Die Hauswinkelspinne ist imposant, schnell und nicht gerade niedlich. Kein Wunder also, dass sie viele loswerden wollen. Doch ist das wirklich nötig?

Kaum ein Tier löst in deutschen Haushalten so gemischte Gefühle aus, wie die Hauswinkelspinne. Während viele Menschen bei ihrem Anblick panisch den Staubsauger zücken oder das Weite suchen, ist sie in Wirklichkeit ein äußerst nützlicher und sogar spannender Mitbewohner. Denn diese Spinne ist ein kleines Wunderwerk der Natur, perfekt angepasst an das Leben in unseren Gebäuden. Ihre Fähigkeit, wochenlang ohne Nahrung auszukommen und sich blitzschnell in Spalten zu verstecken, macht sie zu einer wahren Überlebenskünstlerin. Zudem hilft sie, Insektenpopulationen im Haus zu regulieren.

🔍 Aussehen

Hauswinkelspinne - Aussehen, Lebensweise & Tipps für eine spinnenfreie Wohnung
Die Hauswinkelspinne kann eine Beinspannweite von 10 Zentimetern haben – © gartentipps.com

Mit einer Körperlänge von etwa 10 bis 16 Millimetern (ohne Beine) gehört die Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica) zu den größeren heimischen Spinnenarten. Ihre Beinspannweite kann beeindruckende 10 Zentimeter erreichen, was bei vielen Menschen zunächst Erstaunen oder sogar Schrecken hervorruft.

So erschreckend an dieser Spinne sind vor allem die langen, dünnen und behaarten Beine. Der bräunlich bis graue Körper, welcher mit dunklen, marmorierten Flecken gezeichnet ist, ist weniger „gruselig“. Die Zeichnung dient sogar als Tarnung und macht die Spinne in ihrem Umfeld nahezu unsichtbar.

Besonders auffällig sind die acht Augen, die in zwei Reihen angeordnet sind und der Hauswinkelspinne ein gutes Gespür für Bewegungen verleihen, auch wenn die Sehschärfe selbst eher bescheiden ist. Unter bestimmten Lichtverhältnissen und wenn Sie ganz genau hinschauen, können Sie die Augen der Hauswinkelspinne sogar leicht metallisch schimmern sehen.

🗺️ Herkunft und Verbreitung

Die Hauswinkelspinne gehört zur Familie der Trichterspinnen (Agelenidae) und ist eine der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Spinnenarten in Mitteleuropa. Durch den internationalen Warenverkehr und die enge Beziehung des Menschen zu Gebäuden hat sie sich aber weltweit verbreitet. Heute findet man sie also nicht nur in Deutschland, sondern auch in Nordamerika, Asien und Teilen Afrikas. Sie bevorzugt gemäßigte Klimazonen und meidet extreme Temperaturen. Deshalb zieht sie sich im Winter in warme Innenräume zurück, wo sie ideale Lebensbedingungen vorfindet. 

Sie lebt bevorzugt in dunklen, stillen Ecken von Kellern, Garagen oder Gartenhäusern – eben dort, wo sie ungestört ihrem Leben nachgehen kann. Besonders in alten Häusern mit Natursteinmauern, Ritzen und Spalten fühlt sie sich wohl. Aber auch in modernen Gebäuden findet sie Nischen. Zum Beispiel hinter Heizungen, Schränken oder Kartons.

Autoren-Kommentar von M. Liebeskind

💡 Schon gewusst?

Ihr Name leitet sich von ihrer typischen Vorliebe für Winkel und Kanten ab, in denen sie ihre Netze baut und auf Beute wartet. In manchen Regionen Deutschlands wird sie daher auch „Winkelspinne“ oder schlicht „Kellerspinne“ genannt.

🕰️ Lebenszyklus

Hauswinkelspinne - Aussehen, Lebensweise & Tipps für eine spinnenfreie Wohnung
Die Jungspinnen schlüpfen nach einigen Wochen – © gartentipps.com

Der Lebenszyklus der Hauswinkelspinne ist spannend. Nach der Paarung im Spätsommer legt das Weibchen ihre Eier in einem feinen Kokon ab, den sie sorgfältig bewacht und teilweise in ihrem Netz aufhängt. Die Jungspinnen schlüpfen nach einigen Wochen und bleiben zunächst in der Nähe der Mutter. Erst nach mehreren Häutungen, bei denen sie jedes Mal ein Stück wachsen, gehen sie eigene Wege.

Weibchen können bis zu zwei Jahre alt werden, während Männchen meist nur eine Saison überleben. Sie sterben oft kurz nach der Fortpflanzung. Die Männchen sind im Spätsommer und Frühherbst besonders aktiv, wenn sie auf Partnersuche gehen, weshalb in dieser Zeit häufig große Exemplare durch Wohnzimmer und Badezimmer huschen. Dieses Verhalten hat nichts mit Aggression zu tun. Sie suchen lediglich nach einem Weibchen.

🧬 Artenvielfalt

Zur Gattung Tegenaria gehören mehrere Arten, die auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehen. Neben Tegenaria domestica gibt es beispielsweise noch die Große Winkelspinne (Eratigena atrica, Syn.: Tegenaria atrica), die noch größer werden kann und oft in denselben Lebensräumen vorkommt. Beide Arten werden häufig miteinander verwechselt. Während die Hauswinkelspinne meist kleiner und etwas heller gefärbt ist, imponiert die Große Winkelspinne mit ihrer massiveren Körperstruktur und dem schnelleren Laufverhalten.

Darüber hinaus sind auch die Mauerwinkelspinne (Tegenaria parietina) und die Rostrote Winkelspinne (Tegenaria ferruginea) erwähnenswert. Erstere ist deutlich größer und bevorzugt alte Gebäude, Kirchen oder Scheunen, wo sie ihre stabilen, weit gespannten Netze in Mauerritzen anlegt. Ihr Körper ist dunkler gefärbt, und sie wirkt insgesamt kräftiger. Die Rostrote Winkelspinne hingegen ist kleiner, kompakter gebaut und zeigt eine auffällige rötlich-braune Färbung des Vorderkörpers. Sie bewohnt gerne Wälder und Gärten, kann aber auch in Kellern und Dachböden vorkommen.

Autoren-Kommentar von M. Liebeskind

💡 Schon gewusst?

Wissenschaftler haben die Gattung in den letzten Jahren teilweise neu geordnet: Einige Arten, die früher zu Tegenaria gehörten, werden heute unter Eratigena geführt.

🏠 Lebensraum

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Die Hauswinkelspinne baut an dunklen Orten ein trichterförmiges Netz – © gartentipps.com

Hauswinkelspinnen lieben ruhige, dunkle und trockene Orte. Sie bauen ihre trichterförmigen Netze bevorzugt in Ecken von Räumen, zwischen Kisten, hinter Regalen oder in Kellerfenstern. Diese Netze sind nicht klebrig, sondern funktionieren wie eine Stolperfalle: Beute, meist Fliegen oder Silberfischchen, verheddern sich in den Fäden, woraufhin die Spinne blitzschnell hervorschießt und zubeißt. Im Gegensatz zu vielen anderen Spinnenarten ist sie also eine aktive Jägerin, die ihre Netze auch als Versteck und Rückzugsort nutzt.

Interessant ist, dass Hauswinkelspinnen territoriale Gewohnheiten haben. Einmal angesiedelt, bleiben sie oft jahrelang in ihrem Revier, sofern sie dort ungestört bleiben.

🕷️❌🦟 Ist die Hauswinkelspinne nützlich?

Hauswinkelspinnen sind durchaus nützlich gegen Insekten. Sie ernähren sich von Mücken, Motten, Fliegen und anderen kleinen Insekten, die sonst unbehelligt durch unsere Häuser surren würden. Sie sind also eine natürliche und schonende Form der Schädlingsbekämpfung.

Ihr Biss ist für Menschen in der Regel völlig ungefährlich. Hauswinkelspinnen beißen sowieso, wie Hummeln und Co., nur in Ausnahmefällen. Zum Beispiel etwa dann, wenn Sie die Spinne bedrängen oder versehentlich anfassen. Selbst dann ist der Biss kaum schlimmer als ein Mückenstich.

Darüber hinaus spielen Hauswinkelspinnen übrigens auch im ökologischen Gleichgewicht eine wichtige Rolle.  Sie dienen Vögeln und anderen kleinen Tieren nämlich als Nahrung und tragen somit zu einem stabilen Ökosystem bei.

⛔ So verhindern Sie, dass die Hauswinkelspinne ins Haus kommt

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Bringen Sie an Fenster und Türen Fliegengitter an – © Kirill Gorlov / stock.adobe.com

Auch wenn die Hauswinkelspinne einige Vorteile mit sich bringt, so möchte sie trotzdem nicht jeder im Haus haben. Zumindest nicht dort, wo man sich den ganzen Tag aufhält. Wenn auch Sie die „kleinen“ Tierchen nicht im Wohnbereich haben möchten oder Sie sogar unter einer Arachnophobie (panische Angst vor Spinnen) leiden, können Sie mit einigen einfachen Mitteln vorbeugen:

Ordnung und Sauberkeit:

Hauswinkelspinnen lieben ungestörte Orte. Wenn Sie regelmäßig staubsaugen, vor allem in Ecken und unter Möbeln, machen Sie es ihnen schwer, sich einzunisten. Besonders wichtig ist es, Spinnweben frühzeitig zu entfernen, bevor sich die Tiere fest etablieren.

Zugang verhindern:

Fenster und Kellerlüftungen lassen sich mit feinem Insektengitter versehen. Risse in Wänden oder Türrahmen sollten Sie ebenso abdichten. Auch Türspalten können Sie mit Bürstendichtungen versehen, um unerwünschte Gäste draußen zu halten.

Natürliche Abwehrmittel:

Der Geruch von Lavendel, Minze oder Zitrone soll Spinnen fernhalten. Ein paar Tropfen ätherisches Öl auf ein Wattepad oder ein Duftstein können bereits Wunder wirken. Zusätzlich hilft es, die Düfte regelmäßig zu erneuern, da sie mit der Zeit verfliegen. Alternativ können Sie Lavendel und Co. auch in Töpfen auf das Fensterbrett stellen.

👈🏻🏠 So entfernen Sie die Hauswinkelspinne richtig aus Ihrem Zuhause

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Auch, wenn Sie sich ekeln, müssen Sie die Spinne nicht töten – © gartentipps.com

Wenn Sie eine Spinne finden, sollten Sie nicht den Staubsauger zücken, das Tier einsaugen und dadurch töten. Setzen Sie stattdessen auf die folgenden Methoden: 

➜ Glas und Papier:

Wenn Sie einer Hauswinkelspinne begegnen und sie nach draußen bringen möchten, sollten Sie ruhig und bedacht vorgehen. Am besten greifen Sie zu einem Glas und einem stabilen Papier oder dünnen Karton. Setzen Sie das Glas vorsichtig über die Spinne, ohne hektische Bewegungen. Schieben Sie dann das Papier langsam unter das Glas, sodass die Spinne sich darauf bewegt. Heben Sie beides zusammen an und tragen Sie die Spinne nach draußen, am besten in eine ruhige Ecke des Gartens oder unter einen Strauch, wo sie sofort Unterschlupf findet.

➜ Spinnenfänger:

Wenn Sie lieber Abstand halten, können Sie einen sogenannten Spinnenfänger verwenden. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen. Zum einen gibt es einen Fänger, der wie die Glas-Papier-Methode funktioniert. Die Handhabung ist kinderleicht und die Spinne wird nicht verletzt.

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Und dann gibt es noch Modelle mit einem langen Griff und weichen Borsten, mit denen sich die Spinne schonend einfangen lässt. Wände und Decken lassen sich damit gut erreichen.

Diese Geräte ermöglichen ein stressfreies Entfernen der Tiere, ohne ihnen Schaden zuzufügen. Wichtig ist, dass Sie die Spinne nicht zu weit von Ihrem Haus entfernen, damit sie überleben kann und nicht schutzlos zurückbleibt.

Mutter, Hundebesitzerin und leidenschaftliche Hobbygärtnerin. Schon als Kind habe ich gemeinsam mit meinen Eltern den heimischen Garten bewirtschaftet und mich für dessen Gestaltung interessiert. Jetzt besitze ich meinen eigenen Garten und zeige meiner Tochter, wie einfach es ist Obst, Gemüse und Blumen selbst zu züchten. Ein Garten bedeutet viel Arbeit - er belohnt uns dafür aber auch mit einer reichen Ernte, wunderschönen Blumen und dem tollen Gefühl aus eigener Kraft etwas geschaffen zu haben.

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