Kaum eine Pflanze im Garten wird so geliebt und doch gleichzeitig so gehasst. Wenn der Essigbaum sich zu stark ausgebreitet hat, wollen ihn die meisten Gärtner nur noch entfernen. Aber das ist gar nicht so einfach.

Der farbenfrohe Essigbaum (Rhus typhina) ist wirklich schön anzusehen und ein wahrer Blickfang. Doch fragen Sie mal einen Gärtner, der dieses Gewächs schon seit einigen Jahren in seinem Garten hat. Ob er über die Pflanze auch noch so erfreut ist? Die meisten schlagen die Hände übereinander und wünschen sich nichts lieber, als dass der Essigbaum endlich verschwindet.

Essigbaum entfernen in 4 Schritten

Ein großer Nachteil ist, dass der Essigbaum wuchert. Selbst ein regelmäßiger Schnitt kann ihn nicht eindämmen. Im Gegenteil, er wird sogar noch größer und ausladender. Obwohl es mit Sicherheit nicht einfach ist, das Problem Essigbaum in den Griff zu bekommen, so ist es auch nicht unmöglich.

Schritt 1: Essigbaum fällen

Sie haben endgültig genug von Ihrem Essigbaum und möchten den Baum selbst beseitigen? Dann fällen Sie den Stamm mit einer Motorsäge. Die Schnitthöhe richtet sich nach dem geplanten zweiten Schritt. Soll der Wurzelstock mit einem Kleinbagger aus dem Boden gehoben werden, lassen Sie einen etwa meterhohen Stammrest stehen, der beim Hebeln als Ansatzpunkt dient. Kommt eine Stubbenfräse zum Einsatz, sägen Sie den Stamm so bodennah wie möglich ab.

Tragen Sie beim Fällen Handschuhe, denn der austretende Milchsaft des Essigbaums reizt die Haut. Rechnen Sie außerdem damit, dass der Baum auf das Fällen mit einem regelrechten Austriebsschub reagiert. Gehen Sie deshalb in den folgenden Wochen entschlossen gegen die Schösslinge vor, wie in Schritt 3 und 4 beschrieben.

Schritt 2: Wurzelstock entfernen

Um den Wurzelstock zu beseitigen, benötigen Sie ein schweres Gerät. Eine Stubbenfräse oder ein Kleinbagger mit geeignetem Aufsatz leisten Ihnen hervorragende Dienste. Für die einmalige Verwendung sind diese Geräte in der Anschaffung allerdings zu teuer. Fragen Sie in einem Gartencenter oder Baumarkt vor Ort, ob Fräsen und Kleinbagger tageweise vermietet werden.

So arbeiten Sie mit der Stubbenfräse
Räumen Sie zunächst Steine und lose Erde rund um den Stumpf beiseite, damit das Fräsrad keinen Schaden nimmt. Setzen Sie die Maschine mit dem rotierenden Fräsrad an der Oberkante des Wurzelstocks an und führen Sie es in gleichmäßigen Pendelbewegungen über das Holz. Dabei tragen Sie den Stumpf Schicht für Schicht ab, pro Durchgang etwa zwei bis drei Zentimeter, bis Sie rund 30 Zentimeter unter dem Bodenniveau angekommen sind. Die Holzspäne mischen Sie mit Erde und verfüllen damit das Loch. Tragen Sie während der Arbeit Schutzbrille, Gehörschutz, Handschuhe und feste Schuhe, denn die Fräse schleudert Splitter umher und der austretende Milchsaft des Essigbaums reizt die Haut. Bedenken Sie, dass die flach verlaufenden Wurzelausläufer nach dem Fräsen im Boden verbleiben und weiter austreiben.

So arbeiten Sie mit dem Kleinbagger
Der Kleinbagger arbeitet beim Essigbaum gründlicher als die Fräse. Graben Sie den Wurzelstock rundherum frei, bis die Seitenwurzeln sichtbar werden. Kappen Sie diese mit einer Axt oder Motorsäge und achten Sie darauf, dass die Sägekette keinen Erdkontakt bekommt, sonst wird sie in wenigen Sekunden stumpf. Anschließend fahren Sie mit der Schaufel oder einem Reißzahn unter den Stumpf und hebeln ihn in mehreren Ansätzen aus dem Boden. Da der Essigbaum keine Pfahlwurzel bildet, löst sich der Stumpf meist leichter als bei anderen Gehölzen. Verfolgen Sie danach die oberflächennah verlaufenden Hauptwurzeln so weit wie möglich und ziehen Sie sie mit dem Bagger aus der Erde. Je mehr Wurzelmasse Sie erwischen, desto weniger Schösslinge treiben später aus. Zum Schluss verfüllen Sie die Grube mit Mutterboden und treten die Erde schichtweise fest.

Schritt 3: Wurzelschösslinge ausreißen

Mit dem Entfernen des Wurzelstocks ist die Arbeit beim Essigbaum noch nicht beendet. Seine flach verlaufenden Ausläufer bleiben auch nach dem Fräsen oder Ausbaggern zum Teil im Boden zurück und treiben schon wenige Wochen später neue Schösslinge, oft in mehreren Metern Entfernung zur früheren Mutterpflanze.

Reißen Sie diese Schösslinge einzeln aus, sobald sie erscheinen. Rupfen Sie die Triebe dabei nicht einfach oberflächlich ab. Entfernen Sie zugleich möglichst lange Abschnitte des Wurzelausläufers, aus dem die Schösslinge gewachsen sind. So verkleinern Sie das Ausbreitungsgebiet dauerhaft.

Lockern Sie das umgebende Erdreich zuvor mit dem Spaten auf, dann lassen sich die Ausläufer durch kräftiges Rütteln mit der Hand recht gut lösen. Kappen Sie anschließend die erreichbaren Teile der Ausläufer mithilfe eines scharfen Fugen- oder Teppichschneiders.

Schritt 4: Wurzelschösslinge regelmäßig abmähen

Trotz aller Gründlichkeit erscheinen über Monate hinweg neue Schösslinge aus übersehenen Wurzelresten. Meist ist es genau diese ungehemmte Verbreitung, die den Hobbygärtner an den Rand der Verzweiflung bringt.

Mähen Sie nachwachsende Triebe deshalb ab, sobald sie sichtbar werden. Das hält die Fläche gepflegt und schwächt die verbliebenen Wurzeln, weil ihnen die Blätter für die Nährstoffversorgung fehlen. Wo sich einzelne Triebe gut greifen lassen, reißen Sie sie weiterhin samt Ausläufer aus.

Wiederholen Sie beide Maßnahmen zwischen Mai und November mehrmals im Jahr und über einen Zeitraum von rund drei Jahren. Der Aufwand ist hoch, doch der sichtbare und nachhaltige Erfolg belohnt Ihre Mühe.

Ringo von Gartentipps.com

Ringo ist Gründer und Chef-Redakteur von Gartentipps.com. Hat auf dem Dorf (bei Oma) zwischen Stachelbeeren, Kirschbaum und Hühnerhof seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt.

1 Kommentar

  1. heckenmann on

    Im Frühjahr letzten Jahres hatte ich genug vom ca. 9 jährigen Essigbaum und besonders vor dessen Ausläufern, die mir buchstäblich über den Kopf zu wachsen drohten. Ich hab den Hauptstamm bodennah gekappt und in der Folge riss ich den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein im Abstand von wenigen Tagen die Ausläufer samt möglichst viel Wurzelwerk aus, die auf einer Fläche von ca. 10m2 rund um den Strunk in beeindruckender Geschwindigkeit wuchsen…
    Dann hab ich unbewusst etwas gemacht, das den verbliebenen Wurzeln – es waren noch viele – wohl nachhaltig geschadet hat:
    Im November, nachdem der Garten winterfest gemacht wurde, hatte ich einen grossen Holzhäckselhaufen von anderen Gehölzen. Normalerweise verteile ich die Schnitzel zügig nach dem Häckseln unter den Gebüschen. Ich mach das immer so, weil die Stadt keine kostenlose Grüngutentsorgung anbietet. Letztes Jahr blieb der Haufen noch ca. 2-3 Wochen liegen, und wurde im Innern richtig heiss. Weil am ehemaligen Standort des Essigbaums Platz war, hab ich einen Grossteil des Häcksels dorthin gekippt. Es müssen sicher so 8 Schubkarren gewesen sein. Jedenfalls genug, dass sich der Haufen nicht sofort auskühlte.
    Im Nachhinein denke ich, dass das helfen kann, den Baum zu schädigen. Jetzt ist es Ende Mai. Vor etwa 3 Wochen habe ich einen letzten zaghaft wachsenden Trieb ausgerissen. Seither ist Ruhe, auch unter den Nachbarbüschen wo ich kein Häckselgut hingekippt habe und die Ausläufer noch vor wenigen Monaten freudig austrieben.

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