Sie lieben Kräuterseitlinge? Dann versuchen Sie doch mal den Gourmetpilz selbst zu züchten. Was Sie dafür brauchen und eine ausführliche Anleitung, gibt es hier. 

Kräuterseitlinge, auch Königsausternpilz genannt, gelten heute als echte Stars unter den Gourmetpilzen. Und das völlig zu Recht. Sie haben nicht nur einen köstlichen, leicht nussigen Geschmack, Kräuterseitlinge besitzen obendrein eine feste, fast schon fleischige Textur, wodurch sich dieser Pilz perfekt für verschiedene Zubereitungsarten verwenden lässt. Viele Menschen kennen diesen Pilz oft nur aus dem Feinkostregal oder von Restaurantbesuchen, doch nur wenige wissen, dass sich Kräuterseitlinge relativ einfach in den eigenen vier Wänden kultivieren lassen. Dafür benötigen Sie weder ein großes Gewächshaus noch spezielles Profi-Equipment.

Mein Ratgeber führt Sie Schritt für Schritt in die Welt des Pilzanbaus ein. Neben den Grundlagen und den idealen Wachstumsbedingungen erfahren Sie, welche Materialien Sie benötigen, wie der Anbau abläuft und wie Sie Ihre Kultur richtig pflegen.

Was sind Kräuterseitlinge?

Kräuterseitling
Kräuterseitlinge haben eine fleischige Konsistenz – © Oksana / stock.adobe.com

Der Kräuterseitling (Pleurotus eryngii) gehört zur Familie der Seitlinge und ist eng mit dem bekannten Austernseitling verwandt. Ursprünglich stammt er aus Regionen rund um das Mittelmeer sowie Teilen von Asien und Nordafrika. Sein natürlicher Lebensraum sind Böden und Wurzelreste bestimmter Doldenblütler – daher auch sein etwas ungewöhnlicher Name.

Optisch zeichnet sich der Kräuterseitling durch einen kräftigen Stiel und einen relativ kleinen, leicht gewölbten Hut aus. Die Farben können von Cremeweiß über Beige bis hin zu hellbraunen Nuancen variieren. Was das „Fleisch“ angeht, so erinnert der Kräuterseitling beim Essen von der Textur her an Geflügelfleisch oder Jakobsmuscheln. Deshalb wird dieser Pilze in der vegetarischen und veganen Küche auch gerne als Fleischersatz genutzt. Und auch, weil Kräuterseitlinge eine tolle pflanzliche Proteinquelle sind.

Kulinarisch lässt sich der Kräuterseitling vielseitig einsetzen. Ob dünn aufgeschnitten als „Carpaccio“ (Lesetipp: Antipasti selber machen), gebraten als Pilzsteaks, geschmort in Saucen oder fein gewürfelt in Risottos – er passt sich zahlreichen Gerichten an und liefert ein angenehm aromatisches, leicht süßliches und zugleich herzhaftes Aroma.

Warum lohnt es sich, Kräuterseitlinge selbst anzubauen?

Kräuterseitlinge selbst anzubauen hat nicht nur etwas mit Experimentierfreudigkeit zu tun. Es gibt mehrere Gründe, warum sich die Mühe lohnt:

  • Zum einen können Sie frisch geerntete Pilze in exzellenter Qualität genießen, ohne dass diese lange Transportwege oder Lagerzeiten hinter sich haben. Frische Pilze aus eigener Kultur besitzen schließlich oft ein intensiveres Aroma und eine deutlich festere Konsistenz.
  • Zum anderen ist die Pilzzucht ein faszinierendes Hobby für die ganze Familie. Kinder können etwas dazulernen und Tag für Tag zuschauen, wie die Pilze heranwachsen.
  • Kräuterseitlinge sind zudem äußerst gesund. Sie enthalten viele wertvolle Inhaltsstoffe, sind kalorienarm (etwa 35 kcal pro 100 g) und leicht bekömmlich. Enthalten sind vor allem Ballaststoffe, die eine gesunde Verdauung unterstützen, B-Vitamine, die wichtig sind für Nerven, Stoffwechsel und Energie, sowie Mineralstoffe wie Kalium, Phosphor, Eisen und Magnesium. Außerdem können die enthaltenen Beta-Glucane entzündungshemmend wirken und die körpereigene Abwehr unterstützen.
  • Ein weiterer Vorteil ist die Kostenersparnis. Kräuterseitlinge sind im Handel häufig relativ teuer, insbesondere wenn sie in Bio-Qualität angeboten werden. Kultivieren Sie sie selbst, können Sie auf Dauer ordentlich Geld sparen und gleichzeitig einen Einfluss auf die Qualität der Pilze nehmen.

Was benötigt man für den Anbau?

Kräuterseitlinge - Alles über Anzucht, Pflege & Zubereitung
Kräuterseitlinge gibt es bereits als Fertigkultur zu kaufen – © YARphotographer / stock.adobe.com

Wenn Sie das „Experiment“ wagen und Kräuterseitlinge selbst anbauen möchten, benötigen Sie einige grundlegende Materialien. Dazu gehören:

  • Kräuterseitling-Fertigkultur: Erhältlich im Internet oder im spezialisierten Garten- bzw. Pilzzuchtbedarf. Die Kulturen werden meist in Folienbeuteln geliefert.
  • Mini-Gewächshaus oder durchsichtige Box: Dieses hilft, die Feuchtigkeit stabil zu halten. Besonders ideal für Wohnungen mit trockener Heizungsluft.
  • Saubere Umgebung: Hände und Werkzeuge sollten Sie vor der Verwendung immer gründlich reinigen. Pilze mögen schließlich keine Konkurrenz.
  • Sprühflasche: Diese benötigen Sie, um die Luftfeuchtigkeit zu regulieren.

Voraussetzungen für das Wachstum

Damit Kräuterseitlinge gut gedeihen, müssen ein paar Bedingungen stimmen. Dazu zählen:

Temperatur: 

Für den Anbau von Kräuterseitlingen ist eine Temperatur von 15 bis 20 °C optimal. Dieser Temperaturbereich unterstützt eine gleichmäßige Entwicklung des Myzels sowie die spätere Ausbildung kräftiger Fruchtkörper.

Licht: 

Für den Anbau sollten Sie einen hellen Platz ohne direkte Sonne auswählen. Ein Fensterplatz mit indirektem Tageslicht genügt dafür vollkommen. Zu wenig Licht führt häufig zu langstieligen, dünnen Pilzen, wohingegen direkte Sonne das Substrat austrocknen kann. Wenn Sie keinen geeigneten Platz haben, können Sie auch ein Pflanzenlicht mit Tageslichtspektrum für den Anbau einsetzen.

Luftfeuchtigkeit: 

Diese sollte idealerweise zwischen 90 und 95 % liegen. Eine dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass sich die Pilzkörper saftig, fest und prall ausbilden. Ist die Luft zu trocken, bekommen die Kräuterseitlinge rissige Hüte und eine sehr feste Struktur.

Luftaustausch:

Es ist wichtig, den Raum, in dem Sie die Pilze anbauen, regelmäßig zu lüften. Achten Sie jedoch darauf, direkte Zugluft zu vermeiden.

Anleitung für den Anbau von Kräuterseitlingen

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Mehr Informationen

🍄‍🟫 Schritt 1 – Fertigkultur vorbereiten

Wenn Sie Ihre Kräuterseitling-Fertigkultur erhalten, befindet sich das Pilzmyzel in einer Art Ruhephase. Diese Phase sorgt dafür, dass die Kultur den Transport gut übersteht. Nehmen Sie das Pilzsubstrat zunächst vorsichtig aus der Verpackung und lassen Sie es sich ein bis zwei Tage in Ruhe akklimatisieren. In dieser Zeit gewöhnt sich das Myzel an Temperatur und Umgebung.

🍄‍🟫 Schritt 2 – Oberfläche freilegen

Nach der kurzen Ruhezeit geht es darum, der Pilzkultur den Start zum Wachstum zu ermöglichen. Die meisten Fertigkulturen sind von einer dünnen Folie bedeckt oder besitzen eine Oberflächenschicht, die Sie vorsichtig öffnen müssen. Folgen Sie dazu am besten den beiliegenden Herstellerhinweisen. In der Regel schneiden Sie die Folie an der Oberseite ein oder öffnen sie so, dass eine kleine, atmungsaktive Fläche entsteht. Diese Öffnung dient später als „Ausgang“, aus dem die Pilze herauswachsen können.

🍄‍🟫 Schritt 3 – Einen geeigneten Standort wählen

Der richtige Platz bestimmt maßgeblich den Erfolg Ihrer Pilzzucht. Kräuterseitlinge bevorzugen eine stabile Umgebung, ähnlich wie in einem kühlen, feuchten Wald. Ideal ist ein heller, aber nicht sonniger Standort. Direkte Sonneneinstrahlung kann das Myzel austrocknen, während Zugluft die Feuchtigkeit zu schnell entzieht. Auch zu warme Luft, etwa durch eine nahe Heizung, hemmt das Wachstum. Optimal sind Temperaturen zwischen 15 und 20 °C. Gute Orte sind beispielsweise ein helles Bad, ein kühler Hausflur oder ein unbeheizter, aber heller Kellerraum.

🍄‍🟫 Schritt 4 – Für ausreichend Luftfeuchtigkeit sorgen

Kräuterseitlinge lieben Feuchtigkeit. Verwenden Sie am besten eine Sprühflasche, um die Kultur zu befeuchten. Der Merksatz lautet hier: Feucht halten, aber niemals tropfnass. Zu viel Nässe begünstigt die Schimmelbildung, was die Pilzkultur schnell verderben kann.

🍄‍🟫 Schritt 5 – Geduld haben und das Wachstum beobachten

Sobald die Bedingungen stimmen, beginnt das Myzel, Fruchtkörper anzulegen. Sie erkennen den Beginn des Wachstums an winzigen, weißen oder cremefarbenen Knötchen – den sogenannten Primordien. Diese benötigen Zeit, um sich zu entwickeln. Rechnen Sie mit einer Wachstumsphase von ungefähr 7 bis 14 Tagen, abhängig von Temperatur und Feuchtigkeit. Lassen Sie sich nicht beirren, wenn es einmal etwas länger dauert.

🍄‍🟫 Schritt 6 – Ernte

Ernten Sie Kräuterseitlinge, wenn sich die Hüte leicht öffnen, aber noch nicht vollständig aufgefächert sind. In diesem Stadium sind die Pilze besonders aromatisch und besitzen eine angenehm feste Konsistenz. Nehmen Sie dazu ein scharfes Messer zur Hand und machen Sie einen sauberen Schnitt direkt am Substrat. Achten Sie dabei darauf, dass Sie den Pilz nicht herausreißen, da Sie so die feinen Myzelfäden beschädigen und die Bildung weiterer Fruchtwellen beeinträchtigen. Denn bleibt das Myzel gesund, kann es nach einer kurzen Regenerationsphase problemlos neue Pilze ausbilden. Zudem verhindert ein sauberer Schnitt, dass sich im Substrat faulende Pflanzenreste ansammeln, die ein Nährboden für Schimmel oder Bakterien sein könnten.

Autoren-Kommentar von M. Liebeskind

💡 So können Sie Kräuterseitlinge auch züchten

Möchten Sie Kräuterseitlinge im Freien züchten, benötigen Sie dafür einen Bio-Strohballen mit ca. 10 kg Trockengewicht und mit Mycel geimpfte Pilzdübel. Das Stroh wird ordentlich gewässert und die Dübel 20 cm tief eingesetzt. Nach drei bis 5 Monaten können Sie dann ernten und das über 12 Monate hinweg. Sie können aber auch Substratblöcke und Pilzdübel verwenden.

Tipps zur Pflege der Anzucht

Kräuterseitling
Sorgen Sie für eine gleichmäßig hohe Luftfeuchtigkeit – © sunftaka77 / stock.adobe.com
  • Eine gleichmäßig hohe Luftfeuchtigkeit ist entscheidend für einen erfolgreichen Pilzanbau. Eine Abdeckung oder ein Mini- bzw. Zimmergewächshaus kann helfen, ein stabiles Mikroklima zu erzeugen. Außerdem sollten Sie die Kultur regelmäßig mit einer Sprühflasche befeuchten.
  • Vermeiden Sie Zugluft, da diese das Substrat und die Pilzkörper schnell austrocknet. Trockene Pilze werden zäh, entwickeln Risse und wachsen ungleichmäßig.
  • Berühren Sie die Kultur nur mit sauberen Händen und Werkzeugen, um das Risiko von unerwünschten Fremdorganismen wie Schimmel oder Bakterien zu minimieren. Pilzkulturen reagieren nämlich empfindlich auf Verunreinigungen.
  • Entfernen Sie verschimmelte oder abgestorbene Stellen sofort und umfassend. Schimmel breitet sich oft schneller aus, als Sie zunächst erkennen können. Zögern Sie also nicht, betroffene Stellen großzügig herauszutrennen. Reinigen Sie anschließend Ihre Hände und gegebenenfalls die Werkzeuge erneut, bevor Sie die Kultur wieder verschließen.
  • Wenn Pilze lang und dünn wachsen, bedeutet das in der Regel, dass sie zu wenig Licht abbekommen oder der Luftaustausch zu schlecht ist. Erhöhen Sie daher behutsam die Frischluftzufuhr und stellen Sie die Kultur etwas heller – jedoch nicht in direktes Sonnenlicht.

So fördern Sie eine zweite Kultur

Kräuterseitlinge wachsen in mehreren „Wellen“. Das bedeutet, dass nach der ersten Ernte das Myzel nicht erschöpft ist, sondern sich zunächst für einige Tage regeneriert und anschließend erneut Fruchtkörper ausbildet. Diese zweite oder sogar dritte Ernteserie fällt zwar häufig etwas kleiner aus, kann aber ebenso hochwertig sein wie die erste. Damit diese Folgeernten erfolgreich ausgebildet werden, sollten Sie die Bedingungen während dieser Phase möglichst stabil halten. Es gilt:

  • Sorgen Sie weiterhin für eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit, ohne Staunässe zu erzeugen, und achten Sie darauf, dass das Substrat nicht austrocknet.
  • Eine leichte Temperaturabsenkung kann zudem die Bildung neuer Fruchtkörper anregen.
  • Seien Sie geduldig und beobachten Sie die Oberfläche des Substrats aufmerksam. Oft kündigen sich neue Pilzwellen zunächst durch kleine, feine weiße Verdichtungen des Myzels an, die sich innerhalb weniger Tage zu sichtbaren Primordien entwickeln. Wenn Sie in dieser Phase weiterhin regelmäßig, aber behutsam lüften, gelingt eine weitere Ernte in der Regel problemlos.

So können Sie Kräuterseitlinge zubereiten

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Mehr Informationen

Gerade in Deutschland gewinnt der Kräuterseitling als Alternative zu klassischen Champignons immer mehr an Beliebtheit – nicht nur in der vegetarischen oder veganen Küche. Sie können die Pilze zum Beispiel:

  • in Scheiben schneiden und in etwas Öl oder Butter anbraten sowie mit Salz und Pfeffer würzen
  • mit Olivenöl, Salz, Kräutern der Provence und Knoblauch marinieren und bei 180 °C etwa 20 bis 25 Minuten im Ofen backen
  • kurz in Olivenöl, Salz, Rosmarin und Knoblauch marinieren und bei mittlerer Hitze grillen

Oder aber, Sie probieren mal das Rezept im Video aus. Das sieht auch richtig köstlich aus.

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Mutter, Hundebesitzerin und leidenschaftliche Hobbygärtnerin. Schon als Kind habe ich gemeinsam mit meinen Eltern den heimischen Garten bewirtschaftet und mich für dessen Gestaltung interessiert. Jetzt besitze ich meinen eigenen Garten und zeige meiner Tochter, wie einfach es ist Obst, Gemüse und Blumen selbst zu züchten. Ein Garten bedeutet viel Arbeit - er belohnt uns dafür aber auch mit einer reichen Ernte, wunderschönen Blumen und dem tollen Gefühl aus eigener Kraft etwas geschaffen zu haben.

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