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Gemeine Nachtkerze – Aussaat, Pflege und schneiden

Mit der Gemeinen Nachtkerze (Oenothera biennis) holen Sie sich nicht nur eine äußerst schmuckvolle Zierpflanze in den Garten, sondern auch ein Heilkraut, das in der Medizin hoch geschätzt wird. Von den amerikanischen Ureinwohnern wurden die Rübenwurzeln und Blätter der Gemeinen Nachtkerze sogar als Nahrungsmittel verwendet. Eine äußerst vielseitige Nutzpflanze also, deren Kultur im Garten problemlos möglich ist.

Gemeine Nachtkerze
© Andrea / stock.adobe.com
Die Gemeine oder Gewöhnliche Nachtkerze verdankt ihren Namen dem Umstand, dass sich ihre leuchtend gelben Blüten erst gegen Abend öffnen. Daher stammen auch Beinamen wie „Nachtstern“ oder „Abendblume“. In den Nachtstunden locken die wunderschönen Blüten der Nachtkerzen und deren aromatischer Duft Nachtfalter magisch an. So geheimnisvoll wie ihre Blüteneigenschaften sind auch die zahlreichen Gesundheitswirkungen der Pflanze. Denn Gemeine Nachtkerze wird seit Jahrhunderten als exklusives Heilkraut verwendet, das von Haut- bis hin zu Stoffwechselbeschwerden helfen kann.

Gemeine Nachtkerze als Heil- und Küchenkraut

Wegen ihrer heilsamen Eigenschaften wurde die Gemeine Nachtkerze früher häufig in Apothekergärten kultiviert. Man kann die Heilpflanze also selbst im Kräutergarten (z.B. mit Lavendel und Heiligenkraut) oder im Gemüsebeet ansiedeln. Geerntet werden dann sowohl die Blätter und Blüten, als auch die Samen und Wurzeln der Pflanze.

Blüten und Blätter können zum Beispiel zur Teeherstellung, als spinatähnliche Gemüsebeilage oder als Zutat für Salate verwendet werden. Die Pflanzenteile sind völlig ungiftig und schmeckt zudem auch noch hoch aromatisch.

Die Wurzeln der Oneothera biennis lassen sich wiederum zu Wurzelgemüse weiterverarbeiten. Sie sind auch als „Schinkenwurzel“ oder „Schinkenkraut“ bekannt, weil sie sich beim Kochen rosa färben und wegen ihres hohen Stärkegehalts als Fleischersatz dienen. Sie werden genauso wie anderes Rübengemüse (z.B. Schwarzwurzeln) zubereitet.

Aus den Samen der Gemeinen Nachtkerze wird dagegen das wertvolle Nachtkerzenöl hergestellt. Es gehört zu den bedeutsamsten, heilpflanzlichen Arzneimitteln der Welt und wird in der Medizin zur Behandlung von allerlei Gesundheitsproblemen verwendet. Dazu zählen insbesondere schwerwiegende Hauterkrankungen und Hautprobleme wie

  • Akne
  • Ekzeme
  • Hautentzündungen
  • Hauttrockenheit
  • Juckreiz
  • Neurodermitis
  • Schuppenflechte
  • Verletzungen
Die Inhaltsstoffe des Nachtkerzenöls wirken beruhigend auf irritierte Hautpartien und können entschieden zur Erneuerung von Hautzellen beitragen. Kein Wunder ist es da, dass Nachtkerzenöl in der Kosmetik zur Herstellung zahlreicher Produkte zur Haut- und Gesichtspflege eingesetzt wird. Insbesondere dann, wenn die Hautcremes und Reinigungswasser medizinischer Natur sind, gehört Nachtkerzenöl als heilsame Zutat einfach dazu. Auch gegen Bluthochdruck, Asthma, Migräne, Rheuma, Menstruations- und
Wechseljahrsbeschwerden hilft Nachtkerzenöl bzw. Nachtkerzentee hervorragend.

Die außergewöhnliche Heilwirkung des Öls beruht in hohem Maße auf dem Wirkstoff Gamma-Linolensäure, der in Nachtkerzenöl zu 8 bis 14 % vertreten ist. Ein Mangel an Linolensäure soll bei Neurodermitikern für die krankheitstypischen Hautbeschwerden verantwortlich sein, weshalb Nachtkerzenöl eine wunderbare Behandlungsmaßnahme darstellt. Darüber hinaus enthält das Öl eine Vielzahl gesunder ungesättigter Fettsäuren, die den Stoffwechsel anregen und entzündungshemmend Wirkung.

Gemeine Nachtkerze im Garten

Für die Kultur der Gemeinen Nachtkerze als Nutzpflanze spricht also so einiges. Das nicht nur wegen ihrer Heilwirkung, sondern auch wegen ihrem hohen Zierwert. Dabei ist Oenothera biennis für so manches traditionelle Gartenkonzept eine echte Bereicherung, auch wenn sie eigentlich gar nicht bei uns heimisch ist. Denn bei der Gemeinen Nachtkerze handelt es sich um eine Pflanze aus der Neuen Welt. Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika, wo sie schon lange vor ihrer Entdeckung durch europäische Heilkundige eine indianische Heilpflanze war.

Im 17. Jahrhundert wurde Oneothera biennis schließlich auch in Europa eingeführt. Seither gedeiht sie auch in heimischen Gärten prächtig und wurde unter anderem zur Traditionsbepflanzung im Bauerngarten. Dort harmoniert sich die Nachtkerze wunderbar mit anderen, für den Bauerngarten typischen Prachtstauden wie

Überhaupt macht sich Oenothera biennis gut in Kombination mit anderen Blühpflanzen, weshalb die Blütenstaude auch gerne im Blumengarten gepflanzt wird. Hier bietet sich beispielsweise eine Kombinationspflanzung aus Gemeiner Nachtkerze und Sonnenbraut, Spornblumen oder Feinstrahl (Einjähriges Berufkraut) an. Eine schöne Idee ist die Gewöhnliche Nachtkerze auch für den Naturgarten. Da sie sich im Laufe der Jahrhunderte sehr gut ans mitteleuropäische Klima gewöhnt hat und bis zu -34 °C winterhart ist, verwildert die Nachtkerzenart relativ leicht. Sie ist deshalb längst ein fester Bestandteil unserer natürlichen Wildflora. Hier, ebenso wie in Blumenbeeten und Rabatten, dient die schöne Heil- und Zierpflanze als Nützlingsweide. Sie ist also auch für Bienen, Hummeln und andere nützliche Garteninsekten ein wahrer Segen.

Gemeine Nachtkerze – Standort und Aussaat

Die Gemeine Nachtkerze bevorzugt einen sonnigen, trockenen, humus- und nährstoffarmen Boden. Auch ein guter Kalkgehalt des Bodens ist wünschenswert, wenn die Nachtkerze gut gedeihen soll. In ihren natürlichen Verbreitungsgebieten ist sie maßgeblich an kiesigen Wegrändern, in Kiesgruben, Steinbrüchen sowie auf Schotter- und Sandbänken zu finden. Das Standortsubstrat im Garten sollte deshalb sandig-lehmig oder kiesig-lehmig sein. Der optimale Boden-pH-Wert liegt mit 6,5 bis 7,5 Punkten im neutralen Bereich.

» Tipp: Die Gewöhnliche Nachtkerze kann auch im Topf gepflanzt werden. Hier empfiehlt es sich, Kräutererde als Bodensubstrat zu nehmen und diese mit 30 Prozent Sand zu mischen.

➔ Anleitung zur Aussaat in 3 Schritten

1. Schritt:
Da die Gewöhnliche Nachtkerze sonnige und warme Standorte bevorzugt, bietet sich eine Aussaat von Spätfrühling bis Hochsommer an. Wählen Sie am besten einen Termin nach den Eisheiligen, um sicher zu stellen, dass nach der Aussaat kein Bodenfrost mehr droht. Wenn Sie beabsichtigen, die Wurzeln der Pflanze zu ernten, sollte die Aussaat nicht zu spät im Sommer erfolgen, damit sich die Rhizome vor der Ernte gut entwickeln können.

2. Schritt:
Graben Sie den Standortboden im Freiland vor der Aussaat gut um und bringen Sie für einen verbesserten Wasserablauf eine Bodendrainage ein. Auch Töpfe sollten Sie vor der Aussaat ausreichend drainieren. Wählen Sie hier ein Pflanzgefäß, in dem der Wurzelballen der Pflanze bequem Platz hat. Das Substrat selbst sollte mit Sand oder Kies optimiert werden.

3. Schritt:
Nachtkerzen sind Lichtkeimer. Die Aussaat der Nachtkerzensamen erfolgt daher in einer Saattiefe von maximal 1 bis 2 cm. Drücken Sie das Saatgut nur leicht an und halten Sie es danach gut feucht. Nach etwa drei bis vier Wochen sollten die Samen dann gekeimt haben. Vereinzeln Sie die Jungpflanzen dann auf einen Abstand von 30 bis 40 cm.

Gemeine Nachtkerze – gießen und düngen

Da Oneothera biennis gerne an trockenen Standorten steht, machen ihr kurze Trockenphasen nichts aus. Lediglich bei länger andauernden Trockenphasen muss im Freiland gegossen werden. Achten Sie hier aber darauf, Staunässe zu vermeiden. Topfkulturen müssen häufiger gegossen werden. Gießen Sie hier immer nach, sobald der Oberboden ausgetrocknet ist.

Auch in Sachen Düngung ist die Gemeine Nachtkerze nicht besonders aufwändig. Weil ihr karge Freilandstandorte am liebsten sind, ist eine Düngung im Beet selten notwendig. Im Topf reicht es aus, die Pflanzen zwei bis vier Wochen vor der Blüte mit einer Handvoll Kräuterdünger zu versorgen. Alternativ können sie auch Komposterde oder Hornspäne verwenden.

Gemeine Nachtkerze – schneiden und vermehren

Gemeine Nachtkerze gedeiht auch ohne Schnittmaßnahmen sehr formschön. Wollen Sie Oneothera biennis als Schnittblume für Sträuße verwenden, entnehmen Sie einfach während der Blütezeit – von Juni bis September – ein paar schöne Exemplare der Blütentriebe. Daneben können gelegentliche Schnittmaßnahmen die Vermehrungs- und Blühgewohnheiten der Pflanze beeinflussen.

➔ Sommerschnitt

Wer eine Selbstaussaat der Gemeinen Nachtkerze vermeiden möchte, sollte nach der Blüte welke Triebe ausschneiden, ehe die Fruchtreife eintritt. Auch kann das Entfernen abgeblühter Triebe die Blütezeit verlängern und eine Zweitblüte befördern

➔ Rückschnitt

Oneothera biennis wird bei uns meist ein- bis zweijährig kultiviert. Damit die Pflanze im zweiten Standjahr noch einmal kräftig nachtreibt, empfiehlt sich ein bodennaher Rückschnitt vor der Vegetationsphase. Kürzen Sie die Pflanze also am besten gegen Winterende (im Februar) ein und belassen Sie welke Pflanzenteile bis dahin als leichten Winterschutz an der Pflanze.

Im Herbst bildet die Gewöhnliche Nachtkerze kleine Kapselfrüchte aus, die sich auch ohne das Zutun des Gärtners im Freiland verbreiten. Wer eine kontrollierte Aussaat zur Vermehrung wünscht, kann das Saatgut von der Pflanze absammeln und es anschließend wie gewohnt in Anzuchttöpfe aussäen. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Gemeine Nachtkerze durch Wurzelteilung zu verjüngen. Dadurch lässt sich die Lebensdauer der Staude eventuell sogar über zwei Jahre hinaus verlängern.

Gemeine Nachtkerze – Krankheiten und Schädlinge

Es gibt ein paar Schadbilder, die der Gemeinen Nachtkerze das Leben schwer machen können. Hierzu zählt zum Beispiel Falscher Mehltau. Er tritt meist als Folge eines zu feuchten und kühlen Standorts auf und lässt sich durch mehlig weißen Belag an der Blattunterseite der Nachtkerzen erkennen.

Auch Erdflöhe vergehen sich gelegentlich an der Pflanze. Dabei handelt es sich eigentlich gar nicht um „Flöhe“, sondern um kleine, blauschwarze oder dunkelgrüne Blattkäfer. Allerdings legen die Weibchen ihre Eier gerne in Erdlöchern um die Pflanzenwurzeln ab, die den Larven später als Nahrungsquelle dienen. Oberirdisch erkennt man einen Befall an siebartigen Fraßlöchern in den Pflanzenblättern.

Gegen Falschen Mehltau, ebenso wie gegen Erdflöhe, können Sprühungen mit verschiedenen Lösungen und Jauchen helfen. Beispielsweise lässt sich Falscher Mehltau gut mit Milch-Wasser-Lösungen behandeln. Darüber hinaus sollte die Pflanze künftig einen sonnigeren und trockeneren Standort bekommen. Der ist auch wichtig, um Wurzelfäule vorzubeugen. Ist die Staude einmal betroffen, lässt sie sich kaum noch retten und muss ggf. entsorgt werden.

Bei Erdflähen haben sich Pflanzenjauchen aus Knoblauch, Zwiebeln, Wermut oder Rainfarn bewährt. Außerdem hilft eine Bestäubung der Pflanzen mit Algenkalk. Da die Gemeine Nachtkerze ohnehin sehr kalkliebend ist, macht ihr die Kalkbehandlung auch nichts aus.

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