Rasenpflege im Herbst stärkt die Grasnarbe vor dem Winter. Ob Düngen, Vertikutieren, Nachsäen oder ein letzter Schnitt ansteht, hängt jedoch vom Zustand Ihres Rasens ab.

Saftig grün und dicht, ohne eine einzige kahle Stelle, so sah der Rasen im Frühling noch aus. Nach den heißen Sommerwochen ist davon wenig übrig. Braune Flecken ziehen sich übers Gras, die Grasnarbe wird stellenweise dünn und durchsichtig, und im Schatten von Bäumen und Sträuchern breitet sich Moos aus wie ein zäher grüner Teppich. Ärgerlich, keine Frage. Doch der Herbst schenkt dem Rasen genau die Bedingungen, die er jetzt benötigt, um sich zu erholen. Die Erde ist noch warm, die Luft bereits kühler, und die Feuchtigkeit bleibt länger im Boden als in den Sommermonaten.

Was der Rasen im Herbst wirklich benötigt

Herbstpflege beginnt mit einem Rundgang durch den Garten. Wirkt der Rasen dicht und gleichmäßig, besteht meist kein Grund, ihn unnötig zu bearbeiten. Anders sieht es bei kahlen Stellen, einer stark verfilzten Grasnarbe oder größeren Moosflächen aus.

Rasenpflege im Herbst im Überblick

ZeitpunktWorauf es ankommt
Rasen mähenSolange er sichtbar wächstGebrauchsrasen etwa 4 cm, letzter Schnitt etwa 4 bis 5 cm
Laub entfernenLaufendKeine geschlossene, feuchte Laubschicht liegen lassen
HerbstdüngungBei Bedarf im HerbstKaliumbetonter Dünger, Stickstoff nur moderat
Weitere DüngegabeNur bei Bedarf im SpätherbstNutzung, bisherige Versorgung und Dünger berücksichtigen
VertikutierenNur bei starkem Filz oder viel MoosNoch etwa 6 bis 8 Wochen Wachstum einplanen
NachsäenBei kahlen StellenBodentemperatur möglichst über 8 bis 10 °C

Rasen im Herbst weiter mähen

Mit sinkenden Temperaturen wächst der Rasen langsamer und die Abstände zwischen den Mähgängen werden größer. Gemäht wird deshalb nicht mehr nach einem festen Rhythmus, sondern sobald die Halme wieder nachgewachsen sind. Beim üblichen Gebrauchsrasen bleiben etwa 4 cm stehen. Für den letzten Schnitt vor dem Winter sind etwa 4 bis 5 cm eine gute Orientierung. Viel höher sollte der Rasen nicht in den Winter gehen, da sich lange Halme bei feuchter Witterung umlegen und dadurch ein günstiges Mikroklima für Schneeschimmel begünstigen.

💡 Tipp: Bis wann muss ich eigentlich mähen?
Bei Tageswerten über etwa 10 °C und Nächten über ungefähr 5 °C wächst der Rasen häufig noch weiter. Deshalb kann der letzte Schnitt je nach Witterung im Oktober, manchmal aber auch erst im November, anstehen. Verlängern sich die Halme kaum noch, endet die Mähsaison.

Laub regelmäßig vom Rasen entfernen

Mit dem Herbstlaub wartet gleich die nächste regelmäßige Aufgabe. Ein paar einzelne Blätter sind noch kein Problem. Sobald daraus jedoch eine geschlossene und feuchte Laubschicht wird, bekommt das Gras darunter immer weniger Licht und Luft.

Besonders nasses Laub klebt schnell auf der Grasnarbe fest. Bleibt es dort länger liegen, entstehen gelbe oder kahle Stellen. Gleichzeitig steigt bei feuchter Witterung das Risiko für Pilzkrankheiten. Deshalb harken Sie Falllaub regelmäßig ab oder nehmen es bei den letzten Mähgängen direkt mit auf. Der Rasenmäher zerkleinert die Blätter gleich mit und erleichtert damit die weitere Verwendung.

💡 Tipp: Laub verwerten
Anschließend wandert die Mischung aus Laub und Rasenschnitt auf den Kompost, als Mulch ins Beet oder unter Gehölze. Ein höherer Laubhaufen im Beet oder vor Hecken bietet Tieren einen Unterschlupf im Winter.

Rasen über den Herbst düngen

Mähen und Laubharken gehören stets zur Herbstpflege. Beim Düngen sieht es anders aus. Ein dichter, gesunder Rasen, der während der Saison ausreichend versorgt wurde, braucht nicht zwingend zusätzliche Nährstoffe.

Anders sieht es bei einem blassen, kraftlosen Rasen mit gelblichen Halmen und spärlichem Wachstum aus. Diesen können Sie ein bis sogar zweimal düngen, aber nur bei Bedarf. Während die erste Gabe im September/Oktober die Regeneration nach dem Sommer anschiebt, dient der zweite Durchgang etwa 5 bis 6 Wochen später (meist November) der Einlagerung von Kalium. Das Kalium wirkt wie ein natürliches Frostschutzmittel, stärkt die Zellwände gegen das Einfrieren und verhindert, dass der Rasen im nasskalten Winter an Pilzerkrankungen eingeht.

💡 Tipp: Bloß nicht zum falschen Dünger greifen!
Ein normaler, stickstoffbetonter Dünger ist die Frühjahrskur für den Rasen. Er regt das Längenwachstum der Halme an. Dieses erzwungene Wachstum im Spätherbst führt jedoch zu extrem weichen, dünnen und wasserhaltigen Grashalmen. Wenn dann der erste Frost kommt, gefriert das eingelagerte Wasser in den weichen Zellen. Verwenden Sie deswegen unbedingt einen kaliumreichen Rasendünger, der bei der zweiten Düngung auch nur in halber Menge dosiert werden kann, um eine Überdüngung zu verhindern. 

Ringo von Gartentipps.com

Autoren-Kommentar von Ringo Dühmke

💡 pH-Wert messen bei kraftlosem Rasen

Wirkt der Rasen nach der ersten Düngung blass und ohne Kraft, teste ich den pH-Wert des Bodens, bevor ich nachdünge. Unter 5,5 ist der Boden zu sauer, über 7,0 zu alkalisch. Warum reagiert der Rasen darauf so empfindlich? Weil die Wurzeln bei falschem Milieu die Nährstoffe nicht aufnehmen können. Zeigt sich ein zu niedriger Wert, hebe ich ihn mit einer Kalkgabe an. Ist er dagegen schon zu hoch, lasse ich weiteren Kalk weg und warte ab, denn natürliche Versauerungsprozesse senken den Wert im Boden von selbst wieder.

Tipp: Entscheiden Sie sich für das Kalken, tritt es an die Stelle der zweiten Kaliumdüngung, denn zwischen beiden Maßnahmen brauchen Sie mehrere Wochen Abstand.

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Rasen im Herbst vertikutieren

Vertikutieren, ja oder nein? Meistens nein. Ein dichter, gesunder Rasen kommt ohne den Eingriff aus. Anders sieht es aus, wenn sich zwischen den Halmen eine dicke Filzschicht aufgebaut hat oder größere Flächen von Moos durchzogen sind.

Dann wird der Rasen etwa 2 Wochen nach der ersten Düngung kurz gemäht und vertikutiert. Allerdings benötigt der Rasen nach dem Vertikutieren ebenso mehrere Wochen Zeit, damit sich die Grasnarbe wieder verschließen kann. Als grobe Orientierung gelten etwa 6 bis 8 Wochen bis zum Ende der Wachstumsperiode. In vielen Regionen gilt der September daher als günstige Zeit. Ist es bereits dauerhaft kühl, bleibt etwas Rasenfilz über den Winter das kleinere Problem als eine frisch aufgerissene Grasnarbe.

Ringo von Gartentipps.com

Autoren-Kommentar von Ringo Dühmke

💡 Moos und Staunässe nach dem Vertikutieren

Kommt das Moos nach dem Vertikutieren schnell wieder, macht Sie das zu Recht stutzig. Die Ursache liegt häufig darin, dass der Boden zu fest und dicht geworden ist. Zusammen mit Schatten und stehender Nässe schafft das genau die Bedingungen, in denen sich Moos gegenüber schwachen Rasengräsern durchsetzt.

Den festen Boden selbst lockere ich beim Aerifizieren. Ich steche die Fläche mit einer Stachelwalze mehrfach auf und fülle die Löcher mit Quarzsand. So kann überschüssiges Wasser besser abfließen und Staunässe wird verhindert. Zudem zeigt eine Bodenprobe, ob der pH-Wert zu niedrig ist und dem Rasen dadurch Nährstoffe fehlen.

Kahle Stellen im Herbst nachsäen

Kahle Stellen im Rasen lassen sich im Herbst (etwa September bis Oktober) hervorragend durch eine Nachsaat ausbessern. Am besten keimen Rasensamen, sobald die Bodentemperatur dauerhaft über 8 bis 10 °C liegt. Für einzelne kahle Stellen reicht es, den  Boden aufzuflockern, Saatgut einzuharken und die Stellen feucht zu halten. Ist der Rasen großflächig hinüber, führt kaum ein Weg an der Neuanlage mit Bodenvorbereitung vorbei.

Komplett braunen Rasen im Herbst aufbauen

Wirkt die gesamte Fläche nach dem Sommer strohig und braun, sieht das zunächst nach dem Ende aus. Meistens ist es aber nur eine Pause. Bei anhaltender Hitze und Trockenheit ziehen sich die Gräser aus den oberirdischen Halmen zurück und lagern ihre Reserven in den Wurzeln ein, eine Art Schutzstarre. Aus dieser Sommerruhe heraus überleben normalerweise etwa 70 bis 80 Prozent der Wurzeln im Boden. Der September liefert für einen Aufbau gute Bedingungen.

  1. Der Rasen benötigt jetzt hauptsächlich Wasser. Wässern Sie etwa alle 2 bis 3 Tage mit 15 bis 20 Litern pro Quadratmeter.
  2. Gedüngt wird noch nicht, denn auf knochentrockenem Boden würde das die ohnehin gestressten Wurzeln zusätzlich verbrennen.
  3. Nach etwa 1 bis 2 Wochen zeigen sich meist die ersten frischen Halme, und genau daran erkennen Sie, welche Stellen sich von selbst erholen und welche dauerhaft abgestorben sind.
  4. Erst dann wird gemäht, auf etwa 3 bis 4 cm herunter.
  5. Wenn sich der verbrannte Rasen wieder erholt hat, bringen Sie einen Herbstdünger aus. Er versorgt die regenerierten Gräser mit Kalium und geringen Mengen Stickstoff.
  6. Etwa zwei Wochen nach der Düngung können sie bei Bedarf vertikutieren, wenn zu viel Rasenfilz auf der Grasnarbe lagert.
  7. Anschließend einfach die Stellen nachsäen, die kahl bleiben.

Die einzelnen Schritte und Fehler zeigt zusätzlich das folgende Video.

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Fazit: So kommt der Rasen gut durch den Herbst

Am Ende benötigt der Rasen im Herbst die Pflege, die zu seinem Zustand und zur Witterung passt. Ein gesunder Rasen kommt häufig mit Mähen und Laubharken aus. Bei Filz oder starkem Moos wird rechtzeitig vertikutiert, kahle Stellen werden nachgesät und Dünger kommt nur dann zum Einsatz, wenn die Nährstoffversorgung es verlangt.

Wie lange solche Maßnahmen noch sinnvoll sind, hängt wiederum stark von den Temperaturen ab. Solange der Boden warm genug ist, bleibt dem Rasen Zeit für Keimung und Regeneration. Kühlt er jedoch ab, rücken größere Eingriffe in den Hintergrund. Dann geht es vorwiegend darum, die Grasnarbe sauber und ohne unnötige Belastung in den Winter zu schicken.

Ringo von Gartentipps.com

Ringo ist Gründer und Chef-Redakteur von Gartentipps.com. Hat auf dem Dorf (bei Oma) zwischen Stachelbeeren, Kirschbaum und Hühnerhof seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt.

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