Wir alle lieben die leckeren Kirschen oder Äpfel, am besten frisch aus dem eigenen Garten. Doch damit Obstbäume zuverlässig Früchte tragen, muss die Befruchtung klappen.
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Warum ist die Befruchtung von Obstbäumen wichtig?
Damit Apfelbaum, Kirsche & Co. Früchte tragen, müssen ihre Blüten bestäubt werden. Den Großteil dieser Arbeit übernehmen Insekten – allen voran Honigbienen und Wildbienen, aber auch Hummeln und Schwebfliegen sind wichtige Helfer.
Doch ob aus der Bestäubung auch tatsächlich Früchte entstehen, hängt auch von der Art der Befruchtung ab. Einige Bäume sind selbstfruchtbar und andere brauchen den Pollen einer zweiten, passenden Sorte. Daher lohnt sich ein Blick auf die Befruchtungseigenschaften, besonders vor der Pflanzung neuer Obstbäume.
⇒ Selbstbefruchtende Obstbäume können ihre Blüten mit eigenem Pollen bestäuben und bringen auch ohne eine zweite Sorte Früchte hervor. Typische Beispiele sind viele Pfirsich-, Aprikosen- und Quittensorten.
⇒ Fremdbefruchter hingegen brauchen Pollen einer anderen, passenden Sorte, um Früchte zu bilden. Das trifft auf die meisten Apfelbäume, Birnen, Süßkirschen und auch auf Haselnusssträucher zu. Ohne passenden Bestäuber bleibt die Ernte hier oft aus.
Fremd- & selbstfruchtbare Obstbäume

Befruchtung von Apfelbäumen
Fast alle Apfelsorten sind Fremdbefruchter. Pflanzen Sie daher mindestens zwei verschiedene Apfelbäume ein, die gleichzeitig blühen. Idealerweise stehen die Bäume nicht zu weit auseinander. Fragen Sie am besten schon beim Kauf nach einem passenden Bestäuber, denn nicht jede Apfelsorte kann jede andere zuverlässig bestäuben.
💡 Tipp für kleine Gärten: Ein Zierapfel kann ein wertvoller Bestäuber für viele Apfelbäume sein.
Befruchtung von Birnenbäumen
Auch Birnbäume brauchen Gesellschaft, denn die meisten Kultur-Birnen sind nicht selbstfruchtbar. Zwei verschiedene Birnbäume, die zur gleichen Zeit blühen, erhöhen die Chance auf eine reiche Birnenernte erheblich.
Befruchtung von Pflaumen, Zwetschgen & Mirabellen
Einige Pflaumen und Zwetschgen sind Selbstbefruchter, andere nicht.
Sorten, wie viele Hauszwetschgen oder Mirabellen, sind selbstbefruchtend und tragen auch ohne zweiten Baum zuverlässig Früchte. Andere wie edle Reineclauden oder bestimmte Pflaumen benötigen dagegen einen passenden Bestäuber in der Nähe, um gut zu fruchten.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, pflanzt am besten zwei unterschiedliche Sorten. Besonders gut klappt das bei verwandten Sorten wie Mirabelle und Zwetschge, denn hier tauschen Bienen den Blütenstaub häufig zwischen den Bäumen aus.
💡 Tipp: Wer nur Platz für einen Baum hat, kann überlegen, eine zweite Sorte aufzuveredeln (eine andere Sorte als Zweig aufpfropfen) – so trägt ein Baum zwei Sorten und befruchtet sich quasi selbst.
Befruchtung von Pfirsich und Aprikosen
Pfirsich- und Aprikosenbäume sind meist selbst fruchtbar, sie setzen also auch ohne Bestäubungspartner Früchte an. Hier steht weniger die Partnersorte im Vordergrund, sondern eher das Wetter. Da Pfirsiche und Aprikosen schon im März blühen, sind sie besonders anfällig für Spätfrost. Ein geschützter, warmer Standort ist daher das A und O, damit die Blüten nicht erfrieren und auch die Bestäuber aktiv unterwegs sind.
Befruchtung von Blutpflaume und Schlehe
Blutpflaume und Schlehe blühen beide früher als andere Pflaumen- und auch Zwetschgensorten, allerdings sind diese selbst fruchtbar und somit bei der Befruchtung nicht von den anderen Arten abhängig.
Befruchtung von Sauerkirschen
Sauerkirschen, wie die bekannte Schattenmorelle, sind selbstbefruchtend. Das heißt, ein einzelner Sauerkirschbaum trägt in der Regel auch ohne Bestäuber in der Nähe Früchte. Daher reicht ein Sauerkirschbaum, allerdings zeigen auch Sauerkirschen einen höheren Ertrag, wenn zwei unterschiedliche Sorten im Garten stehen.
Befruchtung von Süßkirschen

Süßkirschbäume sind in der Regel Fremdbefruchter, daher bleibt eine einzelne Süßkirsche häufig ohne Früchte. Für eine gute Ernte sollten mindestens zwei unterschiedliche Süßkirschsorten gepflanzt werden, die sich gegenseitig bestäuben können.
Zierkirsche als Befruchter für Süßkirsche
So prachtvoll Zierkirschen auch blühen, für die Bestäubung von Süßkirschen sind sie meist keine Hilfe. Oft blühen sie zu früh im Jahr, sodass ihre Pollen gar nicht zur richtigen Zeit zur Verfügung stehen.
Zudem haben viele Zierkirschen gefüllte Blüten. Dabei wurden Staubgefäße und Narben zu zusätzlichen Blütenblättern umgebildet. Solche Blüten produzieren kaum noch Pollen und sind daher nicht als Bestäuber geeignet.
Wenn es um die richtige Bestäubersorte für Süßkirschen geht, lohnt sich der Gang in die Obstbaumschule. Denn Kirschen gehören zu verschiedenen Befruchtungsgruppen und nicht jede Sorte passt.
💡 Schon gewusst! Für kleine Gärten ist ein Familienbaum die perfekte Lösung. Das ist ein Kirschbaum, der drei Kirschsorten trägt. Ein zusätzlicher Befruchter ist dann nicht mehr nötig.
Welche Obtbäume bestäuben sich gegenseitig?
Obstbäume sind bei der Bestäubung wählerischer, als man vielleicht denkt. Entscheidend ist, ob ihre Pollen miteinander kompatibel sind. Während es innerhalb einer Obstart – also Apfel mit Apfel oder Kirsche mit Kirsche – meist problemlos funktioniert, gibt es zwischen verschiedenen Obstbaumarten nur wenige erfolgreiche Befruchtugs-Kombinationen.

Können sich Apfel und Kirsche bestäuben?
Apfel- und Kirschbäume können sich nicht gegenseitig bestäuben. Auch wenn beide zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehören, stammen sie aus unterschiedlichen Gattungen: Äpfel (Malus) und Kirschen (Prunus) sind genetisch zu verschieden, sodass ihr Blütenpollen nicht miteinander kompatibel ist.
Birne und Quitte: Passt das als Bestäuberpaar?
Birne (Pyrus) und Quitte (Cydonia oblonga) sind enger miteinander verwandt als viele andere Obstbäume, da sie beide zur Unterfamilie der Maloideae gehören. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass Birnenpollen eine Quittenblüte befruchten oder umgekehrt. Allerdings geschieht das nicht regelmäßig genug, um es als sichere Bestäubungslösung zu betrachten.
Können sich Pflaume und Schlehe bestäuben?
Pflaume (Prunus domestica) und Schlehe (Prunus spinosa) gehören zur gleichen Gattung und sind genetisch eng verwandt. In der Natur kommt es sogar häufig vor, dass sich diese Arten kreuzen. Und tatsächlich sind einige unserer heutigen Pflaumen aus solch einer Kreuzbestäubung mit Wildformen wie der Schlehe entstanden.
Weitere Obstbaumkombinationen für eine erfolgreiche Bestäubung
Es gibt einige spannende Bestäubungspaare unter den Fruchttragenden Bäumen:
✔ Mirabellen und Pflaumen sind nahe Verwandte und können sich oft gegenseitig bestäuben. Ideal für Gärten mit mehreren Steinobstsorten.
✔ Zwetschgen und Renekloden – auch hier klappt die Bestäubung häufig gut, solange sich die Blütezeiten überschneiden.
✔ Pfirsich und Mandel sind eng verwandt. Unter bestimmten Bedingungen können sie sich gegenseitig befruchten, wenn ihre Blütezeiten zusammenpassen.
Tabelle: Blütezeiten & passende Bestäuber
Die Obstbaumblüte gehört zu den schönsten Momenten im Frühjahr. Doch nicht alle Bäume blühen zur gleichen Zeit, je nach Art und Sorte beginnt die Blüte früher oder später. Das spielt auch bei der Auswahl passender Bestäuber eine wichtige Rolle. Wann genau die Bäume in Blüte stehen, hängt stark vom Wetter ab:
| Obstbaum | Blütezeit | Passender Bestäuber |
|---|---|---|
| Apfel (Malus domestica) | April – Mai | • Elstar ↔ Cox Orange • Boskoop ↔ Goldparmäne |
| Birne (Pyrus communis) | April – Mai | • Williams Christ ↔ Gellerts Butterbirne • Conference ↔ Clapps Liebling |
| Quitte (Cydonia oblonga) | Mai – Juni | • Meist selbstfruchtbar • Bereczki ↔ Konstantinopeler kann Ertrag verbessern |
| Süßkirsche (Prunus avium) | April – Mai | • Regina ↔ Kordia • Burlat ↔ Hedelfinger |
| Sauerkirsche (Prunus cerasus) | April – Mai | • Meist selbstfruchtbar • Morellenfeuer ↔ Karneol kann Ertrag steigern |
| Pflaume (Prunus domestica) | März – April | • Hauszwetschge ↔ Bühler Frühzwetschge |
| Zwetschge (Prunus domestica subsp. insititia) | April – Mai | • Hanita ↔ Katinka |
| Blutpflaume (Prunus cerasifera Nigra) | März – April | • Kann Kirschpflaumen (Prunus cerasifera) bestäuben, aber nicht ideal für klassische Pflaumen oder Zwetschgen |
| Mirabelle (Prunus domestica subsp. syriaca) | März – April | • Nancy ↔ Bellamira |
| Reneklode (Prunus domestica subsp. italica) | April – Mai | • Große Grüne Reneklode ↔ Graf Althans |
| Schlehe (Prunus spinosa) | März – April | • Selbstfruchtbar, kann aber Pflaumen teilweise bestäuben |
| Pfirsich (Prunus persica) | März – April | • Meist selbstfruchtbar, aber mehrere Bäume erhöhen den Ertrag |
| Aprikose (Prunus armeniaca) | März – April | • Meist selbstfruchtbar • Bergeron ↔ Ungarische Beste verbessert den Ertrag |
| Mandelbaum (Prunus dulcis) | März – April | • Selbstfruchtbare Sorten: Tuono, Supernova • andere benötigen Bestäuber |
| Haselnuss (Corylus avellana) | Februar – März | • Hallesche Riesen ↔ Webbs Preisnuss |
| Mispel (Mespilus germanica) | Mai – Juni | • Meist selbstfruchtbar |
5 Tipps für bessere Obstbaum-Bestäubung
1. Passende Bestäubungspartner für Obstbäume wählen
Viele Obstbäume wie Apfel, Birne oder Süßkirsche sind Fremdbefruchter. Damit die Bestäubung gelingt, sollten im Garten zwei Sorten stehen, die zueinander passen und zur gleichen Zeit blühen. Ohne den richtigen Partner bleibt die Befruchtung aus und damit auch die Ernte.
💡Aufgepasst! Zur Unterstützung der Befruchtung können während der Blütezeit einige blühende Zweige einer passenden Bestäubersorte in einem Eimer mit Wasser direkt unter dem Obstbaum aufgestellt werden.
2. Insekten aktiv zur Bestäubung anlocken
Bestäubung funktioniert nur, wenn auch ausreichend Bestäuberinsekten im Garten unterwegs sind. Mit bienenfreundlichen Pflanzen in der Nähe der Obstbäume, wie Lavendel, Thymian oder Wildblumen, lässt sich die Zahl der Insekten deutlich erhöhen.
3. Den Garten bienenfreundlich pflegen
Ohne Insekten keine Bestäubung. Vermeide chemische Spritzmittel und gestalte deinen Garten naturnah. Je mehr Lebensraum du Hummeln, Bienen und Schwebfliegen bietest, desto zuverlässiger gelingt die Befruchtung der Obstbaumblüten.
4. Frühblühende Obstbäume gezielt unterstützen
Sorten wie Pfirsich oder Aprikose blühen oft sehr früh. Zu einer Zeit, in der kaum Insekten fliegen. Hier helfen Frühblüher im Beet oder das Aufstellen eines Insektenhotels, um die Bestäubung der Obstbäume im Frühjahr zu fördern.
5. Standortbedingungen optimieren
Damit die Bestäubung der Obstblüten erfolgreich ist, sollten die Bäume sonnig und windgeschützt stehen. Kühle, schattige Plätze verzögern die Blüte und halten Insekten fern. Ein warmer Standort erhöht die Chance auf eine sichere Befruchtung.






