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Orchideen: Wie giftig sind sie wirklich?

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Die Orchideen, die wir im Handel bekommen sind nur bedingt giftig. Dennoch sollten Sie Vorsichtsmaßnahmen treffen, um Kleinkinder und Haustiere zu schützen.

Orchideen giftig?
© Margit Kluthke / stock.adobe.com

Orchideen zählen zu den beliebtesten Zimmerpflanzen. Sie erfreuen mit farbenprächtigen Blüten und einem ungeahnten Artenreichtum. Getrübt wird die Freude an den Pflanzen häufig durch Zweifeln hinsichtlich der Unbedenklichkeit. So wird vermehrt von Vergiftungserscheinungen bei Katzen und Hunden berichtet und auch Kleinkinder scheinen durch Zimmerpflanzen häufig gefährdet. Wir klären auf, ob Orchideen wirklich giftig sind und welche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden sollten.

Keine hochgiftigen Sorten im Handel

Weltweit existieren nahezu 30.000 unterschiedliche Orchideen-Arten. Angesichts dieser Fülle an verschiedenen Pflanzen lässt sich die Aussage hinsichtlich der Unbedenklichkeit von Orchideen nicht pauschalisieren. Längst sind nicht alle vorkommenden Arten wissenschaftlich untersucht und auf ihre Wirkstoffe hin geprüft.

Was jedoch mit Sicherheit gesagt werden kann: In Deutschland gelangen keine hochgiftigen Orchideen-Sorten in den Handel.

Nicht zum Verzehr geeignet

Vom Berühren der Orchideen geht in der Regel keinerlei Gefahr aus. Orchideen verfügen nicht über toxische Stoffe, die bei Berührung zu Hautreizungen führen oder über die Atemluft aufgenommen werden könnten. Auch abgestorbene Pflanzenteile sind unbedenklich. Eine Entsorgung auf dem Kompost ist möglich.

Achtung: Es gibt allerdings eine Ausnahme, welche nachfolgend noch näher erläutert wird.

Wer die Etiketten seiner Orchideen genau studiert, wird dort den Vermerk finden, dass die Pflanzen nicht zum Verzehr geeignet sind. Kommen die Pflanzenteile der ansonsten ungiftigen Orchideen mit Speichel in Kontakt und gelangen in den Verdauungstrakt, können gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten.

Eine unmittelbare Gefahr besteht für Babys und Kleinkinder, deren Organismus stark auf die Pflanzenstoffe reagiert. Auch Hunde und Katzen reagieren empfindlich auf Orchideen und können Vergiftungserscheinungen zeigen.

Tipp: Wer es nicht lassen kann – die Karma-Orchidee besitzt essbare Blüten. Dabei handelt es sich um eine Spezialzüchtung aus den Niederlanden.

Welche Pflanzenteile sind gefährlich?

Vom Laub der Orchidee geht keinerlei Gefahr aus. Auch die Blüten müssten schon in Massen verzehrt werden, um bei einem erwachsenen Menschen eine Reaktion auszulösen.

Es kommt häufiger vor, dass Blüten der bekannten Schmetterlingsorchidee zur Dekoration auf Süßspeisen verwendet werden. Die Phalaenopsis ist schwach giftig. Die Wirkung ist in etwa vergleichbar mit der Muskatnuss. Geringe Mengen sind unbedenklich. Größere Dosen lösen Vergiftungserscheinungen aus. Eine einzelne Blüte ist für einen erwachsenen Menschen aber vollkommen unbedenklich.

Orchideen - Wurzeln giftig
© sablinstanislav / stock.adobe.com
Die Giftstoffe, vorwiegend Alkaloide, konzentrieren sich in den Wurzeln der Pflanzen. Zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kann es allerdings erst kommen, wenn die Pflanzenteile verzehrt werden und in den Verdauungstrakt gelangen.

Achtung: Die in den Knollen enthaltenen Bitterstoffe können bleibende Leberschäden verursachen.

Orchideen sollten daher außer Reichweite von Kindern und Haustieren aufgestellt werden. Buddeln Kinder oder Tiere in der Erde und kommen dabei in Kontakt mit beschädigten Wurzelstücken, können die Bitterstoffe auch beim Ablecken der Finger, bzw. beim Putzen der Pfoten in den Magen-Darm-Trakt gelangen und Erbrechen und Durchfälle auslösen.

Vorsicht bei Kleinkindern!

Bei Babys und Kleinkindern können bereits geringe Mengen des aufgenommenen Pflanzensaftes die Leber schädigen. In einem Haushalt mit kleinen Kindern sollte möglichst auf die Kultivierung der Gewürzvanille verzichtet werden. Diese Pflanze reizt die Haut und die Atemwege. Es kann bereits bei der bloßen Berührung zu Hautausschlägen kommen.

Achtung: Frauenschuh-Orchideen dürfen nicht angefasst werden. Die Blatthaare sondern ein Gift ab, welches über die Haut in den Körper gelangt.

Babys von Orchideen fernzuhalten, dürfte Ihnen nicht schwerfallen. Auch bei Kleinkindern reicht es in der Regel aus, die Pflanzen an einem höher gelegenen Stellplatz zu kultivieren. Ältere Kinder sollten darauf hingewiesen werden, dass Orchideen kein Spielzeug und schon gar nicht zum Verzehr geeignet sind.

Orchideen als Gefahr für Haustiere

Zimmerpflanzen und Haustiere sind ein heikles Thema. Viele Pflanzen sind giftig für Vierbeiner und sorgen für volle Wartezimmer in den Tierarztpraxen. Hunde und Katzen sind von Natur aus neugierig und ziemlich gelangweilt, wenn ihre Besitzer nicht zuhause sind.

Werden die Pflanzen umgestoßen und ausgegraben, liegen die Wurzeln frei und können angefressen werden.

Tipp: Rein statistisch gesehen vergiften sich Katzen am häufigsten durch Orchideen und Liliengewächse.

Während Tierhalter in der Wohnung auf Orchideen verzichten können, ist die Gefahr nicht vollständig gebannt. Sind Katzen Freigänger, erkunden sie neugierig jedes Terrain. Häufig werden Orchideen wie Knabenkraut oder Orchideen der Sorte Frauenschuh auch im Beet kultiviert.

Folgende Symptome können auf eine Vergiftung nach dem Verzehr von Orchideen hindeuten:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Hautreizungen
  • Schwindel
  • Leberschäden

Diese Orchideen-Arten sind giftig für Katzen

Einige beliebte Zimmer-Orchideen sind für Katzen giftig und sind für eine Katzenwohnung eher ungeeignet:

Vanilla Planifolia - © Unclesam / stock.adobe.com
Aus den Samenschoten dieser Orchidee wird Bourbon-Vanille gewonnen. Katzen können allergisch auf den Pflanzensaft reagieren und mit Schwellungen der Schleimhaut oder Ausschlägen reagieren. -

Oncidium Cebolleta - © SailingAway / stock.adobe.com
Die Pflanze besitzt hübsche gelbe Blüten und wird in ihrer Heimat Südamerika „Goldregen“ genannt. Der Verzehr von Knollen oder Blüten löst beim Menschen Halluzinationen aus. Katzen reagieren ähnlich und zeigen zusätzlich Vergiftungserscheinungen.

Phalaenopsis - © faveteart/ stock.adobe.com
Schmetterlingsorchideen sind die meistverkaufte Orchideen-Art und in vielen Wohnzimmern zu finden. Für Katzen sind Blüten und Knollen schwach giftig, aber nicht tödlich. Ein Tierarztbesuch ist jedoch häufig unumgänglich.

Vorsichtsmaßnahmen für Haustiere

Wollen Hunde- und Katzenhalter nicht auf Orchideen verzichten, sind die Pflanzen außer Reichweite der Tiere aufzustellen. Katzen sind wahre Kletterkünstler, was dies nicht einfach macht.

Gut aufgehoben sind Orchideen auf geteilten Fensterbänken oder in einem für Haustiere unzugänglichen Wintergarten. Zudem sollten Sie abgeworfene Blüten immer sofort einsammeln und entsorgen.

Im Alter werden Katzen ruhiger und interessieren sich meist kaum noch für Ihre Zimmerpflanzen. Bei jungen Katzen ist umso mehr Vorsicht geboten. Das Anknabbern der Pflanzen ist ein natürlicher Reflex, welcher sich nicht abtrainieren lässt.

Versorgen Sie die Tiere mit ausreichend Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten und bieten ihnen einen Napf mit Katzengras an, damit der natürliche Trieb befriedigt werden kann, ohne dass die Tiere und die Zimmerpflanzen zu Schaden kommen.

Was ist bei Vergiftungserscheinungen zu tun?

Ob und in welchem Ausmaß sich Vergiftungserscheinungen bemerkbar machen, ist abhängig von der Verzehrmenge und der körperlichen Konstitution des Kindes oder des Haustieres.

Aufgrund des geringen Körpergewichtes zeigen sich bei Tieren erste Symptome bereits innerhalb einer Stunde nach dem Verzehr. Bei Kleinkindern können auch mehrere Stunden vergehen.

Treten Vergiftungserscheinungen auf, ist schnellstmöglich ein Arzt aufzusuchen. Bei Vergiftungen von Kindern kann der Giftnotruf gewählt werden. Beim Haustier hilft der Tierarzt weiter.

Von der Verabreichung von Hausmitteln, die einen Brechreiz auslösen sollen, ist dagegen abzusehen. Gefährliche Kreislaufzusammenbrüche könnten hier die Folge sein.

Foto1: © Margit Kluthke / stock.adobe.com, Foto2: © sablinstanislav / stock.adobe.com

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