Gartentipps Gewächshaus

Kleingewächshaus-Eindeckung: Dieses Material eignet sich am besten

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Wer ein Gewächshaus selber baut, der steht bei der Planung vor der Frage mit welchem Material das Dach eingedeckt werden soll. Wir stellen Ihnen hier verschiedene Varianten und ihre Vor- und Nachteile vor.

Kleingewächshaus-Bedachung - Welches Material eignet sich am besten
© Korn V. – Fotolia.com

Mit einem Kleingewächshaus verschaffen Sie sich Flexibilität und viel gärtnerischen Freiraum. Das Thermometer braucht Sie in Zukunft nur noch wenig kümmern, denn Pflanzen im Gewächshaus kann nichts passieren. Auch Bonsais und tropische Pflanzen fühlen sich plötzlich in Ihrem Garten wohl und das Vorkeimen und die Anzucht der Pflanzen werden fortan zum Kinderspiel.

Bevor das Gewächshaus aufgestellt wird, sollte nicht nur der Standort feststehen, sondern auch das Material für die Eindeckung Ihres neuen Kleingewächshauses gefunden werden. Nachfolgend erfahren Sie, welche Möglichkeiten der Bedachung sich Ihnen bieten und welche Materialien sich am ehesten anbieten.

Glas contra Kunststoff

Unsere Großeltern gärtnerten in Glasgewächshäusern. Glas war damals die erste Wahl und auch die einzige verfügbare Bedachung von Gewächshäusern. Es mangelte an flexiblen und zeitgemäßen Alternativen. Heute ist das Glasgewächshaus noch immer hier und da zu finden, aber eigentlich eher zu einer Ausnahme geworden. Glas lässt sich zwar leicht reinigen, birgt aber auch Gefahren. Im Gegensatz zu Kunststoff ist Glas schwerer und unflexibler. Das Gewächshaus muss eine besonders stabile Konstruktion besitzen, um dem Gewicht standhalten zu können.

Geht Glas zu Bruch, kann eine Gefährdung für die Gesundheit nicht ausgeschlossen werden. Kunststoff ist nicht nur leichter, sondern auch flexibler. Der Werkstoff bricht nicht und hält auch Unwetterschäden problemlos stand.

Splitterndes Glas ist ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko.

Fällt die Glaswand zusammen, ist Aufräumen angesagt, dabei sollten selbst kleinste Splitter nicht übersehen werden, denn verbleiben diese in der Erde, können Sie sich beim Gärtnern schwere Schnittverletzungen an den Händen zuziehen.

Welches Material lässt sich einfacher verarbeiten?

Auch hier lautet die Antwort ganz klar: Kunststoff. Sie können Kunststoffplatten ganz einfach mit der Stichsäge oder der Handkreissäge zuschneiden.

» Tipp: Achten Sie auf ein feines Sägeblatt, damit das Material nicht splittert.

Bei der Bearbeitung von Glas muss deutlich sorgsamer vorgegangen werden. Es genügt bereits eine falsche Bewegung und das Glas splittert und springt.

Welcher Kunststoff kann als Eindeckung verwendet werden?

Der Begriff Kunststoff umfasst eine breite Produktpalette und stellt damit den Hobbygärtner vor die Frage, welcher Kunststoff für das Kleingewächshaus nun das richtige Material ist. Im Zusammenhang mit der Eindeckung sind Makrolon und Plexiglas die favorisierten Begriffe. Makrolon ist eine Markenbezeichnung und steht eigentlich für Polycarbonat. Auch Plexiglas oder Acrylglas sind gängige Bezeichnungen für eine Kunststoff-Gattung namens Polymethylmethacrylat.

Vor- und Nachteile der beiden Kunststoffe

Kunststoff Vorteile Nachteile
Makrolon✔ transparent
✔ wetterbeständig
✔ einfach zu bearbeiten
✖ teuer in der Anschaffung
✖ empfindlich gegen Kratzer
✖ Vergilbung kann auftreten
Plexiglas✔ optisch kaum von Echtglas zu unterscheiden
✔ nicht empfindlich gegen Kratzer
✖ schwierig zu bearbeiten
✖ kann splittern

Smartphoneglas als innovative Lösung von Morgen

Sprechen wir von der Eindeckung von Kleingewächshäusern, ist Smartphoneglas ganz sicher noch Zukunftsmusik, aber dennoch bereits im Gespräch. In den Niederlanden wurde eine entsprechende Studie durchgeführt. Wissenschaftler in Wageningen haben untersucht, ob sich dieses dünne und flexible Glas für die Eindeckung von Gewächshäusern eignet. Im Fokus bei diesem Projekt lag das Nachdenken über innovative Energieeinsparungen. Hierbei wurde mit verschiedenen Schichten Glas experimentiert. Gegenüber der in einem Venlo-Energie-Gewächshaus herrschenden Energieeinsparung beim unbelichteten Gemüseanbau konnte mit einer Doppelverglasung an Smartphoneglas bereits mehr als die Hälfte an Energie eingespart werden.

Die Möglichkeiten, Gewächshäuser zukünftig besonders energiesparend eindecken zu können, sind mit den sehr dünnen und robusten Glasplatten also durchaus gegeben. Das dünne Glas ist speziell gehärtet und damit auch weit stabiler als herkömmliches Glas.

» Tipp: Smartphoneglas lässt sich auch in gebogener Form herstellen.

Eine Nanobeschichtung sorgt dafür, dass das Glas weniger reflektiert und lichtdurchlässiger wird. Die Lichtdurchlässigkeit bei mehrschichtigen Smartphonegläsern kann sogar die derzeit häufig verwendeten ebenfalls mehrschichtig hergestellten Hohlkernplatten aus Polycarbonat übertreffen.

Es bleibt abzuwarten, ob sich das Material bei der Fertigung von Kleingewächshäusern durchsetzen kann. Dagegen sprechen könnten der hohe Preis und die begrenzten Abmessungen.

Folie als Eindeckung verwenden – macht das Sinn?

Hierbei kann man durchaus geteilter Meinung sein. Die Vor- und Nachteile beim Foliengewächshaus halten sich wohl die Waage. Es ist natürlich recht kostengünstig, das Kleingewächshaus mit Folie einzudecken. Wer sich an das Hobby Gärtnern im Gewächshaus herantasten möchte, findet hier sicher eine einfache und kostengünstige Möglichkeit. Das Foliengewächshaus ist schnell aufgestellt und Sie benötigen kein Fundament. Reißt die Folie, kann diese behelfsmäßig geklebt oder einfach ausgetauscht werden.

Natürlich sollen auch die Nachteile nicht unerwähnt bleiben. Ein mit Folie eingedecktes Gewächshaus ist nicht wirklich ein Blickfang. In einem geschlossenen Foliengewächshaus steigt die Luftfeuchtigkeit schnell an und dies führt zu einem Klima, welches den Pilz- und Schädlingsbefall fördert.

» Tipp: Foliengewächshäuser sollten über Belüftungsmöglichkeiten verfügen.

Ein Foliengewächshaus sollte im Herbst abgebaut werden. Ganzjährlich werden Sie hier nicht gärtnern können, denn die Foliengewächshäuser verfügen über keine Isolation, daher macht es wenig Sinn, hier zu heizen. Zudem sind Folien nur sehr begrenzt haltbar und würden unter der Last von Schnee und Eis sicher zusammenbrechen.

Kleingewächshäuser effizient eindecken – worauf ist zu achten?

  • Wertigkeit
  • Beständigkeit
  • Lichtdurchlässigkeit
  • Verarbeitungsfreundlichkeit
  • UV-Beständigkeit
  • Isolierung
  • Dachneigung

Warum ist die Dachneigung so wichtig?

Die Neigung des Gewächshauses ist besonders wichtig, damit sich auf der geraden Fläche kein Regen staut oder Schneemassen im Winter das Gewächshaus zum Einsturz bringen. Ist das Dach geneigt, kann es sich quasi selbst reinigen. Ist der Winkel ausreichend groß, läuft das Wasser zügig ab und reinigt dabei die Dachflächen.

» Tipp: Die meisten Hersteller setzen auf einen Neigungswinkel des Daches von etwa 26 Grad.

Dies hat einen weiteren Vorteil, das Licht kann besonders gut reflektiert werden, wenn es auf einen eher stumpfen Winkel trifft.

Auf welche Punkte ist bei der Wahl der Eindeckung besonders zu achten?

❖ Isolationswert

Die verschiedenen Materialien unterscheiden sich in ihrem Isolationswert.

» Tipp: Den Isolationswert finden Sie in einem k-Wert oder in einem u-Wert angegeben.

Der Isolationswert ist für Sie besonders wichtig, wenn Sie das Kleingewächshaus ganzjährlich verwenden möchten. Wenn sie nur im Frühling und Sommer im Gewächshaus gärtnern möchten, werden Sie weniger Wert auf die Wärmedämmung legen, als Hobbygärtner, welche das Kleingewächshaus ganzjährlich nutzen möchten.

Achtung: Überlegen Sie im Vorfeld genau, welche Prioritäten Sie setzen, denn Nachrüsten kann teuer werden.

Niedrige Isolationswerte lassen sich oft nur erzielen, wenn gleichzeitig eine geringe Lichtdurchlässigkeit in Kauf genommen wird. So kommen dann meist statt der herkömmlichen Stegdoppelplatten Stegdreifachplatten zum Einsatz.

❖ Lichtdurchlässigkeit

Bei der Wahl der Eindeckung sollten Sie bedenken, dass soviel wie möglich an Licht in Ihr Gewächshaus dringen soll. Denn jede Pflanze benötigt ausreichend Licht. Besonders bei der ganzjährlichen Nutzung ist die Lichtdurchlässigkeit ein wichtiges Kriterium. Denken Sie nur an die äußerst lichtarmen Tage im November und Dezember.

Bei der Wahl der Lichtdurchlässigkeit sollten sie auf folgende Details achten:

  • Material
  • Schichten
  • Dichte
  • Beschichtungen

Bei Eindeckungen aus den gängigen Kunststoffen ist die Lichtdurchlässigkeit in etwa gleich und liegt bei etwa 92 Prozent und 16 Millimetern. Durch Stegdreifachplatten fällt weniger Licht, als durch Stegdoppelplatten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Stegdichte. Stegplatten mit einem X-Profil sorgen zum Beispiel für Stabilität, gleichzeitig geht aber durch den engen Stand der Stege eine Menge an Licht verloren. Auch etwaige Beschichtungen gehen zu Lasten des Lichteinfalls.

❖ UV-Beständigkeit

Verwenden Sie eine Eindeckung ohne UV-Beständigkeit, werden Sie vielleicht weniger bezahlen, aber vermutlich auch weniger Freude an Ihrem neuen Gewächshaus haben, denn ist das Material nicht UV-beständig, wird es schnell unansehnlich, es vergilbt und es zeigen sich womöglich Risse. Automatisch gelangt weniger Licht an Ihre Pflanzen. In den Rissen kann sich Schmutz festsetzen und der Lichteinfall wird weiter reduziert. Oft müssen die Eindeckungen nach kurzer Zeit wieder ausgetauscht werden, da nicht mehr ausreichend Licht zu den Pflanzen vordringt und die Platten einfach unansehnlich geworden sind.


Foto1: © Korn V. - Fotolia.com

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