Hanf anzubauen, ist ein spannendes Projekt für alle, die Lust auf etwas Neues haben. Doch dabei gibt es viel zu beachten. Sowohl im Garten, als auch gesetzlich.

Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und darf seit dem 1. April 2024 in Deutschland sogar unter bestimmten Voraussetzungen legal angebaut werden. Klar, dass die Neugier da groß ist und der eine oder andere nun auch mal Hanf im eigenen Garten anbauen möchte. Doch hierfür benötigt man einiges an Wissen. Wenn Sie sich das aneignen, steht dem legalen Anbau nichts im Weg.

Hanf erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance im heimischen Garten. Die robuste Pflanze mit ihren charakteristischen gefiederten Blättern bietet nicht nur einen attraktiven Blickfang, sondern lässt sich auch vielseitig nutzen. Wer sich für den Anbau interessiert, findet mittlerweile sogar spezielle Sorten im CBD Shop online, die sich für verschiedene Anwendungszwecke eignen. Doch bevor die ersten Samen in die Erde kommen, sollten Gartenfreunde einige wichtige Aspekte beachten – von der Sortenwahl über die Standortbedingungen bis hin zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Die richtige Sorte für den Gartenbau auswählen

Hanfpflanzen im Garten: Anbau, Pflege und rechtliche Grundlagen
Sie dürfen nur zertifizierte Nutzhanfsorten anbauen – © gartentipps.com

Nicht jede Hanfsorte eignet sich gleichermaßen für den privaten Anbau im Garten. Entscheidend ist zunächst der THC-Gehalt (mehr darüber auf Stiftung-Gesundheitswissen.de), der in Deutschland bei maximal 0,2 Prozent liegen muss, um legal angebaut werden zu dürfen. Zertifizierte Nutzhanfsorten erfüllen diese Anforderung und bieten gleichzeitig verschiedene Eigenschaften, die für unterschiedliche Zwecke interessant sein können. Manche Sorten wachsen besonders kompakt und eignen sich damit auch für kleinere Gärten, während andere eine beeindruckende Höhe von drei Metern und mehr erreichen können.

Die Auswahl reicht von faserproduzierenden Sorten, die traditionell für textile Zwecke genutzt wurden, bis hin zu CBD-reichen Varietäten. Letztere entwickeln CBD Blüten mit fruchtigen Noten, die sich durch besondere Aromen auszeichnen. Für Einsteiger empfehlen sich robuste Sorten, die weniger anfällig für Krankheiten sind und auch mit wechselhaften Wetterbedingungen gut zurechtkommen. Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen einjährigen und mehrjährigen Varietäten, wobei im klassischen Gartenanbau meist einjährige Sorten bevorzugt werden.

Standort und Bodenbeschaffenheit optimal gestalten

Hanfpflanzen im Garten: Anbau, Pflege und rechtliche Grundlagen
Der Standort sollte sonnig und die Erde locker sein – © Tolles Studio / stock.adobe.com

Hanf stellt zwar keine übermäßig hohen Ansprüche an seinen Standort, doch einige Grundbedingungen sollten erfüllt sein, um ein gesundes Wachstum zu gewährleisten.

☀️ Standort:

Die Pflanze bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit mindestens sechs Stunden direkter Sonneneinstrahlung täglich. Je mehr Licht die Pflanzen erhalten, desto kräftiger entwickeln sie sich und desto reicher fällt die spätere Ernte aus. Ein windgeschützter Standort ist ebenfalls von Vorteil, da die hochwachsenden Stängel bei Sturm leicht knicken können. Außerdem ist eine Temperatur zwischen 15 °C und 27 °C für die Pflanzen ideal.

🌱 Boden:

Der ideale Boden ist locker, gut durchlässig und nährstoffreich. Schweren Lehmboden verbessern Sie, indem Sie ihn mit Sand und Kompost auflockern, um Staunässe zu vermeiden, denn diese verträgt Hanf überhaupt nicht. Ein pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5 schafft optimale Voraussetzungen. Vor der Aussaat lohnt es sich, den Boden tiefgründig umzugraben und mit reifem Kompost anzureichern.

Autoren-Kommentar von M. Liebeskind

💡 Schon gewusst?

Hanf ist übrigens ein ausgezeichneter Bodenverbesserer: Die tiefen Pfahlwurzeln lockern verdichtete Erdschichten auf und hinterlassen nach der Ernte ein feinkrümeliges, fruchtbares Substrat für nachfolgende Kulturen.

Aussaat und Anzucht erfolgreich durchführen

Hanfpflanzen im Garten: Anbau, Pflege und rechtliche Grundlagen
Ziehen Sie Hanf am besten im Haus vor – © sablinstanislav / stock.adobe.com

Der optimale Zeitpunkt für den Anbau im Garten liegt zwischen Mitte April und Anfang Mai, wenn keine Spätfröste mehr zu erwarten sind und die Bodentemperatur konstant über zehn Grad liegt. Möchten Sie auf Nummer sicher gehen, können Sie die Anzucht in Töpfen auf der Fensterbank oder im Gewächshaus beginnen und die Jungpflanzen nach den Eisheiligen ins Freiland setzen. Gehen Sie dabei einfach folgendermaßen vor:

  1. Hanfsamen keimen zuverlässig und benötigen keine besondere Vorbehandlung, allerdings beschleunigt ein mehrstündiges Einweichen in lauwarmem Wasser den Prozess.
  2. Füllen Sie Anzuchttöpfe mit Erde, legen Sie die Samen etwa zwei bis drei Zentimeter tief hinein und bedecken Sie sie mit Erde. Sollten Sie sich für eine Reihenaussaat im Beet entscheiden, empfiehlt sich ein Abstand von 30 bis 50 Zentimetern zwischen den Pflanzen und mindestens 60 Zentimetern zwischen den Reihen.
  3. Anschließend die Erde leicht anfeuchten und die Töpfe mit Folie bedecken, um die Feuchtigkeit zu halten. Aber bitte täglich lüften, damit kein Schimmel entsteht.
  4. Bereits nach wenigen Tagen zeigen sich die ersten Keimlinge mit ihren charakteristischen ovalen Keimblättern. In dieser frühen Phase ist gleichmäßige Feuchtigkeit besonders wichtig. Der Boden sollte also nie vollständig austrocknen, aber auch nicht durchnässt sein. Sobald die Pflanzen etwa 15 Zentimeter hoch sind, werden sie deutlich robuster und können auch kurze Trockenphasen besser verkraften.
  5. Nach den Eiheiligen können Sie die jungen Pflanzen ins Beet setzen. Halten Sie dabei einen Pflanzabstand zwischen den Hanfpflanzen von circa 60 cm ein.

Pflege während der Wachstumsphase

Hanfpflanzen im Garten: Anbau, Pflege und rechtliche Grundlagen
Junge Hanfpflanzen bevorzugen Feuchtigkeit – © Singh / stock.adobe.com

Hanf gehört zu den pflegeleichteren Gartenpflanzen und benötigt nach der erfolgreichen Etablierung nur moderate Aufmerksamkeit.

💧 Gießen:

Die Bewässerung sollte bedarfsgerecht erfolgen. In den ersten Wochen sollten Sie regelmäßiger gießen. Später reicht es meist aus, bei längeren Trockenperioden zu gießen, denn das ausgeprägte Wurzelsystem erreicht tiefe Bodenschichten und versorgt die Pflanze auch in heißen Sommern ausreichend mit Wasser. 

🧑🏻‍🌾 Düngen:

Eine zusätzliche Düngung ist bei gut vorbereiteten Böden oft nicht notwendig. Falls die Pflanzen dennoch Mangelerscheinungen zeigen, welche erkennbar an gelblichen Blättern oder schwachem Wuchs sind, können organische Dünger wie Brennnesseljauche oder Komposttee Abhilfe schaffen. Auf chemische Düngemittel sollten Sie verzichten, besonders wenn Sie die Blüten später nutzen möchten.

🐛 Krankheiten und Schädlinge:

Hanf ist erstaunlich widerstandsfähig gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Die meisten Insekten meiden die Pflanze aufgrund ihrer ätherischen Öle. Gelegentlich können mal Schnecken an den jungen Trieben knabbern. Sie lassen sich aber mit den üblichen Methoden fernhalten. Streuen Sie zum Beispiel groben Sand, Sägespäne oder zerstoßene Eierschalen rund um die Pflanzen. Aber auch Kupferbänder, die um Beetränder oder Pflanzkübel gelegt werden, haben sich als wirkungsvoll erwiesen. Lesetipp: Nacktschnecken bekämpfen – 7 Tipps

Blattläuse oder Spinnmilben können Hanfpflanzen auch gelegentlich mal etwas zu schaffen machen. Vor allem bei warmem, trockenem Wetter. Hier helfen oft schon natürliche Mittel wie ein kräftiger Wasserstrahl oder selbst angesetzte Pflanzenjauchen.

Auch Pilzkrankheiten können auftreten. Sie entstehen meist durch zu hohe Feuchtigkeit und eine schlechte Luftzirkulation. Achten Sie daher auf ausreichend Abstand zwischen den Pflanzen und vermeiden Sie es, die Blätter beim Gießen nass zu machen.

Ernte und Verarbeitung zum richtigen Zeitpunkt

Hanfpflanzen im Garten: Anbau, Pflege und rechtliche Grundlagen
Die kräftigen Stängel lassen sich mit einer Gartenschere schneiden – © InfiniteFlow / stock.adobe.com

Der Erntezeitpunkt hängt davon ab, welcher Pflanzenteil genutzt werden soll. Hier einige Tipps:

  • Für die Fasergewinnung erfolgt die Ernte bereits zur Blütezeit, etwa drei bis vier Monate nach der Aussaat.
  • Wenn Sie hingegen an den Samen interessiert sind, warten Sie bis zur vollständigen Reife im Spätsommer oder Frühherbst. Erkennbar ist sie daran, dass die Samenkapseln bräunlich werden und sich leicht öffnen lassen.
  • Bei CBD-reichen Sorten ist der optimale Erntezeitpunkt erreicht, wenn die Blüten voll ausgebildet sind und die Trichome eine milchig-trübe Färbung aufweisen.

Die Ernte selbst erfordert je nach Pflanzengröße etwas Kraftaufwand. Die kräftigen Stängel lassen sich mit einer scharfen Gartenschere oder bei größeren Beständen mit der Sense schneiden. Nach dem Schnitt sollten Sie die Pflanzen kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort zum Trocknen aufhängen. Wichtig ist eine gute Luftzirkulation, um Schimmelbildung zu vermeiden. Der Trocknungsprozess dauert je nach Luftfeuchtigkeit zwischen zwei und vier Wochen. Anschließend können Sie die getrockneten Pflanzenteile weiterverarbeiten oder sachgerecht lagern. Kühl, dunkel und trocken bleiben sie dann über Monate hinweg haltbar.

Rechtliche Aspekte und Meldepflichten beachten

Hanfpflanzen im Garten: Anbau, Pflege und rechtliche Grundlagen
Erwachsene dürfen 3 Cannabispflanzen im privaten Bereich anbauen – © megaflopp / stock.adobe.com

Auch wenn der Anbau von Hanf (ohne THC), sprich Nutzhanf, grundsätzlich legal ist, unterliegt er in Deutschland strengen Regelungen. Privatpersonen müssen den Anbau bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung anmelden und dürfen ausschließlich zertifizierte Sorten mit einem THC-Gehalt unter 0,2 Prozent verwenden. Die Liste der zugelassenen Sorten wird regelmäßig aktualisiert und sollte vor dem Kauf von Saatgut kontrolliert werden. Dokumentationspflichten und mögliche Kontrollen durch Behörden sind auch ein Teil des Genehmigungsprozesses.

Für kleinere Gärten und den reinen Hobbyanbau gestaltet sich das Prozedere allerdings oft kompliziert, weshalb viele Gartenfreunde auf andere dekorative Pflanzen ausweichen oder sich auf den Anbau in kontrollierten Kleinmengen beschränken. Besonders wichtig ist, dass die Pflanzen nicht öffentlich zugänglich sind und keine Möglichkeit besteht, dass Kinder, Jugendliche oder unbefugte Dritte Zugriff darauf haben. Ein umzäunter Garten oder ein abgeschlossener Bereich ist daher oft eine Voraussetzung. Da sich die rechtliche Situation allerdings stetig weiterentwickelt, empfehle ich vor jedem Anbau einen Blick auf die aktuellen Bestimmungen zu werfen. Alle Informationen dazu, erhalten Sie beim Bundesministerium für Gesundheit.

Unabhängig von der Gesetzeslage gilt: Transparenz gegenüber Nachbarn und Behörden erspart mögliche Missverständnisse und schafft eine solide Grundlage für erfolgreiches Gärtnern mit dieser faszinierenden Kulturpflanze.

Autoren-Kommentar von M. Liebeskind

💡 Beachten Sie:

Pro erwachsener Person sind bis zu drei blühende Cannabispflanzen im privaten Bereich erlaubt. Der private Anbau ist allerdings ausschließlich für den Eigenkonsum vorgesehen. Eine Weitergabe oder ein Verkauf der Ernte ist also nicht erlaubt.

Mutter, Hundebesitzerin und leidenschaftliche Hobbygärtnerin. Schon als Kind habe ich gemeinsam mit meinen Eltern den heimischen Garten bewirtschaftet und mich für dessen Gestaltung interessiert. Jetzt besitze ich meinen eigenen Garten und zeige meiner Tochter, wie einfach es ist Obst, Gemüse und Blumen selbst zu züchten. Ein Garten bedeutet viel Arbeit - er belohnt uns dafür aber auch mit einer reichen Ernte, wunderschönen Blumen und dem tollen Gefühl aus eigener Kraft etwas geschaffen zu haben.

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