Während Pflanzen ihre Nährstoffe in der Regel aus dem Boden beziehen, kommt die Hydrokultur ohne Erde aus. Wie genau das funktioniert, erkläre ich hier.

Pflanzen in Hydrokultur
Die Hydrokultur ist perfekt für Anfänger – © Firn / stock.adobe.com

In der Welt des Gartenbaus gewinnt die Hydrokultur immer mehr an Bedeutung. Die Möglichkeit, Pflanzen ohne Erde anzubauen, bietet schließlich zahlreiche Vorteile, sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Gärtner. In diesem Artikel werde ich mich deshalb ausführlich mit dem Thema „Hydrokultur“ befassen und eine Anleitung speziell für Anfänger vorstellen. Weiterhin werde ich die vielfältigen Vorteile dieser Anbaumethode präsentieren.

❔ Was versteht man unter dem Begriff „Hydrokultur“?

Hinter der Bezeichnung Hydrokultur verbergen sich das altgriechische Wort „hydor“ für Wasser und die lateinische Bezeichnung für Anbau oder Kultur „cultura“. Mag der Begriff auch etwas konstruiert klingen, die Methode dahinter ist uralt. Schon in vorchristlicher Zeit gediehen in den Hängenden Gärten von Babylon Pflanzen ganz ohne Wasser. Justus von Liebig griff diesen Gedanken auf und wies 1860 nach, dass Pflanzen anorganische Nährstoffe, die wasserlöslich sind, verwerten. Wir haben es folglich mit einer „Wasserkultur“ zu tun. Die Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V. gibt eine etwas konkretere Definition heraus: „Hydrokultur ist die Haltung von Zierpflanzen in Blähton im Anstau-Verfahren.“

Pflanzen, die in die Hydrokultur eingebunden werden, stellen sich auf die veränderten Bedingungen ein, indem sie Wasserwurzeln entwickeln. Die Verpflanzung in Substrat wird dadurch beinahe unmöglich. Gleiches gilt für ältere und bereits mehrere Jahre herkömmlich kultivierte Pflanzen. Diese lassen sich nur schwer an die Hydrokultur gewöhnen.

Wichtig:
Hydrokultur ist nicht gleichzusetzen mit „Seramis“. Es handelt sich um komplett verschiedene Systeme. Seramis ist ein patentiertes System, welches ebenfalls mit einem Wasserstandsanzeiger ausgestattet ist. Seramis-Tongranulat ist jedoch für die Verwendung in Hydrokultur, wie hier beschrieben, nicht geeignet.

✔ Die Vorteile von Hydrokultur im Überblick

Wer sich bisher mit der Kultivierung von Zimmerpflanzen schwertut, sollte sich mit der Hydrokultur anfreunden. Die Anschaffung des notwendigen Zubehörs mag zunächst einiges kosten. Im Laufe der Zeit werden aber die Vorteile überwiegen. Hier ein Überblick:

  • es kann schneller und sauberer umgetopft werden
  • Wurzeln faulen selten, da sie besser mit Luft versorgt werden
  • es muss seltener gegossen werden
  • Schädlinge bleiben fern, da sie keinen Nährboden im Blähton finden
  • Wasserstandsanzeiger hilft, Gießverhalten anzupassen
  • Raumklima verbessert sich durch das aus dem Pflanztopf verdunstende Wasser
  • Zubehör ist wiederverwendbar (Substrat kann ausgekocht werden)
  • Pflegeaufwand ist gering
  • unkomplizierte Düngung
  • Überdüngung kommt kaum vor
  • langlebige Pflanzen rechtfertigen die höheren Kosten des Systems
  • Hydrokultur ist allergikerfreundlich

🌱 Was benötigt man, um eine Hydrokultur anzulegen?

Pflanzen in Hydrokultur
Bei der Hydrokultur verwendet man keine Erde – © Firn / stock.adobe.com

◾ Pflanzgefäß:

Für die erfolgreiche Hydrokultur werden der eigentliche Topf für die Kultur und ein passender Übertopf gebraucht. Der Innentopf muss wasserdurchlässig sein und über entsprechende Wasserabzugslöcher verfügen. Der Übertopf muss den Innentopf wiederum komplett aufnehmen können.

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◾ Substrat:

Die herkömmliche Pflanzerde entfällt, wie wir bereits wissen. Stattdessen hat sich Blähton bewährt, nicht nur, um eine Drainage im Blumentopf anzulegen. Dabei handelt es sich um Ton, der durch ein spezielles Brennverfahren sein Volumen erhöht und in Kugelform vorliegt. Blähton verwittert nicht und besitzt durch seine großporige Oberflächenstruktur gute Speichereigenschaften. Möchten Sie die Hydrokultur auch auf Balkon und Terrasse etablieren, hat sich mit Lecadan ein gebrochener Blähton bewährt. Ebenso können Lavasteine verwendet werden.

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◾ Wasserstandsanzeiger:

Pflanzen in Hydrokultur werden Sie nicht ansehen, ob sie noch ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt sind oder dringend Wasser benötigen. Daher ist ein Wasserstandsanzeiger Pflichtprogramm. Das Gerät wird senkrecht in den Pflanztopf eingeführt und sollte dabei bis zum Topfboden reichen. An einer übersichtlichen Skala kann dann abgelesen werden, wie der Wasserhaushalt der Pflanzen beschaffen ist.

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◾ Dünger:

Blähton besitzt viele positive Eigenschaften, allerdings keinerlei Nährstoffe, von denen die Pflanzen profitieren könnten. Pflanzen in Hydrokultur benötigen deshalb unbedingt den passenden Dünger. Verwenden Sie jedoch nur Dünger, der speziell für Hydrokulturen empfohlen wird. Dünger, der für in Pflanzerde kultivierte Arten gedacht ist, kann Salze enthalten, die sich am Blähton anlagern und den Pflanzen schaden können. Für die Hydrokultur sind organische und mineralische Düngemittel in flüssiger Form oder als Tabletten und Stäbchen erhältlich. Entscheiden Sie sich für organischen Hydrodünger, verschmutzen die Pflanzgefäße und müssen häufiger gesäubert werden.

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🪴 Anleitung zum Anlegen einer Hydrokultur

Grundsätzlich können alle Pflanzen in Hydrokultur gehalten werden. Besonders gut geeignet sind jedoch:

Bei Aufsitzerpflanzen wie Tillandsien erleichtert sich der Pflegeaufwand und selbst Kakteen können in Hydrokultur kultiviert werden, wenn die Wasserstandsanzeige entsprechend niedrig gehalten wird. Gehen Sie einfach wie folgt vor:

  1. Wurzeln der Pflanzen gründlich von Substrat befreien
  2. Wurzeln mit lauwarmem Wasser abspülen
  3. Innentopf etwa zu einem Viertel mit Blähton füllen
  4. Wasserstandsanzeiger im Tongranulat platzieren
  5. Pflanze mittig in den Blähton setzen
  6. Pflanztopf mit Granulat auffüllen
  7. Alle Wurzeln sollten gut abgedeckt sein
  8. Pflanze angießen
  9. Wasserstandsanzeige sollte sich zwischen Minimum und Maximum einpendeln

👩🏻‍🌾 Tipps für die Pflege von Pflanzen in Hydrokultur

Pflanzen in Hydrokultur
Blähton eignet sich perfekt für die Hydrokultur – © Firn / stock.adobe.com

Der Pflegeaufwand ist bei Pflanzen in Hydrokultur ausnehmend gering. Daher werden sich auch weniger erfahrene Zimmergärtner über gut gedeihende Pflanzen freuen können.

◾ Bewässerung:

Der Wasserstandsanzeiger hilft Ihnen bei der Bewässerung. In der Regel sind diese Anzeiger in drei Stufen aufgebaut: Minimum, Optimum und Maximum. Sie werden das Gießverhalten natürlich entsprechend der Pflanze, dem Standort oder der Topfgröße anpassen müssen, bekommen aber immer einen Überblick, wie viel Flüssigkeit im Innentopf vorhanden ist.

Wichtig: exotische Pflanzen sollten Sie immer warm gießen, sprich mit 18 bis 20 Grad warmem Wasser.

◾ Rückschnitt:

Wie bei der Kultur in Pflanzerde üblich, sollten auch Pflanzen in Hydrokultur regelmäßig von alten oder abgestorbenen Pflanzenteilen befreit werden. Auch der Rückschnitt ist nicht zu vernachlässigen, besonders wenn ein buschiger Wuchs gefördert werden soll oder die Größe der Pflanze allgemein zu begrenzen ist. Sie können aber auch einfach gesunde Triebe abschneiden und als Ableger benutzen.

◾ Düngen:

Bei Pflanzen in Hydrokultur sollten Sie von Beginn an Dünger verabreichen. Dabei haben Sie die Wahl, ob Sie in regelmäßigen Abständen Flüssigdünger in die Gießkanne geben oder sich für einen Langzeitdünger entscheiden. Im Herbst und Winter benötigen die Pflanzen jedoch weniger Nährstoffe.

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Mutter, Hundebesitzerin und leidenschaftliche Hobbygärtnerin. Schon als Kind habe ich gemeinsam mit meinen Eltern den heimischen Garten bewirtschaftet und mich für dessen Gestaltung interessiert. Jetzt besitze ich meinen eigenen Garten und zeige meiner Tochter, wie einfach es ist Obst, Gemüse und Blumen selbst zu züchten. Ein Garten bedeutet viel Arbeit - er belohnt uns dafür aber auch mit einer reichen Ernte, wunderschönen Blumen und dem tollen Gefühl aus eigener Kraft etwas geschaffen zu haben.

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