Spalierobst ist platzsparend und ertragreich – wenn Sie Ihr Spalierobst richtig schneiden. Besonders im Sommer werden junge Triebe gekürzt und in Form gebracht.
Spalierobst eignet sich ideal für kleine Gärten oder Balkone, doch auch hier ist ein gezielter Schnitt erforderlich. Nur so bleibt die Pflanze kompakt und gesund, und Sie können Jahr für Jahr mit einer guten Ernte rechnen.
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Kletterhilfe anlegen
Bevor Sie mit dem Schnitt beginnen, benötigt Ihr Spalierobst eine stabile Kletterhilfe, damit Sie die Äste entsprechend festbinden können. Drähte oder auch andere Haltevorrichtungen sind hier ideal dafür geeignet.
Die Äste müssen dauerhaft an diesem Formgerüst, welches auch als Spalier bekannt ist, festgebunden sein. Die feinen Äste könnten sonst unter dem Gewicht der Früchte abbrechen. Gleichzeitig ermöglicht das Spalier, den Obstbaum in die gewünschte Form zu leiten.
Unsere Bauanleitung für ein Spalier: Spalierobst pflanzen – So wird’s gemacht
Spalierobst in bestimmten Formen schneiden
Für eine Säulenform darf der Leittrieb beispielsweise nicht gekürzt werden, sondern nur die Seitenäste werden regelmäßig verschnitten. Spalierobst muss relativ häufig nachgeschnitten werden, damit es auch die gewünschte Form behält. Die Triebe dürfen nicht zu weit abgeschnitten werden, da sie sonst keine Früchte tragen können.
Der Senkrechte Schnurbaum (Guirlanden-Kordon)

Beim senkrechten Schnurbaum wächst ein einzelner Leittrieb senkrecht nach oben, während an den Seiten kurze Fruchttriebe entstehen. Diese Form eignet sich besonders für Apfel- und Birnbäume, da sie gut an einem stabilen Spaliergerüst geführt werden können. Nach der Pflanzung wird der Leittrieb an einer stabilen Rankhilfe senkrecht nach oben geführt.
- Sommerschnitt: Seitentriebe werden eingekürzt, sobald sie 20–25 cm lang sind. Dabei bleiben 3–5 Blätter über der Blattrosette stehen. Das regt die Bildung von Blütenknospen an.
- Winterschnitt: Ältere Fruchtsporne werden auf 2–3 Knospen zurückgeschnitten, um Platz für neues Fruchtholz zu schaffen.
- Endhöhe erreichen: Sobald die gewünschte Wuchshöhe erreicht ist, wird die Triebspitze gekappt, um das Höhenwachstum zu begrenzen.
💡 Tipp: Das sogenannte „Pinzieren“, also das Entfernen oder Einkürzen der Triebspitzen, fördert eine kompakte Wuchsform und eine reiche Blütenbildung.
Der Waagerechte Schnurbaum (Horizontal-Kordon)

Der waagerechte Schnurbaum besteht aus waagerecht geführten Hauptästen mit kurzen Fruchttrieben. Die Form eignet sich besonders für niedrige Spalierhecken entlang von Wegen oder Mauern und lässt darunter sogar Platz für Unterpflanzungen. Je nach Platzangebot erfolgt die Erziehung einarmig (ein Ast zu einer Seite) oder zweiarmig (je ein Ast zu beiden Seiten). Sie wird häufig für Apfel- und Birnbäume verwendet, aber auch Weinreben gedeihen in dieser Spalierform sehr gut.
- Erziehung in die Waagerechte: Nach der Pflanzung wird der junge Leittrieb erst im zweiten Jahr vorsichtig gebogen und am Spalier befestigt. Eine leichte Drehung des Triebes um seine Achse erleichtert das Biegen und verhindert einen Bruch.
- Sommerschnitt: Der waagerechte Schnurbaum ist eine klassische Spalierform, die durch gezielte Schnittmaßnahmen ihre Struktur behält. Senkrecht wachsende Fruchttriebe an den waagerechten Armen werden auf 4–5 Blätter eingekürzt, damit die waagerechten Äste nicht überwuchert werden.
- Winterschnitt: Es bleiben kurze Zapfen mit 2–3 Knospen stehen, aus denen neue Fruchttriebe entstehen.
Die Bouché-Thomas-Hecke (Schräge Doppelkordons)

Die Bouché-Thomas-Hecke ist eine elegante Form des Obstbaumanbaus. Einjährige oder zweijährige Obstbäume werden direkt beim Pflanzen in einem Winkel von etwa 45° in den Boden gesetzt. Der Abstand zwischen den Pflanzen beträgt etwa einen Meter, sodass sich mit der Zeit eine geschlossene Hecke entwickelt.
- Erziehung: Jeder Baum bildet zwei Haupttriebe, einen ursprünglichen Leittrieb sowie einen seitlichen Trieb, die in entgegengesetzten Richtungen wachsen. Sie formen eine V-Struktur mit einem Winkel von etwa 90°.
- Schnitt: Seitenäste, die an den Haupttrieben entstehen, sollten möglichst flach bleiben, um die Hecke zweidimensional zu halten. Triebe, die nach vorn oder hinten aus der Spalier-Ebene herauswachsen, stören die Form und werden entfernt. Fruchttragende Triebe werden auf 2–3 Knospen eingekürzt.
Die U-Form und Verrier-Palmette

Die U-Form ist eine anspruchsvolle Spalierform, bei der zwei Hauptäste symmetrisch nach oben wachsen. Ein regelmäßiger Sommerschnitt ist wichtig, um unerwünschte Seitentriebe zu entfernen und die Energie in die Fruchtbildung zu lenken. Die doppelte U-Form erweitert dieses Prinzip um zwei weitere senkrechte Leittriebe, wodurch eine noch dichtere Struktur entsteht.
Eine ähnliche Methode bietet die Verrier-Palmette. Wie bei der U-Palmette werden zwei Seitentriebe waagerecht gebunden. Zusätzlich bleibt hier jedoch ein Mitteltrieb erhalten, der für eine ausgewogene Wuchsform sorgt.
- Pflanzung: Nach der Pflanzung werden zwei gegenständige Triebe leicht schräg nach außen gebunden. Sobald diese angewachsen sind, werden sie senkrecht nach oben geleitet. Wichtig ist, dass die senkrechten Arme parallel und gleichmäßig wachsen.
- Sommerschnitt: Junge Triebe werden pinziert, sobald sie 20–25 cm lang sind. Dadurch wird die Energie in die Fruchtbildung gelenkt.
- Winterschnitt: Die Haupttriebe werden nur leicht eingekürzt, während ältere Fruchtsporne auf 2–3 Knospen zurückgeschnitten werden. Überzählige Triebe, die nach innen wachsen, werden entfernt, um Luft in die Kronenstruktur zu lassen.
Die Palmetten (Einfache und Doppelte Palmette)

Die Palmette lässt sich leicht als Kern- und Steinobstspalier erziehen, da sie der natürlichen Wuchsform der Bäume folgt. Mit einem Mitteltrieb und zwei schrägen Seitenästen erleichtert die Spalierform sowohl die Pflege als auch die Ernte.
Bei der einfachen Palmette wachsen zwei Hauptäste schräg nach oben, während die doppelte Palmette eine zweite Ast-Etage ausbildet und so für eine noch dichtere Wuchsform sorgt. Eine Sonderform ist die waagerechte Palmette, bei der die Seitenarme nicht schräg, sondern parallel zum Boden verlaufen.
- Nach der Pflanzung: Nach der Pflanzung werden die ersten beiden Seitenäste in einem Winkel von etwa 45° vom Mitteltrieb aus geleitet und befestigt. Der Mitteltrieb bleibt zunächst erhalten und wird erst entfernt, sobald die zweite Ast-Etage gewachsen ist.
- Doppelte Palmette: Bei der Doppelten Palmette wird der Mitteltrieb erst auf 60 cm über der ersten Verzweigung gekürzt, wenn die Seitenarme gut mit Fruchtholz besetzt sind. Anschließend entwickelt sich die zweite Etage ohne Mitteltrieb.
- Waagerecht: Die waagerechte Palmette folgt demselben Grundprinzip, doch hier werden die Seitenarme direkt in die Horizontale gebogen und an einem Gerüst oder Drahtsystem fixiert.
- Sommerschnitt: Im Sommer werden junge Triebe eingekürzt, sobald sie etwa 20–25 cm lang sind. Dies fördert die Bildung von Fruchtspießen und lenkt die Energie in die Fruchtbildung.
- Winterschnitt: Im Winter folgt ein leichter Erhaltungsschnitt, bei dem dichte Bereiche ausgelichtet und überzählige oder nach innen wachsende Triebe entfernt werden.
Die Fächerform

Die Fächerform eignet sich besonders für Steinobst, wie Aprikosen, da sie die natürliche Wuchsform der Bäume unterstützt. Nach der Pflanzung wird der Mitteltrieb entfernt, um die Ausbildung mehrerer Hauptäste zu fördern. Diese werden fächerförmig in einem Winkel von 45 bis 60 Grad ausgerichtet und an einem Gerüst befestigt.
- Sommerschnitt: Pfirsiche und Sauerkirschen tragen ihre Früchte ausschließlich an den einjährigen Trieben. Deshalb ist es wichtig, überalterte Fruchttriebe im Sommer nach der Ernte zu entfernen.
- Winterschnitt: Der Winterschnitt sorgt dafür, dass die Grundstruktur des Fächers erhalten bleibt und sich keine unerwünschten Triebe außerhalb der Form entwickeln. Schwache Triebe werden ausgelichtet, das fördert das Wachstum neuer, fruchttragender Äste.
3 Typische Fehler beim Schneiden von Spalierobst
Zu starker Rückschnitt
Ein radikaler Schnitt regt Bäume zu einem starken Austrieb an. Statt Früchten entstehen dichte Wasserschosser. Der Baum versucht, das verlorene Kronenvolumen auszugleichen. Um das zu vermeiden, gilt als Faustregel nicht mehr als 20–30 % der Krone zu entfernen, besonders am Anfang. Hat das Spalierobst bereits viele Wasserschosse entwickelt, hilft nur ein regelmäßiger Sommerschnitt und das über mehrere Jahre.
Früchte bleiben klein und reifen nicht aus
Besonders Steinobst wie Kirsche, Pflaume oder Mirabelle neigt dazu, mit den Jahren zu vergreisen. Der Baum bildet zwar noch viele Früchte, doch diese bleiben oft klein oder reifen gar nicht vollständig aus. Das kann zwei Ursachen haben: Entweder ist das Spalierobst bereits zu alt oder es wurde zu selten geschnitten. Hier hilft nur ein gezielter Rückschnitt. Durch das Entfernen überalterter Triebe regt man das Spalierobst an, neue Zweige zu bilden.
Schnittzeit ist nicht gleich Fruchtzeit
Obstbäume haben oft ähnliche Schnittzeiten, doch nicht alle tragen Früchte am gleichen Holz. Wer wahllos schneidet, entfernt womöglich genau die Triebe, die im nächsten Jahr den Ertrag bringen, und die Ernte bleibt aus. Während etwa Pfirsiche vor allem am einjährigen Holz fruchten, tragen Aprikosen erst am zwei- bis dreijährigen Holz aus.
👉 Spalierobst benötigt einen regelmäßigen Schnitt, um die gewünschte Form zu behalten und die Fruchtbildung zu fördern. Wichtig ist, dass die Triebe nicht zu stark eingekürzt werden, da dies die Blütenbildung beeinträchtigen kann. Haben Sie bereits Erfahrungen mit einer bestimmten Spalierform gesammelt? Teilen Sie Ihre Tipps gern mit uns in den Kommentaren!






2 Kommentare
Beim Schneiden vom Spalierobst sollten Sie generell darauf achten das der Beschnitt nicht zu dicht am tragenden Stamm erfolgt. Schneiden Sie die Triebe ca. 5 – 10 cm hinter einer Astgabel schräg an, so ist gewährleistest, dass Ihr Spalierobst auch im nächsten Jahr zahlreiche Früchte tragen wird.
Ich besitze einen Feigenbaum, der ganz viele !!! Feigen für das nächste Jahr schon an seinen Ästen hat, ich habe in Juli die neuen Triebe nur vorne gekappt, bringe es aber nicht übers Herz die so weit zurück zuschneiden, dass er einen Formschnitt bekommt. Dann müsste ich über die Hälfte der angesetzten Früchte für nächstes Jahr abschneiden.
Wie machen das den die restlichen Gärtner?
LG Elke