Je nach Bodenbeschaffenheit kann Kalk bei der Rasenpflege wahre Wunder wirken. Wir erklären ihnen, wann der Einsatz von Kalk sinnvoll ist und wann eher nicht.

Jeder wünscht sich einen grünen, makellosen Rasen. Ist der Boden voller Moos und Unkraut, stellt das Kalken sicher eine Option dar, kann aber auch eine gegenteilige Wirkung haben. Selbst Experten sind unterschiedlicher Meinung und vor falscher Euphorie wird gewarnt. Kalken hat zum Ziel, eine optimale Bodenqualität zu erreichen und ideale Bedingungen für das Wachstum des Rasens zu schaffen. Kalk selbst liefert zwar keine Nährstoffe, er hebt den pH-Wert aber an und macht vorhandene Nährstoffe im Boden erst wieder verfügbar. Wann der Rasen nach Kalk verlangt und wie Sie dabei vorgehen, verraten wir nun.

Braucht jeder Rasen Kalk?

Dies kann nicht behauptet werden. Es kommt darauf an, wie der Boden zusammengesetzt ist. Ein Anhaltspunkt ist der pH‑Wert. Dieser sagt aus, wie es um den Säurehaushalt des Substrates bestellt ist. Ist der Boden neutral, liegt der pH-Wert bei 5,5 bis 6,5. Höhere Werte bezeichnen einen alkalischen Boden. Ein niedrigerer pH-Wert lässt auf einen sauren Boden schließen.

Der pH-Wert in Stichworten:

  • Unter 5,5 = sauer
  • 5,5 bis 6,5 = neutral
  • Über 7,0 = alkalisch

Liegt der pH-Wert im Bereich von 5,5 bis 6,5 wird der Rasen vermutlich optimal gedeihen und keine Zugabe von Kalk benötigen. Weit häufiger sind jedoch deutliche Abweichungen von diesem Idealwert. Dies zieht Mangelerscheinungen des Rasens nach sich.

Tritt etwa vermehrt Moosbefall auf, kann dies als Zeichen verstanden werden, den Boden zu kalken. Es sollte jedoch immer auf Nummer sicher gegangen werden, denn Moos im Rasen kann verschiedene Ursachen haben und tritt beispielsweise auch auf, wenn der Boden zu verdichtet ist.

Zeigt sich der Rasen von Klee überwuchert und Brennnesseln finden beste Wachstumsbedingungen, lässt dies auf einen alkalischen Boden schließen. Der pH-Wert ist also bereits erhöht und dieser Rasen benötigt keinesfalls zusätzlich Kalk.

💡 Tipp:
Sauerklee deutet nicht auf einen alkalischen, sondern auf einen sauren Boden hin.

Wie bestimme ich den pH-Wert des Bodens?

pH-Wert Boden
© Björn Wylezich – Fotolia.com

Wer sich sicher sein will, ob der Rasen wirklich Kalk benötigt, sollte einen Test durchführen und den pH-Wert des Bodens bestimmen. Entsprechende Sets sind in Bau- und Gartenmärkten für etwa fünf Euro zu bekommen.

Die Anwendung ist einfach und unkompliziert:

  1. 100 Gramm Erdreich in ein verschließbares Glas geben
  2. Substrat mit 100 Millilitern destilliertem Wasser auffüllen
  3. Alles gut vermischen und zehn Minuten abwarten
  4. pH-Teststreifen in die Flüssigkeit tauchen
  5. Verfärbung gibt Hinweis auf den pH-Wert

Durch diese Maßnahme kann sich der Hobbygärtner einen ersten Eindruck vom Zustand des Bodens verschaffen und entsprechende Schlussfolgerungen ziehen.

Bestseller Nr. 1
Neudorff pH-Bodentest für 8 Anwendungen – Zur…
  • Einfache pH-Wert Bestimmung: Optimal zur Ermittlung des pH-Wertes von Kulturböden und garantiert eine einfache und schnelle Bodenanalyse zur Bodenverbesserung
  • Schnell und einfach: Der Kalkbedarf des Bodens kann ohne chemische Kenntnisse innerhalb von 3 Minuten und für 8 Anwendungen einfach ermittelt werden

Wann sollte man den Rasen kalken?

Den besten Zeitpunkt zum Kalken des Rasens stellt das zeitige Frühjahr (Februar bis März) vor der Hauptwachstumsphase oder alternativ die Rasenpflegezeit im Spätherbst dar. Der genaue Termin ist individuell zu bestimmen. Allerdings sollte der Boden nicht mehr gefroren sein. Der Kalk muss in das Erdreich eindringen können, um Wirkung zu zeigen.

Welcher Kalk sollte verwendet werden?

Kalk ist nicht gleich Kalk. Für den Rasen eignet sich kohlensaurer Kalk am besten. Dieser ist auch unter der Bezeichnung „Gartenkalk“ im Handel.

💡 Tipp:
Wer das Stauben des Kalks eindämmen möchte, greift zu gekörnten Sorten.

Branntkalk sollte dagegen nicht für die Rasenpflege verwendet werden. Dieser besitzt eine starke Ätzwirkung und findet im Gartenbau keine Verwendung. Zur besseren Orientierung sind in folgender Übersicht die verschiedenen Kalkarten aufgeführt.

KalkartBeschreibung
RasenkalkRasenkalk besteht aus unterschiedlichen Verbindungen. Meist handelt es sich um aus Calciumcarbonat bestehenden Rasenkalk. Dieser kohlensaure Kalk ist für alle Böden geeignet. In sauerem Boden löst sich der Kalk am besten auf.
BranntkalkBranntkalk kennen wir vorwiegend als Beimischung von Mörtel. Dieser Ätzkalk gelangt jedoch auch als Rasenkalk in den Handel. Für die Verwendung im Hausgarten ist Branntkalk nicht geeignet, da empfindliche Pflanzen und Kleinstlebewesen im Boden zerstört werden können.
MischkalkMischkalk ist eine Mischung aus Rasenkalk und Branntkalk. Vor der Verwendung ist auf die Zusammensetzung zu achten. Ein hoher Anteil an Ätzkalk macht Mischkalk für den Rasen im heimischen Garten eher ungeeignet.
Kalk plusDiesem Rasenkalk sind verschiedene Stoffe zugesetzt. So kann auf Magnesiumkalk zurückgegriffen werden, wenn dem Boden nachweislich Magnesium fehlt. Recht preisintensiv ist aus gemahlenen Meeresalgen gewonnener Algenkalk.

Rasen kalken: Schritt für Schritt

Schritt 1: Boden testen

Bestimmen Sie zuerst den pH-Wert Ihres Bodens, am einfachsten mit einem Test-Set aus dem Gartencenter oder Baumarkt. Sandböden benötigen ab einem Wert unter 5,5 eine Kalkgabe, bei Lehmböden liegt die Grenze erst bei 6,5. Zeigt der Test einen neutralen oder basischen Wert über 6,5, bleibt der Kalksack besser im Regal, denn zu viel Kalk schadet dem Rasen und macht ihn anfälliger für Moos und Klee.

Schritt 2: Rasen vorbereiten

Mähen Sie die Fläche vorher auf eine normale Höhe von 4 bis 5 Zentimetern, dann landet der Kalk direkt auf dem Boden und bleibt nicht in langen Grashalmen hängen. Harken Sie anschließend Laub, Zweige und groben Rasenschnitt zusammen.

💡 Tipp:
Steht für das Frühjahr zusätzlich das Vertikutieren auf dem Plan, kommt dieser Schritt vor die Kalkung. Die geöffneten Fasern im Boden lassen den Kalk danach besser eindringen.

Schritt 3: Die richtige Kalkmenge abmessen

Die Dosierung richtet sich nach dem gemessenen pH-Wert und der Bodenart. Am besten folgen Sie der Angabe auf der Verpackung. Diese gilt dabei immer als erste Orientierung.

Grob gilt jedoch, liegt der Wert nur knapp unter der Grenze, reicht eine sanfte Erhaltungskalkung, auf Sandböden 100 bis 150 Gramm, auf Lehmböden 200 bis 250 Gramm je Quadratmeter. Fällt der Wert stärker ab, benötigt der Boden eine kräftigere Gesundungskalkung, auf Sandböden dann 150 bis 200 Gramm, auf schwerem Lehmboden sogar 300 bis 400 Gramm je Quadratmeter. Lehmböden puffern Kalk stark ab und vertragen deshalb mehr als lockere, sandige Flächen.

Schritt 4: Kalk gleichmäßig ausbringen

Wählen Sie für die Ausbringung einen windstillen, bewölkten Tag. Kurz vor angekündigtem Regen ist der günstigste Zeitpunkt. Bei Wind verweht das Granulat ungleichmäßig, bei praller Sonne nimmt der Rasen Schaden. Ein Streuwagen verteilt den Kalk gleichmäßiger, als es mit der Hand möglich ist. Fahren Sie die Fläche einmal längs und einmal quer ab. So verhindern Sie Streifen und kahle Stellen.

❌ Wird der Rasen per Hand gekalkt, unbedingt Handschuhe tragen. Vermeiden Sie direkten Hautkontakt mit dem aggressiven Kalk.

Schritt 5: Einwässern

Kalk wirkt nur, wenn er den Boden erreicht und nicht auf den Halmen liegen bleibt. Bleibt ein kräftiger Regenschauer nach dem Streuen aus, wässern Sie den Rasen gründlich mit dem Sprenger, bis sich das Granulat vollständig auflöst. Trockenes Granulat auf den Blättern verätzt die Gräser.

Schritt 6: Wartezeit einhalten

Geben Sie dem Boden jetzt Zeit, den Kalk zu verarbeiten. Zwischen Kalkung und der nächsten Düngung liegen mindestens 6 bis 8 Wochen. In dieser Zeit gleicht sich der pH-Wert erst an, ein früherer Dünger verpufft sonst weitgehend wirkungslos.

Anschließend kann der pH-Wert erneut kontrolliert werden. Ist keine Verbesserung spürbar, kann der Vorgang im nachfolgenden Frühjahr oder Herbst wiederholt werden.

Kann bei Regen gekalkt werden?

Der Boden sollte möglichst trocken sein. Daher ist das Rasenkalken bei Regen keine Option. Nach dem Kalken kann es jedoch ruhig einen kräftigen Regenschauer geben. Dann sickert der Kalk besser in den Boden ein.

Wann kann Rasen nachgesät werden?

Zeigen sich nach der Kalkung noch kahle Stellen, kommt die Nachsaat erst nach der Düngung an die Reihe. Kurz nach der Düngung auf feuchtem Boden ausgesät, findet das junge Gras sofort die nötigen Nährstoffe und keimt zügig.

Folgende Fehler gilt es bei der Rasenpflege zu vermeiden:

  • häufiges unkontrolliertes Nachkalken
  • Rasen kalken bei Regen
  • Rasen kalken bei Bodenfrost
  • Rasen kalken mit Branntkalk
  • Ständiges Vertikutieren
  • sehr kurzer Rasenschnitt in heißen Sommern
  • Gießen bei voller Sonneneinstrahlung
  • Rasenschnitt mit stumpfen Messern

Die Bestimmung des pH-Wertes ist der sicherste Indikator dafür, ob der Rasen Kalk benötigt.

Ringo von Gartentipps.com

Ringo ist Gründer und Chef-Redakteur von Gartentipps.com. Hat auf dem Dorf (bei Oma) zwischen Stachelbeeren, Kirschbaum und Hühnerhof seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt.

Antwort hinterlassen