Jeden Herbst wandern säckeweise Blätter in die Biotonne, und mit ihnen der Rohstoff für eine besondere Gartenerde, die Lauberde.

Kaum ist der Rasen frei gerecht liegt unter dem Walnussbaum drei Tage später schon wieder eine gelbe Decke. Wohin mit all dem Laub? Gärtnereien hatten früher darauf eine einfache Antwort, denn lange bevor es Blumenerde im Sack gab, setzten sie aus Herbstlaub ihre eigene Lauberde an und zogen darin ihre empfindlichsten Pflanzen heran. Warum also das Laub nicht verwenden, wenn es in Hülle und Fülle von den Bäumen fällt? Mit etwas Geduld wird so aus dem lästigen Laubberg die eigene Erde für Aussaatschalen und Beete.

Was Laubkompost von Lauberde unterscheidet

Beide Begriffe beschreiben denselben Laubhaufen, nur zu unterschiedlichen Zeiten. Laubkompost ist das Zwischenstadium auf dem Weg zur Lauberde. Die Blätter sind schon braun und brüchig, ihre Form bleibt aber noch erkennbar. Lauberde entsteht erst, wenn Pilze, Asseln und Regenwürmer das Laub vollständig zerlegt haben. Sie rieselt dann krümelig durch die Finger und erinnert an die oberste Schicht im Buchenwald. Im Vergleich zum klassischen Gartenkompost enthält sie nur wenig Nährstoffe.

Welches Laub sich für Lauberde eignet

Grundsätzlich verrottet jedes Laub. Wie schnell, hängt von der Blattstärke und vom Gehalt an Gerbstoffen ab. Dünne, weiche Blätter von Obstbäumen zerfallen schnell, ledrige Eichenblätter halten sich lange im Korb.

Laub vonRottedauerVerwendung
Obstbäumen, Ahorn, Linde, Birke, Hainbuche, Hasel, Rotbucheetwa ein bis zwei Jahreneutral, für Anzuchterde und Schattenbeete
Eiche, Walnuss, Esskastanieetwa zwei bis drei Jahrereich an Gerbstoffen, sauer, für Moorbeetpflanzen

Welche Blätter dürfen nicht auf den Kompost?

Einige Blätter gehören nicht in den Laubkorb, weil ein Laubkomposter nicht heiß genug wird, um Schaderreger abzutöten.

  • Laub der Rosskastanie mit braunen Minen: In den Blättern überwintern die Puppen der Rosskastanien-Miniermotte. Befallenes Laub gehört in die Biotonne.
  • Apfellaub mit Schorfflecken: Der Pilz überdauert auf den Blättern am Boden und infiziert im Frühjahr den Austrieb. Stark befleckte Blätter besser entsorgen.
  • Rosenlaub mit Sternrußtau: Die schwarzen, ausgefransten Flecken stammen von einem Pilz, der im Falllaub überwintert.

Laub mischen oder getrennt ansetzen

Gemischtes Laub verrottet so lange wie das langsamste im Korb. Schon eine dicke Lage Eichenblätter zwischen Obstbaumlaub verlängert die Rotte um bis zu ein Jahr. Fällt nur wenig Eichen- oder Walnusslaub an, stört das kaum. Bei größeren Mengen lohnt sich ein zweiter Korb, denn am Ende entstehen zwei unterschiedliche Erden. 

Den passenden Platz und Behälter wählen

Für Lauberde braucht es keinen Thermokomposter, denn Laub zersetzt sich ohne Hitze. Es genügen Luft, Feuchtigkeit und Kontakt zum Boden. Über den offenen Boden wandern Regenwürmer und Kompostwürmer von unten ein und übernehmen einen großen Teil der Arbeit. Im Halbschatten unter Gehölzen bleibt der Haufen auch im Sommer feucht. In praller Sonne trocknet er dagegen aus, und die Rotte kommt zum Stillstand.

💡 Tipp: Laubmiete als Alternative
Bei sehr viel Laub genügt auch eine Laubmiete, ein länglich aufgeschichteter Haufen in einer ruhigen Gartenecke.

Laubkorb aus Maschendraht selber bauen

Ein Laubkorb aus Draht ist in einer halben Stunde gebaut. Für den Klassiker genügt eine Bahn Maschendraht oder Kaninchendraht, etwa einen Meter hoch, zu einem Zylinder von rund einem Meter Durchmesser gerollt. Draht oder Kabelbinder halten die Enden zusammen. Unten bleibt auch noch Platz, um eine Öffnung von etwa 15 × 20 cm in den Draht zu schneiden. Dann finden Igel im Winter einen Unterschlupf.

Zwei Holzpfähle, etwa 1,2 m lang, geben bei Wind Halt. Durch das Gitter kommt so von allen Seiten Luft an die Blätter. Ein fertiger Laubkomposter aus Metall (wie dieser hier) erspart das Zuschneiden und funktioniert nach demselben Prinzip.

💡 Tipp: Warum Metall und nicht Holz?
Ein Laubkomposter aus Holz eignet sich ebenso wie einer aus Metall. Für den Drahtkorb spricht jedoch, dass er günstig und schnell gebaut ist und viel Laub auf wenig Grundfläche fasst. Nach der Saison lässt er sich abnehmen oder zusammenrollen.

Lauberde im Sack oder in der Tüte ansetzen

Auf wenig Raum reichen ein paar kräftige Müllsäcke oder große Tüten. Dafür das Laub feucht einfüllen, Sack oder Tüte locker zubinden und mit der Grabegabel rundum mehrmals durchstechen, damit Luft hineinkommt. Die Säcke stehen am besten in einer ruhigen Ecke hinter dem Schuppen. Würmer gelangen hier nicht hinein, daher zersetzen hauptsächlich Pilze und Bakterien das Laub.

Lauberde ansetzen Schritt für Schritt

Die beste Zeit zum Ansetzen ist der Spätherbst, wenn der Großteil der Blätter gefallen ist. Zum Sammeln eignet sich ein trockener Tag. Regennasses Laub klebt als schwere Matte am Rechen und setzt sich im Mähergehäuse fest.

Grafik zum Aufbau eines Laubkorbs aus Maschendraht.
So wird der Laubkorb für Lauberde Schicht für Schicht aufgebaut.
  1. Platz vorbereiten: Den Boden unter dem Korb mit der Grabegabel lockern und den Korb aufstellen.
  2. Reisig einlegen: Eine 10 bis 15 cm hohe Lage Reisig auf den Boden legen. So gelangt von unten Luft an das Laub, und Nässe staut sich nicht.
  3. Laub sammeln und zerkleinern: Auf dem Rasen das Laub mit dem Rasenmäher samt Fangkorb aufnehmen, der Mäher zerkleinert es dabei gleich. Blätter aus Beeten und von Wegen vorher auf den Rasen rechen und mit aufnehmen. Größere Mengen Eichen- oder Buchenlaub lassen sich alternativ häckseln. Zerkleinerte Blätter verkleben im Korb nicht und verrotten schneller.
  4. Schichtweise einfüllen: Etwa 20 cm Laub locker einschichten, nicht festtreten. Zusammengepresstes Laub bekommt zu wenig Luft und beginnt zu faulen. Pro Schicht eine Handvoll Hornspäne oder eine dünne Lage Rasenschnitt aufstreuen, damit die Mikroorganismen genug Stickstoff finden.
  5. Anfeuchten: Trockenes Laub mit der Gießkanne durchfeuchten, bis es sich anfühlt wie ein ausgedrückter Schwamm.
  6. Rotte antreiben: Zwei, drei Schaufeln reifen Kompost oder Gartenerde zwischen die Schichten streuen. So gelangen die passenden Mikroorganismen gleich mit in den Korb.
  7. Abdecken: Eine Lage Reisig oder ein Stück Jutesack obenauf legen, damit der Wind die obersten Blätter nicht verweht.

💡 Tipp: Mähhöhe
Stellen Sie den Rasenmäher bei dicker Laubdecke höher als gewohnt. So setzt sich das Gehäuse nicht zu, und Kröten, Käfer und andere Kleintiere unter dem Laub bleiben verschont. Mit eingesetztem Fangkorb und langsamer Fahrt landet das Laub zerkleinert im Korb.

Die Rotte über das Jahr begleiten

Über den Winter sackt das Laub auf etwa die Hälfte zusammen. Ein einmaliges Umgabeln im Frühsommer beschleunigt die Rotte, nötig ist es allerdings nicht.

Im Sommer braucht der Korb dann nur Feuchtigkeit. Beim Zusammendrücken in der Hand darf das Laub weder tropfen noch staubtrocken zerbröseln. In heißen Wochen genügt meist eine Kanne Wasser pro Woche.

💡 Tipp: Laubhaufen und Laubkörbe dienen Igeln, Erdkröten und Blindschleichen als Winterquartier. Mit dem Umsetzen daher warten, bis die Nächte im späten Frühjahr frostfrei bleiben, und dann vorsichtig von der Seite hineinstechen, nicht kräftig von oben.

Reife Lauberde erkennen

Nach dem ersten Jahr ist grober Laubkompost entstanden. Reif ist die Lauberde nach etwa anderthalb bis zwei Jahren, bei Eichenlaub etwas später. Sie ist dann dunkelbraun, und bei derselben Handprobe wie im Sommer zerfällt sie sofort wieder, sobald sich die Hand öffnet. Ganze Blätter sind keine mehr zu sehen.

💡 Tipp: Reifetest
Ein einfacher Kressetest zeigt, ob die Erde schon für die Anzucht taugt. Dafür Kresse in ein Schälchen mit gesiebter Lauberde säen. Keimt sie gleichmäßig und bleibt grün, ist die Erde reif. Gelbe oder ausbleibende Keimlinge zeigen, dass die Erde noch keimhemmende Stoffe enthält.

Lauberde im Garten verwenden

Lauberde düngt kaum, und gerade darin liegt ihr Wert. Überall dort, wo normaler Kompost zu nährstoffreich wäre, ist sie die bessere Wahl. Kohl, Tomaten und andere Starkzehrer bekommen dagegen weiterhin nährstoffreichen Kompost. Gemischt mit reifem Gartenkompost ergibt Lauberde außerdem eine gute Blumenerde für Töpfe.

Anzuchterde selbst mischen

Für eigene Anzuchterde reichen drei Zutaten zu gleichen Teilen: gesiebte Lauberde aus Obstbaum- oder Ahornlaub, feiner Sand und Gartenerde. Die Lauberde kommt dafür zuerst durch ein Kompostsieb mit etwa 10 mm Maschenweite, damit Stiele und grobe Blattreste zurückbleiben. Zusammengemischt ergibt das eine luftige Anzuchterde mit wenig Nährstoffen, und gerade deshalb bilden die Keimlinge kräftige Wurzeln, statt schnell in die Höhe zu schießen.

Die Gartenerde bringt allerdings Unkrautsamen mit. Daher kommt die fertige Anzuchterde 30 Minuten bei 150 °C in den Backofen und ruht danach ein, zwei Tage, bevor gesät wird.

Moorbeetpflanzen versorgen

Saure Lauberde aus Eichen-, Walnuss- oder Esskastanienlaub passt zu allen Pflanzen, die humose, saure Böden lieben. Rhododendron, Azaleen, Heidelbeeren und Hortensien wachsen mit einer Mulchschicht daraus besser, ebenso mit etwas davon im Pflanzloch. Auf stark kalkhaltigem Gartenboden ersetzt Lauberde allerdings kein echtes Moorbeet, denn der Kalk im Untergrund neutralisiert ihre Säure mit der Zeit wieder.

Schattenbeet mit Lauberde anlegen

Unter Bäumen und an der Nordseite des Hauses ist der Boden oft trocken, fest und von Wurzeln durchzogen. Im Wald dagegen fällt jedes Jahr frisches Laub, und daraus entsteht die lockere, humusreiche Erde, in der Waldpflanzen zu Hause sind. Mit Lauberde lässt sich diese Erde ins Schattenbeet holen.

Vor dem Pflanzen reichlich Lauberde auf dem Beet verteilen und flach einarbeiten. Zwischen Baumwurzeln lieber nicht tief graben, dort genügt eine Schicht obenauf. In schwerem Lehm wird die Erde dadurch lockerer, in sandigem Boden hält sie das Wasser länger. Elfenblumen, Waldmeister, Schaumblüte oder Lungenkraut wachsen in so vorbereiteter Erde so üppig wie am Waldrand. Eine dünne Lage Lauberde jeden Herbst hält den Boden dauerhaft locker.

Häufige Fehler beim Ansetzen von Lauberde

  • Den Laubkorb mit einer Plane abdecken: Eine geschlossene Plane hält zwar den Wind ab, aber auch den Regen. Das Laub darunter trocknet aus, oder es sammelt sich Kondenswasser, und die Blätter beginnen zu faulen. Reisig oder ein Jutesack schützen vor Wind und lassen Regen und Luft trotzdem durch.
  • Frisches Laub auf den alten Haufen füllen: Kommt im nächsten Herbst neues Laub obenauf, liegen junge und reife Schichten übereinander. Die fertige Lauberde lässt sich dann kaum sauber ernten. Ein zweiter Korb daneben nimmt das frische Laub auf, und der erste reift in Ruhe aus.
  • Den ganzen Laubberg auf den normalen Kompost kippen: Im gemischten Kompost ist Laub als Strukturmaterial willkommen, aber nur in Maßen. Faustregel ist etwa ein Fünftel Laub, der Rest Küchen- und Gartenabfälle. Alles darüber hinaus gehört in den eigenen Laubkorb. Laub, das auf dem Rasen liegen bleibt, nimmt den Gräsern im Winter das Licht. Deshalb gehört das Abrechen zu den festen Schritten der Rasenpflege im Herbst.

Fazit: Lauberde selbst herstellen 

Ein Nachmittag und ein Stück Draht, mehr braucht es für den Laubkorb nicht. Daraus entsteht eine feine Erde, die gekaufte Erde nicht überflüssig macht, sie aber für Aussaaten, Moorbeetpflanzen und Schattenbeete sinnvoll ergänzt. Mit zerkleinertem, feucht gehaltenem Laub ohne kranke Blätter gelingt die Lauberde auch beim ersten Versuch.

Häufige Fragen zur Lauberde

Darf Walnusslaub auf den Kompost?

Ja. Seine keimhemmenden Stoffe bauen sich während der langen Rotte ab, sodass die fertige Lauberde den Pflanzen nicht schadet.

Dürfen Nadeln mit in den Laubkorb?

In kleinen Mengen ja. Nadeln verrotten langsam und machen die Lauberde saurer, deshalb passen sie zum Eichenlaub.

Kann Laub auch direkt als Mulch liegen bleiben?

Ja, unter Sträuchern, Hecken und auf Staudenbeeten schützt eine Laubschicht den Boden im Winter und gibt Kleintieren Unterschlupf.

Lockt ein Laubkorb Ratten an?

Kaum. Ratten suchen Futter, und reines Laub bietet keines. Anders sieht es aus, sobald Küchenabfälle in den Korb kommen.

Wie viel Laub passt in einen Laubkorb?

Ein Korb mit einem Meter Höhe und einem Meter Durchmesser fasst knapp 0,8 Kubikmeter. Das sind ungefähr acht bis zehn volle Schubkarren Laub.

Kathrin von Gartentipps

Seit über zwanzig Jahren spielt der Garten in meinem Leben eine wichtige Rolle. Ich beobachte, pflanze, ernte und verarbeite am liebsten alles selbst. Dabei genieße ich die Zeit im Grünen mit meinen Kindern genauso wie die stillen Momente allein im Beet. Ganz nebenbei lerne ich ständig Neues. Im Garten hört das Wissen nie auf. ✿

Antwort hinterlassen