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Tigerschnegel – Lebensweise, Züchtung und Ansiedlung im Garten

Tigerschnegel gehören zwar zu den Nacktschnecken, sind jedoch sehr nützlich. Sie können die Nützlinge auch ganz gezielt im Garten ansiedeln.

Tigerschnegel
Tigerschnegel sind überaus nützlich – © Imke / stock.adobe.com
Eklig, glitschig, nervig – Nacktschnecken bringen viele Hobbygärtner zum Verzweifeln. Die fiesen Kriechtiere hinterlassen ihre schleimigen Spuren im Obst- und Ziergarten und haben zahlreiche Pflanzen auf dem Gewissen. Mit dem Tigerschnegel (Limax maximus) soll im Folgenden sowohl ein Artgenosse als auch ein Gegenspieler der fiesen Salaträuber vorgestellt werden. Der Tigerschnegel unterscheidet sich nicht nur optisch von den gefräßigen Nachtschnecken, sondern kann sogar seinen Beitrag zu einem schneckenfreien Garten leisten.

Kurzer Streckbrief:

Art: Tigerschnegel
Familie: Nacktschnecken
Lebensraum: Gärten, Parks
Nahrung: Nacktschnecken, Schneckeneier, Pilze, abgestorbene Pflanzenteile
Kurioses: Geschlechtsorgan umfasst ein Drittel der gesamten Körperlänge (vier Zentimeter)

Tigerschnegel erkennen

Der Tigerschnegel kann nicht übersehen werden und erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 20 Zentimetern. Ein weiteres markantes Kennzeichen ist die an eine Raubkatze erinnernde Maserung. Von einem gelblichen, bräunlichen oder grauen Grund zeichnet sich ein Animal-Print aus dunklen, lang gezogenen Flecken ab. Daher kommt der Name Tigerschnegel.

Die Lebensweise des Tigerschnegels

Die Eiablage erfolgt im Früh- und Spätsommer des Folgejahres. In unregelmäßigen Gelegen finden sich bis zu 200 Eier. Die Eier sind etwas mehr als drei Millimeter groß und von klarer Beschaffenheit.

Die Jungtiere schlüpfen nach drei bis sechs Wochen. Dies ist mit einer derart großen Anstrengung verbunden, dass dies viele Jungtiere nicht überleben. Die Geschlechtsreife setzt wiederum nach einem bis anderthalb Jahren ein. Ein Tigerschnegel lebt etwa zwei bis drei Jahre.

Die Fortpflanzung des Tigerschnegels

Das Paarungsvorspiel der als Zwitter lebenden Tigerschnegel sucht im Tierreich seinesgleichen. Paarungsbereite Schnecken finden sich an einer erhöhten Position zusammen und beginnen sich Kopf an Schwanz im Kreis zu drehen. Dies kann über mehrere Stunden andauern.

Zwischen beiden Tieren sammelt sich mit der Zeit ein großer, schleimiger Klumpen an. Die Schnecken umschlingen sich gegenseitig, wiegen die Köpfe und verdrehen sich ineinander. Am Hinterende der noch immer verschlungenen Körper wird ein Schleimfaden abgesondert. An diesem Schleimfaden seilen sich die Tigerschnegel bis zu einer Tiefe von 40 Zentimetern ab. Nach der Befruchtung trennen sich die Wege der Tiere. Während eine Schnecke zu Boden sackt, kriecht die andere am Schleimfaden wieder nach oben.

Im folgenden Video sehen Sie zwei Tigerschnegel beim Paarungsakt:

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Der Tigerschnegel als Nützling im Garten

Als wärmeliebendes Tier war der Tigerschnegel ursprünglich vermutlich nur im Süden Europas verbreitet. Im Zuge des Klimawandels sind die Schnecken heute in ganz Mitteleuropa heimisch. Anzutreffen sind Tigerschnegel in lichten Wäldern, Parks, Gärten oder auch in feuchten Kellerräumen.

Wer auf Tigerschnegel im Garten trifft, kann sich glücklich schätzen und hat einen wirkungsvollen Helfer gegen drohende Schneckenplagen gefunden. Der Schneckenjäger kann dabei auch Exemplare überwältigen, die beinahe an die eigene Körpergröße heranreichen.

Tipp: Tigerschnegel benötigen eine proteinreiche Ernährung, um geschlechtsreif zu werden.

Tigerschnegel im Garten ansiedeln

Fühlt sich der Tigerschnegel im heimischen Garten wohl, wird er seinem Standort treu bleiben und im Lauf der Zeit kleine Kolonien bilden. Der Hobbygärtner kann seinen Garten schneckenfreundlicher gestalten und damit die Ansiedlung des Tigerschnegels fördern.

Tigerschnegel sind nachtaktiv und lassen sich selten tagsüber blicken. Daher brauchen die Tiere einen entsprechenden Rückzugsort. So können an feuchten und eher schattigen Stellen im Garten Ziegel und alte Bretter locker aufgeschichtet werden. Der Unterschlupf wird mit Reisig oder Laubresten abgedeckt.

Tipp: Tigerschnegel agieren in einem Umkreis zwischen fünf und zehn Metern von ihrem Unterschlupf.

Tigerschnegel statt Schneckenkorn

Tigerschnegel gegen Nacktschnecken
Tigerschnegel zur natürlichen Schneckenbekämpfung – © Dieter Hawlan / stock.adobe.com
Zunächst geht es darum, Tigerschnegel von der Attraktivität des eigenen Gartens zu überzeugen. Dies gelingt am besten, wenn ausreichend eiweißreiche Kost zur Verfügung steht. Mangelt es aktuell an Nacktschnecken, können klein geschnittene Champignons rund um die Behausung ausgestreut werden.

Vermehren sich Tigerschnegel im eigenen Garten, wird sich mit der Zeit ein natürliches Gleichgewicht zwischen nützlichem Tigerschnegel und gefräßiger Nacktschnecke einstellen. Dies bedeutet für den Hobbygärtner: Schneckenkorn ist tabu! Wer weiterhin Schneckenkorn ausbringt, wird nicht nur Nacktschnecken zu Leibe rücken, sondern auch die nützlichen Tigerschnegel vernichten.

Tigerschnegel kaufen – worauf ist zu achten?

In Ihrem Garten tummeln sich Nacktschnecken, aber leider kein einziger Tigerschnegel? Dies kann sich schon bald ändern, denn Tigerschnegel können online erworben werden. Wer Tigerschnegel bestellt, sollte beachten, dass es sich um lebende Tiere handelt.

Daher sollte der Versand unter bestimmten Bedingungen abgewickelt werden:

  • kurze Versanddauer (maximal zwei Werktage)
  • keine Lieferung im Hochsommer
  • kein Versand über das Wochenende

Tigerschnegel züchten – so lassen sich die Nützlinge vermehren

Tigerschnegel lassen sich bei Zimmertemperatur vermehren. Dabei ist auf eine hohe Luftfeuchtigkeit zu achten. Diese sollte bei etwa 90 Prozent liegen. Als Behausung kann eine große Plastikbox verwendet werden.

Tipp: Entsprechend des beschriebenen Paarungsverhaltens sollte die Behausung über eine Mindesthöhe von 50 Zentimeter verfügen.

Welches Füllmaterial für die Unterkunft?

  • Laub von Buchen
  • Laub von Eichen
  • Laub von Kastanien
  • Moos

Im folgenden Video geht es zwar nicht um Tigerschnegel. aber es zeigt sehr gut, wie eine Schneckenunterkunft ausgestattet sein sollte:

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Welches Futter für den Tigerschnegel?

Blätter
Algen
Moose
Kartoffeln

Die Reinigung des Unterschlupfs sollte am Morgen durchgeführt werden. Dann kann die Baumrinde mitsamt der schlafenden Schnecken bewegt werden. Die Schnecken selbst sollten nicht berührt werden. Sie besitzen eine Schleimschicht, die Keime und Bakterien abwehrt.

Tigerschnegel im Garten aussetzen

Wer Tigerschnegel gekauft oder selbst gezüchtet hat, kann diese an einem schattigen und feuchten Ort im Garten aussetzen. Dabei darf sich der Hobbygärtner nicht wundern, wenn die Tigerschnegel bald darauf verschwunden sind.

Tipp: Der Herbst ist der ideale Zeitpunkt, um Tigerschnegel im Garten anzusiedeln.

Die Tiere ziehen sich zurück und werden tagsüber ohnehin kaum bemerkt. Wenn auch hunderte Eier abgelegt werden, nicht jedes Ei überlebt. Junge Schnecken fallen häufig Starkregen oder Fressfeinden zum Opfer.

Tipp: Bis sich eine Population an Tigerschnegeln entwickelt, wird es mehrere Jahre dauern.

Es wird etwas Geduld notwendig werden. Nacktschnecken sollten nicht mehr mit chemischen Mitteln bekämpft werden, dies schadet, wie bereits erwähnt auch dem Tigerschnegel.

Tipps für eine Tigerschnegel-freundliche Gartengestaltung

Tigerschnegel-freundliche Gartengestaltung
© xiaoliangge / stock.adobe.com
In einem natürlich angelegten Garten finden Tigerschnegel ideale Lebensräume.

Beliebte Rückzugsorte sind:

Holzstapel
Komposthaufen
Dachziegel
Laubhaufen
Sträucher
Totholz

Da Tigerschnegel einen relativ kleinen Aktionsradius besitzen, sind in größeren Gärten mehrere natürliche Rückzugsmöglichkeiten anzulegen.

Damit sich die Tiere im Garten wohlfühlen, sollte für einen abwechslungsreichen Speisezettel gesorgt sein:

  • Pilze
  • verrottete Pflanzen
  • Kot
  • Aas
  • Nacktschnecken
  • Nacktschneckengelege

Tigerschnegel im Winter

Da die Lebenserwartung bei mehreren Jahren liegt, müssen Tigerschnegel einige Winter überstehen. Dazu suchen die Tiere geschützte Nischen auf, die vom Frost nicht erreicht werden können.

Mit sinkenden Temperaturen fährt sich der Stoffwechsel der Schnecken herunter. Es kommt zu einer Verlangsamung von Atmung und Herzschlag. Nicht nur die Schnecken selbst, sondern auch ihre Eier können überwintern.

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