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Wald-Geißbart – seltene Pflanze mit heilender Wirkung

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Wer einen Wald-Geißbart in seinem Garten hat, kann sich über eine pflegeleichte Pflanze freuen. In der Natur findet man ihn meist in europäischen Bergwäldern.

Wald-Geißbart
© kazakovmaksim – Fotolia.com

Der Wald-Geißbart (bot. Aruncus dioicus) ist in Europa heimisch, dennoch kennen die wenigsten diese Pflanze. Denn die attraktive Staude mit ihren langen Blütenrispen ist selten geworden. Vorwiegend in Bergwäldern sind die Pflanzen anzutreffen. Die bis zu zwei Meter hohen Stauden sind auch in manchen Gärten zu finden und werden dort als pflegeleichte Zierpflanze kultiviert. In der Volksheilkunde vergangener Jahrhunderte besaß der Wald-Geißbart vielfältige Bedeutung. Genutzt wurde vorwiegend die Wurzel. Die Heilwirkung der auch als Waldspargel bezeichneten Pflanze ist beinah in Vergessenheit geraten. Über die Heilwirkung des Wald-Geißbartes kann im Folgenden nachgelesen werden.

Erscheinungsbild Wald-Geißbart

Die mehrjährigen Staudenpflanzen sind vorwiegend in halbschattigen Bergwäldern anzutreffen. Die Stängel wachsen aufrecht aus dem unter der Erde befindlichen Rhizom. Die daran befindlichen Blätter können bis zu einem Meter lang wachsen. Im Mai erscheinen die weißen bis cremefarbenen Blüten. Die bis zu einem halben Meter langen Blütenrispen sind ein attraktiver Hingucker.

» Tipp: Der Wald-Geißbart erinnert optisch an Mädesüß. Diese Pflanze kommt weit häufiger vor und lässt sich auf Grund der kleineren Blütenrispen vom Geißbart unterscheiden.

Verschiedene Arten

Das mehrjährige Rosengewächs kommt in einigen verschiedenen Arten vor, welche in Asien verbreitet sind. Es existieren etwa fünf Arten, welche jedoch optisch kaum auseinander gehalten werden können. Eine Unterscheidung wird anhand der unterschiedlichen Verbreitungsgebiete der Pflanzen eindeutig möglich. Mit der Zeit entstanden einige interessante Zuchtformen.

Arten im Überblick

Geißbart-ArtBlütezeitWuchshöheMerkmale
KneiffiiJuni bis Julibis einen MeterDiese Sorte besitzt kleine cremefarbene Blüten. Die Rispen erscheinen dünn und federartig.
Zwerg-GeißbartJuni bis Julibis 30 cmDiese niedrig wachsende Art besitzt weiße Blüten und ist ideal für die Bepflanzung des Steingartens. Die Pflanze wächst besonders kompakt und besitzt hübsches, dunkelgrünes Laub.
Dichter Geißbart Horatio Juni bis Juli50 bis 80 cmDieser Geißbart blüht weiß und macht sich in Blumenbeeten und Schattengärten besonders gut. Ein Pflanzabstand von etwa einem halben Meter ist einzuhalten.
Geschlitzter Wald Geißbart Juni bis Juli bis 120 cmDie weiß blühende Pflanze fällt durch ihre dekorativen Blätter ins Auge und ist eine beliebte Schnittblume.
China Wald-Geißbart Juni bis Julibis 150 cmDer China Wald-Geißbart blüht cremeweiß und eignet sich gut als Schnittblume.
Kamtschatka Wald-Geißbart Juni bis Juli80 bis 90 cmDer weiß blühende Strauch eignet sich für die Bepflanzung von Gehölzrändern und für Staudengärten.

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Wald-Geißbartes erstreckt sich beinahe über die gesamte Nordhalbkugel. In einigen Gegenden kommt die Staude nicht natürlich vor und wurde als “Gartenflüchtling” ausgewildert, so zum Beispiel im Norden Deutschlands. In den Bergwäldern der Allgäuer Alpen sind die Pflanzen bis in Höhenlagen von 1.500 Metern anzutreffen.

Verwendung

Die Volksheilkunde verwendet vorwiegend die Wurzel gegen verschiedene Krankheiten. Häufig wurden die Blätter als ein spinatähnliches Gemüse gegessen. Dies ist jedoch nicht empfehlenswert, denn die Blätter enthalten giftige Blausäure.

In vielen Gärten wird der Wald-Geißbart als reine Zierpflanze kultiviert. Die Pflanzen erfordern kaum Pflegeaufwand, erreichen bei guter Pflege eine stattliche Größe und die Blütenrispen können auch in Blumensträußen Verwendung finden.

Wald-Geißbart als Heilpflanze

In Zeiten akuter Nahrungsknappheit griff man bevorzugt zur Wurzel des Wald-Geißbartes. Daraus entstand eine Art Gemüse. Auch die leicht giftigen Blätter wurden verzehrt.

Bei der Verwendung der Pflanze zu Heilzwecken wurde sich vermehrt am Mädesüß orientiert. Man nimmt an, dass die Nutzung des Waldspargel zu medizinischen Zwecken auf einer Verwechslung mit dem Mädesüß beruht. Die Verwendung des Wald-Geißbartes zu Heilzwecken ist in den letzten Jahren jedoch deutlich zurück gegangen.

Welche Inhaltsstoffe enthält Wald-Geißbart?

  • Blausäureverbindungen
  • Saponine

Welche Pflanzenteile werden verwendet?

Pflanzenheilkunde
© Madeleine Steinbach – Fotolia.com
  • Wurzel
  • Samen
  • Kraut

Heilwirkung Wald-Geißbart

Die Volksheilkunde verwendet die Pflanze bevorzugt bei Magenbeschwerden und Fieber. Auch zur Nervenberuhigung und allgemeinen körperlichen Stärkung kann der Waldspargel eingesetzt werden.

Heilwirkung in Stichworten:

  • beruhigend
  • magenfreundlich
  • adstringierend
  • fiebersenkend
  • tonisierend

Anwendungsgebiete:

  • Fieber
  • Gelenkschmerzen
  • Venenleiden
  • Insektenstiche
  • Magenbeschwerden
  • Geburtshilfe
  • Geschlechtskrankheiten

Anwendungsmöglichkeiten

➤ Tee

Aus den Wurzeln des Wald-Geißbartes lässt sich ein Tee zubereiten. Füllen Sie zunächst einen Viertelliter Wasser in einen Topf und geben einen Teelöffel getrocknete Geißbartwurzeln dazu. Das Ganze sollte aufgekocht werden und anschließend etwa eine Viertelstunde ziehen.

» Tipp: Der Tee kann Magenprobleme lindern und auch bei postnatalen Blutungen helfen.

➤ Wurzel-Brei

Der Brei aus der Wurzel des Wald-Geißbartes ist eine wirkungsvolle Erste-Hilfe-Maßnahme bei Insektenstichen und Insektenbissen. Wer im Wald von einem Insekt gestochen wurde, kann die Wurzeln ausgraben, wenn möglich mit Trinkwasser oder in einem Gewässer reinigen, mit den Fingern versuchen zu zerdrücken und den Wurzelbrei auf die Einstichstelle auftragen.

» Tipp: Für den Wurzelbrei sollten Sie frische Wurzeln verwenden.

Der Brei sollte einige Zeit auf der Einstichstelle einwirken. Daher bietet es sich an, die Wunde mit einem Verband zu versorgen, damit der Wurzelbrei nicht verrutscht und direkt auf die Einstichstelle einwirkt.

➤ Umschläge

Für einen Umschlag bereiten Sie den Tee aus den Wurzeln des Wald-Geißbartes wie oben beschrieben zu. Anschließend tränken Sie ein Baumwolltuch mit dem Sud und legen den Umschlag auf.

Ein Umschlag mit diesem Wurzel-Sud kann bei Rheuma helfen und wird direkt auf die vom Schmerz betroffenen Gelenke aufgelegt. Lassen Sie den Umschlag einige Zeit einwirken und erneuern diesen bei Bedarf.

➤ Fußbad

Auch für ein Fußbad wird der Tee wie bereits beschrieben zubereitet. Bereiten Sie mindestens die doppelte Menge davon zu, damit Sie die Füße bequem in der Flüssigkeit baden können und der Fuß komplett mit dem Wurzel-Tee bedeckt ist. Ein Fußbad mit dem Wurzel-Sud kann gegen geschwollene Füße helfen und bringt besonders im Sommer Linderung, wenn die Füße nach einem heißen Tag angeschwollen sind.

Zusammenfassung Anwendungsmöglichkeiten
Anwendungs- möglichkeitErläuterungAnwendungs- gebiet
TeeDer Tee wird aus den getrockneten Wurzeln gekocht. Die Wurzeln sollten kurz aufkochen und anschließend 15 Minuten ziehen.Magenbeschwerden
BreiDer Brei wird aus den frischen Wurzeln gewonnen. Die gereinigten Wurzelstücke werden zerdrückt und auf die Einstichstelle gegeben.Insektenstiche
UmschlagFür Umschläge wird er Wurzel-Tee verwendet. Die Umschläge können mehrmals erneuert werden und lindern allgemein Gelenkschmerzen.Rheuma
FußbadDie Füße werden im Wurzel-Tee gebadet. Im Sommer kann der Tee dabei auch abkühlen, dies dient gleichzeitig zum Erfrischen der Füße.geschwollene Füße

Wissenswertes zu Sammlung und Lagerung

Das Kraut wird zu seiner Blütezeit, also zwischen Ende April und Mitte Juli gesammelt. Die Wurzeln werden während der Ruhephase der Pflanzen, zwischen Herbst und Frühjahr ausgegraben.

Die Pflanzenteile werden in einem schattigen und gut belüfteten Raum getrocknet. Die Wurzelteile sind vorab zu reinigen und klein zu schneiden. Die Lagerung der getrockneten Pflanzenteile kann in Dosen oder Papiertüten geschehen.

Achtung: Die Blätter des Wald-Geißbartes sollten nicht in großen Mengen oder über einen längeren Zeitraum verwendet werden. Es sind giftige Blausäureverbindungen enthalten.

Die Pflanze ist allgemein nicht zum dauerhaften Gebrauch geeignet. Schwangere und stillende Mütter sollten den Wald-Geißbart als Heilpflanze nicht verwenden.

Wald-Geißbart auf den Tisch bringen

Werfen wir noch einen Blick auf die zeitgemäße Zubereitung des Wald-Geißbartes. Hierfür werden im Frühling die noch jungen Sprosse geschnitten. Die Zubereitung kommt dem Spargel gleich. Damit lässt sich auch die Bezeichnung Waldspargel erklären.

» Tipp: Die meisten der gängigen Spargelrezepte lassen sich auch mit den Sprossen des Wald-Geißbartes zubereiten.

Daneben lassen sich die jungen Sprosse auch dünsten, in Suppen verzehren oder können roh in Salaten gegessen werden. Dabei müssen die Sprosse nicht geschält werden.

Die Verwendung des Wald-Geißbartes als Wildspargel besitzt in der Schweiz und in Südtirol eine lange Tradition. Wer sich nicht selbst auf die Suche begeben will, kann auf dem Viktualienmarkt in München Wald-Geißbart in Form eines delikaten Wildspargels kaufen.


Foto1: © kazakovmaksim - Fotolia.com, Foto2: © Madeleine Steinbach - Fotolia.com

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