Viele tropische Orchideen wachsen als Aufsitzerpflanzen auf Bäumen. Einige lassen sich deshalb auch wurzelnackt im Glas kultivieren. Andere Orchideen wachsen im Glas besser mit einem luftigen Orchideensubstrat.

Orchideen im Glas sehen dekorativ aus und durch das transparente Gefäß bleiben auch die Wurzeln sichtbar, sodass sich auch ihr Zustand und die vorhandene Feuchtigkeit leichter kontrollieren lassen. Allerdings darf nicht jede Orchidee einfach aus ihrem Topf genommen und wurzelnackt ins Glas gesetzt werden.

Welche Orchideen eignen sich für die Haltung im Glas?

Für die wurzelnackte Kultur im Glas eignen sich Orchideen mit ausgeprägten Luftwurzeln. Dazu gehören insbesondere Vanda und Aerides. Auch Orchideen, die als Ascocentrum oder Ascocenda bekannt sind, werden auf diese Weise kultiviert. Ihre Luftwurzeln liegen frei im Glas und nehmen beim Wässern Feuchtigkeit auf. Sobald sie wieder abtrocknen, färben sie sich meist silbrig.

Doch auch Orchideen, die weiterhin Substrat benötigen, lassen sich in ein Gefäß aus Glas setzen. Dazu gehören etwa Schmetterlingsorchideen (Phalaenopsis). Bei ihnen sorgt grobes, luftiges Orchideensubstrat dafür, dass die Wurzeln Halt bekommen und trotzdem ausreichend Luft erreicht.

Orchideen ohne Substrat ins Glas setzen

Vanda wächst wurzelnackt problemlos. Das Glas sollte jedoch so groß sein, dass die Wurzeln darin Platz finden, ohne stark zusammengedrückt zu werden. Eine weite Öffnung erleichtert außerdem das Einsetzen und spätere Herausnehmen.

Orchidee im Glas ohne Substrat
Vandeen eignen sich gut für wurzelnackte Kultur. | © gartentipps.com

Schritt 1: Glas vorbereiten

Reinigen Sie das Glas gründlich und spülen Sie mögliche Rückstände aus. Wählen Sie die Größe passend zur vorhandenen Wurzelmasse.

Schritt 2: Wurzeln kontrollieren

Befindet sich die Orchidee bisher in Substrat, lösen Sie dieses vorsichtig von den Wurzeln. Entfernen Sie nur abgestorbene, matschige oder hohle Wurzeln mit einer sauberen, scharfen Schere. Gesunde, feste Wurzeln bleiben erhalten.

Schritt 3: Orchidee ins Glas setzen

Führen Sie die Luftwurzeln vorsichtig in das Glas und verteilen Sie sie locker im Gefäß. Je nach Größe der Orchidee befindet sich dabei auch ein Teil der Pflanze innerhalb des Glases. Achten Sie darauf, dass die Blätter ausreichend Platz haben und nicht eingequetscht werden.

💡 Tipp:
Wenn Sie verhindern möchten, dass die Pflanze vollständig im Glas steht, können Sie alternativ ein Pflanzkörbchen verwenden oder die Orchidee mit einem weichen Draht am Glasrand befestigen. Der Draht sollte die Pflanze nicht einschneiden und nur so viel Halt geben, dass die Wurzeln locker im Glas liegen.

Schritt 4: Wurzeln wässern

Zum Wässern füllen Sie das Glas so weit mit zimmerwarmem Wasser, dass die Wurzeln benetzt werden, die Blätter jedoch trocken bleiben. Sobald sich die Wurzeln vollgesogen haben und grün erscheinen, gießen Sie das Wasser vollständig wieder ab.

Orchideen mit Substrat ins Glas setzen

Nicht jede Orchidee eignet sich für die wurzelnackte Haltung. Arten wie die Phalaenopsis wachsen besser mit einem groben Pflanzstoff, der Feuchtigkeit speichert und gleichzeitig Luft an die Wurzeln lässt.

Orchideen im Glas halten - Anleitung & Tipps
Phalaenopsis gedeihen ebenfalls im Glas. | © freepeoplea / stock.adobe.com

Schritt 1: Drainage einfüllen

Geben Sie zunächst eine wenige Zentimeter hohe Schicht aus Kies oder geeignetem Blähton auf den Boden des Glases. Sie hält überschüssiges Wasser vom eigentlichen Wurzelbereich fern.

Schritt 2: Orchideensubstrat einfüllen

Darüber kommt grobes, luftiges Orchideensubstrat, etwa auf Basis von Pinienrinde. Normale Blumenerde eignet sich nicht, da sie für die Wurzeln epiphytischer Orchideen zu dicht ist und die Wurzeln zu wenig Sauerstoff bekommen.

Schritt 3: Orchidee einsetzen

Entfernen Sie altes, zersetztes Substrat und schneiden Sie abgestorbene oder faulige Wurzeln ab. Setzen Sie die Orchidee anschließend mittig ins Glas und verteilen Sie frisches Substrat locker zwischen den Wurzeln. Das Pflanzenherz bleibt frei.

Schritt 4: Vorsichtig angießen

Feuchten Sie das Substrat nach dem Einsetzen leicht an. Da das Glas keine Abzugslöcher besitzt, ist beim Gießen Zurückhaltung gefragt. Wasser darf sich zwar in der Drainageschicht sammeln, die Wurzeln sollten jedoch nicht dauerhaft darin stehen.

Orchideen im Glas pflegen

Damit die Orchidee nach dem Umsetzen gut gedeiht, muss sie entsprechend gepflegt werden. Bei der Orchideenpflege sind der passende Standort und das richtige Gießverhalten wichtig.

Der richtige Standort für Orchideen im Glas

Orchideen im Glas stehen am besten hell, aber vor kräftiger Mittagssonne geschützt. Ein Ost- oder Westfenster bietet gerade bei vielen Sonnenstunden gute Bedingungen. Wie viel Sonne eine Orchidee verträgt, richtet sich allerdings nach ihrer Art.

Besonders im Sommer lohnt sich trotzdem ein Blick auf das Glas, denn direkte Sonneneinstrahlung heizt das Gefäß und damit auch den Wurzelbereich schnell auf. Bei starker Sonne schützt deshalb eine leichte Beschattung.

Orchideen im Glas richtig gießen

Orchideen im Glas halten
Wurzelnackte Orchideen baden gern im Wasserbad. | © arthurhidden / stock.adobe.com

Bei wurzelnackten Orchideen lässt sich der Wasserbedarf gut an den Wurzeln erkennen. Wirken diese silbrig und trocken, wird gegossen. Füllen Sie das Glas bis zu den Wurzeln mit Regenwasser oder kalkarmem Leitungswasser auf. Sobald sich die zuvor silbrig-grauen Wurzeln saftig grün gefärbt haben, hat die Orchidee genügend getrunken. Das dauert meist nur wenige Minuten. Anschließend wird das Glas vollständig geleert.

Steht die Orchidee dagegen in Substrat, richten Sie sich nach dessen Feuchtigkeit. Das transparente Glas hilft dabei, sowohl die Wurzeln als auch feuchte Erde zu erkennen. Gegossen wird erst wieder, wenn das Substrat weitgehend abgetrocknet ist. Da das Glas keinen Abfluss hat, gießen Sie besonders vorsichtig und nur in kleinen Mengen.

Autoren-Kommentar von M. Liebeskind

💡 Kalkarmes Wasser verwenden

Die Orchidee verträgt kein kalkhaltiges Wasser. Kalkhaltiges Wasser hinterlässt weiße Krusten auf den Wurzeln, wodurch diese verstopfen und kein Wasser mehr aufnehmen können. Zudem verändert der Kalk den pH-Wert des Bodens so, dass die Orchidee keine Nährstoffe mehr aufnimmt, was zu gelben Blättern führt. Idealerweise greifen Sie deshalb auf abgestandenes Regenwasser zurück oder filtern Leitungswasser zunächst, um es vom Kalk zu befreien.

Orchideen im Glas düngen

Wurzelnackt kultivierte Orchideen im Glas erhalten ihre Nährstoffe über das Tauchwasser. Gedüngt wird nur während der aktiven Wachstumsphase, also in der Regel vom Frühjahr bis zum Spätsommer (ca. von März bis Oktober). Verwenden Sie etwa alle zwei bis vier Wochen einen flüssigen Orchideendünger in schwacher Konzentration.

Es reicht, etwa ein Viertel bis höchstens die Hälfte der angegebenen Menge dem Tauchwasser beizumengen. Wässern Sie die Orchidee wie gewohnt und entfernen Sie anschließend das Wasser aus dem Glas.

Auch Orchideen im Substrat benötigen während des Wachstums regelmäßig Nährstoffe. Geben Sie dazu Orchideendünger in halber Dosierung in das Gießwasser. In der lichtarmen Winterzeit wachsen viele Orchideen langsamer oder gehen in eine Winterruhe, sodass auch die Düngergaben reduziert werden.

Bestseller Nr. 1
COMPO Orchideendünger mit Guano, 250 ml…
  • Für eine lang anhaltende Blütenpracht: Wertvoller, 100% natürlicher Dünger aus pflanzlichen Stoffen der Lebensmittelindustrie und natürlichen Rohstoffen, Für alle Orchideen in Topf und Beet, Praktische Dosierhilfe

Auf die Luftfeuchtigkeit achten

Viele Orchideen fühlen sich bei einer Luftfeuchtigkeit um 60 % wohl. Besonders während der Heizperiode fällt der Wert in Wohnräumen jedoch schnell ab. Bei wurzelnackt kultivierten Vandeen macht sich trockene Luft besonders stark bemerkbar, weil kein Substrat Feuchtigkeit an den Wurzeln hält.

Das Glas schafft rund um die Wurzeln ein etwas feuchteres Mikroklima. Reicht das nicht aus, helfen etwa mit Wasser gefüllte Verdunstungsschalen oder ein Luftbefeuchter im Raum. Ein Hygrometer zeigt, wie hoch die Luftfeuchtigkeit tatsächlich ist.

Autoren-Kommentar von M. Liebeskind

💡 Orchideen im Glas besprühen

Da die meisten Zimmerorchideen ursprünglich aus den tropischen Regenwäldern stammen, lieben sie eine hohe Luftfeuchtigkeit. Besprühen Sie die Blätter gelegentlich am Morgen leicht von oben oder unten mit kalkarmem Wasser. Das Herz bleibt dabei trocken, sonst droht Herz- oder Stammfäule.

Tipp: Wärmeliebende Orchideen mögen Wasser, das Zimmertemperatur hat.

Krankheiten und Schädlinge

Kontrollieren Sie die Orchidee regelmäßig, denn Veränderungen an Blättern und Wurzeln fallen im Glas schnell auf. Braune oder schwarze Blattflecken können verschiedene Ursachen haben. Neben Pilzen und Bakterien kommen auch Pflege- oder Standortprobleme infrage. Beobachten Sie deshalb zunächst, ob sich die Flecken vergrößern oder weitere Blätter betroffen sind. Breiten sich die Schäden aus, stellen Sie die Orchidee vorsichtshalber getrennt von anderen Pflanzen und klären Sie die Ursache genauer ab.

Auch Schädlinge siedeln sich gelegentlich an Orchideen an. Vor allem Woll- und Schildläuse verstecken sich gern an Blattachseln, Blattunterseiten und Trieben. Während Wollläuse durch ihre weißen, watteartigen Beläge auffallen, sitzen Schildläuse als kleine braune, schwarze oder weißliche Höcker auf der Pflanze. Spinnmilben hinterlassen dagegen zunächst helle Sprenkel auf den Blättern und bei stärkerem Befall oft feine Gespinste.

Entdecken Sie einzelne Woll- oder Schildläuse, entfernen Sie diese zunächst vorsichtig von der Pflanze. Breitet sich der Befall trotzdem aus, kommt je nach Schädling auch ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel mit Neem infrage.

Mutter, Hundebesitzerin und leidenschaftliche Hobbygärtnerin. Schon als Kind habe ich gemeinsam mit meinen Eltern den heimischen Garten bewirtschaftet und mich für dessen Gestaltung interessiert. Jetzt besitze ich meinen eigenen Garten und zeige meiner Tochter, wie einfach es ist Obst, Gemüse und Blumen selbst zu züchten. Ein Garten bedeutet viel Arbeit - er belohnt uns dafür aber auch mit einer reichen Ernte, wunderschönen Blumen und dem tollen Gefühl aus eigener Kraft etwas geschaffen zu haben.

Antwort hinterlassen