Ihre zarten Wurzeln bilden Cannabis-Stecklinge am besten bei wärmeren Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Stimmen die Bedingungen nicht, können Stecklinge nach dem Einpflanzen eingehen.
Cannabis-Stecklinge sind seit 2024 legal erhältlich. Allerdings bedarf die Bewurzelung etwas Feingefühl. Wer Stecklinge in den Garten pflanzt oder einfach in irgendein Substrat steckt, riskiert hängende Blätter, matschige Schnittenden und einen Klon, der nach zwei Wochen noch keine Wurzeln zeigt. Kokoserde schafft genau die Bedingungen, die ein Cannabis-Steckling zum Einwurzeln braucht.
Das Wichtigste auf einen Blick
• Die Bewurzelung dauert in der Regel 7 bis 14 Tage.
• Cannabis-Stecklinge sind seit dem 01.04.2024 legal erhältlich.
• Der private Eigenanbau ist auf maximal drei Cannabispflanzen beschränkt.
• Unbewurzelte Stecklinge zählen rechtlich nicht als Pflanzen.
• Kokoserde bewurzelt Hanfstecklinge zuverlässig.
Inhalte
- 1 Cannabis-Stecklinge legal beziehen: Was erlaubt das Gesetz?
- 2 Gute Qualität beim Steckling-Kauf erkennen
- 3 Vorbereitung und Ausrüstung
- 4 Cannabis-Stecklinge einpflanzen: Schritt für Schritt
- 5 Cannabis-Stecklinge pflegen bis zur Bewurzelung
- 6 Cannabis-Stecklinge umtopfen nach Bewurzelung
- 7 Probleme beim Bewurzeln: Welken, Vergilben und Wurzelfäule
- 8 Häufige Fragen zu Cannabis-Stecklingen in Kokoserde
Cannabis-Stecklinge legal beziehen: Was erlaubt das Gesetz?
Seit dem 01.04.2024 regelt das Konsumcannabisgesetz (KCanG) den privaten Umgang mit Cannabis in Deutschland. Erwachsene ab 18 Jahren dürfen an ihrem Wohnsitz gleichzeitig maximal drei Cannabispflanzen für den privaten Eigenanbau halten. Doch beim Erwerb von Cannabis-Stecklingen gelten klare rechtliche Vorgaben.
Bezugsquellen und Weitergabeverbot
Cannabis-Stecklinge können über zwei Wege legal bezogen werden. Anbauvereinigungen, also gemeinnützige Vereine zum gemeinschaftlichen Eigenanbau, dürfen Vermehrungsmaterial wie Stecklinge und Samen im gesetzlich vorgesehenen Rahmen an ihre Mitglieder weitergeben. Daneben bieten gewerbliche Anbieter mit Sitz in Deutschland Cannabis-Stecklinge aus kontrollierter Mutterpflanzen-Selektion an.
Die Weitergabe an Dritte ist hingegen verboten. Laut dem Gesetz, kann selbst das Verschenken als unerlaubtes Inverkehrbringen (d. h. Handeln, Tauschen oder Verschenken) geahndet werden.
💡 Tipp: Drei-Pflanzen-Grenze
Sobald ein Steckling Wurzeln bildet, zählt er rechtlich als Pflanze (206 StRR 315/25) und fällt unter die Drei-Pflanzen-Grenze. Unbewurzelte Stecklinge fallen noch nicht darunter, allerdings kann eine große Anzahl unbewurzelter Stecklinge den Verdacht auf eine Überschreitung der erlaubten Menge begründen.
Gute Qualität beim Steckling-Kauf erkennen
Eine seriöse Lieferung Hanfstecklinge kommt feucht verpackt, ohne Welkeerscheinungen und mit klar dokumentierter Sortenangabe. Folgende Merkmale sprechen für eine gute Qualität:
- Kräftiger, fester Stamm ohne braune Verfärbungen oder weiche Stellen
- Sattgrüne Blätter ohne gelbe Flecken oder Brennspuren
- Sichtbare weiße Wurzelansätze oder Kallusbildung am Schnitt (Kallus ist das weißlich-wulstige Wundgewebe, aus dem Wurzeln wachsen)
- Keine Spinnmilben, Mehltau oder Pestizidrückstände
- Stabile, namentlich genannte Genetik mit Phänotyp-Beschreibung (Phänotyp = das tatsächliche Erscheinungsbild der Pflanze, z. B. Wuchshöhe, Blütezeit, Aroma)
Vorbereitung und Ausrüstung
Kommen Cannabis-Stecklinge per Post an und lassen beim Auspacken leicht die Blätter hängen, werden sie zunächst in ein Glas mit pH-angepasstem Wasser gestellt. Häufig erholen sie sich nach kurzer Zeit wieder.
💡 Tipp: pH-Wert anpassen
Der pH-Wert des Wassers wird zuerst mit einem pH-Test gemessen. Liegt er zu hoch, werden mit einer Pipette wenige Tropfen pH-Senker hinzugefügt. Ist er zu niedrig, wird vorsichtig pH-Heber eingerührt. Danach erneut messen.
Kokoserde als Bewurzelungssubstrat

Kokoserde besteht aus aufbereiteten Fasern der Kokosnussschale. Für die Bewurzelung von Cannabis-Stecklingen bietet sie klare Vorteile:
- Luftporenvolumen
Kokoserde hat ein hohes Luftporenvolumen (25 bis 30 %). Viele feine Hohlräume im Substrat bleiben also mit Luft gefüllt, sodass junge Wurzeln ausreichend Sauerstoff aufnehmen können. Das unterstützt die Rhizogenese, also die Bildung neuer Wurzeln. - pH-Pufferung
Gut aufbereitete Kokoserde bleibt im leicht sauren Bereich mit 5,5 und 6,5 relativ pH-stabil. Für Cannabis-Stecklinge ist ein pH-Wert von etwa 5,8 bis 6,2 günstig, weil die jungen Wurzeln Nährstoffe in diesem Bereich gut aufnehmen. - Drainage-Eigenschaften
Aufgrund des hohen Luftporenvolumens lässt Kokoserde überschüssiges Wasser ablaufen. Das beugt Staunässe vor und senkt das Risiko von Wurzelproblemen, etwa durch Pythium, einen pilzähnlichen Erreger, der bei zu nassem Substrat Schäden an den Wurzeln verursacht.
Anwurzelbedingungen für Cannabis-Stecklinge
In den ersten zwei Wochen beginnt bei Cannabis-Stecklingen die eigentliche Wurzelbildung. Gesteuert wird dieser Prozess unter anderem durch Auxine. Das sind Pflanzenhormone, die das Wachstum regulieren und die Bildung neuer Wurzeln anregen. Damit die Stecklinge gut anwachsen, sollten die folgenden Kulturwerte in dieser Phase möglichst konstant bleiben.
| Parameter | Zielwerte |
|---|---|
| pH-Wert (Substrat) | 5,8 bis 6,2 |
| EC-Wert* | unter 0,8 mS/cm |
| Lufttemperatur | 22 bis 25 °C |
| Luftfeuchtigkeit | 70 bis 80 % |
| PPFD* | 100 bis 300 µmol/m²/s |
| Lichtzyklus | 18/6 (18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkel) |
*PPFD = Maß für die Lichtmenge, die tatsächlich auf die Pflanze trifft
*EC-Wert = elektrische Leitfähigkeit des Gießwassers oder der Nährlösung. Der Wert zeigt, wie viele gelöste Nährsalze enthalten sind. Er steigt durch Mineralien im Leitungswasser und durch Dünger. Junge Cannabis-Stecklinge benötigen einen niedrigen EC-Wert, weil die jungen Wurzeln empfindlich auf zu hohe Nährstoffkonzentrationen reagieren. Gemessen wird mit einem EC-Messgerät. Ist der Wert zu hoch, wird er mit Regenwasser oder weichem Wasser gesenkt.
*PPFD = Maß für die Lichtstärke, die tatsächlich bei den Pflanzen ankommt. Der Wert wird in µmol/m²/s angegeben und lässt sich über Lampenabstand, Dimmung und Ausrichtung der Beleuchtung beeinflussen.
Pflanzzubehör
Bevor der Hanfsteckling eingepflanzt wird, sollten alle Materialien bereitliegen. Denn jede Minute an der Luft verschlechtert die Anwurzelchancen.
- Minigewächshaus, oder Anzuchtbox mit transparenter Haube, zur Schaffung einer gleichmäßig feuchten Umgebung
- Scharfes Messer (keine Gartenschere, sie quetscht das Pflanzengewebe und verzögert die Wurzelbildung)
- Optional: Bewurzelungshormon als Gel, Pulver oder Flüssigkeit
- Sprühflasche mit kalkarmem, pH-korrigiertem Wasser
- pH-/EC-Messgerät
- Pflanztopf (3–5 Liter)
- Klare LCD-Anzeige Simultan: Das große LCD-Display mit Hintergrundbeleuchtung zeigt pH-Wert, TDS oder EC und Temperatur gleichzeitig an, ohne den Modus wechseln zu müssen, für eine schnelle und intuitive Kontrolle. Das Display mit Hintergrundbeleuchtung bietet eine klare Sichtbarkeit selbst in Umgebungen mit wenig Licht, was es ideal für Hydroponik und Schwimmbäder macht
Cannabis-Stecklinge einpflanzen: Schritt für Schritt

Schritt 1: Anzuchtkasten vorbereiten
Den Anzuchtkasten (Propagator) locker mit Kokoserde befüllen, nicht festdrücken, damit das Luftporenvolumen erhalten bleibt. Anschließend die Kokoserde mit kalkarmem, pH-optimiertem Wasser anfeuchten. Zielwert pH 5,8 bis 6,2. Am besten fühlt sich die Erde feucht an, gibt beim Drücken aber kein Wasser ab. Hervorragend eignet sich ein Anzuchtkasten mit integrierter Beleuchtung.
Schritt 2: Cannabis-Steckling vorbereiten
Wurde der Steckling von einer Pflanze abgeschnitten, dann wird der unterste Zentimeter mit einem scharfen Messer im 45-Grad-Winkel frisch angeschnitten. Der schräge Schnitt vergrößert die Oberfläche für die Wurzelbildung und fördert die Nährstoffaufnahme. Wird der Steckling bereits in einem Anzuchtwürfel mit Wurzelansatz geliefert, den Würfel anrauen und einpflanzen.
💡 Tipp: Bewurzelungshormon
Anschließend kann der Hanfsteckling mit einem Bewurzelungshormon gestärkt werden. Das beschleunigt das Wurzelwachstum, ist aber kein striktes Muss. Hanf wurzelt bei guten Bedingungen auch ohne Zusätze.
Schritt 3: Steckling in Kokoserde einsetzen
Mit einem Stäbchen oder dem Finger ein Loch, ca. 2 cm tief, in die vorbereitete Kokoserde stechen. Den Steckling hineinstellen und das Substrat leicht andrücken, damit er stabil steht. Anschließend das Minigewächshaus schließen und an einem hellen Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung aufstellen. Ideal ist eine gleichmäßige Raumtemperatur von 22 bis 25 °C.
💡 Tipp: Temperatur konstant halten
Fällt die Temperatur unter 20 °C, verlangsamt sich die Zellteilung an der Schnittstelle. Eine Heizmatte für Pflanzen unter dem Gewächshaus kann die Temperatur stabil halten, wenn der Raum kühler ist.
Cannabis-Stecklinge pflegen bis zur Bewurzelung
Hanfstecklinge gießen
Frisch geschnittene Stecklinge haben noch keine Wurzeln oder vorgezogene, ganz zarte Wurzelansätze. Die Wasseraufnahme wird deshalb in den ersten Tagen über die Blätter reguliert. Das heißt, die Hanfstecklinge werden nicht gegossen, sondern alle 3 bis 4 Tage mit kalkarmem Wasser leicht eingesprüht. Das hält die Blätter prall und verhindert, dass der Steckling welkt.
Abhärten und Wurzelkontrolle ab Tag vier
Ab Tag vier können dann die Belüftungsschlitze schrittweise geöffnet werden. Wer diesen Schritt überspringt oder zu abrupt öffnet, riskiert, bereits angewurzelte Stecklinge zu verlieren. Nach etwa einer Woche kann die Haube dann gänzlich abgenommen werden.
Cannabis-Stecklinge umtopfen nach Bewurzelung
Ab etwa dem 7. Tag zeigt sich, ob der Cannabis-Steckling bereits erste Wurzeln gebildet hat. Dafür wird ganz sanft am Steckling gezogen. Ist ein leichter Widerstand spürbar, haben sich erste Wurzeln gebildet. Wichtig ist, den Steckling dabei niemals aus dem Substrat zu ziehen, da junge Wurzeln sehr empfindlich sind.
- Sobald der Hanfsteckling sicher angewurzelt ist, kommt er in einen kleinen Pflanztopf. Dafür wird der Topf mit lockerer Kokoserde vorbereitet. Der Steckling kommt samt altem Anzuchtsubstrat in die neue Erde, damit die feinen Wurzeln möglichst wenig gestört werden. Anschließend das Substrat vorsichtig andrücken und leicht gießen.
- Ab diesem Zeitpunkt beginnt die erste sehr schwache Nährstoffversorgung. Sinnvoll ist eine milde Calcium-Magnesium-Gabe in Kombination mit einem leicht dosierten Basisnährstoff. Der EC-Wert sollte zu Beginn bei etwa 0,6 bis 0,8 mS/cm liegen, damit der junge Steckling nicht überdüngt wird.
- Nach weiteren 2 bis 4 Wochen in der Vegetationsphase folgt das nächste Umtopfen. Je nach geplanter Kultur wird der Cannabis-Steckling entweder in einen 10- bis 15-Liter-Topf gesetzt oder nach den Eisheiligen direkt ins Freiland gepflanzt.
- Optimale Calcium- und Magnesiumversorgung – beugt Mangelerscheinungen zuverlässig vor
- Fördert kräftige Zellstruktur – für stabile, widerstandsfähige Pflanzen
- Unterstützt Nährstoffaufnahme – verbessert die Effizienz anderer Dünger
- Einfache Dosierung – mit Pipette und Messbecher für präzise Anwendung
- Universell einsetzbar – geeignet für Erde, Hydro und Coco
Probleme beim Bewurzeln: Welken, Vergilben und Wurzelfäule
➡ Welken in den ersten 48 Stunden
Leicht hängende Blätter in den ersten ein bis zwei Tagen sind normal, weil der Steckling kaum Wasser über die Wurzeln aufnehmen kann. Hält das Welken an, sollten die Luftfeuchtigkeit auf etwa 80 % erhöht und die Lichtintensität auf rund 100 µmol/m²/s reduziert werden. Starkes direktes Licht ist in dieser Phase oft zu viel.
➡ Gelbe Blätter durch pH- oder Nährstofffehler
Gelbe Blätter in der Bewurzelungsphase deuten häufig auf einen zu hohen EC-Wert im Substrat (Überdüngung) oder einen pH-Fehler hin. Das Substrat mit reinem Wasser bei pH 6,0 durchspülen und 24 Stunden beobachten.
💡 Tipp: Cannabis-Stecklinge vergilben
Zeigen die Blätter Vergilbungen und trotzdem grüne Blattadern, fehlt wahrscheinlich Kalzium oder Magnesium. Eine schwache Ca/Mg-Lösung (EC 0,3 mS/cm) beim nächsten Sprühen zugeben.
➡ Pythium-Wurzelfäule erkennen und stoppen
Eine braune, matschige Stammbasis mit fauligem Geruch spricht für Wurzelfäule durch den wasserschimmelpilzartigen Erreger Pythium. Die Ursache ist fast immer Staunässe. Das heißt: Erst die Bewässerung vollständig stoppen, dann Drainagelöcher auf Verstopfung prüfen, und die Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus auf 65 % absenken.
➡ Keine Wurzeln nach 14 Tagen: Was jetzt?
Den Steckling vorsichtig aus dem Substrat heben. Zeigt das Schnittende graue oder braune Verfärbungen, den betroffenen Teil am besten mit einer sehr scharfen Schneide, erneut im 45-Grad-Winkel abschneiden, frisch in Bewurzelungshormon tauchen und neu einsetzen. Frische Kokoserde verwenden. Zeigt das Schnittende noch frisches, weißlich-grünes Gewebe und leichte Kallusbildung, einfach weiter warten. Manche Cannabis-Stecklinge benötigen bis zu 21 Tage.
Häufige Fragen zu Cannabis-Stecklingen in Kokoserde
Wie viele Cannabis-Stecklinge darf ich zu Hause haben?
Eingepflanzte, bewurzelte Stecklinge zählen als Pflanzen und unterliegen der Drei-Pflanzen-Grenze des KCanG. Unbewurzelte Stecklinge gelten noch nicht als Pflanzen, allerdings kann eine auffällig große Anzahl den Verdacht auf eine Überschreitung der erlaubten Menge begründen.
Darf ich Hanfstecklinge an Freunde weitergeben?
Nein. Auch die unentgeltliche Abgabe gilt laut KCanG als unerlaubtes Inverkehrbringen und kann strafrechtlich relevant sein.
Cannabis besser mit Leitungswasser oder destilliertem Wasser gießen?
Kalkarmes Leitungswasser (unter 0,4 mS/cm) funktioniert nach pH-Korrektur gut. Hartes Leitungswasser erhöht den EC-Wert im Substrat schnell. In diesem Fall destilliertes oder gefiltertes Wasser verwenden und den EC regelmäßig messen.
Kann ich zu viel Bewurzelungshormon auftragen?
Ja. Eine zu hohe Konzentration hemmt die Wurzelbildung. Bei Gel genügt ein dünner, gleichmäßiger Film. Bei Pulver überschüssiges Material nach dem Eintauchen abklopfen.
Kann ich denselben Propagator für die nächste Anzucht verwenden?
Ja, aber nur nach gründlicher Reinigung. Propagatoren, die nicht desinfiziert werden, übertragen Sporen von Pythium und anderen Erregern auf neue Stecklinge.




