Wer einen Schmetterlingsgarten anlegen möchte, findet hier die richtigen Nektarpflanzen, Raupenfutterpflanzen und Pflegetipps für mehr Artenvielfalt im Garten.

Von über 180 Tagfalterarten, die in Deutschland heimisch sind, kommen kaum ein Dutzend in Hausgärten vor. Den meisten fehlt schlicht das, was sie zum Überleben brauchen: die richtigen Pflanzen, Wärme, Rückzugsorte. Wer einen Schmetterlingsgarten anlegen möchte, benötigt ein grundlegendes Verständnis dafür, was diese Tiere wirklich brauchen.

Was Schmetterlinge in einem Garten brauchen

Schmetterlinge durchlaufen mehrere Lebensphasen und brauchen für jede davon etwas anderes: als Raupe artspezifische Futterpflanzen, als Falter zugängliche Blüten, Plätze zum Ausruhen und Aufwärmen sowie Wasserstellen.

  • Nahrung für Falter: Nektarpflanzen, möglichst von März bis Oktober
  • Nahrung für Raupen: artspezifische Futterpflanzen
  • Wärme und Sonne: sonnige, windgeschützte Bereiche
  • Rückzugsorte: Sträucher, Totholz
  • Wasser: flache Schalen oder feuchte Stellen

Fehlt einer dieser Faktoren, besuchen Schmetterlinge den Garten zwar, siedeln sich aber nicht dauerhaft an. Genau deshalb reicht ein einziges Schmetterlingsbeet nicht aus.

Welche Schmetterlinge kommen in unseren Gärten vor?

Nicht alle heimischen Arten finden sich im Garten ein. Welche regelmäßig auftauchen, hängt vor allem von der Schmetterlingsart und ihrem Lebensraum ab.

Tagfalter

Tagfalter sind Schmetterlinge, die hauptsächlich am Tag aktiv sind. Sie gehören zu mehreren Familien, teilen aber ein gemeinsames Merkmal: Ihre Fühler enden in einer keulenförmigen Verdickung, was sie von den meisten Nachtfaltern unterscheidet.

ArtRaupenfutterpflanzeBesonderheit
TagpfauenaugeBrennnesselÜberwintert als Falter
Kleiner FuchsBrennnesselBis zu drei Generationen pro Jahr
AdmiralBrennnesselWanderfalter, kommt aus dem Süden
ZitronenfalterFaulbaum, KreuzdornErster Falter im Jahr (ab Februar)
SchwalbenschwanzDill, Fenchel, Wilde MöhreGrößter heimischer Tagfalter, Wanderfalter
Hauhechel-BläulingHornklee, HauhechelHäufig auf mageren Wiesen
SchachbrettfalterGräserTypisch für naturnahe Bereiche
C-FalterBrennnessel, HopfenÜberwintert als Falter

Wenn sich diese Arten regelmäßig blicken lassen, sind die Bedingungen gut.

Nachtfalter und dämmerungsaktive Nachtfalter

Nahaufnahme vom Taubenschwänzchen
Das Taubenschwänzchen sieht aus wie ein Kolibri. | © bennytrapp / stock.adobe.com

Nacht- und Dämmerungsfalter bleiben im Garten häufig unbemerkt, sind aber ein genauso wichtiger Teil des Ökosystems. Viele von ihnen werden erst aktiv, wenn die Temperatur sinkt und bestimmte Blüten ihren Duft entfalten.

  • Gammaeule: häufig, fliegt auch tagsüber
  • Ligusterschwärmer: großer, schneller Flieger
  • Taubenschwänzchen: fliegt bei Tag, wird oft für ein Kolibri gehalten
  • Abendpfauenauge: auffälliger Schwärmer mit großen Augenflecken

💡 Tipp:
Nachtfalter sind besonders auf duftende Blüten angewiesen. Weiße und hellgelbe Blüten, die abends ihren Duft entfalten, ziehen sie zuverlässig an.

Schmetterlingsgarten anlegen: Schritt für Schritt

Einen festen Startzeitpunkt gibt es nicht. Der Schmetterlingsgarten entsteht schrittweise, ein Beet hier, ein Strauch dort, eine ungemähte Ecke, die einfach stehenbleibt. Wer strukturiert beginnen möchte, startet am besten im Frühjahr zwischen April und Mai mit der Aussaat von Wildblumensamen.

1. Den richtigen Standort wählen

Schmetterlinge sind wechselwarm. Ohne Sonnenwärme können sie nicht fliegen. Der Schmetterlingsgarten braucht deshalb:

  • mindestens fünf bis sechs Stunden direkte Sonne pro Tag
  • Schutz vor kaltem Wind (Hecke, Mauer oder Sträucher im Norden und Westen)
  • keine dichten Baumkronen direkt darüber

Süd- und westausgerichtete Bereiche sind am besten geeignet. Dort ist auch die Verlockung für Schmetterlinge am größten.

2. Nektarpflanzen in Gruppen pflanzen

Einzelne Pflanzen werden kaum wahrgenommen. Schmetterlinge brauchen eine vielfältige Blütenansammlung. Drei bis fünf Pflanzen derselben Art nebeneinander sind effektiver als zehn verschiedene Solitärpflanzen.

Schmetterlingsgarten anlegen
Der Zitronenfalter fühlt sich vom Lavendel angezogen | © Fotoagentur WOLF / stock.adobe.com

Beliebte Nektarpflanzen im Überblick:

PflanzeBlütezeitBesonders attraktiv für
Wilder MajoranJuni–SeptemberTagpfauenauge, Kleiner Fuchs
Wiesen-SalbeiMai–JuliBläulinge, Dickkopffalter
FlockenblumeMai–SeptemberViele Tagfalterarten
Fetthenne (Sedum)August–OktoberAdmirale, C-Falter
WasserdostJuli–SeptemberAdmirale, Schwalbenschwänze
ThymianMai–AugustBläulinge, kleine Falterarten
Tauben-SkabioseJuli–OktoberSchwalbenschwanz, Bläulinge
NatternkopfJuni–AugustZungensauger aller Art
LavendelJuni–AugustBreites Artenspektrum
EisenkrautJuli–OktoberBreites Artenspektrum
YsopJuli–SeptemberBläuling, Dickkopffalter und viele kleine Falter
BartblumeAugust–OktoberAdmiral, Tagpfauenauge und Bläulinge

❌ Gefüllte Blüten sehen zwar dekorativ aus, bieten aber kaum Nektar. Einfache, offene Blütenformen sind für Schmetterlinge zugänglicher.

3. Raupenfutter pflanzen

Hier liegt der häufigste Fehler: Wer nur Nektarpflanzen pflanzt, zieht zwar Falter an, ermöglicht aber keine Vermehrung. Raupen sind sehr wählerisch und akzeptieren oft nur eine oder wenige Pflanzenarten.

Die wichtigsten Raupenfutterpflanzen:

Brennnessel
Brennnesseln sind für viele Schmetterlinge unverzichtbar. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral und C-Falter legen ihre Eier bevorzugt hier ab. Ein Bereich von 1–2 Quadratmetern an einem ruhigen, halbschattigen Ort genügt. Hinter dem Schuppen, entlang des Zaunes oder am Kompost ist ein guter Platz.

Faulbaum und Kreuzdorn
Ohne diese beiden Sträucher ist der Zitronenfalter nicht dauerhaft im Garten zu halten. Beide sind pflegeleicht und heimisch. Der Faulbaum hat den zusätzlichen Vorteil, dass er auch schattigere Standorte verträgt.

Dill, Fenchel und Wilde Möhre
Diese Doldenblütler sind das Raupenfutter des Schwalbenschwanzes. Die Raupen sitzen gut sichtbar auf den Blättern und lassen sich leicht beobachten. Ein etwas wilderer Wuchs schadet dabei nicht, im Gegenteil.

Hornklee und Hauhechel
Beide Pflanzen ziehen verschiedene Bläulingsarten an und kommen auf mageren, sonnigen Flächen besonders gut zurecht.

Gräser (Straußgräser, Schwingel)
Grasfalter wie der Schachbrettfalter und das Große Ochsenauge nutzen sie als Raupenfutter. Dafür genügt bereits eine schmale, nicht gemähte Graskante am Rand des Beetes oder entlang des Weges.

4. Eine kleine Blühwiese anlegen

Ein klassischer Rasen bietet Schmetterlingen kaum etwas. Eine kleine, nicht regelmäßig gemähte Blumenwiese ist dagegen viel wertvoller.

Empfehlungen:

  • Regionale Wildblumenmischungen verwenden (keine sterilen Saatgutmischungen)
  • Fläche nur einmal jährlich mähen, am besten Ende September
  • Abschnittsweise mähen, nie die gesamte Fläche auf einmal

💡 Tipp:
Arten wie Wiesensalbei, Margeriten, Hornklee und Glockenblumen etablieren sich dort von selbst oder lassen sich leicht einsäen.

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  • Magnet für Schmetterlinge: Diese Auswahl aus ein- und mehrjährigen Pflanzen zieht Schmetterlinge an und schafft eine blühende Landschaft, die die Biodiversität Ihres Gartens fördert.

5. Strukturen und Rückzugsorte schaffen

Schmetterlinge sind wechselwarm. Ohne externe Wärmequellen kommen sie morgens nicht in die Luft. Flache Steine, offene Bodenstellen und windgeschützte Ecken sind deshalb kein Beiwerk, sondern Grundbedingung.

  • Flache Steine an sonnigen Stellen speichern Wärme und werden als Ruheplätze genutzt.
  • Offene, leicht feuchte Bodenstellen (Pfützen) nutzen viele Schmetterlinge, um Mineralien aus dem Boden aufzunehmen.
  • Totholzstapel und Reisighaufen dienen als Überwinterungsschutz für Falter und andere Insekten.
  • Heimische Sträucher bieten Windschutz und Rückzugsraum (naturwüchsige Formen sind bevorzugt).
  • Eine flache Wasserschale mit ein paar eingelegten Steinen genügt als Tränke.

💡 Tipp:
Ein Schmetterlingshaus bietet Faltern Schutz vor Kälte, Feuchtigkeit und Fressfeinden, nicht nur zur Überwinterung, sondern das ganze Jahr über. Es wird an einem ruhigen, leicht erhöhten Platz aufgestellt, mit dem Eingang nach Süden oder Osten ausgerichtet und geschützt vor starkem Wind. Sowohl im Garten als auch auf dem Balkon ist es eine sinnvolle Ergänzung, wenn geeignete Nektarpflanzen in der Nähe stehen.

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Schmetterlingsfreundliche Pflanzen für den Balkon

Auch ohne Garten lässt sich auf einem Balkon einiges für Schmetterlinge tun. Lavendel im Topf ist robust, langblühend und wird von vielen Falterarten angeflogen. Thymian und Oregano kommen mit trockeneren Bedingungen gut zurecht und blühen ausdauernd.

Wer spät im Jahr noch Nektar anbieten möchte, pflanzt Fetthenne in den Balkonkasten. Sie blüht, wenn die meisten anderen Pflanzen längst verblüht sind, und wird dann von Admiralen und C-Faltern gezielt aufgesucht.

Schmetterlingsgarten pflegen

Ein Schmetterlingsgarten sieht nicht aufgeräumt aus, und das ist Absicht. Samenstände und abgestorbene Stängel bleiben über den Winter stehen, weil sie Schutz für überwinternde Insekten bieten und Vögeln als Nahrungsquelle dienen. Laub wird nicht vollständig weggefegt, denn darunter überwintern die nächste Generation. Wer im Herbst gründlich aufräumt, zerstört den Nachwuchs des nächsten Jahres.

Pflanzenschutzmittel haben im Schmetterlingsgarten keinen Platz. Insektizide schaden Raupen und viele Herbizide vernichten ihre Futterpflanzen. Das gilt auch für Mittel, die als besonders schonend beworben werden.

Die Brennnessel verdient besondere Aufmerksamkeit. Wer sie im Frühjahr vollständig entfernt, nimmt Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und Admiral die wichtigste Grundlage zur Fortpflanzung. Die Weibchen legen ihre Eier ab April an den Blättern ab, die Raupen entwickeln sich von Mai bis August. Ein Rückschnitt im Spätsommer ist dann möglich.

Jahrespflege im Überblick

ZeitraumAufgaben
März/AprilErster Rückschnitt, Saat von Wildblumen, Wasserschalen befüllen
Mai–JuliBeobachten, gezielt nachpflanzen, Wiesenbereiche nicht mähen
August/SeptemberSpät blühende Pflanzen kontrollieren, Fetthenne und Wasserdost stehen lassen
Oktober/NovemberTeilschnitt, Totholz aufschichten, Laub belassen
WinterKeine starken Eingriffe

Häufige Fragen zum Schmetterlingsgarten

Welche Pflanze zieht am meisten Schmetterlinge an?

Wasserdost, Wilde Flockenblume und Fetthenne gehören zu den beliebtesten Nektarpflanzen. Für bestimmte Arten sind jedoch die Raupenfutterpflanzen wichtiger als die Nektarquellen.

Brauche ich einen großen Garten für einen Schmetterlingsgarten?

Nein. Schmetterlinge können auch in kleinen Gärten, auf der Terrasse oder dem Balkon unterstützt werden.

Wie lange dauert es, bis sich Schmetterlinge ansiedeln?

Nektarpflanzen locken Falter oft noch im selben Sommer an. Bis sich bestimmte Arten dauerhaft ansiedeln und vermehren, dauert es in der Regel ein bis zwei Jahre.

Ist Schmetterlingsflieder (Buddleja) empfehlenswert?

Als Nektarquelle wird der Schmetterlingsflieder im Hoch- und Spätsommer von vielen Faltern angeflogen. Als invasiver Neophyt ist er allerdings umstritten. Heimische Alternativen wie Blutweiderich oder Echter Baldrian sind ökologisch wertvoller.

Kann ich einen Schmetterlingsgarten mit Gemüsebeet kombinieren?

Ja. Dill und Fenchel sind ohnehin Küchenpflanzen und ziehen gleichzeitig Schwalbenschwanz-Raupen an. Wildblumen zwischen Gemüsebeeten fördern außerdem Bestäuber.

Ringo von Gartentipps.com

Ringo ist Gründer und Chef-Redakteur von Gartentipps.com. Hat auf dem Dorf (bei Oma) zwischen Stachelbeeren, Kirschbaum und Hühnerhof seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt.

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