Gelbe Blüten und wertvolle Pollen für Insekten machen diese heimische Wildstaude zu einer Bereicherung für den Naturgarten. Echtes Johanniskraut bevorzugt sonnige, eher magere Standorte und wird außerhalb der Reichweite von Weidetieren gepflanzt.

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine beliebte Heilpflanze und fällt im Sommer sofort durch seine leuchtend gelben Blüten auf, verbirgt aber erst bei genauem Hinsehen seine Besonderheiten. Gegen das Licht gehalten, wirken die Blätter wie fein durchlöchert. Beim Zerreiben der Knospen tritt ein rötlicher Pflanzensaft aus. Diese Eigenschaften, haben der heimischen Wildstaude alte Namen wie Tüpfel-Johanniskraut, Tüpfel-Hartheu oder Johannisblut eingebracht.

💡 Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gekürt.

Steckbrief Echtes Johanniskraut

Botanisch gehört das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) zur Gattung der Johanniskräuter (Hypericum) innerhalb der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae).

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Wuchshöhe:30 – 70 cm
Wuchsbreite:30 – 50 cm
Blütezeit:Juni – August
Standort:Sonne
Boden:trocken bis frisch, locker, durchlässig
Besonderheit:heimische Wildstaude, Pollenpflanze und Arzneipflanze
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Echtes Johanniskraut bietet Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und Käfern Pollen. Nektar bilden die Blüten dagegen nicht oder nur in sehr geringer Menge. Außerdem dienen seine Blätter und jungen Triebe Raupen verschiedener Nachtfalter als Nahrung. Besonders eng an das Echte Johanniskraut ist die Trockenrasen-Johanniskrauteule gebunden, die auf der Roten Liste in der höchsten Gefährdungskategorie als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft ist. Ihre Raupen sind auf Trockenlebensräume und Bestände der Pflanze als Nahrungsquelle angewiesen.

💡 Tipp: Johanniskraut und Jakobskreuzkraut unterscheiden
Johanniskraut und Jakobskreuzkraut blühen im Sommer gelb und wachsen teilweise an ähnlichen Standorten. Beim Johanniskraut sitzen fünf einzelne Kronblätter um zahlreiche lange Staubblätter. Die körbchenförmigen Blüten des Jakobskreuzkrautes erinnern dagegen an kleine gelbe Margeriten. Johanniskraut trägt zudem gegenständige, ganzrandige Blätter. Beim Jakobskreuzkraut stehen die meist tief eingeschnittenen, gefiederten Blätter wechselständig.

Beliebte Hypericum-Hybriden

Neben dem Echten Johanniskraut sind strauchig wachsende Hypericum-Hybriden für den Garten erhältlich, die mit einem spektakulären, farbintensiven Fruchtschmuck im Herbst aufwarten.

Beliebte Johanniskraut-Sorten
Johanniskraut als attraktives Ziergehölz. | © evbrbe / stock.adobe.com
  • Echte Johanniskraut ‘Miracle Attraction‘
    Der buschige Strauch Hypericum perforatum ‘Miracle Attraction‘ wird 50 bis 70 cm hoch und bildet nach der Blüte rote Beeren statt der für echtes Johanniskraut typischen Kapselfrüchte. Für Tee oder Öl eignet er sich damit nicht.
  • Echtes Johanniskraut ‘Miracle Blossom‘
    Mit 70 bis 80 cm wird die Sorte Hypericum perforatum ‘Miracle Blossom‘ etwas höher als Miracle Attraction und zeigt von Herbst bis Dezember dekorative rosa bis rote Fruchtstände. Das Laub bleibt wintergrün, statt wie bei der Wildform im Herbst abzusterben.

💡 Tipp:
Die Beeren sehen wunderschön im Blumenstrauß aus.

Johanniskraut pflanzen

Echtes Johanniskraut wird im Frühjahr oder im frühen Herbst gepflanzt. Bei einer Frühjahrspflanzung benötigt die junge Staude während längerer Trockenphasen im ersten Sommer zusätzlich Wasser. Herbstpflanzungen erhalten vor dem Winter noch einige Wochen zum Einwurzeln.

Standort

Hervorragend gedeiht Johanniskraut an einem sonnigen bis halbschattigen Platz. Trockenmauern, Steingärten, Kiesbeete und die oberen Zonen einer Kräuterspirale kommen den natürlichen Standortansprüchen sehr nahe.

💡 Tipp:
Von einer Pflanzung in unmittelbarer Nähe von Pferde-, Schaf- oder Ziegenweiden raten wir ab. Dazu mehr im Abschnitt zum Umgang mit der Pflanze.

Boden

Bevorzugt wächst Echtes Johanniskraut in durchlässigem, eher magerem Boden. Sehr nährstoffreiche Erde fördert weiche, kräftige Triebe und entspricht nicht den natürlichen Standortbedingungen.

Pflanzanleitung Schritt für Schritt

  1. Boden am künftigen Standort tief lockern und bei schweren, lehmigen Böden etwas Sand oder feinen Splitt einarbeiten.
  2. Ein Pflanzloch ausheben, das etwa doppelt so groß wie der Wurzelballen ist.
  3. Die Jungpflanze nicht tiefer setzen, als sie zuvor im Topf stand, damit der Wurzelhals nicht verschüttet wird.
  4. Bei Gruppenpflanzungen 35 bis 40 cm Abstand einhalten. Je nach Abstand finden sechs bis acht Pflanzen auf einem Quadratmeter Platz.
  5. Erde andrücken, kräftig angießen und in den ersten Wochen regelmäßig nachwässern, bis die Pflanze eingewurzelt ist.

💡 Tipp:
Für die Kübelkultur eignet sich ein ausreichend breites Gefäß mit Abzugslöchern. Eine Schicht aus Blähton oder Kies verhindert, dass das Abzugsloch durch Substrat verstopft. Überschüssiges Gießwasser darf nicht im Untersetzer stehen bleiben.

Pflanzpartner

Gewöhnliche Schafgarbe ergänzt Johanniskraut mit ihren flachen, meist weißen Blütendolden. Beide Arten wachsen an sonnigen Standorten mit durchlässigem Boden. Lavendel setzt einen blauvioletten Kontrast zu den gelben Blüten, benötigt jedoch einen besonders gut drainierten, kalkhaltigen Platz.

💡 Tipp:
Ziergräser wie Federgras oder Blauschwingel lockern die Pflanzung zusätzlich auf und betonen den naturnahen Charakter eines Trockenbeets.

Johanniskraut pflegen

Echtes Johanniskraut pflegen
Frisch eingepflanzt braucht Johanniskraut Wasser. | © mimi@TOKYO / stock.adobe.com

Gießen

Frisch gepflanztes Johanniskraut wird im ersten Standjahr während längerer Trockenphasen gegossen. Zwischen den Wassergaben darf die Erde oberflächlich abtrocknen. Eingewachsene Pflanzen überstehen trockene Zeiten aufgrund ihres ausgedehnten Wurzelsystems häufig ohne zusätzliches Gießen.

Düngen

Johanniskraut ist ein Schwachzehrer und benötigt daher keine zusätzlichen Nährstoffe.

Rückschnitt

Aus ökologischer Sicht lohnt es sich, die abgestorbenen Stängel über den Winter stehenzulassen, da sie Insekten als Überwinterungsquartier dienen. Einzelne Insekten nutzen markhaltige oder hohle Pflanzenstängel als Winterquartier. Im zeitigen Frühjahr werden die alten Triebe dann knapp über dem Boden abgeschnitten, bevor der neue Austrieb beginnt.

💡 Tipp:
Um die Selbstaussaat zu verhindern, werden verwelkte Blütenstände vor der Fruchtbildung abgeschnitten.

Überwintern

Im Beet ist Echtes Johanniskraut winterhart und benötigt keinen Winterschutz. Im Kübel friert der Wurzelballen schneller durch. Das Gefäß wird deshalb mit Jute oder Vlies umwickelt und auf Holz oder eine isolierende Unterlage gestellt. An frostfreien Tagen erhält die Pflanze etwas Wasser, sofern das Substrat trocken ist.

Johanniskraut vermehren

Samen ernten und Aussaat

Johanniskraut ist ein Licht- und Kaltkeimer. Die feinen, länglichen Samen benötigen also sowohl eine Kälteperiode als auch Licht, um zu keimen.

  1. Warten Sie, bis die gelben Blüten komplett verblüht sind und sich die dreigeteilten, eiförmigen Fruchtkapseln gebildet haben. Die Ernte ist perfekt, wenn die Kapseln vollständig braun, trocken und noch nicht aufgeplatzt sind.
  2. Schneiden Sie die gesamten braunen Fruchtstängel mit einer Gartenschere ab. Stecken Sie die abgeschnittenen Fruchtstände kopfüber in eine Papiertüte.
  3. Legen Sie die Tüte mit den Pflanzen für 1 bis 2 Wochen an einen warmen, trockenen und schattigen Ort. Schütteln Sie die Tüte danach kräftig durch. Die reifen, winzigen schwarzen Samen fallen dabei von ganz alleine aus den trockenen Kapseln auf den Boden der Tüte und die Kapseln können dann herausgenommen werden.
  4. Lagern Sie das Saatgut bis zur Aussaat im Frühjahr dunkel, kühl und absolut trocken.
  5. Ab Mitte/Ende Februar legen Sie die winzigen Samen auf etwas feuchtem Sand in einem kleinen Gefäß. Stellen Sie die Mischung für 3 bis 4 Wochen in den Kühlschrank (Gemüsefach, ca. 4–6 °C).
  6. Mitte März füllen Sie flache Anzuchtschalen oder kleine Töpfe mit einer nährstoffarmen Anzucht- oder Kräutererde und befeuchten diese. Streuen Sie die Samen (samt dem Sand aus dem Kühlschrank) gleichmäßig auf die feuchte Erde.
  7. Stellen Sie die Schalen an einen hellen, warmen Ort (z. B. auf die Fensterbank) bei ca. 18–22 °C. Halten Sie die Erde konstant feucht, aber nicht klatschnass. Nach 2 bis 4 Wochen zeigen sich die ersten Keimlinge.
  8. Sobald die Pflänzchen neben den beiden Keimblättern die ersten „echten“ ganzrandigen Blätter bilden und einander in die Quere kommen, werden sie vereinzelt und in kleine Töpfe gesetzt.
  9. Nach den Eisheiligen (Mitte Mai), wenn keine Frostgefahr mehr droht, dürfen die robusten Jungpflanzen ins Freiland.
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Teilung

Da die krautigen Triebe von Johanniskraut im Herbst oberirdisch absterben, lässt sich der Wurzelstock zu diesem Zeitpunkt problemlos teilen. Mit dem Spaten wird ein Randstück des Horsts abgestochen und samt Wurzeln an neuer Stelle eingesetzt. Diese Methode liefert schnell blühfähige Jungpflanzen.

Umgang mit Echtem Johanniskraut

Steckbrief Echtes Johanniskraut
Dunkle Drüsen an Blütenblättern und Knospen enthalten Hypericin. | © Anton / stock.adobe.com

Hypericin und das verwandte Pseudohypericin gehören zu den pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffen des Echten Johanniskrauts. Sie sind hauptsächlich in den dunklen Drüsen an den Rändern der Blütenblätter und in den Knospen enthalten. Beim Zerreiben tritt der charakteristische rote Pflanzensaft aus, der die Haut verfärben kann. Handschuhe halten die Hände bei der Pflanzung, Teilung und beim Rückschnitt sauber.

Besondere Vorsicht gilt in der Nähe von Weiden. Viel gefressenes Johanniskraut erhöht bei Pferden, Schafen und Ziegen die Lichtempfindlichkeit der Haut und kann unter Sonneneinstrahlung Entzündungen auslösen. Frische und getrocknete Pflanzenteile gehören deshalb weder auf die Weide noch in Heu, das an diese Tiere verfüttert wird.

💡 Tipp: Heilpflanze Johanniskraut
Als Heilpflanze wird Johanniskraut seit Jahrhunderten verwendet, heute etwa als Tee, Öl oder Fertigarzneimittel aus der Apotheke. Wirkung, Anwendungsgebiete und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beschreibt die Apotheken Umschau ausführlich. Eine Anleitung zur Selbstmedikation gehört in fachkundige Hände.

Fazit: Johanniskraut pflanzen

Johanniskraut ist eine pflegeleichte, ökologisch wertvolle Heilpflanze, die mit ihren leuchtend gelben Blüten Farbe ins Beet bringt und zugleich vielen Insekten Nahrung bietet. Am besten entfaltet Hypericum perforatum seinen ökologischen Wert dort, wo Haustiere und Weidetiere nicht hingelangen, während sich Wildbienen und andere Bestäuber ungehindert an den pollenreichen Blüten bedienen können.

Wichtige Fragen zum Johanniskraut

Ist echtes Johanniskraut giftig?

Echtes Johanniskraut enthält pharmakologisch wirksame Stoffe wie Hypericin. Arzneiliche Zubereitungen können mit etlichen Medikamenten wechselwirken und die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Bei Weidetieren führt die Aufnahme größerer Mengen unter bestimmten Bedingungen zu phototoxischen Hautschäden. Im Garten reicht es daher aus, die Pflanze außerhalb der Reichweite pflanzenfressender Tiere anzubauen.

Bildet Echtes Johanniskraut essbare Beeren?

Das Echte Johanniskraut bildet keine Beeren, sondern trockene Kapselfrüchte mit zahlreichen feinen Samen. Beerenartige Früchte stammen von anderen Arten und Ziersorten aus der Gattung Hypericum. Sie sind nicht mit den Früchten des Echten Johanniskrauts gleichzusetzen und gehören nicht auf den Speiseplan.

Welche Vorteile hat Johanniskraut?

Echtes Johanniskraut benötigt wenig Pflege und blüht meist von Juni bis August. Die Blüten liefern Insekten Pollen, während Blätter und Triebe verschiedenen Schmetterlingsraupen als Nahrung dienen. Hinzu kommt seine lange Geschichte als Arzneipflanze.

Ist Johanniskraut in Deutschland verboten?

Nein, die Pflanze selbst ist nicht verboten und lässt sich in jedem Garten anbauen und ernten.

Breitet sich Echtes Johanniskraut stark aus?

Echtes Johanniskraut vermehrt sich durch Samen sowie über seitliche Wurzeln und Wurzelsprosse. In offenen, sonnigen Beeten entstehen dadurch mit der Zeit größere Bestände. Verwelkte Blütenstände werden vor der Fruchtreife abgeschnitten, wenn keine Selbstaussaat erwünscht ist. Unerwünschte Wurzelsprosse lassen sich mit dem Spaten abtrennen.

Kathrin von Gartentipps

Ich bin Mutter und leidenschaftlich gerne in der Natur. Seit über zwanzig Jahren spielt der Garten in meinem Leben eine wichtige Rolle. Ich beobachte, pflanze, ernte und verarbeite am liebsten alles selbst. Dabei genieße ich die Zeit im Grünen mit meinen Kindern genauso wie die stillen Momente allein im Beet. Ganz nebenbei lerne ich ständig Neues – im Garten hört das Wissen nie auf. ✿

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