Pflege. Auch Apfelschorf hat die Züchtung neuer Sorten beeinflusst, denn befallene Früchte bekommen dunkle, raue Flecken und sind daher weniger attraktiv. Trotzdem besitzen alte Apfelsorten wertvolle Eigenschaften und sollten nicht in Vergessenheit geraten.

Was macht alte Apfelsorten aus?

Alte Apfelsorten sind Apfelbäume mit langer Geschichte. Viele von ihnen waren früher in Hausgärten, auf Höfen und auf Streuobstwiesen in einer großen Artenvielfalt verbreitet. Leider werden aufgrund von modernen Züchtungen kaum noch alte Apfelsorten gepflanzt. Dabei bieten diese oftmals einen intensiven Apfelgeschmack und sind häufig besser verträglich.

Als Grund gelten Polyphenole, die den Apfel säuerlicher machen und gleichzeitig die allergenen Eiweiße abbauen. Diese beiden Eigenschaften wurden bei neueren Apfelsorten häufig herausgezüchtet. Bei Äpfeln mit einem hohen Polyphenolgehalt wird das Fruchtfleisch nach dem Anschneiden schneller braun. Sorten wie Boskoop oder Jonathan gelten als besonders verträglich.

Inzwischen gibt es aber immer mehr Menschen, die sich wieder für alte Apfelsorten interessieren. Dazu gehören Landwirte, Selbstversorger und Gartenbesitzer. Der Hauptgrund für die Nachfrage ist häufig die Nachhaltigkeit und Artenvielfalt. Denn mit alten Apfelsorten lassen sich viele verschiedene Geschmäcker bedienen, da sie sehr unterschiedlich sind. Wer etwa einen etwas sauren Apfelgeschmack bevorzugt, sollte es einfach mit einer älteren Apfelsorte probieren. Neben dem leicht säuerlichen Geschmack gibt es aber auch genügend süße Äpfel.

💡 Tipp:
Auch für naturnahe Gärten haben alte Apfelbäume einen hohen Wert. Ihre Blüten liefern Nahrung für Bienen, Hummeln und andere Insekten. Später nutzen Vögel, Kleinsäuger und weitere Tiere Fallobst, Rinde, Baumhöhlen und Totholz. Besonders auf Streuobstwiesen tragen alte Apfelsorten dazu bei, Lebensräume und regionale Sortenvielfalt zu erhalten.

Überblick und Verwendung

Manche alte Apfelsorten schmecken frisch vom Baum am besten, andere entfalten ihr Aroma erst in Kuchen, Mus oder Saft. Auch bei Reifezeit, Lagerfähigkeit und Robustheit zeigt jede Sorte ihren eigenen Charakter. Die folgende Auswahl stellt 15 alte Apfelsorten ganz kurz vor und zeigt, für welchen Garten und welchen Verwendungszweck sie sich besonders gut eignen. Weiter unten gibt es dann noch mehr Informationen.

Alte ApfelsorteBesonders geeignet für
BerlepschFrischverzehr, Saft, Garten
Roter BellefleurFrischverzehr, süße Apfelgerichte
Schöner aus NordhausenSaft, Most, Verarbeitung
WintergoldparmäneFrischverzehr, Lagerung, Küche
Rote SternrenetteFrischverzehr, Garten, Zierwert
ZuccalmaglioFrischverzehr, Selbstversorgung
WinterramburLagerung, Saft, Küche
Jakob LebelBacken, Kochen, Streuobstwiese
BoskoopApfelkuchen, Apfelmus, Bratapfel
Cox OrangeFrischverzehr, feine Apfelgerichte
Rheinischer KrummstielStreuobstwiese, Lagerung, Garten
KlarapfelFrühe Ernte, Frischverzehr, Apfelmus
JonathanFrischverzehr, warme Lagen
Heslacher GereutapfelFrischverzehr, Garten, Verarbeitung
OntarioLagerung, Frischverzehr, milde Lagen

Die 15 besten alten Apfelsorten

Zwar gibt es mehr als 15 alte Apfelsorten, die folgenden sind jedoch besonders beliebt.

Alte Apfelsorten
Weit verbreitet: der Boskoop – © PIXATERRA / stock.adobe.com

Berlepsch

Berlepsch wurde 1880 im Rheinland gezüchtet und gehört zu den aromatischen Tafeläpfeln. Die Früchte schmecken saftig, fein würzig und ausgewogen süß-säuerlich. Im Garten verlangt die Sorte einen nährstoffreichen Boden und eine geschützte, nicht zu raue Lage. Dafür liefert sie Äpfel mit viel Aroma, die frisch gegessen und auch zu Saft verarbeitet werden.

Roter Bellefleur

Der Rote Bellefleur ist eine alte Sorte mit süßem, saftigem Fruchtfleisch, dessen Herkunft weit ins Jahr 1760 zurückreicht. Seine Früchte eignen sich hauptsächlich zum Frischessen, passen aber auch in milde Apfelgerichte, bei denen wenig Säure gefragt ist. Der Baum gilt als vergleichsweise genügsam und kommt mit normalen Gartenböden zurecht. Damit ist er interessant für Gärten, in denen ein süßer Tafelapfel ohne besonders hohe Standortansprüche wachsen soll.

Schöner aus Nordhausen

Der Schöne aus Nordhausen wird seit 1810 kultiviert und bringt eher säuerliche Früchte mit grünlich gelber Schale und rötlicher Sonnenseite hervor. Sein Geschmack macht ihn besonders geeignet für Saft, Most und die Verarbeitung in der Küche. Frisch vom Baum ist er weniger süß als viele Tafeläpfel, liefert dafür aber eine angenehme Frische. Die Sorte passt gut zu Gärten, in denen Äpfel nicht nur genascht, sondern auch verarbeitet werden.

Wintergoldparmäne (Goldparmäne)

Die Wintergoldparmäne, auch Goldparmäne genannt, zählt zu den ältesten bekannten Apfelsorten und entstand etwa um 1510. Ihre Früchte schmecken würzig, nussig und süß-säuerlich, das Fruchtfleisch wird bei Reife eher weich und mehlig. Als Tafelapfel hat sie einen besonderen Geschmack, eignet sich aber auch für die Küche und die Lagerung. Der Baum bevorzugt warme, geschützte Lagen mit gutem Boden und verlangt mehr Aufmerksamkeit als robuste Streuobstsorten.

Roter Sternrenette

Die Rote Sternrenette fällt durch ihre kräftig rote Schale und die hellen, sternförmigen Punkte sofort auf. Sie schmeckt feinsäuerlich, aromatisch und eignet sich gut als Tafelapfel. Im Garten bringt sie neben Früchten auch Zierwert mit, besonders während der Blüte und zur Erntezeit. Ihre pollenreichen Blüten werden gern von Bienen und anderen Insekten besucht.

Zuccalmaglio

Zuccalmaglios Renette ist eine aromatische Sorte für Selbstversorgergärten, die bereits 1878 entwickelt wurde. Die Früchte sind saftig, fein im Geschmack und zeigen häufig eine helle, matte Bereifung auf der Schale. Gegen Schorf gilt die Sorte als wenig anfällig, an ungünstigen Standorten bleibt sie dennoch pflegebedürftig. Ein sonniger, luftiger Platz und ein regelmäßiger Schnitt fördern gesunde Früchte und gleichmäßige Erträge.

Winterrambur

Der Rheinische Winterrambur ist ein kräftig wachsender Wirtschaftsapfel für größere Gärten und Streuobstwiesen. Diese Sorte wird seit dem 17. Jahrhundert gezüchtet. Seine Früchte schmecken eher süßlich, mild und säurearm. Frisch gegessen schmeckt er nicht so aromatisch wie feine Tafeläpfel, in Saft, Kompott, Bratapfel und Kuchen zeigt er dafür seine Stärken. Durch den starken Wuchs benötigt der Baum genügend Platz und eignet sich weniger für kleine Gärten.

Jakob Lebel

Erstmals 1825 angebaut, ist sie heute eine bewährte Apfelsorte für Streuobstwiesen, größere Gärten und rauere Lagen. Die großen, gelblichen Früchte mit rötlichen Streifen schmecken saftig und säuerlich. Sie eignen sich zum Backen, Kochen, Dörren und für Apfelsaft. Für den direkten Frischverzehr ist Jakob Lebel eher säuerlich und kräftig, verarbeitet liefert er jedoch viel Aroma und Saft.

Boskoop

Der Boskoop gehört zu den bekanntesten alten Apfelsorten für die Küche und wird seit etwa 1856 angebaut. Sein kräftig säuerlicher Geschmack bringt das volle Aroma für Apfelkuchen, Apfelmus, Bratäpfel und Pfannkuchen. Roh ist er nicht jedem mild genug, verarbeitet bringt er jedoch den richtigen Apfelgeschmack hervor. Die Sorte ist lagerfähig und benötigt im Garten ausreichend Platz oder eine passende, schwächer wachsende Unterlage.

Cox Orange

Cox Orange ist ein feiner Tafelapfel mit süßsäuerlichem, würzigem Aroma und wird seit 1825 angebaut. Die Früchte schmecken frisch vom Baum besonders gut und gehören geschmacklich zu den reizvollsten alten Apfelsorten. Der Baum stellt allerdings höhere Ansprüche an Standort, Boden und Pflege. Er bevorzugt milde, geschützte Lagen und eignet sich eher für erfahrene Obstgärtner als für schwierige Standorte.

Rheinischer Krummstiel

Der Rheinische Krummstiel ist eine robuste Sorte aus dem Rheinland und eignet sich gut für größere Gärten und Streuobstwiesen. Die Bäume wachsen kräftig, bilden breite Kronen und brauchen entsprechend viel Platz. Die Früchte werden im Herbst geerntet und entwickeln nach kurzer Lagerzeit ihr volles Aroma. Als Lager- und Wirtschaftsapfel hat sich die Sorte seit 1800 bewährt.

Klarapfel

Der Klarapfel eröffnet die Apfelsaison oft schon ab Juli. Seine hellen, duftenden Früchte schmecken frisch, mild säuerlich und saftig. Da sie kaum lagerfähig sind, werden sie direkt gegessen oder rasch zu Apfelmus verarbeitet. Der Baum ist frosthart und daher auch für kühlere Regionen geeignet, die Blüten reagieren bei Spätfrost jedoch trotzdem empfindlich.

Jonathan

Jonathan stammt aus Nordamerika, zwischen 1800 und 1820, und bildet aromatische, eher milde Früchte. Typisch sind die dunklen Flecken auf der Schale, die als „Jonathan-Spots“ bekannt sind und typisch zur Sorte gehören. Der Baum mag einen warmen, geschützten Standort und eine luftige Krone. Bei ungünstigen Bedingungen tritt Mehltau häufiger auf, deshalb lohnt sich ein regelmäßiger Schnitt.

Heslacher Gereutapfel

Der Heslacher Gereutapfel ist ein robuster Apfelbaum aus dem Jahre 1820 mit tiefroten Früchten und einem kräftigem Wuchs. Ein Standort auf einer Streuobstwiesen oder in einem größeren Obstgarten bietet ihm ausreichend Platz. Die Früchte werden vor allem für Saft und Most verwendet. Durch seine Farbe und den üppigen Ertrag bringt der Baum sowohl Nutzen als auch einen schönen Anblick in den Garten.

Ontario

Ontario entstand im 19. Jahrhundert in Kanada und gehört zu den lagerfähigen Winteräpfeln. Die gleichmäßig geformten Früchte schmecken mild und werden meist erst nach einer Lagerzeit richtig genussreif. Sie enthalten viel Vitamin C und eignen sich gut für den Wintervorrat. Der Baum bevorzugt milde, geschützte Lagen, da das Holz empfindlicher auf starke Winterfröste reagiert.

Ringo von Gartentipps.com

Ringo ist Gründer und Chef-Redakteur von Gartentipps.com. Hat auf dem Dorf (bei Oma) zwischen Stachelbeeren, Kirschbaum und Hühnerhof seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt.

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