Schlupfwespen sind biologische Schädlingsbekämpfer. Welche Arten es gibt und wie Sie diese am besten in Ihrem Garten einsetzen – jetzt hier lesen.

Schlupfwespen (Ichneumonidae) sind kleine, aber äußerst effektive Helfer im Garten. Sie sind natürliche Feinde vieler Schadinsekten und können dazu beitragen, ein gesundes Gleichgewicht in Ihrem Garten zu erhalten. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte über Schlupfwespen, wie sie wirken, welche Arten es gibt und wie Sie diese nützlichen Insekten gezielt in Ihrem Garten einsetzen können.

Was sind Schlupfwespen?

Schlupfwespen gehören zur Familie der Hautflügler (Hymenoptera) und umfassen rund 60.000 Arten, die sich auf unterschiedliche Weise entwickeln und spezialisieren. Schlupfwespen sind Parasitoide, was bedeutet, dass ihre Larven in oder auf den Körpern anderer Insekten leben und sich von ihnen ernähren. Dies macht sie zu hervorragenden, natürlichen Schädlingsbekämpfern.

Schlupfwespen erkennen

Schlupfwespen sind meist sehr klein und werden oft übersehen. Ihre Größe variiert je nach Art, aber viele sind nur wenige Millimeter groß. Sie haben eine schlanke, wespentypische Gestalt. Ihre Flügel sind dunkel, trotzdem transparent und manchmal auch gestreift.

Lebenszyklus und Biologie

Der Lebenszyklus der Schlupfwespen beginnt mit der Eiablage. Die weibliche Schlupfwespe legt ihre Eier in oder auf ein Wirtstier, oft eine Raupe oder eine Blattlaus. Die Larven schlüpfen und ernähren sich von ihrem Wirt, was schließlich zum Tod des Wirts führt. Nach der Entwicklung verpuppen sich die Larven und schlüpfen schließlich als erwachsene Schlupfwespen.

Arten von Schlupfwespen

Es gibt viele verschiedene Arten von Schlupfwespen, die sich in ihrer Spezialisierung auf bestimmte Wirte unterscheiden. Einige der bekanntesten Arten sind:

  • Encarsia formosa: Diese Schlupfwespen bekämpfen die Weiße Fliege, einen häufigen Schädling in Gewächshäusern und auf Zimmerpflanzen.
  • Aphidius colemani: Diese Art ist auf Blattläuse spezialisiert und wird häufig in Gewächshäusern eingesetzt.
  • Ichneumonidae: Die Echte Schlupfwespe, eine sehr große Familie mit zahlreichen Arten, die verschiedene Schadinsekten parasitieren.
  • Cotesia glomerata: Diese Art parasitiert die Larven des Großen Kohlweißlings, einem Schädling an Kohlgewächsen.
  • Braconidae: Diese Schlupfwespen parasitieren ebenfalls eine Vielzahl von Schädlingen, darunter Blattläuse, Raupen und Käferlarven.

Spezialisten und Generalisten

Bei Schlupfwespen unterscheidet man zwischen Spezialisten und Generalisten, basierend auf ihrem Wirtsspektrum und ihrer Spezialisierung auf bestimmte Schädlinge.

Spezialisten sind Schlupfwespen, die sich auf eine oder wenige bestimmte Wirtsspezies spezialisiert haben. Sie sind oft hochspezialisiert auf die Biologie und das Verhalten ihrer Wirte, was ihnen ermöglicht, sehr effektiv bei der Bekämpfung dieser spezifischen Schädlinge zu sein. Beispiel: Cotesia glomerata.

Generalisten sind Schlupfwespen, die eine breite Palette von Wirtsarten parasitieren können. Sie sind weniger spezialisiert und können eine Vielzahl von Schädlingen bekämpfen, was sie flexibler und anpassungsfähiger macht, aber manchmal weniger effektiv bei der Bekämpfung eines spezifischen Schädlings als Spezialisten. Beispiel: Braconidae.

Nützliche Eigenschaften von Schlupfwespen

Schlupfwespe auf einem Wanzengelege
Schlupfwespe legt ihre Eier auf einem Wanzengelege ab | © Lothar Lenz / stock.adobe.com

Natürliche Schädlingsbekämpfung

Schlupfwespen sind äußerst effektiv bei der Kontrolle von Schädlingspopulationen, da sie gezielt ihre Wirte angreifen und deren Vermehrung verhindern. Dies reduziert den Bedarf an chemischen Pestiziden und trägt zur Erhaltung eines gesunden ökologischen Gleichgewichts bei.

Umweltfreundliche Alternative zu chemischen Mitteln

Der Einsatz von Schlupfwespen ist eine umweltfreundliche Methode zur Schädlingsbekämpfung. Sie verursachen keine Rückstände im Boden oder Wasser und schaden nützlichen Insekten nicht. Diese Methode ist besonders geeignet für ökologisch bewirtschaftete Gärten und Bio-Betriebe.

Anwendung von Schlupfwespen im Garten

Vorbereitung und Voraussetzungen

Achten Sie auf eine ausreichende Pflanzenvielfalt, die den Schlupfwespen Nahrung und Schutz bietet. Natürlich sollten chemische Pestizide vermieden werden, da diese die Schlupfwespen schädigen können.

Anleitung zur Ausbringung

Die Ausbringung der Schlupfwespen erfolgt meist durch die Freisetzung von Puppen oder erwachsenen Tieren in der Nähe der Schädlingspopulation. Die genaue Methode variiert je nach Art der Schlupfwespe und des Schädlings. Eine detaillierte Anleitung erhalten Sie in der Regel beim Kauf der Schlupfwespen.

Häufige Anwendungsfehler und wie man sie vermeidet

Ein häufiger Fehler ist die zu späte Ausbringung der Schlupfwespen, wenn die Schädlingspopulation bereits zu groß ist. Es ist wichtig, frühzeitig zu handeln und die Schlupfwespen rechtzeitig freizulassen. Zudem sollten die klimatischen Bedingungen berücksichtigt werden.

Schlupfwespen gezielt einsetzen

Nahaufnahme: Blattlaus parasitiert von Schlupfwespen
Blattlaus parasitiert von Schlupfwespen |© Franz Bogner / stock.adobe.com

Auswahl der richtigen Art für spezifische Schädlinge

Je nach Schädling in Ihrem Garten sollten Sie die passende Schlupfwespenart auswählen.

Blattläuse

Blattläuse sind ein weit verbreitetes Problem in vielen Gärten. Sie saugen den Pflanzensaft und schwächen so die Pflanzen, wodurch diese anfälliger für Krankheiten werden. Die Schlupfwespenart Aphidius colemani ist hervorragend geeignet zur Bekämpfung von Blattläusen. Diese Wespen legen ihre Eier in die Blattläuse, und die schlüpfenden Larven töten die Blattläuse von innen heraus.

Weiße Fliege

Weiße Fliegen sind besonders in Gewächshäusern ein Problem. Sie vermehren sich schnell und können erhebliche Schäden an den Pflanzen verursachen. Encarsia formosa ist eine Schlupfwespenart, die speziell zur Bekämpfung von Weißen Fliegen eingesetzt wird. Die Weibchen legen ihre Eier in die Larven der Weißen Fliege, was deren Entwicklung stoppt.

Kohlmotten

Die Kohlmotte befällt vor allem Kohlpflanzen und kann hier große Ernteverluste verursachen. Trichogramma brassicae ist eine Schlupfwespenart, die die Eier der Kohlmotte parasitiert und somit deren Entwicklung verhindert. Diese Wespenart wird häufig in der biologischen Landwirtschaft eingesetzt, um Kohlpflanzen vor Schäden zu schützen.

Buchsbaumzünsler

Der Buchsbaumzünsler hat in den letzten Jahren große Schäden an Buchsbäumen verursacht. Trichogramma evanescens ist eine Schlupfwespenart, die gezielt gegen die Eier des Buchsbaumzünslers eingesetzt werden kann. Durch die frühzeitige Bekämpfung der Eier wird die Population des Zünslers effektiv reduziert.

Trauermücken

Trauermücken sind kleine Fliegen, deren Larven vor allem in feuchter Blumenerde vorkommen. Hypoaspis miles, auch bekannt als Raubmilbe, kann hier zur Bekämpfung eingesetzt werden. Diese Schlupfwespenart jagt die Larven der Trauermücken im Boden und hilft so, deren Population zu kontrollieren.

Spinnmilben

Spinnmilben sind winzige Schädlinge, die sich schnell vermehren und Pflanzen stark schwächen können. Phytoseiulus persimilis ist ein Raubmilbenart, die sich von Spinnmilben ernährt. Obwohl es sich hier nicht um eine klassische Schlupfwespe handelt, sind sie ein hervorragendes Mittel zur biologischen Bekämpfung von Spinnmilben.

Minierfliegen

Minierfliegen legen ihre Eier in die Blätter von Pflanzen, und die Larven fressen sich durch das Pflanzengewebe, was charakteristische Miniergänge hinterlässt. Diglyphus isaea ist eine Schlupfwespenart, die gezielt gegen die Larven der Minierfliegen vorgeht und diese parasitiert.

Zeitpunkte für den Einsatz

Der beste Zeitpunkt für den Einsatz von Schlupfwespen hängt von der Lebensweise der Schädlinge ab. In der Regel ist es sinnvoll, die Schlupfwespen zu Beginn der Vegetationsperiode freizusetzen, wenn die ersten Schädlinge auftreten.

Meine persönlichen Erfahrungen und Empfehlungen

Erfolgreiche Anwendungen in meinem Garten

In meinem eigenen Garten setze ich seit Jahren erfolgreich Schlupfwespen ein. Besonders effektiv war der Einsatz von Encarsia formosa gegen Weiße Fliegen und Aphidius colemani gegen Blattläuse. Durch den regelmäßigen Einsatz konnte ich die Schädlingspopulationen deutlich reduzieren.

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Tipps zur optimalen Nutzung

Meine Empfehlung: Beobachten Sie regelmäßig Ihre Pflanzen und setzen Sie die Schlupfwespen frühzeitig ein. Achten Sie darauf, dass Sie keine chemischen Mittel verwenden, die die Schlupfwespen beeinträchtigen könnten. Ein vielseitiges Pflanzenangebot in Ihrem Garten sorgt zudem dafür, dass die Schlupfwespen genügend Nahrung und Lebensraum finden.

Pflege und Erhalt der Schlupfwespenpopulation

Zwei Holzstühle in einem blühenden Naturgarten
Ein Naturgarten bietet den perfekten Lebensraum für Schlupfwespen | © dudlajzov / stock.adobe.com

Schaffung eines idealen Lebensraums

Um eine langfristige Population von Schlupfwespen in Ihrem Garten zu unterstützen, sollten Sie für ein abwechslungsreiches Pflanzenangebot sorgen. Blühende Pflanzen bieten den erwachsenen Schlupfwespen Nahrung, und ein natürlicher Garten mit vielen Versteckmöglichkeiten hilft ihnen, sich dauerhaft zu etablieren.

Langfristige Strategien zur Schädlingsbekämpfung

Eine langfristige Strategie zur Schädlingsbekämpfung beinhaltet die regelmäßige Überwachung und den frühzeitigen Einsatz von Schlupfwespen. Durch den Verzicht auf chemische Pestizide und die Förderung der natürlichen Feinde von Schädlingen schaffen Sie ein gesundes Gartenökosystem.

Übersicht: Wichtige Informationen zu Schlupfwespen

ThemaDetails
LebensdauerMehrere Wochen bis Monate, abhängig von der Art
WirtstiereVerschiedene Schadinsekten wie Blattläuse, Raupen
EinsatzzeitpunktFrühzeitig bei Schädlingsbefall
BezugsquellenOnline-Anbieter, Gartencenter
WirkungsdauerEinige Wochen bis zur Reduktion der Schädlingspopulation
AnwendungsfehlerZu späte Ausbringung, Einsatz chemischer Pestizide

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Schlupfwespen

Wie lange dauert es, bis Schlupfwespen wirken? Die Wirkung der Schlupfwespen ist abhängig von der Art und der Größe der Schädlingspopulation. In der Regel können erste Erfolge nach einigen Wochen beobachtet werden.

Sind Schlupfwespen gefährlich für Menschen oder Haustiere? Nein, Schlupfwespen sind harmlos für Menschen und Haustiere. Sie stechen nicht und sind so klein, dass sie kaum wahrgenommen werden.

Kann ich Schlupfwespen in jedem Garten einsetzen? Ja, Schlupfwespen können in fast jedem Garten eingesetzt werden, vorausgesetzt, die Bedingungen sind optimal. Achten Sie darauf, keine chemischen Mittel zu verwenden, die die Schlupfwespen schädigen könnten.

Wie oft sollte ich Schlupfwespen ausbringen? Die Häufigkeit hängt von der Schädlingsbelastung und den spezifischen Bedingungen in Ihrem Garten ab. In der Regel reicht es aus, die Schlupfwespen ein- bis zweimal pro Saison auszubringen.

Kann ich Schlupfwespen auch im Gewächshaus einsetzen? Ja, Schlupfwespen sind auch im Gewächshaus sehr effektiv und können dort gezielt gegen Schädlinge eingesetzt werden.

Mit diesem Wissen sind Sie bestens gerüstet, um Schlupfwespen erfolgreich in Ihrem Garten einzusetzen und von den Vorteilen dieser natürlichen Schädlingsbekämpfer zu profitieren. Viel Erfolg und Freude beim Gärtnern!

Gartentipp des Tages!

Dagmar von Gartentipps.com

Seit über 14 Jahren ist Dagmar Dittfeld als Online-Redakteurin für Gartentipps.com aktiv. Auf dem Land aufgewachsen, weiß sie die Vorzüge eines Selbstversorger-Gartens auch heute noch zu schätzen. Ihre ganz besondere Leidenschaft gilt der Gestaltung von Garten, Balkon und Terrasse. Mit ihren Ideen zum Dekorieren, Do-It-Yourself und Upcycling hat Dagmar schon viele Leser zum Nachmachen inspiriert.

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