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Kastanienbaum: Krankheiten und Schädlinge erkennen und bekämpfen

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Kastanien, egal ob Rosskastanie oder Edelkastanie, sind recht empfindliche Bäume. Umso wichtiger ist es, Krankheiten und Schädlinge frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen.

Kastanienbaum: Krankheiten und Schädlinge erkennen und bekämpfen
© blende11.photo – Fotolia.com

Kastanienbäume sind imposant und von einer großen natürlichen Schönheit. Bedingt durch ihre Größe, ihren wundervollen farbigen Blüten und ihrer Eignung als hervorragende Schattenspender, findet man Kastanien oft in Biergärten, in Parks und auf öffentlichen Wiesen. Für die heimischen Gärten ist die Kastanie hingegen nur bedingt geeignet, erreicht sie doch mit bis zu 35 Metern Höhe eine Größe, die so gar nicht zu einem kleinen Garten oder gar zu einem Vorgarten passen will. Da die Kastanie ein Flachwurzler ist, sollte sie auch nicht zu nah am Haus, an Garagen oder an der Straße gepflanzt werden. Auch die Krone braucht einiges an Freiraum, sodass Kastanien die Konkurrenz anderer Bäume in ihrer unmittelbaren Nähe nicht gut vertragen. Und doch lohnt es sich, wenn Sie über ein Grundstück mit ausreichender Größe verfügen, über die Pflanzung einer Kastanie nachzudenken – der Schatten im Sommer, die braunen Früchte im Herbst mit denen Sie basteln und Dekoartikel herstellen können und die Farbenpracht der Blüten im Frühling werden Sie mit Sicherheit schnell von den Vorzügen dieses Baums überzeugen.

Doch wie bei jeder Kulturpflanze bedarf auch die Kastanie einer gewissen Pflege und eines guten Schutzes gegen Krankheiten und Schädlinge. So ist es beispielsweise wichtig, dass Sie, wenn Sie die Kastanie beschneiden, die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen und Hinweise einhalten, damit die Schnittstellen nicht von Krankheiten oder Schädlingen befallen werden können.

Daten und Fakten zur Kastanie

Die Kastanie stammt ursprünglich aus dem südlichen Mittelmeerraum und von der Balkanhalbinsel, wurde aber bereits im Mittelalter auch in Mitteleuropa heimisch. Es gibt zwei Arten, die Ross- und die Edelkastanie, von denen es jeweils mehrere 100 Unterarten gibt. Die Kastanie kann bis zu 35 Meter hoch werden – selbst kleinere Unterarten erreichen in der Regel mindestens eine Höhe von bis zu 10 Metern. Rosskastanienbäume können sogar mehrere 100 Jahre alt werden und einen Stammdurchmesser von mehr als 1 Meter erreichen. Als Laubbaum spendet die Kastanie im Sommer viel Schatten. Die Blüten der Kastanie sind weiß oder rot – bei Kreuzungen zwischen den Arten auch mal in unterschiedlichen Rosatönen zu bestaunen.

Trotz ihrer Größe und ihrer Erhabenheit sind Kastanienbäume bei falscher Behandlung sehr anfällig für Krankheiten und Schädlinge.

Die häufigsten Schädlinge im Überblick

Kastanien, die von Schädlingen befallen sind, werden oft im Laufe des Befalls stark geschwächt. Hierbei kann es Baumbestände jeden Alters treffen. Wenn Sie bei Ihrer Kastanie feststellen, dass Schädlinge am Werk sind, sollten Sie schnellstmöglich reagieren. Zwar droht nicht unbedingt ein sofortiges oder schnelles Absterben des Baumes, doch die Kastanie verliert durch den Schädlingsbefall eine Menge von ihrer Eleganz und nach und nach macht sich die Schwächung des Baumes auch in fehlender Stabilität bemerkbar. Hier einmal die gefährlichsten Schädlinge für Kastanienbäume im Überblick:

❍ Die Rosskastanien-Miniermotte:

Speziell die Weiße Rosskastanie hat extrem unter der Miniermotte, einer kleinen Schmetterlingsart mit einem federartigen Hinterteil und einer Größe von kaum einem halben Zentimeter, zu leiden. Erste Anzeichen sind bräunliche Verfärbungen an den Blättern der Kastanie unmittelbar nach der Blüte. Diese werden von der Junglarve der Miniermotte verursacht. Erstmals aufgetreten ist dieser Schädlingsbefall in Österreich im Jahre 1989 – seitdem breiteten sich die Motten in Europa immer weiter aus. Im Schnitt rund 100 Kilometer im Jahr in jede Richtung.

Schon einige Zeit nach dem ersten Befall des Baumes sind weite Teile des Blattwerkes braun und die Blätter fallen viel zu früh ab. Dadurch hat die Kastanie keine Möglichkeit mehr über das grüne Blattwerk die für den Baum lebenswichtige Photosynthese zu betreiben – die Kastanie wird erheblich geschwächt, was bei einem lang andauernden Befall sogar bis zum Absterben des ganzen Baumes führen kann. Ein Zeichen für eine besonders starke Schwächung des Baumes ist eine zweite Blüte, die dann im August oder September einsetzt. Der stark geschwächte Baum verliert hierdurch noch einmal eine Menge Kraft.

➔ Bekämpfung:

Mittel zur Bekämpfung der Kastanien-Miniermotten gibt es einige – jedoch ist keines dieser Mittel in Deutschland zugelassen. Zu aggressiv sind die chemischen Wirkstoffe in den Insektenvernichtungsmitteln, die sich für eine Beseitigung der Miniermotte wirklich eignen und zu stark ist der Schaden für die restliche Umwelt. Und doch können Sie etwas gegen die Miniermotte tun. Wenn Ihr Baum im ersten Jahr befallen ist, sollten Sie unbedingt sofort das herabfallenden Laub aufsammeln und verbrennen, damit die Larven nicht überleben können.

Natürliche Feinde der Miniermotten sind übrigens Vögel aller Art. Machen Sie Ihren Garten also für Vögel interessant – je mehr Vögel in Ihrem Garten verweilen und auf Nahrungssuche gehen, desto größer ist die Chance, dass im nächsten Jahr die Miniermotte in Ihrem Garten ausbleibt. Hier dazu ein Lesetipp: Vögel anlocken – So holen Sie sich stimmungsvolles Gezwitscher in den Garten.

❍ Der Esskastanienbohrer:

Der Esskastanienbohrer ist ein Rüsselkäfer dessen Weibchen Larven auf die Früchte der Esskastanie legen. Etwa 40 Eier werden abgelegt – ein Ei auf jeweils eine Frucht. Die Larven fressen sich dann nach innen durch, warten bis die Kastanie abfällt und fressen sich dann wieder nach außen wo sie sich in den Boden eingraben und überwintern.

➔ Bekämpfung:

Der Esskastanienbohrer kann große Schäden am Fruchtbestand verursachen und bei einem ausreichend starken Befall sogar mehr als die Hälfte aller Früchte am Baum zerstören. Um einen wachsenden Befall in den Folgejahren zu vermeiden, sollten Sie unbedingt die Früchte Ihrer Edelkastanie direkt nach dem Herunterfallen aufsammeln und die betroffenen Früchte vernichten, damit die Larven nicht in Ihrem Garten verbleiben und im Folgejahr noch mehr Esskastanienbohrerweibchen über Ihren Baum herfallen.

❍ Der frühe Kastanienwickler:

Der frühe Kastanienwickler ist wiederum ein Schmetterling. Er legt seine Eier auf den Blättern ab. Nachdem sie geschlüpft sind, machen sich die Larven über die Früchte her. Die bohren sich durch die Fruchthülle und fressen die Früchte auf. Danach geht es zur nächsten Frucht weiter. Um dabei von Frucht zu Frucht zu gelangen, ziehen sie seidige Fäden an denen sie dann entlangklettern. An diesen Fäden ist der Befall schnell zu erkennen, aber auch an den frühzeitig herabfallenden leeren Fruchthüllen. Besonders problematisch wird es, wenn der frühe Kastanienwickler, der wie der Esskastanienbohrer in der Hauptsache die Edelkastanien befällt, sich verpuppt. Denn dieser Vorgang erfolgt unter der Borke und führt noch einmal zu einem großen Schaden am Bestand. Je mehr frühe Kastanienwickler einen Baum befallen haben, desto größer wird der Schaden der durch das Verpuppen ausgelöst wird.

➔ Bekämpfung:

Als gute Gegenmittel haben sich Licht-, Pheromon- und Fruchtsaftfallen erwiesen. Chemische Mittel gibt es einige gegen die frühen Kastanienwickler, allerdings gilt auch hier, dass der Einsatz dieser in Deutschland nicht erlaubt ist. Leichtere chemische Insektizide können wirken – die Chancen sind hier allerdings verhältnismäßig gering.

❍ Der späte Kastanienwickler:

Der späte Kastanienwickler hat große Ähnlichkeit mit seinem frühen Namensvetter. Allerdings überwintern die Larven hier im Boden und richten damit weniger Schäden am Baum selbst an. Sie sind eher eine Gefahr für den Fruchtbestand der Edelkastanie und können die Ernte stark reduzieren. Offene Anzeichen für einen Befall gibt es kaum, hier können nur die leeren Fruchthüllen, die viel zu früh vom Baum herabfallen, als Indiz dienen.

➔ Bekämpfung:

Da in manchen dieser Fruchthüllen die Larven verbleiben, um sich dann in den Boden einzugraben, sollten Sie auch hier dafür sorgen, dass die Hüllen befallener Früchte sofort aufgesammelt und vernichtet werden. Ansonsten gilt auch hier: die vorgenannten Fallen haben sich als wirksame Art der Bekämpfung erwiesen. Pestizide sollten Sie nur verwenden, wenn diese auch wirklich zugelassen sind, um bleibende Schäden am Baum durch eine unsachgemäße Behandlung zu vermeiden.

Die häufigsten Krankheiten im Überblick

Wie bei vielen anderen Bäume gibt es auch bei den verschiedenen Kastaniensorten Krankheiten, die zu einer starken Schwächung des Baumes führen. In aller Regel wird ein Krankheitsbefall auch von einem Pilzbefall begleitet, da die Kastanien, die durch die Erkrankung geschwächt sind, nicht die notwendige Kraft haben, um die Pilze abzuwehren. Die Folge ist ein langsames Verfaulen, zuweilen auch von innen heraus.

Eine Kastanie, die von einer Krankheit befallen ist und das über mehrere Jahre hinweg, büßt regelmäßig ihre Standfestigkeit ein. Je größer der Baum ist, desto eher sollten Sie im schlimmsten Fall reagieren, damit der Baum durch Instabilität keine Gefahr für Sie, Ihr Haus oder die Menschen in Ihrer Nachbarschaft darstellen kann. Im Gegensatz zu den Schädlingen, die entweder bei der einen oder bei der anderen Kastanienart vermehrt auftreten, gibt es bei den Krankheiten zwischen den Arten kaum Unterschiede.

❍ Der Kastanienrindenkrebs:

Der Kastanienrindenkrebs ist eine Pilzerkrankung, die aus den USA eingeschleppt wurde. Die Sporen der Pilze gelangen durch Wunden in der Rinde an den Baum und breiten sich dort aus. Erste Anzeichen sind gelbliche Verfärbungen an der Rinde und ein Einsinken oder ein Anschwellen des Rindengewebes. Später folgen Risse in der Rinde und ein schnelles Absterben der Pflanzenteile, die oberhalb der befallenen Stellen sind. Der Kastanienrindenkrebs breitet sich schnell aus und kann, wenn er einmal einen Baum befallen hat, auch schnell Bäume in der unmittelbaren Umgebung befallen, da die Verbreitung durch die Luft erfolgt. Aus diesem Grund sollten Sie schon beim ersten Anzeichen einer Infektion reagieren.

➔ Bekämpfung:

Die einzige Möglichkeit den Kastanienrindenkrebs wieder los zu werden, ist ein großzügiger Rückschnitt der betroffenen Bereiche bis auf das gesunde Holz. Auch geschwächte Äste sollten Sie regelmäßig mit einem Säuberungsschnitt entfernen, denn gerade geschwächte Baumbereiche können schnell vom Kastanienrindenkrebs befallen werden.

Die beste Art der Vorsorge ist hier das Vermeiden von unnötigen Wunden am Baum und ein regelmäßiges und vor allem fachgerechtes Beschneiden Ihrer Kastanie. Wenn Sie Wunden am Baum wahrnehmen, sollten Sie diese mit einer Veredelungssalbe oder einer Wundverschlussalbe bestreichen, um den Baum so bei der natürlichen Heilung zu unterstützen. Baumschnitte sollten, wenn sie nicht unbedingt aufgrund eines Pilzbefalls sofort nötig sind, immer in der kalten Jahreszeit vorgenommen werden, da in dieser Zeit Pilze nicht so gut gedeihen und die Gefahr eines Pilzbefalls an gerade frisch geschnittenen Stellen sehr gering ist.

❍ Die Tintenkrankheit:

Auch hierbei handelt es sich um einen Pilzbefall. Verursacht wird diese Krankheit durch Phytophthora-Arten, die in die Wurzel eindringen, zu Blattwelke führen und sogar zu einem Absterben der ganzen Baumkrone führen können. An der Basis des Baumes tritt dann tintenartige Flüssigkeit aus, was der Krankheit ihren Namen gegeben hat. Besonders Bäume, die auf feuchtem Boden stehen, können schneller befallen werden, da hier optimale Bedingungen für die Pilze bestehen.

➔ Bekämpfung:

Eine direkte Behandlung an der Wurzel ist nur schwer möglich. Eine Chance stellt das großzügige Verteilen von Hühnermist auf dem Boden rund um den Baum dar, da dieser den Pilz abtöten kann. Auch ein Freilegen der Wurzeln und eine anschließende Behandlung mit Hühnermist macht hier Sinn. Allerdings sollten Sie dabei unbedingt darauf achten, dass Sie weitere Wurzelschäden vermeiden, sonst hat der Pilz neue Möglichkeiten, in die Wurzel einzudringen. Generell ist das auch die beste Art der Vorbeugung.

Sollten Sie Wurzelschäden an Ihrem Baum wahrnehmen, zum Beispiel an Wurzeln die aus dem Boden herausragen, sollten Sie diese schnellstmöglich mit einer entsprechenden Veredelungssalbe oder einer Wundverschlusssalbe für Kastanienbäume behandeln.

❍ Blutende Kastanien:

Das Phänomen der blutenden Kastanie wurde ursprünglich hauptsächlich in den Niederlanden beobachtet, ist aber inzwischen auch in Deutschland angekommen. Ursache ist ein Bakterienbefall gegen den es aktuell noch keine wirklich wirksamen Gegenmittel gibt. Erkennen können Sie die Erkrankung Ihres Baumes an nässenden und „blutenden“ Stellen an der Rinde des Hauptstammes oder an einzelnen Ästen. Dazu kommen eine Verfärbung des Blattwerks und eine Braunfärbung und Anschwellungen der Rinde rund um die nässende Stelle herum. Bei fortlaufendem Befall droht das vollständige Absterben des Baumes.

➔ Bekämpfung:

Auch hier gilt, ähnlich wie beim Kastanienrindenkrebs, dass nur ein großzügiger Rückschnitt befallener Bereiche bis auf das gesunde Holz wirklich Abhilfe schaffen kann.

Vorsorge ist jedoch die beste Möglichkeit, um Ihren Baum zu schützen. So sollten Sie beispielsweise bevor Sie einen Schnitt an Ihrem Baum vornehmen, die Schnittwerkzeuge desinfizieren, um so den Eintritt von Bakterien in die Baumwunden zu vermeiden. Auch hier gilt, dass die Verwendung von entsprechenden Veredelungs- oder Verschlussalben auf offenen Wunden den Baum davor bewahrt, dass an diesen Stellen Bakterien eindringen können. Wenn Sie einen Befall feststellen, sollten Sie schnell reagieren, da es kein Mittel gibt, dass einen solchen Befall rückgängig macht, und eine Ausbreitung unweigerlich dazu führt, dass der Baum komplett abstirbt oder vorher bereits aus Sicherheitsgründen gefällt werden muss.

Fazit:

Die effektive Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen ist oftmals schwierig, weil Mittel, die wirksam wären, nicht zugelassen sind und die zugelassenen Mittel keine vollständige Garantie für eine Wirkung gegen die Schädlinge und Krankheiten versprechen können. Es gibt allerdings auch ein paar herkömmliche Mittel zur Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen. Als letztes Mittel ist der Rückschnitt erforderlich, um den Rest des Baumes vom vollständigen Absterben zu bewahren. Allerdings zeigt sich auch, dass mit der richtigen Pflege und Behandlung der Kastanie viele Erkrankungen vergleichsweise leicht vermieden werden können.


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