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Losbaum vermehren – So klappt’s per Aussaat, Kopfstecklinge & Wurzelschösslingen

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Wer den Losbaum vermehren möchte, der muss selbst tätig werden. Die Pflanze mit den exotischen Blüten kann sich nämlich nicht selbst bestäuben.

Losbaum vermehren
© etfoto – Fotolia.com

Da sich der Clerodendrum trichotomum nur über Fremdbestäubung selbst vermehren kann, sollte sich bei der Wahl des Standortes die Umgebung genauer angesehen werden. Wenn man Bienen und anderen Insekten nicht die Arbeit überlassen möchte, kann man den Losbaum auch selbst vermehren. Was es dabei zu beachten gilt und welche Möglichkeiten zur Auswahl stehen, verraten wir in diesem Ratgeber.

Warum muss der Losbaum fremdbestäubt werden?

Aus menschlicher Sicht erinnert der Hintergrund ein wenig an Romeo und Julia. Von Natur aus reifen die Narben meistens erst, wenn die Staubgefäße der männlichen Geschlechtsorgane bereits verblüht sind. Dadurch kann sich der Losbaum nicht mit sich selbst vermehren. Doch keine Sorge – wir können nachhelfen!

Einen Losbaum vermehren – Das gilt es zu beachten

Bevor der Wurzelballen die Erde berührt, sollten noch folgende Aspekte vor dem Vermehren bedacht werden:

  • Der Losbaum mag es warm, daher ist ein Standort mit Sonnenlicht oder Halbschatten ideal.
  • Die Mittagssonne ist dennoch nicht förderlich für ihn.
  • Vor allem im Winter sollte der Standort geschützt vor eisigen Winden sein.
  • Im Falle der Kübelhaltung sollte sein Platz in Ost- oder West-Richtung gewählt werden.
  • Sowohl im Freien als auch auf der Terrasse sollte die Süd-Richtung vermieden werden.
  • Bei Staunässe kann es schlimmsten Fall zu Schimmel im Wurzelwerk kommen.
  • Klassische Pflanzen- bzw. Gartenerde ist bestens für den Losbaum geeignet.
  • Besonders freut er sich über ein Gemisch aus Lehm, Sand, Kompost und Hornspäne.
  • Als Dünger ist im Garten eine Mischung aus Stickstoff und Phosphor geeignet, für Kübelpflanzen reicht hingegen ein Allround-Flüssigdünger (z.B. hier erhältlich).

Vermehren des Losbaums mit Aussaat

Die Aussaat kann entweder aus den Steinfrüchten des Losbaums gewonnen werden oder im Fachhandel erworben werden. Ersteres geht besonders gut, wenn die Früchte reif sind. Jede enthält vier Kerne, die eingepflanzt werden können. Wichtig in beiden Fällen ist, dass es sich um Kaltkeimer handelt. Deshalb benötigen die harten Samen und ihre dicke Schale Kälte – ideal sind hierfür die Wintermonate. Für optimale Keimbedingungen sollte die Erde zudem feucht sein.

» Tipp: Wenn es in der Region nicht kalt genug wird, hilft auch ein Trick: Nachdem die Samen in kleine Pflanztöpfe gesetzt wurden, stellt man sie für bis zu drei Monate ins Gemüsefach. So werden die Samen mit allem versorgt, was sie zum Wachsen benötigen.

Vermehren des Losbaums mit Kopfstecklingen

Alternativ können auch die Triebe des Losbaums zur Vermehrung genutzt werden. Optimal ist es, wenn diese schon etwa 20 cm lang sind. Sobald Pflanztöpfe und Anzuchterde bereitstehen oder ein schöner Platz im Garten gefunden ist, kann es losgehen:

❶ Ein Blick auf das Thermometer lohnt sich. Wenn die Bodentemperatur etwa 20 bis 25°C beträgt, ist die beste Zeit zum Stecken gekommen.
❷ Vor dem Einpflanzen werden die unteren Blätter vom Trieb entfernt.
❸ Nun wird der Trieb in die Erde gesteckt. Wer ein größeres Gewächs möchte, kann auch drei bis vier Stecklinge in einen Topf stecken.
❹ Damit der Steckling wächst und gedeiht, sollte er direkt gegossen und die Erde immer feucht gehalten werden.
❺ Mit einer Folie über den Trieben wird die Wurzelbildung beschleunigt, da es so schön warm und feucht ist.

Nun heißt es warten und regelmäßig die Erde anfeuchten. Ein gutes Zeichen dafür, dass alles geklappt hat, sind erste grüne Spitzen nach etwa drei Wochen. Nach etwa einem halben Jahr sollte die Jungpflanze dann bereit zum Umpflanzen sein.

Vermehren des Losbaums mit Wurzelschösslingen

Eine dritte Möglichkeit sind Wurzelschösslinge. Diese erhält man, indem aus Wurzeln jeweils Teile mit einer Länge von vier bis sechs Zentimetern heraus schneidet. Werden diese nun in passendes Substrat gelegt und mit ein wenig Erde bedeckt, bilden sich im Frühjahr die ersten Triebe. Wichtig ist auch hier, dass die Anzuchterde nicht austrocknet und die Wurzelschösslinge im Kalten sind.

Abmoosen

Wer bereits schlechte Erfahrungen mit Stecklingen vom Losbaum gemacht hat, die sich einfach nicht entwickeln wollte, sollte es mal mit dem Abmoosen probieren. Grund hierfür ist, dass es dank der Nährstoffversorgung durch die Mutterpflanze oftmals einfacher ist, den Losbaum zu vermehren. Die mehr als 4.000 Jahre alte Methode ist zwar etwas unbekannter und aufwendiger, aber sehr effektiv. In der Praxis haben sich zwei Varianten durchgesetzt:

Abmoosen per RingmethodeAbmoosen per Keilmethode
Hierbei wird die Rinde des Losbaums in einem etwa zwei bis vier Zentimeter breiten Streifen abgeschält. Zwar kann das Wasser so über das Splintholz weiter transportiert werden, aber die Photosyntheseprodukte nicht mehr über die Rinde in die Wurzeln. Dadurch bewirkt man, dass der Losbaum versucht neue Wurzeln an dem rindenlosen Streifen auszubilden.

» Tipp: Das kann zusätzlich gefördert werden, in eine Art Mantel aus mineralischen Substraten, Torf oder Sphagnum-Moos um den rindenfreien Ring gelegt wird. Dieser wird regelmäßig befeuchtet um ein optimales Klima zu schaffen.

Innerhalb einiger Monate werden sich nun neue Wurzeln ausbilden, die bei entsprechender Größe entfernt werden können. Voila, der Losbaum ist vermehrt.

Hinweis: Ist das Abmoosen mit der Ringmethode fehlgeschlagen kann es schlichtweg daran liegen, dass der abgeschälte Rindenstreifen zu schmal war. In dem Fall wird die offene Stelle von der Pflanze überwallt und die Pflanze lebt wie gewohnt weiter.

Die Keilmethode ist leider etwas weniger erfolgversprechend, aber dennoch einen Versuch wert. Hierfür wird ein Trieb des Losbaums teilweise quer durchgeschnitten. Der daraus resultierende Spalt muss unbedingt mit einem Keil offengehalten werden.

Wer seinem Glück auf die Sprünge helfen will, kann mit einem Bewurzelungshormonpulver an der Schnittstelle nachhelfen. Diese sollte dann mit Torfmoos umwickelt und ständig feucht gehalten werden. Auch hier kann der Trieb endgültig abgetrennt werden, wenn sich Wurzeln gebildet haben.

Umpflanzen des Losbaums

Der beste Zeitpunkt zum Umtopfen einer Jungpflanze ist, wenn ihr Wurzelwerk den ganzen Topf erobert hat und ihre Ruhepause im Frühling beendet ist.

  1. Nachdem das Losbaum-Pflänzchen vorsichtig aus dem alten Topf genommen wurde, wird zunächst die überschüssige Erde vorsichtig entfernt.
  2. Nun kann der Setzling entweder in einen größeren Topf oder ein Pflanzloch im Garten gegeben werden. In beiden Fällen sollte die Erde zum Teil aus Kompost bestehen, um eine nährstoffreiche Ausgangsbasis zu schaffen. So können sich rasch neue Wurzeln bilden.

Losbaum: Baum oder Strauch?

Beim Pflanzen und Umtopfen des Losbaums hat man die Wahl zwischen zwei Grundformen:

Strauch bzw. BuschKleinbaum
Wer den Losbaum in seiner natürlichen Form bevorzugt, muss nichts weiter tun, als ihn zu vermehren und wachsen zu lassen. Sofern er nur immer wieder etwas in Form geschnitten wird, wächst er automatisch zu einem wunderschönen Zierstrauch.Der Clerodendrum trichotomum eignet sich allerdings auch bestens als Kleinbaum, in dessen Schatten sich so mancher Sommernachmittag mit einem guten Buch oder leckerem Steak verbringen lässt. Hierfür müssen allerdings neben dem Trieb zwei Stöcker in den Boden gesteckt werden. An denen wird der Trieb festgebunden und so dazu gebracht, gerade empor zu wachsen.

Für Experten: Losbaum veredeln

Für das Veredeln des Losbaums setzt sich immer mehr das sogenannte Chip-Budding durch, älteren Garten-Fans sicher auch als “Frühlingsveredlung nach Forckert” bzw. “Augenanplatten” bekannt. Der Vorteil daran? Es muss keine Rinde von einem Losbaum gelöst werden und der Aufwand ist denkbar gering:

❶ Wer diese Methode ausprobieren möchte, hat bis Ende August Zeit. Benötigt werden frisch geschnittene Reiser, die gut ausgereift sein sollten.

❷ Zunächst wird ein schräger Kerbschnitt an der Unterlage durchgeführt, der in Veredlungshöhe an der Unterlage ist.

❸ Dann wird eine Art Lasche oder Zunge etwa fünf Zentimeter über dem Kerbschnitt an der Unterlage ausgeschnitten.

❹ Im Anschluss wird am Edelreis ein Kerbschnitt etwa zwei Zentimeter unter dem Auge durchgeführt. Auch dort wird Rindenstreifen ausgeschnitten, an dem sich Holzteil und Knospe noch befinden. Ideal ist es, wenn dieser Streifen kleiner ist, als die Lasche der Unterlage, damit sie gut ineinanderpassen.

❺ Nun muss das Ganze noch verbunden werden: hierfür können Folien- oder Gummibänder genutzt werden. Wer PE-Folienbänder nutzt profitiert davon, dass das Auge ebenfalls verbunden wird. Da sich durch die Folie Kondenswasser bindet, bleibt die Veredlungsstelle immer schön feucht. Nach ca. zwei bis drei Wochen kann die Folie dann normalerweise wieder entfernt werden.


Foto1: © etfoto - Fotolia.com

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