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Pflanzen veredeln – 3 Methoden erklärt

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Die Pflanzenveredelung ermöglicht es Ihnen, positive Eigenschaften verschiedener Pflanzen einer Gattung zu kombinieren und diese in einer Pflanze zu vereinen.

Pflanzenveredelung - 3 Methoden erklärt
© vallefrias – Fotolia.com
Durch Veredelung lassen sich Obstbäume oder Rosen viel einfacher vermehren, als gedacht. Das Veredeln wird der vegetativen Vermehrung zugeordnet. Dabei ist die Veredelung eine uralte Methode. Ohne diese gäbe es viele Zierpflanzen und Obstsorten heute nicht, denn nicht jede Pflanze lässt sich automatisch durch Samen vermehren. Es existieren unterschiedliche Methoden der Veredelung. Diese richten sich nach der Pflanze und der Jahreszeit, wann die Veredelung durchgeführt werden soll. Im Folgenden werden einige gängige Formen der Veredelung näher beschrieben. Damit können auch Hobbygärtner die Veredelung im eigenen Garten anwenden. Mit etwas Geschick und Geduld werden positive Ergebnisse nicht ausbleiben.

Warum sollten Pflanzen veredelt werden?

Die Veredelung dient der künstlichen vegetativen Vermehrung. Häufig wird die Veredelung bei Rosen und Obstgewächsen angewandt. Auch Gemüse, wie Tomaten oder Gurken, lassen sich veredeln. Im Grunde können nur Pflanzen einer Gattung veredelt werden. In einigen wenigen Fällen klappt die Veredelung auch bei Pflanzenarten, die nah miteinander verwandt sind. Rosen werden also auf Rosen veredelt und Äpfel nur auf Äpfeln. Bei Mispeln oder Birnen kann die Veredelung auf der verwandten Quitte erfolgen. Die Quitten werden wiederum auf Sämlingen des Weißdorns veredelt.

Was passiert genau bei der Veredelung?

Einfach gesagt, werden bei der Veredelung Zweige einer Pflanze auf einer anderen Pflanze befestigt. Das Ziel besteht darin, die einzelnen Äste zu klonen. Während bei der natürlichen Fortpflanzung die Pflanzeneigenschaften nur in abgeschwächter Form vererbt werden, lassen sich bei einer professionellen Veredelung die positiven Eigenschaften vollständig erhalten und somit auch vermehren. Für die Veredelung spricht auch, dass es sich um eine schnelle Methode der Vermehrung handelt. Bedenken Sie nur, wie lange es dauern würde, bis ein aus Samen herangezogenes Gewächs heranwachsen und einen stabilen Stamm ausbilden würde.

Hinweis: Die Zucht von neuen Arten ist durch die Methode der Veredelung nicht möglich.

Es lassen sich dennoch verschiedene Pflanzeneigenschaften miteinander kombinieren. Besitzt der Apfelbaum zum Beispiel kränkelnde Wurzeln, macht es Sinn, seine Zweige auf einen robusten Stamm zu setzen und damit eine kräftige Pflanze zu entwickeln. Durch Veredelung lassen sich die Eigenschaften der Mutterpflanze gezielt vermehren. Meist handelt es sich hierbei um das Aussehen von Zierpflanzen oder den Geschmack bestimmter Obst- und Gemüsesorten. Es können aber auch die Wuchsform einer Pflanze oder die Farbe des Laubes weitergegeben werden.

Tipp: Bei der Vermehrung durch Samen gehen die Eigenschaften der Mutterpflanze zum Großteil verloren.

Die Samen eines Obstbaums oder einer Rosensorte würden letztlich komplett andere Sorten hervorbringen. Häufig sind die Ergebnisse hierbei Wildformen. Nur selten entstehen qualitativ hochwertigere Sorten, als die Mutterpflanze.

Tipp: Steinobstgewächse können miteinander veredelt werden. Dies trifft auf Kirschen, Aprikosen oder Pflaumen zu. Kirschen und Äpfel werden in der Regel nicht miteinander kombiniert.

Pflanzen veredeln – Schritt für Schritt

Was wird gebraucht?

  • Messer
  • Verbandsmaterial
  • Wundverschlussmittel
  • Unterlagen
  • Edelreiser

Zunächst sollten Sie sich einige botanische Grundkenntnisse aneignen und sich mit dem nötigen Grundwissen über die einzelnen Veredelungsmethoden versorgen. Nun legen Sie sich ein scharfes Messer bereit. Besonders gut eignen sich spezielle Veredelungsmesser mit einem einseitigen Schliff. Damit vereinfachen Sie sich die Arbeit. Mit etwas Geschick lässt sich die Veredelung aber mit jedem scharfen Messer durchführen. Unterstützend können Sie zu Baumschere und Handsäge greifen. Alle verwendeten Werkzeuge sollten eine ausreichende Schärfe besitzen. Es ist wichtig, dass Sie glatte Schnittränder ausführen, damit die Pflanze nicht unnötig geschwächt oder geschädigt wird.

Weiterhin benötigen Sie Verbandsmaterial wie Isolierband, Gummiband oder spezielle Veredelungsfolien. Ebenso benötigen Sie Veredelungswachs oder eine Wundverschlusspaste. Das A und O für die erfolgreiche Veredelung sind Unterlagen und Edelreiser. Die Unterlage stellt den unteren Pflanzenteil dar, also Stamm und Wurzelbereich. Der Edelreiser bezeichnet die oberen Pflanzenteile, also die Äste mit den späteren Blättern, Blüten und Früchten.

Veredelungsmethoden während der Ruhephase von Pflanzen

❶ Kopulation – Obstbäume einfach veredeln

Apfel- oder Kirschbäume wurden lange nur von erfahrenen Gärtnern veredelt, dabei kann die Kopulation jeder Hobbygärtner recht einfach selbst durchführen. Zunächst werden Edelreis und Unterlage gebraucht. Das Edelreis wird aus einem einjährigen Zweig geschnitten. Hierzu schneiden Sie den Zweig zunächst ab. Anschließend kann aus dem Mittelstück das Edelreis geschnitten werden. Die ausgewählten Aststücke sollten etwa die Dicke eines Bleistiftes besitzen und über mindestens vier Augen verfügen. Die Unterlage sollte bestenfalls die gleichen Abmessungen aufweisen. Geschnitten wird auf der gegenüberliegenden Stammseite eines Auges, welches sich an der Rinde befindet. Der Schnitt sollte schräg ausgeführt werden und etwa sechs Zentimeter lang sein.

Tipp: Die Schnittstellen von Edelreis und Unterlage sollten deckungsgleich aufeinander passen.

Beide Teile werden aufeinander gesetzt und mit einem Verbandsmaterial befestigt. Anschließend wird über die Verbundstelle Baumwachs gestrichen. Nun heißt es Abwarten. Bei erfolgreicher Veredelung treibt das Edelreis im Frühling neu aus.

Die Kopulation – Schritt für Schritt

  1. Unterlage finden
  2. Edelreis schneiden
  3. Edelreis und Unterlage zusammen fügen
  4. Edelreis und Unterlage verbinden
  5. Baumwachs aufstreichen
  6. Austrieb abwarten

❷ Geißfußveredelung – Kopulation für Fortgeschrittene

Haben Sie die Kopulation erfolgreich durchgeführt, werden Sie sich vielleicht für weitere ähnliche Veredelungsmethoden während der Ruhephase der Pflanzen interessierten. Eine davon ist die Geißfußveredelung, auch seitliches Einspitzen genannt. Der Hobbygärtner ahnt vielleicht bereits, was dabei passiert. Das Prinzip ist ähnlich der Kopulation. Es wird jedoch ein kleinerer Edelreiser verwendet, der seitlich an der Unterlage befestigt wird. Das Edelreis schneiden Sie im Winter. Die Veredelung muss nicht sofort durchgeführt werden. Das Edelreis lässt sich auch einige Zeit kühl aufbewahren.

Zunächst bringen Sie die Unterlage auf die gewünschte Höhe. Verwenden Sie scharfe Werkzeuge und achten Sie auf glatte Schnittkanten. Anschließend wird seitlich aus der Unterlage ein Keil herausgeschnitten. Dies ist der sogenannte Geißfuß. Hierfür sind zwei etwa drei Zentimeter lange Schnitte notwendig. Die entstandene Lücke in der Unterlage wird nun mit dem Edelreis ausgefüllt, welcher entsprechend zugeschnitten werden muss. Das Edelreis wird in die Unterlage eingepasst und ebenfalls mit Verbandsmaterial geschlossen.

Geißfußveredelung – Schritt für Schritt

  1. Edelreiser schneiden
  2. Unterlage zurecht schneiden
  3. Keil aus der Unterlage schneiden
  4. Edelreiser entsprechend zuschneiden
  5. Edelreiser in Keil einpassen
  6. Veredelungsstelle mit Verbandsmaterial verschließen

❸ Okulation – Rosen und Bäume im Sommer veredeln

Bei der Okulation werden, im Gegensatz zur Kopulation, keine ganzen Triebe veredelt, sondern im Fokus stehen hier allein die Augen des Edelreises. Durchgeführt werden kann diese Methode bei Rosen oder Obstgewächsen.

Tipp: Die Okulation kann nur im Sommer durchgeführt werden, da sich ansonsten die Rinde nicht von den Gewächsen ablösen lässt.

Am einfachsten geht die Okulation von der Hand, wenn Sie dafür ein spezielles Okuliermesser verwenden. Damit wird ein Auge aus dem Edelreis herausgeschnitten. Die Länge des Edelauges sollte bei Obstbäumen etwa drei Zentimeter und bei Rosen zirka zwei Zentimeter betragen. Am besten belassen Sie am Auge noch einen Blattstiel.

Tipp: Bei der Veredelung von Rosen sollten die Edelaugen von abgeblühten Pflanzen geschnitten werden.

Bei der Unterlage müssen alle Seitentriebe entfernt werden. Um das Edelauge einsetzen zu können, muss zunächst ein T-förmiger Schnitt an der betreffenden Stelle der Unterlage gesetzt werden. Die Rinde am Stamm wird vorsichtig mit dem Messer abgelöst. Anschließend kann das Edelauge in den entstandenen Spalt geschoben werden. Für die Verbindung kann Bast oder ein ähnliches Verbandsmaterial benutzt werden. Es sind aber auch spezielle Okulationsverschlüsse erhältlich. Nach etwa drei Wochen lässt sich erkennen, ob die Veredelung von Erfolg gekrönt war. Löst sich der Blattstiel vom Auge, ist die Okulation geglückt.

Veredelung durch Okulation – Schritt für Schritt

  1. Unterlage auswählen
  2. Trieb abschneiden
  3. Auge herausschneiden
  4. Unterlage beschneiden
  5. Edelauge in Spalt einsetzen
  6. Veredelungsstelle verschließen

Was spricht für die Veredelung im eigenen Garten?

  • Erfolgserlebnis
  • Erhalt alter Obst- oder Rosensorten
  • Erhalt geschwächter Pflanzen
  • Anlage größerer Pflanzungen
  • keine teure Ausrüstung notwendig
  • mit etwas gärtnerischem Grundwissen leicht durchzuführen

Foto1: © vallefrias - Fotolia.com src=

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