Dass die eigene Saatgutvermehrung kein Hexenwerk ist, zeigt unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung. So leicht können Sie ihr Lieblingsgemüse selbst vermehren.

Die manuelle Bestäubung ist ein wichtiger Prozess in der Saatgutvermehrung.
Die manuelle Bestäubung ist ein wichtiger Prozess in der Saatgutvermehrung. © uppenkamp / stock.adobe.com

Die Vermehrung von eigenem Saatgut ist eine lohnende Praxis für Gärtnerinnen und Gärtner, da sie viele Vorteile mit sich bringt. Wer sich erstmals mit der Saautgutvermehrung beschäftigt, steht oft vor vielen Fragen. Damit die eigene Saatgutgewinnung dennoch gelingt, haben wir hier eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung für Sie.





Schritt 1: Auswahl der Pflanzenarten und -sorten

Machen Sie sich zuallererst Gedanken darüber, welches Gemüse Sie vermehren möchten. Empfehlenswert ist es, sich am Anfang auf eine Sorte zu konzentrieren.

Für die Saatgutvermehrung sollten zu Beginn der Gartensaison mehr Pflanzen ausgesät werden als sonst üblich. So bleibt neben dem Gemüse zum Verzehr auch genügend zur Saatgutgewinnung übrig. Üblicherweise sollten fünf bis zehn Pflanzen pro Sorte rein der Samengewinnung dienen. So erhalten Sie sich einen breit gefächerten Genpool.

Schritt 2: Grundlegendes Wissen aneignen

Wichtig ist, sich mit den Standort-Anforderungen der Pflanze und ihrer Bestäubungsbiologie auseinanderzusetzen. So lassen sich bereits im Vorfeld mögliche Hürden bei der Saatgutgewinnung ausräumen. Informieren Sie sich also über Keimung, Bestäubung, Pflege und Samenreife für die Pflanze.

Ganz wichtig sind Kenntnisse über die Merkmale der Sorte, die Sie vermehren möchten, um diese zu erhalten. Bei Möhren oder Radieschen kann dies etwa die Farbe des Fruchtfleisches oder die Form der Frucht betreffen. Wer zum Beispiel walzenförmige Radieschen vermehren möchte, muss alle runden Radieschen aussortieren und darf diese nicht zur Saatgutgewinnung nehmen.

Schritt 3: Pikieren und Aufzucht

Bereits während der Anzucht werden nur die kräftigsten Pflanzen für die Saautgutgewinnung genommen. Entweder pikieren Sie die Pflanzen entsprechend oder aber suchen gezielt die stärksten und kräftigsten Pflanzen aus.

Schritt 4: Pflanzung und Wachstum

Pflanzen Sie die ausgewählten Pflanzen gemäß den empfohlenen Anbaumethoden. Achten Sie darauf, die Pflanzen gut zu pflegen, ausreichend zu bewässern und nach Bedarf zu düngen. Gesunde Pflanzen sind die Grundlage für hochwertiges Saatgut.

Bei diesem Schritt können Sie gleichzeitig einen genaueren Blick auf die heranwachsenden Pflanzen werfen. Exemplare, die besonders kräftig sind und der Sortenbeschreibung entsprechen, können für die Saatgutgewinnung markiert werden. Schwache oder in der Entwicklung verzögerte Pflanzen hingegen sollten nicht für die Samengewinnung genommen werden.

Schritt 5: Bestäubungsmanagement

Das Bestäubungsmanagement ist von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass die gewünschte Qualität und Sortenreinheit der Samen erhalten bleibt. Dieser Schritt ist besonders wichtig bei Pflanzen, die auf Fremdbestäubung angewiesen sind und bei denen Kreuzungen zwischen verschiedenen Sorten unerwünschte Ergebnisse erzeugen könnten. Fremdbestäubung kann entweder durch den Wind (Windbestäubung) oder durch Insekten erfolgen.

Um unerwünschte Kreuzungen zu vermeiden, haben Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

Räumliche Isolation der Blütenstände

Immer dann, wenn die Gefahr einer unerwünschten Fremdbestäubung gegeben ist, sollten Sie eine räumliche Trennung vollziehen. Manchmal reichen hierfür wenige Meter. Manchmal braucht es aber größere Abstände oder ein Schutznetz. Das ist unter anderem von der Windrichtung, aber auch vom Insektenaufkommen abhängig.

Bestäubung der Blüten von Hand

Wenn Sie Pflanzen vermehren möchten, die auf Fremdbestäubung angewiesen sind, wie Zucchini oder Kürbis, kann die Handbestäubung eine effektive Methode sein, um die gewünschte Kreuzung zu gewährleisten. Das funktioniert am besten, wenn Sie einen kleinen feinen Pinsel nehmen und damit die Pollen von den männlichen Blüten auf die weiblichen Blüten übertragen. Dadurch können Sie gezielt beeinflussen, welche Pflanzen miteinander gekreuzt werden.

Schritt 6: Samenernte

Samen, die außerhalb der Frucht reifen, können geerntet werden, sobald sie ausgereift und getrocknet sind. Das ist beispielsweise bei Möhren, Paprika, Radies und Rote Bete der Fall. Überschüssige Pflanzenteile sollten von den getrockneten Samen entfernt werden. Dies kann durch leichtes Schütteln oder vorsichtiges Sieben erfolgen. Dazu gibt es im Handel spezielle Siebe.

Gurken, Tomaten, Kürbis und Zucchini hingegen entwickeln das Saatgut im Inneren der Frucht. In diesem Fall müssen die zur Samenernte infrage kommenden Früchte an der Pflanze ausreifen und werden erst dann geerntet. Die Samen müssen vom Fruchtfleisch befreit werden und dann zum Trocknen ausgelegt werden. Dies ist entscheidend, um Schimmelbildung und Keimungsproblemen vorzubeugen.

In beiden Fällen sollten Sie die Samen rechtzeitig beschriften. So verhindern Sie, dass die Sorten vertauscht werden oder nicht mehr zugeordnet werden können.

Schritt 7: Lagerung der Samen

Die gereinigten Samen sollten in luftdichten Behältern, versiegelten Tüten oder Samenumschlägen aufbewahrt werden. Am besten werden sie an einem kühlen, trockenen und dunklen Ort gelagert, um die Keimfähigkeit und Qualität zu bewahren.

Es empfiehlt sich, über die Wintermonate regelmäßig einen Blick auf das Saatgut zu werfen, um übersehene Schädlinge oder beginnenden Schimmel frühzeitig zu erkennen. So erhalten Sie sich ihr Saatgut sicher für die nächste Saison.

Als zweifache Mutter lebe ich mit meiner Familie, Hund und Pferden auf dem Land. Nachhaltigkeit und ein angenehmes Miteinander sind mir besonders wichtig und werden in unserem Haushalt täglich vorgelebt. Genau wie meine Leidenschaft fürs Gärtnern und Schreiben.

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