Wie viel Wasser ein Obstbaum tatsächlich braucht, hängt nicht allein von der Obstart ab. Alter, Baumgröße, Unterlage, Boden, Wetter und Jahreszeit sind ebenso wichtig. Deshalb ist eine feste Angabe für jeden Obstbaum wenig hilfreich.

Nach dem Anwachsen kommen viele Obstbäume lange ohne zusätzliche Bewässerung aus. In trockenen Frühjahren und heißen Sommern reicht der natürliche Niederschlag jedoch häufig nicht aus. Besonders junge Bäume, klein bleibende Baumformen und reich tragende Obstbäume reagieren auf einen Wassermangel mit kleinen Früchten, vorzeitigem Fruchtfall oder trockenem Laub.

Wann Obstbäume Wasser brauchen

Mit Austrieb, Blüte und Fruchtbildung steigt der Bedarf an Wasser an. Gegossen wird deshalb vor allem während der Vegetationsphase von März bis Oktober, besonders bei lang anhaltender Trockenheit sowie während Blüte und Fruchtbildung.

Obstbäume ausreichend gießen
Wenn es nicht genug regnet, müssen Sie selbst Hand anlegen | © Alex / stock.adobe.com

Ein älterer Apfel- oder Birnbaum mit kräftigem Wurzelsystem versorgt sich in normalen Jahren überwiegend selbst. Seine Wurzeln erschließen einen großen Bodenraum und erreichen Feuchtigkeit, die für junge Bäume noch unerreichbar ist. Zusätzliches Gießen wird vor allem dann nötig, wenn über längere Zeit kaum Regen fällt und der Boden auch in tieferen Schichten austrocknet.

Besonders wichtig ist ausreichend Wasser für diese Bäume:

  • frisch gepflanzte Obstbäume
  • Bäume in den ersten etwa fünf Standjahren
  • Spindel-, Säulen- und Spalierobst
  • Obstbäume auf schwach wachsenden Unterlagen
  • Bäume auf sandigen Böden
  • Obstbäume mit starkem Fruchtbehang
  • Bäume während längerer Hitze- und Trockenperioden

💡 Tipp:
Auch ein dichter Rasen unter dem Baum erhöht den Wasserbedarf. Gras entzieht dem Boden viel Feuchtigkeit und konkurriert besonders mit jungen Obstbäumen.

Wie viel Wasser ein Obstbaum braucht

Eine pauschale Literzahl gibt es nicht. Für junge Obstbäume lassen sich dennoch gute Orientierungswerte nennen.

Alter des BaumesWassermenge als OrientierungWann gießen?
Frisch gepflanztetwa 30 bis 50 Literje nach Wetter etwa einmal pro Woche
Jungbaum bei großer Hitze und trockenem Bodenbis etwa 50 bis 100 Literwenn der Wurzelbereich deutlich austrocknet
2. bis 5. Standjahretwa 20 bis 40 Literbei Trockenheit etwa alle ein bis drei Wochen
Älterer kleiner Obstbaumkeine feste Mengebei länger anhaltender Trockenheit
Großer Hochstammmeist keine regelmäßige Bewässerungnur während ausgeprägter Trockenphasen

Die Wassermenge allein sagt allerdings wenig aus. 30 Liter, die langsam in den Wurzelbereich einsickern, helfen einem Baum mehr als dieselbe Menge, die über verdichteten Boden davonläuft. Bei sehr trockenem Boden hilft es, zunächst eine kleinere Menge auszubringen. Sobald die Oberfläche etwas angefeuchtet ist, folgt das restliche Wasser langsam nach.

Junge Obstbäume in der Anwachsphase gießen

Das erste Jahr nach der Pflanzung ist besonders kritisch. Der Baum hat noch keine weitreichenden Wurzeln entwickelt und ist auf das Wasser im Pflanzbereich angewiesen.

Ein Gießrand aus Erde hält das Wasser dort, wo es gebraucht wird. Dazu formen Sie rund um die Baumscheibe einen niedrigen Erdwall, durch den das Wasser langsam einsickert, statt seitlich abzulaufen. Der Gießrand liegt dabei nicht direkt am Stamm, denn Ziel ist eine gleichmäßige Durchfeuchtung des gesamten Wurzelballens und des angrenzenden Bodens.

Wasserbedarf von Hochstamm und Spindelbäumen

Zwei gleich alte Apfelbäume unterscheiden sich mitunter stark in ihren Ansprüchen.

Ein großer Hochstamm wächst häufig auf einer kräftigen Unterlage. Ihre Wurzeln reichen mit der Zeit tief und weit in den Boden. Dadurch übersteht der Baum längere Trockenphasen leichter.

Spindelbäume, Säulenobst und viele kompakte Obstbäume stehen dagegen auf schwach wachsenden Unterlagen. Ihr Wurzelraum bleibt kleiner und trocknet entsprechend schneller aus. Je schwächer die Unterlage und je kleiner der durchwurzelte Bodenraum, desto stärker hängt der Baum von einer gleichmäßigen Wasserversorgung ab. Das betrifft besonders kleine Hausgärten, in denen kompakte Apfel- oder Birnbäume wachsen.

Wasserbedarf nach Obstart

Auch zwischen den Obstarten gibt es Unterschiede.

ObstbaumWasserbedarfBesonderheit
Apfelmittel bis hochbesonders bei starkem Fruchtbehang und schwacher Unterlage
Birnemittel bis hochgleichmäßige Versorgung während des Fruchtwachstums
Süßkirschemittel bis hochreagiert während der Fruchtentwicklung empfindlich auf Trockenstress
Sauerkirschemittelbesonders vor der Ernte auf ausreichend Feuchtigkeit achten
Pflaumemittel bis hochTrockenheit kann Fruchtgröße und Fruchtentwicklung beeinträchtigen
Zwetschgemittel bis hochhoher Bedarf bei starkem Fruchtbehang
Mirabellemittel bis hochähnlich wie Pflaume und Zwetschge
Reneklodemittel bis hochwährend der Fruchtentwicklung nicht austrocknen lassen
PfirsichmittelWurzeln konkurrieren schlecht mit dichtem Rasen
Nektarinemittelähnlich wie Pfirsich
AprikosemittelTrockenheit vermeiden, gleichzeitig keine Staunässe
Quittemittellängere Trockenheit kann Fruchtgröße und Saftigkeit beeinträchtigen
Feigegering bis mittelältere Pflanzen vertragen Trockenheit deutlich besser als Jungpflanzen
Diese Angaben beziehen sich auf eingewachsene Bäume.

So gießen Sie Obstbäume richtig

Neben der Menge ist beim Gießen auch die Art der Wasserabgabe zu beachten. Am wichtigsten ist, seltener und dafür gründlicher zu gießen, als täglich nur wenige Liter auszubringen. Kleine Wassermengen befeuchten häufig nur die obersten Zentimeter. Größere Gaben dringen dagegen tiefer in den Boden ein und stehen den Wurzeln länger zur Verfügung.

Am besten gießen Sie früh am Morgen. Der Boden ist dann noch kühl und die Verdunstung gering. Auch der Abend funktioniert, falls morgens keine Gelegenheit besteht. Zur Mittagszeit verdunstet dagegen mehr Wasser.

Ein kräftiger Wasserstrahl bringt wenig, wenn das Wasser anschließend über die Bodenoberfläche wegfließt. Besser wirkt ein schwacher Wasserstrahl oder eine langsame Tropfbewässerung. Auf sehr trockenem oder verdichtetem Boden verteilt sich die Wassermenge zudem besser auf zwei oder drei Durchgänge, damit genug Zeit zum Einsickern bleibt. Ebenfalls ist ein Bewässerungssack zu empfehlen. Dieser gibt das Wasser über lange Zeit ab.

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Mit Regenwasser, Leitungswasser oder Brunnenwasser gießen

Neben der richtigen Technik entscheidet auch die Wasserqualität, wie gut der Baum das Wasser aufnehmen kann.

Regenwasser als erste Wahl

Gesammeltes Regenwasser ist weich, enthält wenig Kalk und spart gleichzeitig Trinkwasser.

Eine Regentonne oder Zisterne liefert während trockener Wochen einen wertvollen Vorrat. Bei größeren Obstbäumen reicht eine einzelne Regentonne allerdings schnell nicht mehr aus. Sammeln Sie deshalb schon während regenreicher Zeiten Wasser.

Leitungswasser als Alternative

Auch normales Leitungswasser eignet sich zum Gießen von Obstbäumen. Selbst in Regionen mit härterem Wasser ist es für ausgepflanzte Apfel-, Birnen-, Kirsch- oder Pflaumenbäume in der Regel unproblematisch. Steht Leitungswasser zur Verfügung, wartet ein trockener Jungbaum besser nicht auf den nächsten Regen.

Brunnenwasser nur bei bekannter Qualität

Auch Brunnenwasser lässt sich zur Bewässerung nutzen. Seine Zusammensetzung unterscheidet sich jedoch je nach Standort. Erhöhte Salzgehalte, Eisen oder andere Inhaltsstoffe schränken die Nutzung mitunter ein. Bei regelmäßiger Nutzung von Brunnenwasser zahlt sich ein Test im Hinblick auf dessen Zusammensetzung aus.

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Obstbäume auf Sandboden und Lehmboden gießen

Auch die Bodenart bestimmt, wie lange das Wasser im Wurzelraum bleibt und wie oft nachgegossen werden muss.

Sandboden trocknet schnell aus

Sandige Böden besitzen große Poren. Wasser versickert deshalb schnell und steht den Pflanzen entsprechend kurz zur Verfügung. Deshalb benötigen Obstbäume auf Sandboden während längerer Trockenperioden häufiger Wasser. Eine Mulchschicht hilft, die Verdunstung zu verringern.

Lehmboden speichert Wasser länger

Lehmige Böden halten viel mehr Feuchtigkeit im Boden. Daher können zwischen den Wassergaben meist größere Abstände liegen. Gleichzeitig dringt das Wasser nur langsam ein, weshalb es am besten ebenso langsam ausgebracht wird.

Baumscheibe und Mulch sparen Wasser

Unabhängig von der Bodenart lässt sich der Wasserbedarf zusätzlich senken. Gerade junge Obstbäume profitieren von einer freien Baumscheibe. Dichter Rasen zieht viel Wasser aus den oberen Bodenschichten. Dadurch konkurriert der Obstbaum mit dem Gras um die vorhandene Feuchtigkeit. Rund um junge Bäume ist ein Bereich von etwa einem Meter Durchmesser ohne geschlossene Rasendecke sinnvoll.

Zusätzlich schützt eine dünne Mulchschicht den Boden vor zu schneller Austrocknung. Leicht angetrockneter Grasschnitt eignet sich dafür gut. Die Schicht bleibt dünn, damit keine feuchte, luftundurchlässige Matte entsteht. Direkt am Stamm lassen Sie ebenfalls etwas Platz, damit die Rinde trocken bleibt.

💡 Tipp:
Dicke Schichten aus Rindenmulch sind unter Obstbäumen nicht automatisch die beste Lösung. Sie binden mitunter Stickstoff und bieten Mäusen einen geschützten Bereich.

Wassermangel und Staunässe erkennen

Nicht jeder trockene Sommertag bedeutet sofort Trockenstress. Bis der Baum sichtbar welkt, ist es aber bereits spät.

Typische Anzeichen für Wassermangel sind hängende Blätter, trockene oder braune Blattränder, vorzeitiger Blattfall, ungewöhnlich kleine Früchte, Fruchtabwurf und schwacher Triebzuwachs.

Eine Kontrolle des Bodens hilft hier weiter. Etwas Erde aus etwa 10 bis 20 cm Tiefe wird zwischen den Fingern geprüft. Fühlt sie sich kühl an und lässt sich leicht zusammendrücken, ist noch Feuchtigkeit vorhanden. Zerfällt sie dagegen trocken und staubig, benötigt der Baum Wasser.

Zu viel Wasser bringt allerdings ebenfalls Probleme mit sich. Bleibt der Boden dauerhaft nass, fehlt den Wurzeln Sauerstoff. Besonders auf schweren Böden entstehen durch Staunässe schnell ungünstige Bedingungen für das Wurzelsystem.

Fazit: Obstbaum gießen

Der Wasserbedarf eines Obstbaums hängt von vielen einzelnen Faktoren ab, von der Obstart über das Alter bis zur Unterlage und zum Boden. Seltenes, dafür gründliches Gießen und ein wacher Blick auf Boden und Wurzelballen sichern den Bäumen genau die Feuchtigkeit, die sie für gesunde Früchte brauchen.

Ringo von Gartentipps.com

Ringo ist Gründer und Chef-Redakteur von Gartentipps.com. Hat auf dem Dorf (bei Oma) zwischen Stachelbeeren, Kirschbaum und Hühnerhof seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt.

1 Kommentar

  1. Hola,

    sollte man Obstbäume gießen, wenn die Blätter schon abfallen. Oder anders gefragt, wann sollte man Obstbäume (Laubbäume) nicht mehr gießen?

    Danke

    Peter

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