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Pfaffenhütchen – Pflanzen, schneiden und vermehren

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Auch wenn es sich bei dem Pfaffenhütchen um eine Giftpflanze handelt, so wird sie dennoch sehr gerne im Garten angepflanzt. Vor allem, weil sie so pflegeleicht ist.

Pfaffenhütchen
© Schmutzler-Schaub – Fotolia.com

Das Pfaffenhütchen zählt zu den Spindelbaumgewächsen und wird auch als Gewöhnlicher Spindelbaum bezeichnet. Die sommergrünen Sträucher erreichen Wuchshöhen von etwa drei Metern. Ältere Pflanzen können einen baumartigen Wuchs annehmen und sogar bis zu sechs Meter hoch wachsen.

Das Pfaffenhütchen ist eine pflegeleichte Pflanze, welche allerdings in all ihren Pflanzenteilen giftig ist und im Jahr 2006 zur Giftpflanze des Jahres gewählt wurde. Die Pflanze ist winterhart und ein beliebtes Ziergehölz. Nicht nur die Sommerblüte ist attraktiv, die Pflanze besticht auch durch ihre bunten Früchte und die stimmungsvolle Laubfärbung im Herbst.

Das Pfaffenhütchen im Spiegel der Historie

Durch Ausgrabungsfunde in Pfahlbautendörfern wurde deutlich, dass die Pflanze bereits vor tausenden von Jahren geläufig war und vermutlich auch als Nutzpflanze diente. Aus der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Erzählung des Mönches Caesarius überliefert. In seinem „Wunderbuch“ fand der Samen als Ungezieferabwehr Erwähnung.

Ansonsten spielt die auch als Pfaffenkäppchen oder Pfaffenkapperl bezeichnete Pflanze im überlieferten Volksglauben eine eher untergeordnete Rolle. Im bayerischen Raum ist vielerorts eine Pflanzung an Bildstöcken zu beobachten. Dies lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die geistliche Entsprechung des Pflanzennamens zurückführen.

In früherer Zeit besaß die Pflanze auch Bedeutung für die Volksheilkunde. Die Wirkung des Pfaffenhütchens wird als harntreibend, herzstärkend und wundheilend beschrieben. Eingesetzt wurden Pflanzenauszüge gegen Kopfschmerzen, Wunden, Herzschwäche und als Abführmittel.

Die Verbreitung des Pfaffenhütchens

Das Pfaffenhütchen ist vorwiegend in Europa heimisch. Hauptsächlich ist es in Mitteleuropa anzutreffen. In nördlicher Richtung reicht das Verbreitungsgebiet bis in den Süden Schottlands, nach Südschweden und Irland. Im Süden sind die Pflanzen bis Sizilien oder Nordspanien verbreitet. Das gesamte Verbreitungsgebiet erstreckt sich entlang der Nordhalbkugel. Hauptsächlich wachsen die Pflanzen in Ostasien und im Himalaya-Gebiet.

Auch in den Gebirgsregionen des Kaukasus kommt die Pflanze vor. Üblicher Weise sind die Pflanzen bis auf etwa 800 Höhenmeter anzutreffen. In den Allgäuer Alpen wurden Pfaffenhütchen sogar bis auf 1.100 Metern Seehöhe gefunden. Weltweit kommen in etwa 180 Pfaffenhütchen-Arten vor.

Das Pfaffenhütchen ist giftig!

Der Spindelstrauch ist in all seinen Pflanzenteilen giftig. Als giftigster Pflanzenteil gelten die Samen. Dort ist das Vorkommen von Cardenoliden und Alkaloiden besonders hoch. In der Rinde sind Gerbstoffe, Phlobaphene und Bitterstoffe enthalten.

Wer die Samen des Pfaffenhütchens zu sich nimmt, muss mit Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen rechnen. Je nach Verzehrmenge und allgemeiner Konstitution können auch Herzmuskelschwäche, eine Leberschwellung oder ein Kreislaufkollaps die Folge sein. Besonders gefährdet sind Kinder, die von den Früchten angelockt werden. Bei übermäßigem Verzehr kann der Tod eintreten. Das Tückische: bevor die ersten Anzeichen einer Vergiftung eintreten, können mehrere Stunden vergehen.

Wann blüht das Pfaffenhütchen?

Zwischen Mai und Juni steht das Pfaffenhütchen in voller Blüte. Die Blütenstände erscheinen auf dem bis drei Zentimeter langen Blütenstandsschaft. Ein Blütenstand kann bis zu sechs Blüten umfassen und nützliche Bienen anlocken. Werden die orangen und an Fäden hängenden Früchte freigegeben, werden Elstern, Drossel oder Rotkelchen das Futter dankbar annehmen. Nicht umsonst wird die Pflanze auch als „Rotkehlchenbrot“ bezeichnet.

So pflanzen Sie das Pfaffenhütchen richtig

Pfaffenhütchen sind genügsame Pflanzen, die an ihre Umgebung nur wenig Ansprüche stellen. Die Pflanze kommt mit jedem normalen Gartenboden zurecht und toleriert auch eher schwere Böden. Dabei bildet die Pflanze dichte Feinwurzeln aus, welche nicht allzu tief in das Erdreich eindringen. Eine Unterpflanzung ist deshalb nicht empfehlenswert. Von Vorteil sind Gruppenpflanzungen. Die Pflanzen können sich gegenseitig bestäuben und blühen somit umso reichlicher.

❍ Standort:

In der Natur wächst das Pfaffenhütchen an Waldrändern oder in lichten Laubwäldern. In direkter Nachbarschaft von Liguster, Hartriegel oder Heckenkirsche ergeben sich stimmungsvolle Kompositionen. Im Grunde kann das Pfaffenhütchen an jedem Standort heimisch werden. Der einzige Feind der Pflanze ist Dunkelheit. Stehen die Pflanzen schattig, erscheinen die Blätter weniger bunt und auffällig. Das Pfaffenhütchen sollte deshalb auf jedem Fall hell stehen. Ein sonniger Standort wird nicht nur für eine reiche Blüte sorgen, auch die Laubfärbung erscheint im Herbst eindrucksvoller. Hier noch einmal der ideale Standort in Stichworten:

  • hell
  • viel Sonne
  • warm
  • Halbschatten möglich, dann sind aber Wachstum und Blüte vermindert

❍ Boden:

Auch in Bezug auf das Substrat erweist sich das Pfaffenhütchen als wenig anspruchsvoll. Sie bevorzugt generell einen lockeren Boden. Ein zu schwerer und feuchter Boden bekommt der Pflanze weniger. Ob Sie den Standort richtig gewählt haben, zeigt sich in der Blüte. Der Boden sollte nährstoffreich und kalkhaltig beschaffen sein. Da die Pflanze Staunässe nicht verträgt, sollten Sie immer einen eher trockenen als zu feuchten Boden wählen. Um einen durchlässigen Boden zu schaffen, können Sie dem Lehmboden Sand zusetzen. Hier das ideale Substrat noch einmal in Stichworten:

  • trockene Böden
  • Staunässe vermeiden
  • kalkhaltiges, humusreiches Substrat
  • sandiger Boden
  • lockerer Boden
  • salzarmer Boden

❍ Pflanzen:

Laubabwerfende Sorten sollten generell immer im Winter gepflanzt werden. Immergrüne Arten hingegen im Frühling. Da die Pflanzen jährlich etwa 20 Zentimeter wachsen, sollte der Pflanzabstand in etwa die Hälfte der geplanten Wuchshöhe betragen. Gehen Sie beim Pflanzen am besten wie folgt vor:

❶ Zunächst einmal müssen Sie den Wurzelballen ausreichend wässern.
❷ Dann das Pflanzloch großzügig ausheben.
❸ Als nächstes Humus als Düngung untermischen.
❹ Abschließend die Pflanzen einsetzen und die Erde behutsam festklopfen.
❺ In der Wachstumsphase nun immer reichlich gießen.

Sie können Pfaffenhütchen auch im Topf anpflanzen. Der Flachwurzler benötigt allerdings ausreichend Platz im Pflanzgefäß. Beginnen die Wurzeln aus dem Topf zu ragen, sollten Sie das Pfaffenhütchen umtopfen.

So gießen Sie das Pfaffenhütchen richtig

Die Pflanze verträgt längere Trockenheit, dennoch sollten Sie das Gießen nicht vernachlässigen, besonders, wenn ein schnelles Wachstum gewünscht ist. Ist die obere Erdschicht eingetrocknet, sollte eine Wassergabe erfolgen. Bei längeren Trockenperioden wird die Pflanze durch hängende Blätter anzeigen, dass sie durstig ist. Gießen Sie immer mit kalkhaltigem Wasser und vermeiden Sie stehende Nässe. Vor der Austrocknung des Bodens schützt übrigens eine Mulchschicht.

Kultivieren Sie die Pflanze im Topf, sind tägliche Wassergaben notwendig. Ab Anfang September können Sie die Bewässerung reduzieren.

So wird das Pfaffenhütchen richtig gedüngt

Das Pfaffenhütchen benötigt keinen künstlichen Dünger. Bei besonders kalkarmen Böden können Sie die Bodenqualität mit handelsüblichem Flüssigdünger in der Wachstumsphase verbessern. Den Dünger können Sie dem Gießwasser alle zwei Wochen beigegeben. In der Regel ist die Pflanze ausreichend mit Nährstoffen versorgt, wenn Sie im Frühling und Herbst Kompost oder Hornspäne als natürlichen Langzeitdünger in den Boden einarbeiten.

Ist ein Rückschnitt der Pflanze notwendig?

Dies ist vom Platzangebot abhängig und davon, welche Wuchshöhe gewünscht ist. Wenn Sie den breiten und sperrigen Wuchs tolerieren, ist kein Rückschnitt von Nöten. Möchten Sie den Strauch in Form bringen oder als Hecke kultivieren, ist ein regelmäßiger Verschnitt unerlässlich. Störende Äste sollten Sie auf jeden Fall regelmäßig entfernen. Ein Rückschnitt kann den Wuchs der Pflanzen anregen und bietet sich im Frühling oder vor dem Winter an. Einen radikalen Rückschnitt sollten Sie besser im Frühling als im Herbst durchführen.

Wichtig:
Die Blüte erfolgt am zweijährigen Holz. Wenn Sie das beim Rückschnitt nicht beachten, werden Sie mit weniger Blüten rechnen müssen.

Wie lässt sich das Pfaffenhütchen vermehren?

Pfaffenhütchen Blüten
© Harald Biebel – Fotolia.com

❍ Vermehrung durch Samen:

Um Samen zu gewinnen, müssen Sie die Früchte ernten, bevor sie aufspringen. Anschließend sollten Sie sie an einem trockenen Standort aufbewahrt. Dann werden sich die Samenkapseln bald öffnen. Die Samen müssen Sie anschließend aus dem Samenmantel entnehmen. Danach können Sie sie sofort aussäen. Ist das nicht möglich, lassen sich die Samen auch bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt für mehrere Monate in Torf oder Sand lagern. Nach der Aussaat können oft mehr als zehn Monate vergehen, bevor die ersten Pflänzchen sichtbar werden.

❍ Vermehrung durch Stecklinge:

Die Vermehrung durch Stecklinge sollten Sie der Aussaat vorziehen, da diese Methode von mehr Erfolg gekrönt ist. Die Triebe können Sie dazu im Frühsommer schneiden. Die Länge sollte etwa zwölf Zentimeter betragen. Blüten oder Fruchtansätze sollten Sie entfernen und auch die Blätter um 2/3 kürzen. Die Stecklinge anschließend in Anzuchterde heranziehen und regelmäßig bewässern. Etwa ein Vierteljahr später werden geglückte Anzuchten durch die ersten neuen Triebe belohnt. Die Pflanzen können nun ins Freie, benötigen aber im ersten Winter einen Schutz aus Laub oder Reisig.

Was ist beim Überwintern zu beachten?

Ausgewachsene Pflanzen sind winterfest und überstehen auch strengere Fröste. Jungpflanzen sind anfälliger und sollten entsprechend geschützt werden. Auch Kübelpflanzen benötigen einen geschützten Winterstandort. Besser ist es jedoch, wenn Sie sie ins Haus holen.

Pfaffenhütchen als Bonsai halten – So geht’s

Obwohl die Pflanze sich sehr gut als Bonsai eignet, entspricht dem der Handel nur bedingt. An einem hellen Standort im Freien wird sich der Bonsai jedoch gut entwickeln und mit einer reichen Blüte und attraktiven Herbstfärbung überzeugen. Der Bonsai aus heimischen Pfaffenhütchen-Arten ist sogar winterhart und toleriert Temperaturen von bis zu -20 Grad.

Wenn Sie Ihren Bonsai in Form bringen möchten, sollten Sie neue Triebe frühzeitig drahten. Das Holz erreicht nämlich schnell eine gewissen Härte und die Triebe können dann nicht mehr gebogen werden, ohne zu brechen. Die Pflanze wächst zügig und kann jederzeit in Form geschnitten werden.

Alle zwei bis drei Jahre bietet es sich an, das Pfaffenhütchen umzutopfen. Spätestens, wenn die Faserwurzeln aus der Bonsaischale ragen, ist es Zeit für ein neues Gefäß. Beim Umtopfen müssen Sie dann gleich die Wurzeln zurückschneiden.

Krankheiten und Schädlinge erkennen und bekämpfen

Die Pflanze ist allgemein recht robust. Staunässe verträgt sie jedoch nicht. Es schwächt die Pflanze, was sie angreifbar für einen Pilzbefall macht. Durch artgerechte Standortwahl und entsprechende Pflegemaßnahmen lässt sich die Pflanze jedoch weitgehend gesund halten. Einige Schädlinge und Krankheiten sollten Sie jedoch näher betrachten, da ein Befall hin und wieder beobachtet wird.

❍ Filzgallmilbe:

Diese Schädlinge nisten sich unter den Blättern ein. Dort versorgen sie sich durch das Saugen des Zellsaftes. Die Blattunterseite ist von einem weißen Belag überzogen und auch die Oberseiten der Blätter verlieren die Farbe und erscheinen vergilbt und blass. Ein umfangreichen Befall zeigt sich durch einen frühzeitigen Blattfall. In der Regel ist die Filzgallmilbe jedoch harmlos und es bedarf keiner Maßnahmen zu deren Bekämpfung.

❍ Schildläuse:

Weit schwieriger lässt sich ein Befall mit Schildläusen unter Kontrolle bringen. Schildläuse sind mit dem bloßen Auge auszumachen. Der Befall zeigt sich in Form von runden, bräunlichen Erhebungen und weißen, wurmartigen Fortsätzen. Bei einem starken Befall hilft nur der radikale Rückschnitt. Extrem befallene Pflanzen sollten Sie komplett zurückschneiden. Sie können die Schildläuse bei einem leichten Befall hingegen von den Blättern abkratzen.

❍ Pfaffenhütchen-Gespinstmotte:

Die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte befällt den Strauch relativ häufig. Die Eiablage erfolgt an den Zweigen. Die Raupen überwintern in den Zweigen und befallen nach ihrem Austrieb im Mai die Blätter. Im Sommer überziehen sie dann die ganze Pflanze mit einem Gespinst. Im Juli verpuppen sich die Rauben und nach etwa zwei Wochen schlüpfen die nur etwa zwei Zentimeter großen Falter.

Die Bekämpfung wird dadurch erschwert, das der Befall meist nicht rechtzeitig erkannt wird. Werden die Gespinste sichtbar, ist meist bereits die komplette Pflanze befallen. Die Raupen können Sie absammeln oder mit einem harten Wasserstrahl entfernen. Sie können die Pflanze auch zurückschneiden. Die Schnittabfälle gehören dann aber nicht auf den Kompost. Die müssen Sie luftdicht verschlossen über den Hausmüll entsorgen.


Foto1: © Schmutzler-Schaub - Fotolia.com, Foto2: © Harald Biebel - Fotolia.com

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