Ein Zierapfel nährt im Frühling Bienen, im Winter Vögel und hilft nebenbei sogar benachbarten Apfelbäumen zu einer besseren Ernte. Sechs Sorten zeigen, wie unterschiedlich er wächst, von der niedrigeren Hängeform bis zur Krone, die sich bis zu fünf Meter ausbreitet.

Im April verschwindet die Krone eines Zierapfelbaums (Malus) fast unter ihren Blüten, denn die weißen bis rosafarbenen Büschel sitzen so dicht an den Zweigen, dass vom Holz kaum etwas zu sehen ist. Von Weitem wirkt der Baum wie eine helle Wolke im Beet. Nach der Blüte setzt er kirschgroße Früchte an, die sich im Herbst gelb, orange oder tiefrot färben und bei vielen Sorten noch zwischen den kahlen Ästen leuchten, wenn das Laub längst am Boden liegt. Als Zierbaum gibt sich der Zierapfel dabei genügsam, sofern er einen sonnigen Platz bekommt und in den ersten beiden Standjahren regelmäßig Wasser erhält.

Pflanzenfamilie und Herkunft

Im Kern gehört der Zierapfel zur Gattung Malus und damit zur großen Familie der Rosengewächse (Rosaceae), genau wie Kulturäpfel, Kirschen oder Weißdorn. Hinter den heutigen Sorten steckt allerdings nicht nur eine einzige Wildart. Viele Zierapfelbäume sind Hybriden, in die verschiedene Malus-Arten eingeflossen sind. Dazu gehören unter anderem der Beerenapfel (Malus baccata) und der Vielblütige Apfel (Malus floribunda). Genau das erklärt auch, warum Zieräpfel heute so unterschiedlich aussehen.

💡 Tipp: Ist der Zierapfel essbar oder giftig?
Zieräpfel sind nicht giftig. Der Geschmack fällt bei den meisten Sorten kräftig säuerlich bis herb aus und lädt daher selten zum puren Naschen ein. Dafür eignen sich die Früchte gut für Gelee oder Konfitüre. Bei den Kernen gilt jedoch dieselbe Regel wie beim Kulturapfel. Sie enthalten Stoffe, die beim Zerkauen Blausäure freisetzen. Ein einzelner verschluckter Kern richtet keinen Schaden an, erst große zerkaute Mengen bergen ein Risiko. Fallobst gärt zudem rasch und bekommt hauptsächlich Hunden schlecht, weshalb sich das zügige Aufsammeln lohnt. 

Zierapfel-Sorten Übersicht

Zwischen dem Zwerg im Kübel und dem Kleinbaum mit ausladender Krone liegen beim Zierapfel Welten, und trotzdem stehen beide im Frühjahr in weißer oder rosa Blüte. Am eigenwilligsten wächst die Hängeform, denn ihre Zweige fallen weich nach unten, und Blüten und Früchte sitzen wie an einer Girlande entlang der Triebe.

Gelber Zierapfel ‘Butterball‘ mit breiter Krone

Zierapfel ‘Butterball' (Malus 'Butterball‘)
Zierapfel ‘Butterball‘ (Malus ‚Butterball‘) | © Baumschule Horstmann

Der Gelbe Zierapfel ‘Butterball‘ benötigt Platz, denn seine Krone wächst bis zu fünf Meter breit und locker. Damit passt er in größere Vorgärten, auf offene Wiesen und auf die Streuobstwiese. Im Frühjahr sitzt die Krone voller heller Blüten, später leuchten goldgelbe Früchte zwischen dem Laub. Sie sind essbar und bleiben bis weit in den Winter am Baum.

Zierapfel ‘Butterball‘ (Malus ‚Butterball‘)
Wuchshöhe:400 bis 600 cm
Wuchsbreite:350 bis 500 cm
Blütezeit:April bis Mai
Standort:Sonnig bis halbschattig
Boden:frisch bis feucht und durchlässig
Besonderheit:gilt als robust gegenüber Schorf und Mehltau
» Mehr Bilder und Daten anzeigen

Tiefroter Zierapfel ‘Red Sentinel‘ als Kleinbaum

Zierapfel ‘Red Sentinel‘
Zierapfel ‘Red Sentinel‘ (Malus ‘Red Sentinel‘) | © Baumschule Horstmann

Beim tiefroten Zierapfel ‘Red Sentinel‘ sind es vorwiegend die Früchte, die den Blick festhalten. Die kleinen, kirschgroßen Äpfel färben sich tiefrot und bleiben lange an den Zweigen hängen. Im Winter werden sie gern von Vögeln gefressen, aber auch auf dem eigenen Teller machen sie sich gut. In England gelten sie sogar als feine Beilage zu Fleischgerichten, und dank ihres hohen Pektingehalts gelingen daraus ebenso Gelee, Marmelade oder ein veredelter Most.

Zierapfel ‘Red Sentinel‘ (Malus ‘Red Sentinel‘)
Wuchshöhe:400 bis 500 cm
Wuchsbreite:250 bis 350 cm
Blütezeit:Mai
Standort:Sonne bis Halbschatten
Boden:Normaler Gartenboden
Besonderheit:Leuchtend rote Zieräpfel, robust gegenüber Apfelschorf
» Mehr Bilder und Daten anzeigen

Rot-oranger Zierapfel ‘Evereste‘ als Kleinbaum

Zierapfel ‘Evereste‘ (Malus ‘Evereste‘)
Zierapfel ‘Evereste‘ (Malus ‘Evereste‘) | © Baumschule Horstmann

Der rot-orange Zierapfel ‘Evereste‘ verbindet Zierwert und Nutzen auf natürliche Weise. Aus kräftig roten Knospen öffnen sich weiß-rosa Blüten, später folgen orange bis rot gefärbte Früchte. Gleichzeitig liefert der Zierapfelbaum reichlich Pollen. In Gärten mit Zier- und Obstgehölzen fügt sich ‘Evereste‘ deshalb besonders stimmig ein.

Zierapfel ‘Evereste‘ (Malus ‘Evereste‘)
Wuchshöhe:400 bis 600 cm
Wuchsbreite:300 bis 500 cm
Blütezeit:Anfang Mai bis Mitte Juni
Standort:Sonne bis Halbschatten
Boden:Normaler, lockerer, durchlässiger Boden
Besonderheit:Kleine Zieräpfel, insektenfreundlich, Blüte weiß mit rosa Streifen
» Mehr Bilder und Daten anzeigen

Säulen-Zierapfel ‘Red Obelisk‘ mit schmaler Krone

Zierapfel ‘Red Obelisk‘ (Malus ‘Red Obelisk‘)
Zierapfel ‘Red Obelisk‘ (Malus ‘Red Obelisk‘) | © Baumschule Horstmann

Für schmale Vorgärten oder Grundstücksgrenzen eignet sich der Säulen-Zierapfel ‘Red Obelisk‘. Er wächst aufrecht in die Höhe und bleibt mit regelmäßigem Schnitt etwa 1,5 bis 2 Meter breit. Im Frühjahr zeigt sich der Austrieb bronzefarben, danach öffnen sich rosafarbene Knospen zu hellen Blüten. Später hängen rote Früchte an den Zweigen. So bringt ‘Red Obelisk‘ Farbe und Struktur in schmale Gartenbereiche, ohne mit einer breiten Krone viel Platz einzunehmen.

Zierapfel ‘Red Obelisk‘ (Malus ‘Red Obelisk‘)
Wuchshöhe:400 bis 600 cm
Wuchsbreite:150 bis 200 cm
Blütezeit:Mai bis Juni
Standort:Sonnig bis halbschattig
Boden:Frisch bis feuchter Boden
Besonderheit:Säulenförmiger Wuchs, rote Herbstfärbung, Vogelnährgehölz
bienenfreundliche Blüte
» Mehr Bilder und Daten anzeigen

Hängender Zierapfel ‘Fontana‘ mit Zwergwuchs

Hängender Zierapfel ‘Fontana‘ (Malus ‘Fontana‘)
Zierapfel ‘Fontana‘ (Malus ‘Fontana‘) | © Baumschule Horstmann

Ganz anders zeigt sich der Hängende Zierapfel ‘Fontana‘. Seine Zweige richten sich nicht nach oben, sondern fallen weich nach unten. Mit rund 1,2 bis 1,5 Metern Höhe bleibt er klein und eignet sich dadurch gut für Mauerkanten, erhöhte Beete oder kleine Vorgärten. Weiße Blüten und rote Früchte sitzen entlang der überhängenden Triebe und kommen dort besonders schön zur Geltung, wo die Zweige frei herabfallen dürfen.

Zierapfel ‘Fontana‘ (Malus ‘Fontana‘)
Wuchshöhe:120 bis 150 cm
Wuchsbreite:80 bis 100 cm
Blütezeit:April bis Mai
Standort:Sonne
Boden:Frischer, feuchter Boden
Besonderheit:Schirmförmiger überhängender Zierapfel, bienenfreundlich, Vogelnährgehölz
» Mehr Bilder und Daten anzeigen

Zwerg-Zierapfel ‘Pomzai‘ ® (Bonsai-Apfel)

Bonsai-Apfel / Zwerg-Zierapfel ‘Pomzai‘ ® (Malus ‘Pomzai‘ ®)
Bonsai-Apfel / Zwerg-Zierapfel ‘Pomzai‘ ® (Malus ‘Pomzai‘ ®) | © Baumschule Horstmann

Auch auf Balkon oder Terrasse findet ein kleinwüchsiger Zierapfel seinen Platz. Der Zwerg-Zierapfel ‘Pomzai‘ ® bleibt mit rund 1,5 Metern Höhe kompakt. Aus leuchtend roten Knospen öffnen sich weiße Blüten, später folgen orangefarbene Früchte, die lange an den Zweigen haften. Gegenüber Feuerbrand, Mehltau und Apfelschorf zeigt sich diese Sorte auffällig robust und gehört damit zu den resistentesten Zieräpfeln. In einem ausreichend großen Kübel (mindestens 40 Zentimeter Durchmesser, idealerweise 50 bis 70 Liter) entwickelt sich so ein kleiner Zierbaum, der vom Frühjahr bis in den Winter hinein immer wieder neue Akzente setzt.

Zwerg-Zierapfel ‘Pomzai‘ ® (Malus ‘Pomzai‘ ®)
Wuchshöhe:120 bis 150 cm
Wuchsbreite:80 bis 100 cm
Blütezeit:April bis Mai
Standort:Sonne bis Halbschatten
Boden:Humos, lehmhaltig, durchlässig
Besonderheit:Früchte haften bis in den Winter hinein, Bienennährgehölz
» Mehr Bilder und Daten anzeigen

Zierapfel pflanzen

Containerware lässt sich außerhalb von Frostperioden fast das ganze Jahr pflanzen. Die beste Pflanzzeit für einen Zierapfel liegt jedoch im Herbst und im zeitigen Frühjahr, denn dann ist der Boden ausreichend feucht und der junge Baum wächst leichter an.

Standort

Zieräpfel blühen und fruchten am üppigsten in voller Sonne, vertragen aber auch Halbschatten.

Pflanzabstand an der Krone bemessen!
Beim Pflanzabstand entscheidet primär die spätere Kronenbreite. Großwüchsige, ausladende Sorten benötigen als Solitär ausreichend Abstand zu Gebäuden und anderen Gehölzen, damit sich die Krone frei entfaltet.

Boden

Ein durchlässiger, mäßig nährstoffreicher Boden reicht dem Zierapfel völlig aus. Staunässe verträgt er schlecht, schwere Lehmböden lassen sich daher am besten mit Sand oder Kompost auflockern. Bei einer Kübelpflanzung sorgt eine Drainageschicht aus Blähton oder Kies am Topfboden dafür, dass überschüssiges Gießwasser abzieht.

Pflanzanleitung Schritt für Schritt

  1. Pflanzloch etwa doppelt so groß wie der Wurzelballen ausheben und den Aushub mit Kompost anreichern
  2. Wurzelballen wässern, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen
  3. Zierapfel so tief einsetzen, wie er ursprünglich im Topf stand
  4. Erde einfüllen, leicht antreten und großzügig angießen
  5. Bei jungen Hochstämmen einen Pfahl setzen und den Stamm locker anbinden
  6. Eine Mulchschicht aus Rindenhäcksel oder Laub um den Wurzelbereich verteilen

Pflanzpartner

Frühlingsblüher wie Krokusse oder Narzissen setzen unter dem Zierapfel schon Farbakzente, bevor die eigene Blüte einsetzt, und stören die Wurzeln durch ihre geringe Wuchstiefe kaum. Storchschnabel und Katzenminze schließen mit ihrer langen Blütezeit die Lücke, sobald der Zierapfel selbst verblüht ist, und locken zusätzlich Bienen und Hummeln an. Für schmal wachsende Säulenformen eignet sich außerdem eine Kombination mit einer blühenden Hecke entlang der Grundstücksgrenze.

💡 Tipp: Ein Zierapfel bestäubt die Apfelbäume der Nachbarschaft, sofern die Blütezeiten übereinstimmen. ‘Evereste‘ blüht von Anfang Mai bis Mitte Juni und liefert reichlich Pollen, den Bienen und Hummeln von Baum zu Baum tragen. Obstbäume in der Nähe setzen dadurch mehr Früchte an.

Zierapfel pflegen

Gießen

In den ersten beiden Standjahren braucht ein frisch gepflanzter Zierapfel regelmäßig Wasser, denn seine jungen Wurzeln reichen bislang nicht tief ins Erdreich. Ist die oberste Erdschicht richtig angetrocknet, wird zur Gießkanne oder zum Gartenschlauch gegriffen. Ein niedriger Ring aus Erde rund um den Stamm hält das Gießwasser zurück. So sickert es langsam dort ein, wo die Wurzeln sitzen, und läuft nicht über die Oberfläche weg.

Ist der Baum eingewachsen, versorgt er sich selbst mit Wasser aus den tieferen Bodenschichten. Nur in langen Trockenperioden bekommt er zusätzlich Wasser.

💡 Tipp: Im Kübel gilt das nicht, denn dort fehlt der tiefe Wasserspeicher im Boden. Sobald die oberste Erdschicht abgetrocknet ist, benötigt der Zierapfel Wasser, im Hochsommer entsprechend häufiger, und am liebsten kalkarmes Regenwasser.

Düngen

Als genügsamer Baum braucht der Zierapfel wenig. Im zeitigen Frühjahr, kurz vor der Blüte, genügt eine Gabe reifen Komposts rund um den Stamm oder ein organischer Langzeitdünger, der seine Nährstoffe über Wochen abgibt. Alternativ eignet sich ein kaliumbetonter Obstbaumdünger. Stark stickstoffbetonter Dünger bleibt dagegen besser im Regal, denn er treibt weiches Blattgrün, das Pilzkrankheiten und Feuerbrand mehr Angriffsfläche bietet.

Im Kübel wäscht jeder Guss Nährstoffe aus der Erde, daher bekommt der Zierapfel dort von April bis Juli alle zwei bis vier Wochen verdünnten Flüssigdünger. Ab August entfällt die Gabe, damit die Triebe vor dem Winter ausreifen.

Dehner Bio Obstbaumdünger, hochwertiger Dünger für…
  • Hochwertiger, organischer NPK-Dünger 6+4+8
  • Aktives Bodenleben dank Regenwurm-Humus und Malzkeimen
  • Für ein gesundes Wachstum und eine reiche Ernte an Obst

Schneiden

Beim Zierapfel schneiden reichen wenige Handgriffe aus. Nur in den ersten Standjahren formt ein Erziehungsschnitt das Kronengerüst, danach genügt gelegentliches Auslichten. Dabei kommen sich kreuzende und nach innen wachsende Äste heraus, sodass Luft und Licht bis ins Innere des Zierapfelbaums reichen. Das beugt Pilzkrankheiten wie Apfelschorf vor, denn Blätter in einer gut belüfteten Krone sind widerstandsfähiger.

Der Spätwinter eignet sich für den stärkeren Auslichtungsschnitt, ein leichter Formschnitt gelingt auch direkt nach der Blüte. Die Blüten sitzen an Fruchtspießen der vorjährigen Triebe, daher kostet ein kräftiger Schnitt im Spätwinter einen Teil der Blüte im Frühjahr. Das Vorgehen entspricht dem Obstbaumschnitt.

Soll der Zierapfelbaum klein bleiben, verkürzt ein leichter Schnitt direkt nach der Blüte jedes Jahr die Triebspitzen. Ein kleiner Schnitt im Jahr schont den Baum mehr als ein radikaler Rückschnitt alle paar Jahre, der viele senkrechte Wasserschosse treibt.

💡 Tipp: Kleinwüchsige Hänge- und Zwergformen behalten ihre kompakte Form meist von selbst und kommen fast ohne Schnitt aus. Bei der Säulenform werden lediglich einzelne Seitentriebe entfernt, um ihre schmale Silhouette zu erhalten.

Überwintern

Ausgepflanzte Zieräpfel sind äußerst winterhart und benötigen außer einer Mulchschicht im ersten Standjahr keinen Schutz. Im Kübel dagegen frieren die Wurzeln leichter durch, daher werden die Kübel in Vlies oder Jute eingewickelt und an eine geschützte Hauswand gestellt.

Zierapfel ernten

Je nach Sorte beginnt die Ernte bereits im August oder September. Reife Zieräpfel zeigen ihre typische Farbe und lösen sich mit einer Drehung leicht vom Zweig. Viele Sorten bleiben jedoch noch lange am Baum und lassen sich bis in den November hinein ernten. Für Kränze, Gestecke oder die herbstliche Tischdeko darf ruhig ein kleiner Zweig samt Früchten abgeschnitten werden. Einzelne Zieräpfel lassen sich aber ebenso problemlos pflücken. 

Zierapfel vermehren

Für die Vermehrung stehen grundsätzlich zwei Wege offen, wobei nur einer davon einen sortenechten Zierapfel garantiert.

Zierapfel veredeln

Um einen Zierapfel sortenecht zu vermehren, kommt nur die Veredelung infrage. Dafür bringt ein Edelreis, ein einjähriger Trieb des Wunschbaums, die Sorteneigenschaften mit, die Apfelunterlage aus der Obstbaumschule liefert die Wurzeln und bestimmt zugleich, wie kräftig der Baum wächst. Für Kübel und kleine Zieräpfel eignen sich schwach wachsende Unterlagen wie M9 oder M26, MM106 treibt kräftiger. In der Baumschule gibt es den besten Rat für sein eigenes Vorhaben.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Youtube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Im Video ist zu sehen, wie Reiser und Unterlage aufeinandergesetzt werden.

Autoren-Kommentar von M. Liebeskind

💡 Tipp

Ich schneide das Edelreis immer gegenüber einem Auge an, damit das Auge nach dem Aufsetzen nach außen zeigt. Meist treibt das oberste Auge zuerst aus, daher bleibt es beim Kürzen des Reises besser unversehrt.

  1. Ende Dezember bis Januar an einem frostfreien Tag einen gesunden, einjährigen Trieb (Edelreis) vom Wunschbaum schneiden, solange die Knospen fest geschlossen sind
  2. Das Edelreis in ein feuchtes Tuch wickeln und bis zum Frühjahr bei etwa 2 bis 5 °C im Kühlschrank oder in einem kühlen, frostfreien Keller lagern
  3. Zwischen Februar und März die bewurzelte Unterlage auf 15 bis 20 Zentimeter einkürzen und das Edelreis auf vier Knospen
  4. Beide Teile mit einem sehr scharfen, sauberen Messer schräg auf etwa 4 Zentimeter anschneiden, am besten bei gleich dicken Trieben
  5. Die Schnittflächen so aufeinanderlegen, dass die grünen Kambiumschichten unter der Rinde aufeinandertreffen, die Stelle fest mit Veredelungsband oder Bast umwickeln
  6. Die obere Schnittstelle vom Edelreis mit Baumwachs einstreichen
  7. Ab März, bei milden Temperaturen, kann der Baum augespflanzt werden
  8. Nach dem Austrieb jeden Trieb unterhalb der Veredelungsstelle entfernen

Am Kambium scheitern die meisten Veredelungen, denn schon wenige Millimeter Versatz genügen, und Unterlage und Reis wachsen nicht zusammen. Das zeigt, wie anspruchsvoll es ist, einen Zierapfel zu veredeln, doch wenn es einmal geklappt hat, gelingt es auch bei anderen Gehölzen.

💡 Tipp: M9, M26 und MM106 aus einem Kern selber ziehen?
Das funktioniert nicht, denn diese Unterlagen sind reine Klone. Das bedeutet, dass sie über Triebe einer Mutterpflanze vermehrt wurden, um ihre Wuchseigenschaften exakt zu kopieren.

Zierapfel aussäen

Einen Zierapfel aus dem Kern ziehen? Na klar, das klappt. Ein Klon der Mutterpflanze entsteht dabei allerdings nicht, denn der Sämling trägt zur Hälfte das Erbgut eines Pollenspenders aus der Nachbarschaft in sich. Wuchs, Blüte und Früchte fallen daher oft ganz anders aus als bei der veredelten Mutterpflanze, und darin liegt doch auch der Reiz.

Zieräpfel sind Kaltkeimer, denn erst ein Winter im Kühlschrank bricht die Keimruhe.

  1. Im Herbst die Kerne aus vollreifen Früchten gewinnen, das Fruchtfleisch abspülen und die Kerne einige Tage an einem luftigen Ort trocknen
  2. Die Kerne mit feuchtem Sand mischen und zwei bis drei Monate bei etwa 2 bis 8 °C im Kühlschrank lagern, der Sand bleibt dabei leicht feucht
  3. Sobald sich kleine Wurzeln zeigen, die Kerne etwa 1 cm tief in Töpfe mit Anzuchterde setzen und gleichmäßig feucht halten
  4. Die ersten Keimlinge erscheinen nach mehreren Wochen
  5. Bei etwa 10 cm Höhe die jungen Pflanzen in größere Töpfe umsetzen

Geduld gehört dazu, denn bis ein Sämling zum ersten Mal blüht, vergehen mehrere Jahre. Als Experiment lohnt sich das trotzdem, für eine bestimmte Wunschsorte dagegen nicht, denn dafür bleibt nur die Veredelung.

Krankheiten und Schädlinge

Zwar gilt der Zierapfel als robust, doch ganz von Krankheiten und Schädlingen wird er nicht verschont.

  • Am häufigsten werden Zieräpfel vom Apfelschorf geplagt. Das ist eine Pilzkrankheit, die sich durch olivgrüne bis braune Flecken auf Blättern und Früchten zeigt. Mehrere der hier vorgestellten Sorten, allen voran die gelb- und rotfrüchtigen Typen, gelten jedoch als robust gegenüber diesem Pilz, weshalb sich das Risiko schon bei der Sortenwahl senken lässt. Bei der Bekämpfung von Apfelschorf hilft vorwiegend das Entfernen von befallenem Laub und Fallobst im Herbst, damit sich die Pilzsporen im Folgejahr nicht erneut ausbreiten.
  • Feuerbrand befällt Kernobst und einige Ziergehölze, darunter Weißdorn und Zwergmispel, also auch den Zierapfel. Blüten und Blätter verfärben sich rötlich-braun bis schwarz und bleiben am Trieb hängen, die jungen Triebspitzen krümmen sich hakenförmig nach unten, und bei feuchtwarmer Witterung treten farblose bis bernsteinfarbene Schleimtropfen aus. Zu sehen ist das meist ab Abschluss der Blüte. Frisch befallene Triebe werden bei trockenem Wetter großzügig 20 bis 50 Zentimeter ins gesunde Holz herausgeschnitten und im Hausmüll entsorgt.
  • Echter Mehltau zeigt sich durch einen mehligen, weißen Belag auf jungen Blättern und Trieben und tritt besonders bei feuchtwarmer Witterung auf. Ein luftiger Kronenaufbau beugt dem Pilz vor.
  • Bei den tierischen Schädlingen zeigt sich hauptsächlich die Apfel-Gespinstmotte gelegentlich am Zierapfel, deren Raupen im Frühjahr ganze Zweigspitzen mit einem feinen Gespinst überziehen und den Baum kahl fressen. Ein beherztes Absammeln der Gespinste im frühen Larvenstadium reicht in den meisten Hausgärten bereits aus, um den Befall einzudämmen. Auch Blattläuse können auftreten, doch diese sind meist harmlos.

Mutter, Hundebesitzerin und leidenschaftliche Hobbygärtnerin. Schon als Kind habe ich gemeinsam mit meinen Eltern den heimischen Garten bewirtschaftet und mich für dessen Gestaltung interessiert. Jetzt besitze ich meinen eigenen Garten und zeige meiner Tochter, wie einfach es ist Obst, Gemüse und Blumen selbst zu züchten. Ein Garten bedeutet viel Arbeit - er belohnt uns dafür aber auch mit einer reichen Ernte, wunderschönen Blumen und dem tollen Gefühl aus eigener Kraft etwas geschaffen zu haben.

Antwort hinterlassen