Gartenpflege Rasen Ratgeber

Rasen kalken: Zeitpunkt und Anleitung

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Je nach Bodenbeschaffenheit kann Kalk bei der Rasenpflege wahre Wunder wirken. Wir erklären ihnen, wann der Einsatz von Kalk sinnvoll ist und wann eher nicht.

alte Rasenfläche erneuern
© Rosalie P. – Fotolia.com

Jeder wünscht sich einen grünen, makellosen Rasen. Ist der Boden voller Moos und Unkraut, stellt das Kalken sicher eine Option dar, kann aber auch eine gegenteilige Wirkung haben. Selbst Experten sind unterschiedlicher Meinung und vor falscher Euphorie wird gewarnt.

Kalken hat zum Ziel, eine optimale Bodenqualität zu erreichen und ideale Bedingungen für das Wachstum des Rasens zu schaffen. Kalk kann den Boden mit Nährstoffen anreichern, wenn diese fehlen. Wann der Rasen nach Kalk verlangt und wie Sie dabei vorgehen, verraten wir nun.

Braucht jeder Rasen Kalk?

Dies kann nicht behauptet werden. Es kommt darauf an, wie der Boden zusammengesetzt ist. Ein Anhaltspunkt ist der pH-Wert. Dieser sagt aus, wie es um den Säurehaushalt des Substrates bestellt ist.

Ist der Boden neutral, liegt der pH-Wert bei 7. Höhere Werte bezeichnen einen alkalischen Boden. Ein niedrigerer pH-Wert lässt auf einen sauren Boden schließen.

Der pH-Wert in Stichworten:

  • > 7 = alkalisch
  • < 7 = sauer
  • 7 = neutral

Liegt der pH-Wert im Bereich von 5,5 bis 6, wird der Rasen vermutlich optimal gedeihen und keine Zugabe von Kalk benötigen. Weit häufiger sind jedoch deutliche Abweichungen von diesem Idealwert. Dies zieht Mangelerscheinungen des Rasens nach sich.

Tritt beispielsweise vermehrt Moosbefall auf, kann dies als Zeichen verstanden werden, den Boden zu kalken. Es sollte jedoch immer auf Nummer sicher gegangen werden, denn Moos kann verschiedene Ursachen haben und tritt beispielsweise auch auf, wenn der Boden zu verdichtet ist.

Zeigt sich der Rasen von Klee überwuchert und Brennnesseln finden beste Wachstumsbedingungen, lässt dies auf einen alkalischen Boden schließen. Der pH-Wert ist also bereits erhöht und dieser Rasen benötigt keinesfalls zusätzlich Kalk.

Tipp: Sauerklee deutet nicht auf einen alkalischen, sondern auf einen sauren Boden hin.

Wie bestimme ich den pH-Wert des Bodens?

pH-Wert Boden
© Björn Wylezich – Fotolia.com
Wer sich sicher sein will, ob der Rasen wirklich Kalk benötigt, sollte einen Test durchführen und den pH-Wert des Bodens bestimmen. Entsprechende Sets sind in Bau- und Gartenmärkten für etwa fünf Euro zu bekommen.

Die Anwendung ist einfach und unkompliziert:

  1. 100 Gramm Erdreich in ein verschließbares Glas geben
  2. Substrat mit 100 Millilitern destilliertem Wasser auffüllen
  3. alles gut vermischen und zehn Minuten abwarten
  4. pH-Teststreifen in die Flüssigkeit tauchen
  5. Verfärbung gibt Hinweis auf den pH-Wert

Durch diese Maßnahme kann sich der Hobbygärtner einen ersten Eindruck vom Zustand des Bodens verschaffen und entsprechende Schlussfolgerungen ziehen.

Wann sollte man den Rasen kalken?

Der Spätwinter ist der beste Zeitpunkt, um den Rasen mit Kalk zu versorgen. Der genaue Termin ist individuell zu bestimmen. Der Boden sollte nicht mehr gefroren sein. Der Kalk muss in das Erdreich eindringen können, um Wirkung zu zeigen.

Es kann empfohlen werden, den Rasen einige Wochen nach dem Vertikulieren zu kalken. Dann ist der Boden von Unkraut befreit und gleichzeitig gut durchlüftet. Damit kann der Kalk ungehindert in die Erde eindringen und gezielt wirken.

Welcher Kalk sollte verwendet werden?

Kalk ist nicht gleich Kalk. Für den Rasen eignet sich kohlensaurer Kalk am besten. Dieser ist auch unter der Bezeichnung „Gartenkalk“ im Handel.

Tipp: Wer das Stauben des Kalks eindämmen möchte, greift zu gekörnten Sorten.

Branntkalk sollte dagegen nicht für die Rasenpflege verwendet werden. Dieser besitzt eine starke Ätzwirkung und findet im Gartenbau keine Verwendung.

Zur besseren Orientierung sind in folgender Übersicht die verschiedenen Kalkarten aufgeführt.

KalkartBeschreibung
RasenkalkRasenkalk besteht aus unterschiedlichen Verbindungen. Meist handelt es sich um aus Calciumcarbonat bestehenden Rasenkalk. Dieser kohlensaure Kalk ist für alle Böden geeignet. In sauerem Boden löst sich der Kalk am besten auf.
BranntkalkBranntkalk kennen wir vorwiegend als Beimischung von Mörtel. Dieser Ätzkalk gelangt jedoch auch als Rasenkalk in den Handel. Für die Verwendung im Hausgarten ist Branntkalk nicht geeignet, da empfindliche Pflanzen und Kleinstlebenwesen im Boden zerstört werden können
MischkalkMischkalk ist eine Mischung aus Rasenkalk und Branntkalk.  Vor der Verwendung ist auf die Zusammensetzung zu achten. Ein hoher Anteil an Ätzkalk macht Mischkalk für den Rasen im heimischen Garten eher ungeeignet.
Kalk plusDiesem Rasenkalk sind verschiedene Stoffe zugesetzt. So kann auf Magnesiumkalk zurückgegriffen werden, wenn dem Boden nachweislich Magnesium fehlt.  Recht preisintensiv ist aus gemahlenen Meeresalgen gewonnener Algenkalk.

Rasen kalken – Schritt für Schritt

1. Zeitpunkt bestimmen
2. Rasen vertikulieren
3. Kalk auftragen
4. Rasen wässern
5. Rasen ruhen lassen
6. pH-Wert kontrollieren

Sobald der Schnee weggetaut und der Boden nicht mehr gefroren ist, kann die Rasenpflege beginnen. Dies geschieht zunächst mit dem Vertikulieren der Rasenfläche. So erhält der Boden eine Extraportion an Sauerstoff und wird gut durchlüftet. Einige Tage nach dem Vertikulieren wird der Kalk auf die gesamte Rasenfläche aufgetragen. Dies kann per Hand oder Streuwagen geschehen.

Achtung: Wird der Rasen per Hand gekalkt, unbedingt Handschuhe tragen. Der direkte Hautkontakt mit dem aggressiven Kalk sollte vermieden werden.

Ist der Kalk gleichmäßig auf der gesamten Fläche verteilt, wird der Rasen gründlich bewässert. Der Kalk kann sich so besser im Boden verteilen und schnell für eine Neutralisation der Säure sorgen.

Nun sollte der Rasen einige Wochen zur Ruhe kommen. Es wird erst wieder gedüngt, wenn die ersten Halme sprießen. Meist vergeht bis dahin etwa ein Monat. Nach dem Kalken wird der pH-Wert kontrolliert. Ist keine Verbesserung spürbar, kann der Vorgang im nachfolgenden Herbst wiederholt werden.

Kann bei Regen gekalkt werden?

Der Boden sollte möglichst trocken sein. Daher ist das Rasenkalken bei Regen keine Option. Nach dem Kalken kann es jedoch ruhig einen kräftigen Regenschauer geben. Dann sickert der Kalk besser in den Boden ein.

Wann kann Rasen nachgesät werden?

Rasensamen kann bereits nach dem Vertikulieren und vor dem Kalken aufgebracht werden. Anschließend wird vier Wochen pausiert. Da auch der Zustand des Rasens und das Klima eine Rolle spielen, ist hier etwas Fingerspitzengefühl gefragt.

Folgende Fehler gilt es bei der Rasenpflege zu vermeiden:

  • häufiges unkontrolliertes Nachkalken
  • Rasen kalken bei Regen
  • Rasen kalken bei Bodenfrost
  • Rasen kalken mit Branntkalk
  • Ständiges Vertikulieren
  • sehr kurzer Rasenschnitt in heißen Sommern
  • Gießen bei voller Sonneneinstrahlung
  • Rasenschnitt mit stumpfen Messern

Die Bestimmung des pH-Wertes ist der sicherste Indikator dafür, ob der Rasen Kalk benötigt. Daher sollte nicht eigenmächtig gehandelt werden. Ein Zuviel an Kalk schadet dem Rasen und hemmt dessen Wachstum.


Foto1: © Rosalie P. - Fotolia.com, Foto2: © Björn Wylezich - Fotolia.com

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