Steckrüben erleben in Deutschland ein Comeback. Was früher ein „Arme-Leute-Essen” war, ist jetzt ein beliebtes Wintergemüse, das sich leicht anbauen lässt.

Die Steckrübe (Brassica napus subsp. rapifera), regional auch Kohlrübe, Wrucke oder Wruke genannt, ist eine dieser Pflanzen, die viele Menschen mit Kindheitserinnerungen, alten Rezepten und vielleicht sogar mit Kriegszeiten verbinden. Lange Zeit galt sie als „Arme-Leute-Essen” und verschwand aus der Küche und den Gärten. Doch heute erlebt die Steckrübe ein Revival. Immer mehr Hobbygärtner/innen pflanzen sie als vielseitiges Wintergemüse an. Mit ihrem mild-süßlichen Geschmack eignet sie sich nämlich hervorragend für Suppen, Eintöpfe, Gemüsepfannen, Pürees und sogar als Ofengemüse.

Herkunft & Verbreitung

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Die Steckrübe gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und ist eine Unterart, die aus einer Kreuzung zwischen Rüben und Kohl entstanden ist. Historisch wird vermutet, dass ihre ursprüngliche Form in Skandinavien entstand. Von dort aus verbreitete sie sich im 17. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa. In Deutschland wurde sie vor allem im Norden ein wichtiges Grundnahrungsmittel.

Besonders prägend war der sogenannte „Steckrübenwinter” 1916/17 während des Ersten Weltkrieges. Aufgrund massiver Lebensmittelknappheit wurde die Steckrübe nämlich zum Ersatz für beinahe alles: Brot, Kartoffeln, Fleisch und sogar Marmelade. Diese Notzeit führte schließlich dazu, dass die Pflanze nach dem Krieg einen schlechten Ruf bekam. Viele Menschen verbanden sie ausschließlich mit Mangel und Entbehrung.

Erst in den vergangenen Jahren erlebte das Gemüse ein Comeback. Und dieses war sogar so erfolgreich, dass die Steckrübe in Deutschland zum „Gemüse des Jahres” 2017 und 2018 gekürt wurde. Dank der Auszeichnung steht sie nun sinnbildlich für saisonale, bodenständige und nachhaltige Ernährung.

Aussehen und Wuchs

Die Steckrübe ist eng verwandt mit Kohl, Raps, Senf und Rettich. Sie ist eine rundliche, leicht abgeflachte Knolle, deren Farbe je nach Sorte variieren kann. Häufig ist die obere Hälfte der Rübe gelblich-violett, während das restliche Fleisch im Inneren meist kräftig gelb ist. Die Knolle kann je nach Sorte und Bodenverhältnissen einen Durchmesser von 10 bis 20 Zentimetern erreichen und zwischen 500 Gramm und 2 Kilogramm wiegen.

Die Pflanze wächst zweijährig, wird jedoch in der Regel einjährig kultiviert, da die Knolle schon im ersten Jahr geerntet wird. Im zweiten Jahr würde die Pflanze zur Blüte kommen und längere Stängel mit gelben, typischen Kreuzblüten ausbilden. Die Wuchshöhe liegt im ersten Jahr bei etwa 30 bis 50 Zentimetern.

Besonderheiten der Pflanze

Steckrüben pflanzen, pflegen und ernten
© gartentipps.com

Die Steckrübe ist äußerst robust und kältetolerant. Sie gehört zu dem sogenannten „Frostgemüse” und kann daher problemlos im Spätherbst und Winter geerntet werden. Kälte verbessert sogar ihren Geschmack, da sich dabei mehr Zucker in der Knolle bildet. Zudem lässt sie sich gut lagern, was sie zu einem idealen Gemüse für die Vorratskammer und somit für die kalte Jahreszeit macht.

Verwendung der Steckrübe in der Küche

Die Steckrübe ist ein echtes Allroundtalent. Ihr Geschmack ist angenehm mild, leicht süßlich und erinnert an eine Mischung aus Kohl und Möhre. In der klassischen norddeutschen Küche wird sie gern im „Steckrübeneintopf” mit Kartoffeln und Möhren gekocht. Ebenso lässt sie sich gut in Currys integrieren, zu Püree verarbeiten oder im Ofen rösten. Roh geraspelt, kann sie sogar in Salaten verwendet werden.

Autoren-Kommentar von M. Liebeskind

💡 Steckrüben sind gesund

Das Tolle: die Rübe enthält reichlich Vitamin C, Beta-Carotin, Kalium und Ballaststoffe. Damit unterstützt sie sowohl das Immunsystem als auch die Verdauung. Außerdem enhält sie gerade mal 30 kcal pro 100 g und ist somit ein wahrer Schlankmacher.

Steckbrief

Steckrübe (Brassica napus subsp. rapifera)
Familie:Kreuzblütler (Brassicaceae)
Wuchs:einjährig bis zweijährig, knollenbildend
Wuchshöhe:30 – 50 cm
Farbe:gelbes bis orangefarbenes Fruchtfleisch, außen oft violett-gelb
Standort:sonnig bis halbschattig
Boden:tiefgründig, humos, gut durchlässig, pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5
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Geeignete Sorten für den Gartenanbau

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Zu empfehlen ist der Anbau von widerstandsfähigen Sorten – © gartentipps.com

Für den heimischen Garten empfehlen sich besonders traditionelle und widerstandsfähige Sorten. Dazu zählen:

  • ‘Wilhelmsburger: klassisch gelbfleischig, aromatisch, sehr winterhart
  • Magdeburger‘: rundlich, gelbes Fleisch, sorgfältig lagerfähig
  • Helenor: lila-gelb gefärbt, gut für leichte Böden geeignet
  • Marian‘: moderne Sorte mit feinem Geschmack und geringerer Neigung zu verholzen

Der optimale Standort

Steckrüben bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Je mehr Licht die Pflanze erhält, desto kräftiger, aromatischer und größer fällt die Knolle aus. Gleichzeitig verträgt sie auch etwas Schatten, sodass sie damit gut ein Mischkultur Beet anlegen können. Staunässe darf aber auf keinen Fall entstehen, weil sie schnell zu Wurzelfäule und einem wässrigen Geschmack führen kann. Ein luftiger Standort ist besonders gut geeignet, da er Pilzerkrankungen vorbeugt.

Der optimale Boden

Der Boden sollte tiefgründig, humos und gut durchlässig sein, damit die Steckrüben ihre Knollen gleichmäßig ausbilden können. Besonders gut eignen sich mittelschwere bis schwere Lehmböden, da sie Feuchtigkeit gut binden können. Sandiger Boden speicher Wasser und Nährstoffe hingegen nur schlecht. Diesen können Sie aber durch die regelmäßige Zugabe von reichlich Kompost, gut verrottetem Stallmist oder Pflanzenkohle deutlich verbessern.

Ideal ist auch ein pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5, also im schwach sauren bis neutralen Bereich, da zu saure Böden das Risiko für die Kohlhernie, eine typische Krankheit bei Kreuzblütlern, deutlich erhöhen können. Lesetipp: Kohlhernie vorbeugen – So schützen Sie Ihren Kohl

Pflanzanleitung

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➜ Direktaussaat:

Die Aussaat kann ab Ende Mai bis Mitte Juni direkt ins Beet erfolgen. Ziehen Sie dafür 2 bis 3 cm tiefe Saatrillen und geben Sie die Samen im Abstand von wenigen Zentimetern hinein. Nach dem Auflaufen sollten Sie die Pflanzen auf etwa 30 bis 40 cm Abstand vereinzelt, damit sie genügend Platz für die Knollenentwicklung haben.

➜ Vorziehen:

Wenn Sie sehr früh ernten möchten, können Sie die Pflanzen auch ab April im Haus oder Gewächshaus vorziehen und später ins Freiland setzen. Nutzen Sie zum Vorziehen kleine Töpfchen und achten Sie auf eine Keimtemperaturen zwischen 15 und 20 Grad. Sobald die Pflanzen vier bis sechs echte Blätter besitzen, können Sie sie ins Beet setzen.

Lesetipp: Anzuchttöpfe selber machen: 7 preiswerte Möglichkeiten

➜ Kübelkultur:

Steckrüben lassen sich auch problemlos im großen Kübel kultivieren. Der Topf sollte dafür mindestens 30 cm tief sein und eine gute Drainageschicht besitzen. Noch besser sind Gefäße mit mindestens 40 cm Tiefe, damit die Wurzeln genügend Platz haben. Eine Mischung aus Gartenerde, Kompost und etwas Sand ist für eine gute Knollenbildung besonders gut geeignet.

Tipps zur Pflege

💧 Gießen:

Steckrüben benötigen regelmäßig Wasser, besonders während der Knollenbildung. Trockenheit führt nämlich zu einem holzigen, faserigen Fleisch und sorgt für ein deutlich schwächeres Aroma. Daher sollten Sie regelmäßig und durchdringend gießen, statt nur oberflächlich zu benetzen. Besonders an heißen Sommertagen lohnt es sich, am frühen Morgen oder späten Abend zu gießen, damit das Wasser nicht zu schnell verdunstet.

🪴Düngen:

Düngen Sie Steckrüben am besten mit reifem Kompost oder einem organischen Langzeitdünger wie Hornspäne oder Pflanzenjauche. Besonders empfehlenswert ist es, den Boden bereits vor der Aussaat gut mit Kompost anzureichern und während der Wachstumszeit sparsam nachzudüngen.

🐛 Krankheiten und Schädlinge:

In Bezug auf Krankheiten und Schädlinge gelten Steckrüben als relativ robust. Dennoch können Erdflöhe, Kohlweißlinge und Blattläuse auftreten. Diese lassen sich folgendermaßen bekämpfen:

  • Erdflöhe lassen sich durch regelmäßiges Wässern und eine Mulchschicht eindämmen, da sie trockene, warme Böden bevorzugen. Lesetipp: Erdflöhe erkennen, bekämpfen und vorbeugen
  • Blattläuse lassen sich häufig durch natürliche Nützlinge wie Marienkäfer eindämmen oder mit Brennnesseljauche abwaschen. Lesetipp: Blattläuse: Arten & verschiedene Bekämpfungsmethoden
  • Bei einem Pilzbefall ist es wiederum wichtig, die sogenannte Fruchtfolge einzuhalten und nicht jedes Jahr Kohlgewächse am gleichen Standort anzubauen.
  • Gegen den Kohlweißling helfen engmaschige Kulturschutznetze, die verhindern, dass die Falter ihre Eier an den Blättern ablegen.
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❄️ Überwinterung:

Die Steckrübe ist grundsätzlich winterhart, wird jedoch meist schon vollständig im Herbst geerntet. Möchten Sie jedoch einzelne Pflanzen im Beet lassen, schützen Sie diese am besten mit einer dicken Mulchschicht aus Laub oder Stroh vor starkem Frost. Besonders in Regionen mit milden Wintern ist es möglich, die Rüben direkt im Boden zu belassen und nach Bedarf bis in den frühen Winter hinein frisch zu ernten.

Ernte

Steckrüben pflanzen, pflegen und ernten
Geerntet wird in der Regel von September bis Dezember – © gartentipps.com

Geerntet werden Steckrüben je nach Aussaatzeit von September bis Dezember. Die Knollen sollten zum Erntezeitpunkt fest, glatt und voll ausgebildet sein. Nehmen Sie eine Grabegabel zur Hand und heben Sie die Rüben vorsichtig aus dem Boden, ohne sie zu beschädigen.

Nach der Ernte sollten Sie die Rüben kühl, dunkel und möglichst mit etwas hoher Luftfeuchtigkeit lagern. Ideal ist ein kühler Keller oder ein Erdkeller. So bleiben Steckrüben mehrere Wochen bis Monate haltbar.

Vermehrung

Eine vegetative Vermehrung ist nicht üblich. Steckrüben werden nur durch Samen vermehrt. Das ist etwas aufwändig, aber immer einen Versuch wert. Gehen Sie dabei folgendermaßen vor:

  1. Lagern Sie ausgewählte, besonders schöne und gesunde Knollen über den Winter frostfrei und kühl.
  2. Setzen Sie die Knollen im Frühjahr wieder ins Beet.
  3. Im zweiten Jahr bildet die Pflanze kräftige, aufrechte Blütenstängel mit gelben Kreuzblüten und später noch Samenständen aus. Diese sollten Sie vollständig ausreifen lassen und trocknen, bevor Sie sie ernten.
  4. Anschließend können Sie die Samenstände vorsichtig zerkrümeln und die Samen an einem trockenen Ort lagern.

Durch die eigene Saatgutvermehrung können Sie Ihre Sorten erhalten und Jahr für Jahr nachhaltiger gärtnern. Um sich die Arbeit zu ersparen, können Sie aber auch Samen im Handel kaufen.

Mutter, Hundebesitzerin und leidenschaftliche Hobbygärtnerin. Schon als Kind habe ich gemeinsam mit meinen Eltern den heimischen Garten bewirtschaftet und mich für dessen Gestaltung interessiert. Jetzt besitze ich meinen eigenen Garten und zeige meiner Tochter, wie einfach es ist Obst, Gemüse und Blumen selbst zu züchten. Ein Garten bedeutet viel Arbeit - er belohnt uns dafür aber auch mit einer reichen Ernte, wunderschönen Blumen und dem tollen Gefühl aus eigener Kraft etwas geschaffen zu haben.

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