Feuerbrand gehört zu den gefürchtetsten Krankheiten an Apfel, Birne und anderen Kernobstgehölzen. Das Bakterium breitet sich schnell aus, lässt Blüten und Triebe innerhalb kurzer Zeit absterben und kann besonders junge oder stark befallene Gehölze schwer schädigen.
Ein Blütenzweig hängt plötzlich schwarz und schlaff herab, als wäre er verkohlt. Dabei stand er tags zuvor noch in voller weißer Blüte. Auf den ersten Blick erinnert das an Frost, Trockenheit oder eine andere Pflanzenkrankheit. Steckt jedoch Feuerbrand dahinter, zählt jeder Tag. Denn je früher Erwinia amylovora erkannt wird, desto eher kann verhindert werden, dass sich der Befall im Baum und auf benachbarten Wirtspflanzen ausbreitet. Doch woran lässt sich Feuerbrand sicher erkennen und was ist bei einem Verdacht zu tun?
Warum sich Feuerbrand so rasant ausbreitet
Feuerbrand wird durch das hochinfektiöse Bakterium Erwinia amylovora verursacht. Damit sich das Bakterium explosionsartig vermehren kann, benötigt es feucht-warme Bedingungen mit Temperaturen über 18 °C in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit oder Regen.
Übertragen werden sie durch Insekten, Regentropfen und Wind. Auch an den eigenen Händen oder an einer Gartenschere haften die Bakterien und gelangen so von einer kranken auf eine gesunde Pflanze. Fällt ein warmer Guss mitten in die Blütezeit, verwandelt sich ein Baum manchmal binnen weniger Tage vom Blütentraum zum Sorgenkind.
Welche Folgen hat Feuerbrand?
Erwinia amylovora kann nicht durch eine intakte, gesunde Rinde eindringen. Es nutzt stattdessen den Zugang über Blüten, verletzte Rinde oder über zarte Spaltöffnungen junger Triebe. Sobald das Bakterium in die Pflanze gelangt, dringt es in die Leitungsbahnen ein. Dort blockiert es den Wasser- und Nährstofftransport, was dazu führt, dass Blätter und Triebe rasant vertrocknen und sich schwarz verfärben. Eine infizierte Pflanze kann durch Feuerbrand zügig sterben.
So erkennen Sie Feuerbrand

Am auffälligsten sind die Triebspitzen. Sie biegen sich durch den Wasserverlust hakenförmig nach unten wie ein kleiner Gehstock im Blattwerk, weshalb sich auch die Namen Hirtenstab oder Spazierstocksymptom eingebürgert haben. Blüten und Blätter kippen dabei rasch ins Dunkelbraune bis Schwarze und wirken, als wären sie verbrannt. Anders als bei den meisten Pilzkrankheiten fallen diese toten Blätter nicht ab, sondern bleiben bis weit in den Winter hinein wie vertrocknete Fahnen am Zweig hängen.
💡 Tipp: Bei feucht-warmer Witterung tritt an den wunden Stellen zusätzlich ein milchig-weißer, klebriger Bakterienschleim aus, der in der Sonne eintrocknet und sich bräunlich verfärbt. Im Winter verraten eingesunkene, rissige Rindenstellen den Befall, darunter schimmert das Holz rötlich-braun.
Diese Pflanzen gehören zu den Wirtspflanzen
Zu den Hauptwirten gehören die Kernobstgewächse Apfel, Birne und Quitte, wobei sich der Bakterienschleim bei der Quitte zuerst gern an den Blüten zeigt. Unter den Heckenpflanzen erwischt es vor allem Weißdorn und Rotdorn. Beide stehen oft am Wegesrand oder als Windschutz und werden dadurch schnell zum Ausgangspunkt für neue Befallsherde.
Ähnlich anfällig zeigen sich Feuerdorn und Zierquitte. Bei Eberesche und Mehlbeere werden schon die Herbstbeeren faulig und dunkel, sobald der Erreger zuschlägt. Auf der Wirtsliste stehen außerdem Felsenbirne und Zwergmispel, wobei Letztere bei manchen Sorten besonders empfindlich reagiert.
Auch die Glanzmispel gehört dazu, wobei einzelne Sorten ähnlich empfindlich reagieren wie die Zwergmispel. Steht eine Glanzmispel-Hecke im Garten, lohnt sich also ein zweiter Blick. Meist steckt dahinter allerdings die harmlosere Blattbräune und kein echter Feuerbrand.
💡 Tipp: Kirsche, Pflaume und anderes Steinobst gehören dagegen nicht zu den Wirtspflanzen. Auch Rosen werden nicht von Feuerbrand befallen. Und auch die braunen oder gelochten Blätter von Kirschlorbeer gehen fast immer auf die Schrotschusskrankheit oder auf bakterielle Flecken zurück, beides eigene Erkrankungen ohne Verbindung zum Feuerbranderreger.
Feuerbrand Verwechslungen
Bedeutet jedes braune Blatt gleich Feuerbrand? Nicht wirklich, und hier tappen viele Gartenbesitzer in die Falle.

- Blattbräune: Besonders an der Glanzmispel sorgt die weitverbreitete Blattbräune für rostrote, krustige Flecken auf dem Laub. Ausgelöst wird sie vom Pilz Entomosporium, mit dem Bakterium hat sie also nichts zu schaffen.
- Mehltau und Apfelschorf: Auch Mehltau und Apfelschorf verursachen an Glanzmispel und Kernobst ein ähnlich alarmierendes Bild auf den Blättern, bleiben aber harmlos.
- Monilia-Spitzendürre, Obstbaumkrebs und Obstbaumbrand: An Birne und Quitte tritt außerdem die Monilia-Spitzendürre zum Verwechseln ähnlich auf, ebenso wie Obstbaumkrebs oder ein Besuch der Birnentriebwespe. Auch der sogenannte Bakterienbrand, verursacht durch das Bakterium Pseudomonas syringae, lässt sich äußerlich kaum von echtem Feuerbrand unterscheiden. Hier hilft am Ende nur eine Laboruntersuchung weiter.
- Frost, Trockenheit oder Spritzschäden: Dazu kommen ganz gewöhnliche Ursachen wie Frost, Trockenheit oder Spritzschäden durch Unkrautvernichter, die häufig nach langen Trockenphasen mit anschließendem Regen gehäuft auftreten.
Ein einfacher Schnitt am Übergang von krankem zu gesundem Holz verrät etwas über die Ursache. Bei Pilzbefall bleibt die Schnittstelle meist trocken und scharf, bei einer bakteriellen Infektion dagegen feucht und verwaschen.
💡 Tipp: Die bakterielle Krankheit Feuerbrand ist zu erkennen, wenn totes Laub am Zweig kleben bleibt, sich die Triebspitze wie ein Gehstock krümmt und bei feuchtem Wetter Bakterienschleim austritt. Fallen die Blätter dagegen ab oder zeigen einzelne runde Flecken, kann ein Pilz die Ursache für Verfärbungen sein.
Ist Feuerbrand meldepflichtig?
Seit Herbst 2023 gilt für den eigenen Garten in Deutschland keine Meldepflicht mehr. Der Erreger hat sich im Land längst so weit ausgebreitet, dass eine Ausrottung nicht mehr realistisch ist. Die Vorschrift greift deshalb nur noch bei Baumschulen und größeren Obstanlagen, wo neue Infektionen über den Pflanzenhandel in bisher verschonte Gegenden wandern könnten.
Ein Anruf beim Pflanzenschutzamt oder der Landwirtschaftskammer bleibt trotzdem eine gute Geste, sobald sich der Verdacht erhärtet. So behält die Kreisfachberatung den Überblick über die Lage in der Region.
💡 Tipp: Gärtnerinnen und Gärtner in Österreich und der Schweiz schauen am besten bei ihrem eigenen Landwirtschaftsamt vorbei. Dort gelten teils andere Regeln hin zu Handelsverboten für einzelne Sorten.
Feuerbrand bekämpfen
Eine echte Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln für den Haus- und Kleingarten gibt es nicht, da keine zugelassenen Produkte in Deutschland erhältlich sind. Was tatsächlich hilft, ist der radikale Rückschnitt befallener Triebe und die richtige Hygiene.
- Betroffene Äste großzügig zurückschneiden, mindestens 40 cm tief ins nachweislich gesunde Holz, denn jeder verbliebene Rest treibt die Krankheit weiter. Zeigt sich auch dort noch eine bräunliche Ader, wird noch tiefer geschnitten. Bei starkem, flächigem Befall bleibt oft nur die vollständige Rodung.
- Die Schere nach jedem Schnitt gründlich mit hochprozentigem Alkohol (70%) abreiben, sonst wandert das Bakterium mit dem nächsten Schnitt direkt ins gesunde Holz.
- Das Schnittgut sofort in reißfeste Säcke packen und über den Restmüll entsorgen, oder, wo die Gemeinde es zulässt, gleich vor Ort verbrennen.
💡 Tipp: Häckseln oder Kompostieren von befallenem Schnittgut trägt die Bakterien munter weiter und bleibt deshalb tabu.
Feuerbrand vorbeugen
Weil im Kleingarten keine Spritzmittel gegen Feuerbrand helfen, zählt bei der Vorbeugung jede einzelne Maßnahme.
- Widerstandsfähige Sorten wählen, etwa ‚Rewena‘, ‚Reanda‘ oder ‚Retina‘ beim Apfel, ‚Harrow Sweet‘ bei der Birne
- Genug Abstand zwischen den Kronen lassen, damit Blätter und Blüten nach Regen schneller abtrocknen
- Anfällige Wirtspflanzen wie Apfel, Weißdorn oder Cotoneaster nicht dicht nebeneinander pflanzen, sonst springt ein Befall leicht über
- Im Winter schneiden statt während des aktiven Wachstums, dann heilen Wunden ab, bevor die nächste Blütezeit neue Eintrittspforten öffnet
- Zur Blütezeit regelmäßig kontrollieren, ein früh entdeckter Trieb kostet oft nur einen Ast statt der ganzen Krone
- Werkzeuge sauber halten, schon bevor ein Befall auftritt
- Stickstoff zurückhaltend düngen, Kali ausreichend dosieren, das stärkt die Widerstandskraft

Autoren-Kommentar von Kathrin Gehring
💡 Feuerbrand im Apfel- und Birnenbaum
Aus meiner Erfahrung kommen ältere Apfelbäume mit Feuerbrand oft besser zurecht als junge, stark wachsende Bäume. Werden kranke Triebe frühzeitig weit genug ins gesunde Holz zurückgeschnitten, erholt sich der Baum danach oft wieder gut.
Bei jungen Apfelbäumen breitet sich die Krankheit dagegen leichter weiter aus. Noch empfindlicher reagieren Birnbäume. Dort gelingt es dem Baum seltener, den Befall selbst einzugrenzen, weshalb meist großzügiger zurückgeschnitten werden muss.
Häufige Fragen zu Feuerbrand
Ist Feuerbrand noch meldepflichtig?
Nein, seit Herbst 2023 besteht für den eigenen Garten in Deutschland keine gesetzliche Meldepflicht mehr. Eine freiwillige Meldung an das Pflanzenschutzamt oder die Landwirtschaftskammer ist trotzdem empfehlenswert.
Was tun, wenn Sie Feuerbrand an Ihren Pflanzen feststellen?
Befallene Triebe sofort mindestens 20 bis 50 cm ins gesunde Holz zurückschneiden, die Schere nach jedem Schnitt mit hochprozentigem Alkohol abreiben und das Schnittgut über den Restmüll entsorgen statt zu kompostieren.
Bekommt die Glanzmispel wirklich Feuerbrand?
Ja, Glanzmispel zählt zu den offiziellen Wirtspflanzen und reagiert bei einigen Sorten sogar besonders empfindlich. Häufiger als echter Feuerbrand zeigt sich an ihr allerdings die harmlosere Blattbräune.
Was tun, wenn die Pflanze stark befallen ist?
Ist die Pflanze bereits stark am Stamm oder an Hauptästen befallen, hilft meist nur noch das komplette Roden (Ausgraben) des Baumes, um die Nachbarpflanzen vor einer Ansteckung zu schützen.
Warum sind bakterielle Erkrankungen schlimmer als Pilze?
Während Pilzerkrankungen (wie Mehltau oder Schorf) häufig gut mit Fungiziden behandelt werden, gibt es gegen Bakterien im Pflanzenreich keine wirksamen, zugelassenen Mittel. Daher kann Feuerbrand einen gesunden Baum innerhalb einer einzigen Saison komplett vernichten.







